„Ich bin ein Narr – holt mich hier raus!“
ECV-Prunksitzung glänzte mit Tanz- und Showdarbietungen und witzigen Reden

Amüsant war die Fahrt auf der „MS Zuckerschnude“.

Nach dem erfrischenden Eröffnungstanz der Miniprinzengarde unter der Leitung von Gabi Hampel, Janine Reuter und Marlis Flöck betrat Vize-Sitzungspräsident Markus Molitor in seiner historischen „Ausscheller“-Uniform die Bütt. In seinem gereimten Rundumschlag bekamen alle prominenten Bundespolitiker ihr Fett weg. Recht gnädig ging er hingegen mit der Kommunalpolitik ins Gericht.

Die fehlende Drogerie, die schon länger fehlende Halle, der kommunale Rettungsschirm und der städtische Schuldenabbau waren Themen. „Der Kreppelkaffee der Senioren ist lang in Ellfeld Tradition, wo kostenlos für Aug und Ohren die ECV-Präsentation. Nun hat die Stadt kurzum beschlossen: Wir wollen dafür Spendengeld!“ Hier über’s Ziel hinausgeschossen! Wer das will, krieht von mir geschellt“, reimte Molitor mit Nachdruck.

Bürgermeister Patrick Kunkel, der mit einem „Rettungs“-Schirm auf die Bühne kam, nahm die städtische Sparpolitik selbst auf die Schippe. Kräftig unterstützt wurde er dabei von Assistentin Jutta Scholl, die im letzten Jahr mit ihm als „MOBStesse“ aufgetreten war, mangels Nachfrage nach dem „Mobilen Bürgerservice“ inzwischen aber wieder „abgeschafft“ wurde. Beide philosophierten über neue Einnahmequellen, beispielsweise durch „Sitzgebühren“ am Rheinufer oder Eintrittsgebühren zum Friedhof, wo „Agent Bleul“ Führungen anbieten soll unter dem Motto „Ein Platz für Sie.“ „Dass die Stadt sich so auf den Arm nehmen kann, finde ich eine tolle Sache“, kommentierte Sitzungspräsident Matthias Bleul, der wieder unermüdlich mit kessen Sprüchen und witzigen Reimen durch die Sitzung führte und den ganzen Abend lang moderierte, lobte, begrüßte, dankte und anfeuerte. Er stellte zahlreiche Gäste persönlich vor, nannte die vielen Helferinnen und Helfer, die an diesem Abend hinter den Kulissen im Einsatz waren, und andere, die schon seit Monaten am Vorbereiten waren. Seinen Dank richtete er auch an den ECV-Vorsitzenden Jochen Bleul, der im Elferrat sitzt, und mit der ganzen Familie – in drei Generationen – auf und hinter der Bühne im Einsatz ist. „Er hält den ganzen Verein zusammen, und das ist nicht einfach“, betonte Bleul.

Reden und Sketche

Der Rheinadel, der sich wieder an seinem „Stammplatz“ am Weinprobierstand versammelt hatte, ist nun auch in die Jahre gekommen. „Früher haben wir uns Urlaubsfotos gezeigt, wenn wir uns besucht haben, heute zeigen wir uns die Röntgenaufnahmen.“ Das Trio – Ernst Charisse, Horst Haas und Andreas Michel – machte allerlei Witze über sich selbst, über Ehe, Liebe, Schwiegermütter und andere Naturgewalten. Auch der ein oder andere Hinweis auf die Kiedricher fehlte nicht – immer mit einem Augenzwinkern.

