Der CMC stiftet Heimat
Glanzvolle Feier zum 44. Geburtstag / Nicht vergessen: Wasserhahn zudrehen!

Bürgermeister Frank Kilian (r.) hatte für Thorsten Sandtner einen der beliebten Umschläge mitgebracht.

Marienthal. (sm) – „Angels“ hieß das Lied, das Julia Keidl zum Auftakt der großen 44-Jahrfeier des Clubs Marienthaler Carnevalisten zur Gitarre sang. Julia hat zwar laut Veranstaltungsmoderator Michael Gamisch viel von einem Engel, aber die Charakterisierung der CMC-Veteranen reicht eher von „mittelalterlicher Narr bis zeitloses Teufelchen“. Die Figur des Narren war der rote Faden, an dem Gamisch sich orientierte.

Mit einem roten Teppich vor dem Vereinsheim und strahlendem Sommerabendwetter begrüßten die Marienthaler Narren am Samstagnachmittag ihre zahlreichen Gäste, darunter Ehrenkappenträger, Ehrenmitglieder und sieben Gründungsveteranen. Die Geisenheimer Feuerwehr war gekommen, aus Stephanshausen „Bärenherz“, und natürlich jede Menge Vertreter der Kommunalpolitik sowie CMC-Ehren- Haus- und -hofmusikant Albert Dormann. CMC-Ballettratten standen im Vereinsheim mit Sekttabletts Spalier, für die Feier hatte man das Außengelände prächtig hergerichtet, die Bar aktiviert, eine Bühne aufgestellt. Michael Gamisch dankte der evangelischen Pfarrerin Ulla Schneider und Franziskaner-Pater Bernhold für den stimmungsvollen Gottesdienst im Marienthaler Kloster, Anja Eifler für dessen Organisation, Dr. Christopher Klein und Nadine Templin für die Musik.

„Als der CMC 1969 im Gutsausschank Rosenhof gegründet wurde, ahnte keiner, was mal daraus werden würde“, sagte Thorsten Sandtner, und weiter: „Anfangs wurden wir belächelt, dann ein bis heute nicht wegzudenkender Teil des Ortslebens, mit Jugend- und Seniorenarbeit. In den 70er Jahren bin ich mit meinem Vater zu den CMC-Veranstaltungen gedapscht und freute mich, wenn dabei ein Cappy O-Saft für mich abfiel.“ Das zwischen 1980 und 1983 erbaute Clubheim sei „ein Denkmal der ehrenamtlichen Arbeit“. Fünf Tanzgruppen zeugen von der Qualität der CMC-Jugendarbeit, aber die kulturell-soziale Arbeit erstreckt sich über alle Generationen. So veranstaltet oder veranstaltete der Club Marienthaler Carnevalisten Herbst-, Frühlings-, Dorf- und Seniorenfeste, Senioren-Cafés, die Après-Ski-Party, die Walpurgisnacht und andere Highlights. Der amtierende Erste Vorsitzende Thorsten Sandtner schloss seine kurze Rede mit dem Dank an alle Mitglieder, Aktive, Helfer, den Vorstand, Sponsoren und Förderer. Nur vier Erste Vorsitzende hatte der CMC in den 44 Jahren, durchschnittlich waren sie also alle närrische elf Jahre im Amt: Christoph Homp, Reinhold Helget, Helmut Kohmann und Thorsten Sandtner.

Dr. Christopher Klein, der selbst 38 Jahre lang auf der CMC-Bühne stand, hielt die offizielle Laudatio: „Ich repräsentiere das Akademische an der akademischen Feier, das trockene Brötchen“, begann er, aber die Gäste empfanden seine witzige, leise ironische, nachdenklich stimmende Rede als überhaupt nicht trocken. Klein erinnerte an die Bauzeit des Clubheims, als man das Wasser aus dem Keller pumpte. Der sei danach immer schön trocken gewesen. „Bis vor ein paar Tagen. Da kam ich hier an und dachte, oh wie nett, ein Flohmarkt! Das Gelände stand voll mit dem zum Trocknen raus gebrachten CMC-Inventar, denn irgendjemand hatte den Wasserhahn offen gelassen und den Keller geflutet.“

