„Die Nutzer bestimmen den infrastrukturellen Ausbau“

„Die Nutzer bestimmen den infrastrukturellen Ausbau“
Thema der Sondersitzung des Ortsbeirats Martinsthal war die geplante Errichtung eines Mobilfunkmasts

Michael Zieg von der Deutsche Telekom Technik GmbH war zur Sondersitzung des Martinsthaler Ortsbeirats gekommen.

Martinsthal. (mh) – Einziger Tagesordnungspunkt der Sondersitzung des Ortsbeirats Martinsthal war die geplante Errichtung eines Mobilfunkmasts durch die Telekom Tochter Deutsche Funkturm nördlich des Friedhofs. Um das Projekt vorzustellen, war Michael Zieg als Vertreter der Deutsche Telekom Technik GmbH anwesend und stand Rede und Antwort.

Zielsetzung der Sondersitzung ist es, wie Ortsvorsteher Hartmut Gläser (CDU) zu deren Einberufung er zur Begründung ausführte, zu dem geplanten Projekt größtmögliche Transparenz herzustellen. Zumal nach dem auf der Großen Hub errichteten Mobilfunkmast und der im Kirchturm befindlichen Anlage ein weiterer Mast nördlich des Friedhofs durch die Telekom Tochter errichtet werden soll.

Wie Zieg erklärte, sei aufgrund der steigenden Benutzerzahlen eine Verdichtung des Funknetzes in Martinsthal und Rauenthal erforderlich. Der Funkmast auf der Großen Hub, der ausschließlich Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben zur Verfügung stehe, sei nicht dazu geeignet, um von dort aus auch Rauenthal funktechnisch lückenlos abzudecken. Dies habe eine Prüfung ergeben.

Dass die Telefonie im GSM-Netz wie auch die Datenübertragung im LTE-Netz sowohl in Martinsthal wie auch in Rauenthal nicht lückenlos möglich ist und daher einer Verbesserung bedarf, machte Zieg anhand von Kartenmaterial deutlich.

Deutlich wies er darauf hin, „dass wir in früherer Zeit vorsorglich geplant haben, um den Leistungsbedarf sicherzustellen“. Um jedoch den inzwischen ständig steigenden Anforderungen gerecht zu werden, könne sein Unternehmen nur noch reagieren, „denn die Nutzer bestimmen nunmehr den infrastrukturellen Ausbau“. Wenn diese die Technik nutzen möchten, müssten sie auch die dazu erforderliche Infrastruktur akzeptieren. Für junge Leute sei dies, wie er sehe, offensichtlich kein Problem

Zu Martinsthal und Rauenthal hat die Telekom, wie er sagte, bereits 2017 die Stadt wegen der Suche eines Standorts für einen weiteren Mobilfunkmast angeschrieben. Dazu habe sie einen entsprechenden Vorschlag für einen Standort erhalten. Dieser befinde sich auf kommunalem Gebiet. Obwohl die Telekom auch privaten Standorten nicht abgeneigt sei, bevorzuge sie jedoch kommunale Standorte, „weil sie dann Gegenstand politischer Debatten sind“, so seine Begründung.

Grenzwerte

Ausführlich ging Zieg auf das Thema „Einhaltung von Grenzwerten“ ein. Diese werden von Fachgremien unter Einbeziehung weltweiter Erkenntnisse ermittelt und von der Internationalen Strahlenschutzkommission und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übernommen. Den Sicherheitsabstand zur Bevölkerung ermittle die Bundesnetzagentur für jeden Standort separat, reagierte Zieg auf die Frage eines Teilnehmers, „ob man den einen Funkmast so denn nahe an die Bebauung stellen müsse“.

