Die Rauenthaler Kirche im märchenhaften Licht

Nach langwieriger Turmsanierung setzten Stefan Geib und Torsten Hasenclever besondere Akzente

Auch in Corona-Zeiten werden Märchen wahr: Geib Events tauchte die Kirche in ein zauberhaft wechselndes Licht- und Farbenspiel.

Rauenthal. (chk) – Mehr als zwei Jahre war der Turm der Kirche St. Antonius Eremita von einem Gerüst umgeben und keine Glocke läutete mehr. Die Fertigstellung der aufwendigen und bedeutsamen Turmsanierung „feierte“ das Rauenthaler Unternehmen Geib Events Veranstaltungstechnik mit einer Illumination der ganzen Kirche. Für viele war es eine Überraschung, denn eine offizielle vorherige Ankündigung hatte es nicht gegeben, weil eine große Menschenansammlung vermieden werden sollte. Mit zauberhaften Farbspielen und wechselnden Lichtszenen schufen die beiden Geschäftsführer Stefan Geib und Torsten Hasenclever mit ihrem Team eine märchenhafte Atmosphäre – als Geschenk an die Rauenthaler und als ein von weitem sichtbares Zeichen.

„Was die Zuschauer angeht, hatten wir bislang nur positive Resonanz“, sagte Stefan Geib am Morgen nach dem etwa fünfstündigen Lichtspiel. Eine gewisse Anzahl von Menschen war stets auf dem Kirchplatz anwesend, doch die Corona-Abstände konnten jederzeit locker eingehalten werden. Einige kamen, weil es sich herumgesprochen hatte, andere entdeckten es im Vorbeigehen oder Vorbeifahren oder von ihren Fenstern aus. Auch wenn es vom Wetter her nicht so trocken war wie vorhergesagt, zeigten sich alle beeindruckt von dem Projekt. „Welch ein wunderbarer Lichtblick in diesen Zeiten!“ und ähnliche Ausrufe aus dem Publikum waren zu hören. Auch Stefan Geib und Torsten Hasenclever waren mit dem Ergebnis ihres „Non-Profit“-Projekts zufrieden, denn so wurde die Kirche noch nie in Szene gesetzt.

„Als ortsansässiges Unternehmen wollten wir unseren Teil dazu beitragen, den neu sanierten Kirchturm wieder in den Mittelpunkt der Bevölkerung zu rücken und neu erstrahlen zu lassen“, betonten Stefan Geib und Torsten Hasenclever. Die beiden Experten für Veranstaltungstechnik jeglicher Art präsentierten die ganze Palette der Lichttechnik, arbeiteten mit über 70 statischen LED-Scheinwerfern und 30 LED-Moving Heads. Dafür wurden über 800 Meter Steuer- und Stromleitungen verlegt, denn die Kirche war rundum illuminiert. Verschiedene Lichtszenen wechselten sich ab – mal in schnellen Übergängen, mal in ruhigen Farbspielen. Dabei wurden sanfte abstrakte Muster auf Teile der Kirche projiziert und durch wechselnde Innenbeleuchtung auch die Kirchenfenster in das Spiel eingebunden.

Die Dramaturgie der Illumination hatte vor allem Torsten Hasenclever entwickelt, während Stefan Geib sich um die technische Infrastruktur und Organisation gekümmert und die städtische Genehmigung eingeholt hatte. „Das lief ganz reibungslos mit der Stadt und auch unser Ortsvorsteher Matthias Klein hat das Projekt von Anfang an befürwortet“, lobte Stefan Geib.

