„Wir alle zusammen sind der CMC“ / Premiere für „Halle für Viele“
Marienthaler Narren haben wieder ein Zuhause / Beste Stimmung auf der Baustelle / Abwechslungsreiches Programm

Immer wieder allerliebst anzusehen: Die kleinsten CMC’ler gewannen die Herzen der Zuschauer im Sturm.

Marienthal. (hhs) — Der Club Marienthaler Carnevalisten (CMC) richtete am Wochenende seine ersten beiden Fastnachtssitzungen in der neuen „Halle für Viele“ aus. Es scheint, als habe der Kraftakt dazu beigetragen, die Mitglieder noch enger zusammenrücken zu lassen. Wiederholt wurde das „Wir-Gefühl“ betont.

Die neue „Narrhalla“ ist noch lange nicht fertig – die langwierige Baugenehmigungsphase und zusätzliche Umplanungen wegen neuer Brandschutzbestimmungen hatte den Beginn der Bauarbeiten lange hinausgezögert. Doch auch wenn vieles noch provisorisch und unfertig wirkte, tat das doch der Stimmung keinen Abbruch.

Bereits zur Halbzeit der diesjährigen Kampagne berichtete CMC-Vorsitzender Thorsten Sandtner, dass der Verein im nächsten Jahr aufstocken und wegen der großen Nachfrage wieder vier Sitzungen anbieten werde. Neben der sehr gut angenommenen „Frühschoppensitzung“ am Sonntagnachmittag werde es dann zukünftig drei statt bisher zwei Abendveranstaltungen geben.

Vor der ersten Sitzung am Samstagabend hatte es bei Sandtner und seinen Mitstreitern noch viele Unsicherheiten gegeben, glich die Premiere doch einem Sprung ins kalte Wasser. Doch schnell hatte sich gezeigt, dass die Sorgen unbegründet waren und die erste Veranstaltung zur vollsten Zufriedenheit über die Bühne ging. Am Sonntag konnte Sandtner, der in Personalunion Vorsitzender und Sitzungspräsident ist, vermelden: „Nach dem gestrigen Abend kann nichts mehr schief gehen. Es wird auch heute sicher wieder eine tolle Sitzung.“

Gut fünf Stunden später konnte man dem CMC-Chef bestätigen: Er hatte nicht zu viel versprochen. Auch die Sonntagssitzung, die inhaltlich identisch mit der vorhergehenden Abendsitzung war, war zu einer tollen Sitzung geworden. Durchweg herausragend dabei die Tanzvorführungen – von den „Youngstern“ über die Garde, die „Blauen Engel“ und das Modeballett bis zum Männerballett beeindruckten die Tanzformationen durch einfallsreiche Choreographien und saubere Ausführung. Überzeugend auch die Ausgewogenheit von jungen Akteuren und „alten Hasen“, von Büttenreden und Sketchen – der CMC kann auf eine bunte Mischung bauen.

Starker Nachwuchs

Beim Nachwuchs gefielen bei ihren Debüts zwei junge Büttenredner aus altem Fastnachtsadel. Zunächst im Prolog Max Sandtner, der Sohn des aktuellen Vorsitzenden, später in seiner ersten Büttenrede Clemens Helget, der Enkel des langjährigen Vorsitzenden – beide erst elf Jahre alt.

Max ging auf die neue Halle ein, deren Aufbau unter dem Motto gestanden habe: „Viele Hände – schnelles Ende“. Sein Vater hatte ihm in den Prolog auch die Vereinsphilosophie getextet: „Wir alle sind der CMC“. Clemens Helget bewies anschließend in seiner souverän vorgetragenen Büttenrede, dass er einmal in die Fußstapfen von Großvater Reinhold und Vater Oliver treten kann. Explizit erinnerte Clemens an seinen Opa Reinhold, als er dessen legendäres Zitat gebrauchte: „So war’s immer gewesen, so wird’s immer sein“.

„Bei solchen Nachwuchs mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft des Vereins“, konnte Sitzungspräsident Sandtner schon früh bilanzieren. Gestützt wurde seine Zuversicht noch durch die junge Garde, die zu fetziger Popmusik die ersten – von vielen weiteren – Zugabe-Rufe auslöste.