Die Grenzwerte seien bereits in den 1990er Jahren in deutsches Recht übernommen worden. Dabei sei die untere Antenne maßgebend für die Ermittlung der elektromagnetischen Strahlungen. Viel intensiver als die Strahlung vom Mast, „die mit zunehmender Entfernung abnimmt“, sei das Handy direkt am Ohr. Dazu meinte eine Bürgerin, dass jeder über die Benutzung eines Handys entscheiden könne, während ein Funkmast ständig in Betrieb sei.

Zu den vielen, teilweise kritischen Fragen von Ortsbeirätin Corinna Diehl (CDU) führte Zieg unter anderem aus, dass die Antenne des geplanten Funkmastes eine Dimension bis 40 Meter haben werde. Grundsätzlich werde ein Mast nur so hoch gebaut, dass seine Reichweiter für die geplante Funkzelle ausreicht. Zu dessen Bau benötige die Deutsche Funkturm eine Fläche von cirka 10 Quadratmetern.

Zu ihrem Vorschlag, den Funkmast im Wald zu errichten wies Zieg darauf hin, dass dieser nicht zu weit weg vom Benutzer sein dürfe. Im Übrigen seien der Telekom von der Stadt keine möglichen Alternativstandorte mitgeteilt worden.

Deutlicher Widerstand gegen den vorgesehenen Standort des Funkmasts kam von Gregor Schwiebode, ehemaliger Ortsvorsteher. Er habe zwar nichts gegen den Mast, aber es gebe dafür auch freie Flächen, „die nicht in unmittelbarer Nähe der Bebauung vorhanden sind“. Von dem neuen Funkmast profitierten vor allem die Pendler auf der B260 und die Besucher des Orts. Seine Anmerkung, dass viele Martinsthaler über WLAN ins Internet gehen, konterte Zieg mit dem Hinweis, dass diese vermutlich auch Mobilfunkbenutzer sind. Werde der Funkmast am jetzt angedachten Platz gebaut, werde er dagegen Einspruch erheben, so Schwiebode.

Mobilfunk 5G

Die Mitteilung von Zieg, dass Funkmasten so geplant werden, dass sie später auch für 5G genutzt werden können, nahm ein Bürger zum Anlass, um auf den „etwas anderen“ Informationsfluss dazu im Ausland hinzuweisen. So denke man beispielsweise in einigen Schweizer Kantonen über ein Moratorium nach. Es gibt, fügte Schwiebode hinzu, dazu keine abschließende Erkenntnis über die Ungefährlichkeit von 5G.

Über 5G wird, wie Zieg sagte, ebenso wie bei jeder neuen Mobilfunkgeneration diskutiert. In der Schweiz sei die Diskussion besonders emotional, verwies er erneut auf die Grenzwerte der WHO. Einen wissenschaftlichen „Null-Beweis, dass etwas schädlich ist“, gebe es bisher nicht.

Er habe mit vielen Leuten im Ort gesprochen und sei dabei auf Probleme beim Telefonieren mit dem Smartphone hingewiesen worden, sprach Ortsbeirat Wolfgang Ernst (SPD) sich für die Errichtung des Funkmastes aus. Um in Zukunft einen lückenlosen Empfang zu ermöglichen, so Ortsbeirat Herrmann Gerich (BL), müsse der Funkmast relativ nahe am Ort stehen.

Am Ende der Debatte kündigte Zieg an, mit der Stadt über die Möglichkeit alternativer Standorte zu sprechen. Er hätte sich, wie er sagte, mehr Bürger und vor allem junge Leute an der heutigen Veranstaltung gewünscht. Deshalb nehme er den Hinweis auf die Ferienzeit „mit Erstaunen“ zur Kenntnis

Die Sondersitzung des Ortsbeirats endete ohne die Formulierung eines Beschlussvorschlags. Wie Gläser sagte, werde der Ortsbeirat sich in seiner nächsten ordentlichen Sitzung am 11. September auch mit diesem Thema befassen. Weil er die vorgetragenen Bedenken der Bürger ernst nehme, werde er im Austausch mit ihnen nach Vorschlägen zu Alternativstandorten suchen.

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