Streit um Baumfällungen rund um Kloster Eberbach

NABU-Mitglieder beklagen Zerstörung der Naturlandschaft und mangelnden Artenschutz

Auch im Böschungsbereich der zu sanierenden L3320 wurden Bäume gefällt.

NABU-Mitglied Isa Lipp und weitere Mitstreiterinnen haben sich in den vergangenen Tagen bei Hessen-Forst und weiteren Behörden für einen Stopp der Baumfällungen rund um Kloster Eberbach eingesetzt, weil diese Arbeiten ihrer Beobachtung nach nicht mit dem Naturschutz vereinbar seien. Bei den Arbeiten in den westlichen und östlichen Hanglagen und am „Boss“ sei zu keiner Zeit der Artenschutz einbezogen worden.

„Es handelt sich hier in erster Linie um Fällungen im Rahmen der Verkehrssicherungpflicht“, erklärte Revierförster Gunnar Wippel in einem Telefongespräch mit dem Rheingau Echo bezüglich der vorgebrachten Beanstandungen der NABU-Mitglieder. „Auch Eichen werden geerntet, die Geld bringen sollen, denn es handelt sich um einen Wirtschaftswald“, erläuterte Wippel weiter, betonte aber, dass die Verkehrssicherungspflicht im Vordergrund stehe. „Wir sind verpflichtet, darauf zu achten, dass von herabstürzenden Bäumen keine Gefährdung des Straßenverkehrs ausgeht. Außerdem gibt es am Kloster Eberbach einen Waldkindergarten und es verlaufen hier mehrere Wanderwege, wie zum Beispiel der Rheinsteig und der Zuweg zum Rheinsteig.“ Viele der Kiefern und Lärchen seien abgestorben und man könne nicht das Risiko eingehen, dass Menschen zu Schaden kommen. „Wenn wir erkennen, dass an gefällten Bäumen Nistkästen hängen, bringen wir sie an Nachbarbäumen an.“ Die meisten gefällten Bäume könnten nicht vermarktet werden und sollen der Natur als Totholz zurückgegeben werden, erläuterte Gunnar Wippel. „Der Biokreislauf wird beschleunigt, aber wir machen keinen Kahlschlag.“ Jan Stetter, der Leiter des Rüdesheimer Forstamts, bestätigte die Aussagen des Revierförsters.

Auch gegenüber den NABU-Mitgliedern wurden diese Aussagen gemacht, was diese aber durch die Praxis widerlegt sehen. Trotz der Mitteilung, die Waldarbeiten seien beendet, werde weiter gefällt. Isa Lipp spricht von der Zerstörung einer einzigartigen Naturlandschaft und eines Erholungsraums. Die Bitte, auf die beginnende Amphibienwanderung Rücksicht zu nehmen, sei nicht gehört worden. Auch werde durch die Arbeiten der Lebensraum von Lurchen und allen weiteren dort bisher beheimateten Waldtieren und verschiedenen seltenen Vogelarten beeinträchtigt. Auch Bäume mit sichtbaren Spechtspuren hätten gefällt am Boden gelegen. Bereits am 27. Februar seien außerdem eine etwas 100 Jahre alte Linde und zwei Nussbäume im Kurvenbereich gefällt worden. „Auf Nachfrage wurde erklärt, dass die Baumfällungen erforderlich waren, um die Arbeiten zur Sicherung und Stabilisierung des Böschungsbereiches zu gewährleisten“, berichtet Isa Lipp.

Damit im Zusammenhang stehen die in der vergangenen Woche begonnen Straßenbauarbeiten zwischen Kloster Eberbach und Hattenheim. Dort soll die Straße in mehreren Bauabschnitten saniert werden. „In die Maßnahme wurde weder der NABU Rheingau einbezogen noch die Amphibienschutzgemeinschaft Kloster Eberbach, die von Patricia Deussen koordiniert wird,“ bedauert Isa Lipp. „Eine Integrierung von Amphibienquerungen in die Sanierungsmaßnahme im zweiten Bauabschnitt Richtung Hattenheim wurde leider nicht berücksichtigt, genauso wenig wie die zur gleichen Zeit beginnenden Amphibienwanderungen.“ In einem laufend aktualisierten Sachstandbericht hat sie mit ihren Mitstreiterinnen alle Vorgänge nach bestem Wissen und Gewissen dokumentiert und inzwischen verschiedene Institutionen und Behörden bis hin zu Ministerpräsident Volker Bouffier informiert.

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