„Klare Kante“ zeigte Protokoller Dietmar Schleiffer in seinem Rückblick. Für den langjährigen Vize des CMC steht derzeit die neue Halle im Mittelpunkt seines Engagements. Dennoch sparte er auch nicht an herber Kritik an der großen Politik in Berlin. Auf lokaler Ebene fand er hingegen lobende Worte für den zum Landrat gewählten Frank Kilian in seiner Funktion als Bürgermeister von Geisenheim. Dessen Nachfolger als Verwaltungschef von Geisenheim attestierte er umfassende Kenntnisse des Finanzwesens. Seine Jugend dürfe man Christian Aßmann nicht als Nachteil auslegen.

Beim Thema Pflänzerkirche und der unterstellten Absicht der Pfarrgemeinde, das Gelände als Bauland zu versilbern, zeigte sich, dass die Wunden noch nicht verheilt sind, die der erzwungene Auszug aus dem vormaligen katholischen Gemeindezentrum beim CMC gerissen hat.

Zauberhafte Hexen

Den Kontrapunkt zu Schleiffers kritischen Worten setzten dann die jüngsten Aktiven des CMC. Die „Youngster“ tanzten zu Filmmelodien aus Hexengeschichten – die Allerkleinsten zu „Bibi Blocksberg“, die etwas Größeren zu „Bibi und Tina“. Mit ihrer erfrischenden Darbietung ließen sie allen Groll und Unmut vergessen.

Herzerfrischend auch der Auftritt der drei „Newcomer“ – die so „new“ gar nicht mehr sind. Schon im Vorjahr hatten die drei jungen Damen einen lustigen Einblick in ihre Schulzeit gegeben. Auch in diesem Jahr entlockten sie Anja Eifler so manchen Seufzer. Die neue zweite Vorsitzende des CMC gab souverän die am Nichtwissen verzweifelnde Lehrerin. Besonders viel Heiterkeit lösten die Diskurse zum Thema Sexualkunde aus.

Dem frischen Auftritt folgte ein altgedienter Fastnachter beim CMC. Leo Lichtenecker, wie immer begleitet von seiner roten Gitarre darüber, freute sich gesanglich, dass der CMC in den eigenen vier Wänden feiern könne. Was das mit der aus dem Stall verschwundenen Wutz zu tun hatte, über die Lichtenecker anschließend sinnierte, erschloss sich dem Zuhörer allerdings nicht mehr.

Über divergierende Interessen bezüglich der Urlaubsgestaltung berichtete Sarah Korn – auch sie trotz ihrer Jugend schon ein „fester Bestandteil unserer Rednerschar“, wie Thorsten Sandtner lobte. Die junge Büttenrednerin überraschte dabei mit dem Wunsch, statt mit ihren Eltern in die Türkei zu verreisen, lieber auf einem der zahlreichen Oktoberfeste im Rheingau zu feiern.

Auf einen Urlaub hatten sich auch die „Golden Girls“ der reiferen CMC-Generation gefreut. Als aber selbst der attraktive Fitness-Trainer angesichts der Problemfiguren der Damen Reißaus nahm, half nur noch Selbstironie. Grandios der Song „Zellulite“, in dem die „Girls“ musikalische Anleihen beim Italohit „Felicita“ nahmen. Mit diesem durch und durch sympathischen Auftritt der CMC-Damen ging es in die Pause.

Mit Spaß dabei

Dass beim CMC der Spaß im Vordergrund steht, bewiesen auch die zahlreichen Auftritte der zweiten Programmhälfte. Das zeigten – bei aller Professionalität ihres fetzigen Tanzes – gleich die „Blauen Engel“. Wie schon zuvor die junge Garde hatten auch diese Tänzerinnen Popmusik als Grundlage für ihren Tanz ausgewählt. Die Zeit der Marschmusik scheint beim CMC vorbei zu sein. Am begeisterten Applaus des Publikums war zu erkennen, dass dem selbst ältere Besucher nicht mehr nachtrauern.

