„Virus schreibt das Drehbuch unseres Lebens“

KuTa zeigte „Ghost Notes“ von Jochen Schnepf / Nächster Termin: 22. Oktober

Filmemacher Jochen Schnepf gab eine Einführung in die „Ghost Notes“.

Rauenthal. (chk) – Zur Filmpremiere von „Ghost Notes“ begrüßte Stefanie Börner vom Team des Kultur- und Tagungshauses (KuTa) ein kleines Publikum, das nach den aktuellen Abstandsregeln im Saal Platz fand. Den Film hat Jochen Schnepf gedreht, Bildender Künstler, Medienproduzent und Mitglied der KuTa-Kulturgruppe. Der Film dauert nur 20 Minuten und ist ein eindrückliches Dokument der Corona-Zeit – insbesondere der Anfangsphase.

„Rauenthal als Spielort ist dabei beliebig austauschbar, ein Stellvertreter für tausende Orte, an denen sich dieselben Szenen abgespielt haben“, erklärte der Filmemacher in seiner Einführung. Er erinnerte daran, wie Corona immer näher rückte und am 11. März von der WHO zur Pandemie erklärt wurde. „Unvermittelt wurden wir aus unserem Alltag geworfen. Seitdem schreibt ein winziges Virus das Drehbuch unserer Leben.“

Jochen Schnepfs Film ist die musikalische und bildhafte Aufarbeitung dieser unwirklichen Krise. Beginnend mit „Echt jetzt?“, dem Lock Down, geht er mit seiner Kamera auf eine scheinbar endlose Fahrt durch die Hauptstraße von Rauenthal, wirft einen Blick in Schule, Kindergarten, Kirche, Gaststätten, auf den Sportplatz und den Weinprobierstand – alles menschenleer, auch der Saal des Kultur- und Tagungshauses, wo nur Jin Liang, Andreas Rimello, Jörg Dudys und Almut Schwab Geisterkonzerte mit klassischer Musik ohne Publikum geben. In sieben Kapiteln betrachtet der Film das Corona-Jahr, blendet kunstvoll Rezitationen und auch Bild-Elemente ein, die nicht unmittelbar zu Rauenthal gehören.

„Es geht um Schrecken, um Unsicherheit und Angst“, gesteht Jochen Schnepf. „Es geht aber auch um Zuversicht, um Mut und Menschlichkeit. Vielleicht geht es sogar um die eine oder andere dauerhafte Veränderung zum Besseren.“ Er freute sich, dass die Künstler des Filmes zur Premiere anwesend waren und sozusagen aus dem Film ins „Hier und Jetzt“ sprangen. Live spielten sie noch einmal die Stücke, die im Film angeklungen waren – und noch ein bisschen mehr.

Almut Schwab entlockte ihrem Akkordeon jazzige und klassische Stücke im Klezmer-Stil, Jin Liang spielte solo Eigenkompositionen auf dem Piano und begleitete ihren Mann, den Tenor Andreas Rimello, der ein Lied aus der „Winterreise“ von Franz Schubert interpretierte und dabei in die Rolle eines von enttäuschter Liebe geplagten Wanderers schlüpfte: „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.“ Zu dem nachfolgenden romantischen und traurigen Eichendorff-Lied „In der Fremde“, komponiert von Robert Schumann, hatte er eine außergewöhnlich fetzige Begleitung durch den bekannten Musiker Jörg Dudys auf der E-Gitarre. „Das ist eine Weltpremiere“, versicherte Andreas Rimello. Er konnte auch seine Frau Jin Liang noch überreden ihre Eigenkomposition „Eltviller Rosen“ auf dem Klavier zu spielen. „Ich wollte das eigentlich nicht“, betonte sie. „Als ich das Stück hier zum ersten Mal vor fünf Jahren gespielt habe, stand hier ein Steinway-Flügel.“ Für ihre Darbietung auf dem Klavier erhielt sie tosenden Applaus. Zum Abschluss spielten Jin Liang, Andreas Rimello, Jörg Dudys und Almut Schwab noch zwei Stücke als Quartett, die Hochstimmung im Publikum verbreiteten. Dazwischen hatte Jochen Schnepf noch den Kurzfilm „KuTa to go“ oder „Musik uff de Gass“ gezeigt, der so etwas wie eine Fortsetzung der Ghost Notes sein könnte, weil mit der „Straßenkultur“ Ende Mai der „Spuk“ zwar nicht ganz beendet, aber doch unterbrochen wurde und seitdem einige Lockerungen ins Land gegangen sind.

„Ghost Notes“ mit Rahmenprogramm – etwa 45 Minuten – wird noch einmal am Donnerstag, 22. Oktober, um 18.30 Uhr und um 20.30 Uhr gezeigt. Der Eintritt kostet 10 Euro. Da das Platzangebot begrenzt ist, ist eine vorherige Anmeldung über die Homepage www.kuta-rauenthal.de erforderlich.

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