Gravierende Risse im Turm

Die Kirche St. Antonius Eremita ist zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert erbaut worden. Der Turmhelm und das Dachwerk entstanden nach einem Brand im Jahr 1558. Der Kirchturm gehörte der Gemeinde und ist bei der Eingemeindung Rauenthals ins Eigentum der Stadt Eltville übergegangen. Ursprünglich sollte nur das Dach des Kirchturms eine neue Schieferdeckung erhalten, weil sich Schieferstücke gelöst hatten und zu Boden gefallen waren. Doch als das etwa 50 Meter hohe Gerüst im September 2018 aufgebaut war, wurden größere Risse im Mauerwerk offensichtlich. Die Stadt Eltville machte eine neue Ausschreibung, da von einem deutlich vergrößerten Umfang der Arbeiten auszugehen war. Im sogenannten Interessenbekundungsverfahren entschied sich die Stadt für das Ingenieurbüro Dr. Krause & Anastasiou aus Hannover, das auf Kirchenbauten und historische Gebäude spezialisiert ist. Seitdem ist der Architekt Constantin Anastosiou Ansprechpartner für die Stadt. Am Anfang habe er Überzeugungsarbeit leisten müssen, weil einige an dem Projekt Beteiligte der Meinung gewesen seien, es genüge, wenn man die Risse im Mauerwerk durch Spachteln verfülle. „Wenn man solche Risse nur retuschiert, kann es bald neue Risse geben“, sagt Anastasiou.

Insbesondere an den Fenstern habe man sehen können, dass die Risse im Mauerwerk durchgehend seien. „Der Turm war wie in Scheiben geschnitten und wenn solche Risse erst einmal entstanden sind, ist das Wachstum exponentiell“, sagt Anastasiou. „Wenn man solche Entdeckungen macht, ist man nicht der Beliebteste.“ Das Denkmalamt sei zunächst skeptisch gewesen hinsichtlich der notwendigen Sanierungsmaßnahmen, aber das Bauamt der Stadt Eltville habe von Anfang an die als notwendig empfohlenen Maßnahmen akzeptiert und unterstützt. Andernfalls sei der Kirchturm in absehbarer Zeit vom Auseinanderbrechen bedroht gewesen. Mit Bauamtsleiter Udo Späth habe man jederzeit gut zusammengearbeitet, ebenso mit der inzwischen zuständigen Bauamts-Mitarbeiterin Jutta Wilhelm, betont Anastasiou.

900.000 Euro für die Sanierung

Immer wieder gab es Fragen und Beanstandungen aus der Bevölkerung, warum das Gerüst so lange am Kirchturm verbleibe, obwohl nicht zu erkennen sei, dass dort gearbeitet werde. „Wir haben den Beschwerden der Öffentlichkeit standgehalten“, erklärt der Architekt, denn es sei kontinuierlich gearbeitet worden. Nachdem die spezialisierten Firmen gefunden waren, konnten immer nur zwei Handwerker in dem engen Turm gleichzeitig arbeiten. Auf sechs Ebenen wurden rundum Ringanker aus Edelstahl angebracht. „Die letzte Ebene liegt kurz über der Empore“, erläutert Jutta Wilhelm. „Darüber hinaus arbeiten wir nur mit Materialien, die Bestandteil des Turms sind“, versichert Constantin Anastasiou. Durch die Ringanker sei das Mauerwerk mechanisch verschlossen worden, aber die Risse von außen mussten noch mit dünnflüssigem Mörtel verfüllt werden. „So ein Turm wirkt massiv, aber es ist ein sensibles Gebäude“, versichert der Architekt beim Ortstermin am Dienstag und weist darauf hin, dass außen noch einzelne helle Spuren unter dem neuen Anstrich des Turms zu erkennen sind.

Für die gesamte Turmsanierung mit Schiefereindeckung habe die Stadt bislang rund 900.000 Euro Kosten brutto verausgabt, gab Jutta Wilhelm auf Nachfrage bekannt. Einige kleinere Nacharbeiten stehen noch aus, doch die Stadt wird deutlich unter den im Haushaltsplan veranschlagten Kosten bleiben. Kurz vor Weihnachten konnte das Gerüst abgebaut werden und die Rauenthaler haben ihren „schmucken“ Kirchturm und ihr lange vermisstes Glockengeläut wieder, denn auch die Glocken waren in der Sanierungsphase ausgebaut. Die Illumination am Sonntag war somit ein gelungener Abschluss der Sanierung und zugleich Auftakt für das stabile „Jahrhundert-Bauwerk“, in dessen Umfeld noch viele Feste gefeiert werden dürfen, wenn Corona überwunden ist.

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