„Sich selbst nicht bierernst nehmen“ schien auch die Prämisse der Elferratsnummer zu sein, die in diesem Jahr mit überraschenden Wendungen gespickt war und einer der besten Auftritte dieser Truppe der letzten Jahre werden sollte. Als Aufhänger diente das im kommenden Jahr anstehende 50-jährige Jubiläum des CMC. In Anlehnung an die unsäglichen Shows im Fernsehen gab es dazu ein „Jubiläumscasting“. In einem Parforceritt durch die klassischen Fastnachtsrollen gab es mehr oder – meist weniger – gut gelungene Protokolle, Büttenreden, Tanzvorführungen von Männer- bis zum klassischen Ballett. Selbst ein Prinzenpaar hatte die lustige Truppe aufgeboten. Das Ganze entwickelte sich zur originellen Persiflage auf verstaubte Fastnachtsrituale – und wurde vom närrischen Auditorium mit reichlich Applaus bedacht.

Dass aber auch die klassischen Büttenreden ihre Berechtigung haben können – wenn sie gut gemacht sind – bewies Udo Stenz. Selbst Uralt-Gags brachte der Kölnimport des CMC so pointiert, dass man einfach mitlachen musste. Als „Blödmann“ angekündigt bewies Stenz, dass „saublöd“ durchaus auch „saugut“ sein kann.

Mode-Variationen

Zu einem optischen wie tänzerischen Glanzpunkt des CMC-Programms entwickelte sich einmal mehr das Modeballett. Wenn es auch zahlenmäßig nicht mehr ganz an die früheren Jahre heranreicht, bewies das attraktive Sextett um Tina Baier doch wieder einmal choreographischen Einfallsreichtum.

Erfahrungen mit Mode in einer ganz anderen Art machten im Anschluss Annette Gietz und Sabine Brunk. Urkomisch berichteten die beiden Komödiantinnen von ihrem Ausflug in die Pariser Modeszene. Als „Sünde pur – aber in big size“ mischten Gietz und Brunk die Mager-Modelszene auf. Man darf sich schon freuen, wenn die beiden – wie angekündigt – im nächsten Jahr bei „Victoria’s Secret“ in Unterwäsche und mit Flügeln geschmückt als Engel über den Laufsteg in New York wandeln. Die Generalprobe jedenfalls ging gründlich schief – und bei Akteurinnen wie Zuschauern fand das Lachen kein Ende.

Weniger unter modischen Gesichtspunkten als unter kreativen Aspekten wurde der Auftritt des Männerballetts zu einem weiteren Höhepunkt des närrischen Programms. Dank einer geschickten musikalischen Auswahl mit Klassikern von Queen bis Grönemeyer schlug die Stimmung von Anfang an hohe Wellen. Eine überraschende bis athletische Choreographie rundete die Vorführung ab, die CMC-Chef Thorsten Sandtner zu der anerkennenden Aussage bewog: „Das habt Ihr klasse hinbekommen“. Das Publikum bestätigte die Einschätzung des Chefs mit stehenden Ovationen. Bei diesem Auftritt kam den jungen CMC’lern die ganze Höhe der neuen Halle zugute; eine vergleichbare „Luftnummer“ wäre im alten Gemeindezentrum unmöglich gewesen.

Klassiker zum Ausklang

Nach dem jüngsten Helget-Spross zu Beginn der Fastnachtssitzung folgte nun zum Ende Papa Oliver Helget. In gewohnt souveräner Rhetorik geriet sein Beitrag über die sich wandelnde Rolle des Mannes im Lauf der Geschichte allerdings in Teilen konfus und damit auch zu lang. Man hat Helget schon deutlich besser gesehen.

Zahlenmäßig abgespeckt hat die vormalige Combo Infernale, die traditionell ins Finale überleitete. Geschrumpft auf ein Duo aus Thorsten Sandtner und Andi Klein ging doch einiges an musikalischer Vielfalt verloren, auch wenn die Hausband „Lollipops“ unterstützend eingriff. Doch spätestens beim großen Finale war auch dieses Manko vergessen und Sandtner und seine Mitstreiter durften sich mit dem Beifall des Publikums die Bestätigung holen, dass die Heimkehr nach Marienthal geglückt ist und der CMC in seinem neuen Domizil einer zwar noch arbeitsreichen, aber erfolgreichen Zukunft entgegengeht.

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