Erika Mager beklagte den Stand der „Weibsleut“, die es mit den Männern wahrlich schwer haben. Sie seufzte, weil ihr Ehemann sich nach anderen Frauen umdreht. „Dabei reicht sein Pulver schon zu Hause nicht mehr.“ Maximilian Wenz, inzwischen Medizinstudent, kam auch als solcher auf die Bühne. Er kam nicht allein, sondern mit einem Skelett, das er liebevoll „Angela“ nannte. Er berichtete, wie er seine anatomischen Kenntnisse beim Tranchieren der Weihnachtsgans angewendet hatte und kam schließlich zur Schilderung der stressigen Arbeit im Krankenhaus, wo man schon mal die Zahnprothesen der Patienten verwechseln kann. Seine sichere Diagnose für das Publikum: „Eins bleibt gesund beim ECV: Die Lachmuskulatur.“

Nicht durch den Kakao, sondern durch den Wein zog Professor Leo Gros die Politik und die Politiker, wie Bleul anmerkte. In seiner politisch-närrischen Weinprobe probierte und kommentierte er beispielsweise eine 2009er Koalitions-Cuvée „mit früher heftiger Gärung – und dann die reine Zucht.“ Oder: „Ein 1947er Hamburger Steinbrücke mit Ecken und Kanten.“ Unter den elf Weinen war auch ein 1954er Grüner Trittiner „Hat mit der Zeit an Statur gewonnen. Ausdrucksstark, hat Biss, stößt manchen jedoch sauer auf“, kommentierte Gros. Und abschließend befand er: „Es gibt immer weniger gute alte Reben, In der vino-politischen Landschaft ist Urgestein immer seltener, des raue Klima führt zu mehr Verwitterungsböden. Do is es dann schwierig mit der Bodenhaftung, es fehlt oft der Tiefgang. Da nutzt dann auch der beste Standortvorteil nix.“ Und ein guter Rat des Professors: „Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Abgeordneten oder die Meinungsforscher.“

Viele Redner kommen seit Jahren im Doppelpack und haben ihre Fangemeinde im Publikum, wie Roman Meth und Michael Reuter als „Johann und Josep“, oder auch Heinz Günther Haas und sein Enkel Yannick Haas, die sich in jedem Jahr ein neues Motto ausdenken. Diesmal kamen sie als „Jamaika-Kiffer“ – der Opa als Alt-68er mit Sprüchen wie „wer zwei Mal mit derselben pennt, gehörte zum Establishment.“ Yannick Haas beschloss den Auftritt mit dem Song von den „zehn kleinen Kifferlein.“ Zwar nicht im richtigen Leben, aber einmal im Jahr an Fassenacht sind Siegfried Schön und Max Meth „Opa und Enkel“ und geben allerlei amüsante Lebensweisheiten von Bütt zu Bütt von sich.

Als Duo seit mehr als zwei Jahrzehnten dabei und einer der Höhepunkte der Prunksitzung sind die „Tratschweiber“ Irmgard Schermer als „Berta“ und Irmgard Bleul als „Auguste“. Doch diesmal fehlte Berta. Sie musste in die Reha, wie man von „Doktor“ Markus Molitor erfuhr. In seinem Wartezimmer traf Auguste auf Lisbeth, die von Pia Richter gespielt wurde und sich bestens als „Ersatz-Tratschweib“ eignete. Die Dialoge hat, wie in jedem Jahr, Helga Simon geschrieben. Weniger angriffslustig als in früheren Jahren, doch geistreich und witzig kommentierten die Tratschweiber die Vorkommnisse in der Stadt. Dabei ist die fehlende Stadthalle in der Kernstadt ein Dauerbrenner. Alle Rednerinnen und Redner durften sich über ausgelassenes Lachen und den begeisterten Beifall des Publikums freuen.

Show, Musik und Tanz

Im Wechsel mit den Redebeiträgen präsentierten die Akteure phantastische Tanzdarbietungen, einfallsreiche Shows und Musikbeiträge. „Schulmädchen trifft Rocker“ war das Motto, das die ECV-Showtanzgruppe gewählt hatte. Die meisten der Tänzerinnen gehören auch zur rotweißen ECV-Garde, die zuvor schon einen flotten Gardetanz aufs Parkett gelegt hatte – einstudiert von Anika Daubner und Jennifer Ortiz, die auch beide auch mittanzen. Nachdem die Dance Kids unter der Leitung von Annika Daubner und Nathalie Marek „Samba-Feeling“ verbreitet hatten, steigerten sie die Begeisterung des jubelnden Publikums als Zugabe noch mit einem Tanz auf „Gangnam Style“. „Unsre Jugend, die ist spitze, tut nicht nur vorm PC rumsitze“, kommentierte Matthias Bleul den starken Auftritt. Ein besonderer Glanzpunkt war wieder einmal das Jungmännerballett „Die Schneggscher“ unter der Leitung von Mona Plum und Theresa Weinert, diesmal als Könige und Königinnen mit viel Show und viel Akrobatik. Eine Premiere als Duo war der Auftritt von zwei geheimnisvollen blauen Wesen, deren Identität erst anschließend gelüftet wurde: „Avatar“, Matthias Bleul mit seiner Tochter Theresa. Michael Bleul hatte den Tanz mit Bruder und Nichte einstudiert.

So bald die „Sektperlscher“ die Bühne betreten, reißen sie mit ihren Liedern und ihrer Show das Publikum mit. Auch diesmal glänzten sie mit mehrfachem Kostümwechsel und Liedern wie „Anita“ oder „Mama Loo“. Mitreißend war auch die Animationsgruppe, die sich unter der Leitung von Chefanimateur Horst Haas dem Orient verschrieben hatte. Zu dem Lied „Es sprach der Scheich zum Emir“ brachten sie den ganzen Saal in Bewegung. Schunkelstimmung mit Gesang und Keyboard verbreiteten die „Schoppepetzer“ Markus Molitor und Heinz Günther Haas. Mit „Rot und Gelb und Weiß und Blau“ besangen sie den ECV und animierten anschließend das Publikum zum Mitsingen mit dem Lied „Ach, Bobbelche, Bobbelche drück mich doch.“

Die „Zuckerschnude“ hatten ihr Schiff aufgebaut, mit dem sie auf große Fahrt auf den Rhein gingen. Mit schauspielerischem Talent und viel Komik setzten Belinda Höber, Birgit Meth, Ute Maurer und Pia Richter den Ausflug auf der MS Zuckerschnude um. Kurt Michael Schardt, Hahn im Korb, spielte seine Rolle als Schiffskellner so, dass man unwillkürlich an James, den Diener in „Dinner for one“, denken musste. Eine originelle Idee hatten Steffi Hulbert und ihre „Knallbonbons“ umgesetzt. Sie spielten Dschungel-Camp in der Variante „ECV“ nach – witzig vor allem für die vielen heimlichen Fans der Fernsehsendung, die diese Parodie in vollen Zügen genießen konnten. Publikumsliebling war offensichtlich Adrian Kirn als „Micaela“.

Urgestein und Rieslingsterne

Zwei Bonbons kamen wieder zum Schluss: ECV-Urgestein Siegfried Schön und das Männerballett „Rieslingsterne“. Siegfried Schön präsentierte seine Erkenntnisse als Altersforscher: „Wir alle haben eins gemeinsam: Wir werden alle älter. Nur die Frauen können das besser vertuschen mit Schminke, Schmuck, Ohrringen, Piercings …“ Es folgte ein Feuerwerk an Forschungsergebnissen, dargebracht in der unbeschreiblichen Schön’schen Art, die die Lachmuskeln heftig strapaziert, und die Erkenntnis: „Wichtig ist, dass man sich im Alter nicht hängen und ‚bambele’ lässt.“

Choreographin Bettina Post hatte für ihre Rieslingsterne das Thema „Boxenluder“ ausgewählt, das diese mit sagenhafter Grazie und Anmut umsetzten.

Die Tanz- und Showgruppen traten in aufwändigen Kostümen auf und ihre tänzerischen, schauspielerischen und musikalischen Leistungen wurden vom Publikum mit tosendem Applaus gefeiert. Zum großen Finale kamen noch einmal alle Akteure auf die Bühne, um sich von einem begeisterungsfähigen Publikum zu verabschieden.

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