Marienthal, so betonte nicht nur Klein, sondern auch andere Grußredner, sei immer ein sozialer Schmelztiegel gewesen, von den 50er Jahren, als Kriegsflüchtlinge hier eine Bleibe fanden, in den 70ern, als viel Bauland zu vergeben war, bis heute. Der CMC sei nicht nur ein Beispiel für Generationenvielfalt, sondern auch für gelungene Integration, denn alle, von Heimatvertriebenen über „Haargeloffene“ bis zu den heutigen Neubürgern, habe man mit einbezogen. Der Zusammenhalt sei nicht mit dem in normalen Bürgerinitiativen oder Interessengemeinschaften zu vergleichen, die wieder auseinanderdriften, wenn der Zweck erfüllt ist. „Warum geht ein Mann, der sich vielleicht zu Hause vor der Gartenarbeit drückt, ins Vereinsheim um dort den Rasen zu mähen?“, fragte Dr. Klein. Der Mensch sei nicht so altruistisch, wie es oft scheine, bei einer guten Tat sei immer Eigennutz dabei. Der hieße in diesem Fall: In den Genuss des Gemeinschaftsgefühls kommen. Vereine bieten eine Gemeinschaft, die Heimat stiftet, nicht „heimattümelnd“, sondern ganz konkret erlebbar. Ein Verein schult die soziale Kompetenz vom Kindesalter an, man lernt, sich mit dem anderen zu arrangieren, ihn zu respektieren oder ihn ganz einfach nur „auszuhalten“. In Zukunft, so resümierte Dr. Klein, werde die eingeschlagene Richtung weiter dahin gehen, dass Menschen immer speziellere Interessen haben, aber weniger Zeit dafür. Das habe zur Folge, dass viele Vereine keine Freiwilligen mehr finden, sondern professionelle Geschäftsführer einstellen müssen, damit nicht länger Solidargemeinschaften sind, sondern Dienstleistungsbetriebe. „Die Alten sind oft Blockierer im Vereinsleben“, brachte Klein es ehrlich auf den Punkt, und zitierte in Hinblick auf den Nachwuchs Pearl S. Buck: Die Jugend soll ihre eigenen Wege gehen, aber ein paar Wegweiser können nicht schaden. Der Laudator hatte einen solchen Wegweiser für die CMC-Vereinsjugend mitgebracht und überreichte ihn der kleinen Patricia mit den Worten „Lies doch mal vor, was drauf steht!“ „Nicht vergessen – Wasserhahn zudrehen!“, buchstabierte die Kleine zur großen Heiterkeit der Festgäste.

So viele Worte, egal wie unterhaltsam, strengen an, daher war der folgende Programmpunkt willkommen. Das CMC-Modeballett trat mit einer zauberhaften, musikalischen Zirkus-Pantomime auf, Titel „Die Psycho-Clowns“, den Zirkusdirektor mit Frack und Zylinder mimte CMC-Bauernwehr-Mitglied Michael Gamisch. Für die selbst kreierte Choreographie des phantasievollen Tanzes gebührt dem Ballett ein großes Lob.

Ex-Bundesverteidigungsminister und CMC-Ehrenmitglied Dr. Franz-Josef Jung erinnerte an die unzähligen glanzvollen Auftritte des Marienthaler Fastnachtsvereins beim Hessentag, und brachte seinen Glückwunsch zum 44-jährigen Jubiläum in Versform dar. „Seit 44 Jahren lebt ihr Heiterkeit, seid zu jedem Spaß bereit.“ In der Politik in Berlin reize vieles zum Lachen, zum Beispiel die Flughafeneröffnung „oft verschoben, in der Zeit hat der CMC längst abgehoben.“

Bürgermeister Frank Kilian ist überzeugt: „Es gibt im ganzen Rheingau keinen Ortsteil, der so von einem einzigen Verein geprägt ist wie Marienthal vom CMC.“ Weiter feixte er: „Und jetzt kriegen wir vom CMC sogar noch die Stadtkass’ gefüllt, wartet mal auf die Wasserabrechnung!“ Hans-Walter Klein, Geisenheimer FDP-Fraktionsvorsitzender und stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher, hatte etwas Ethnologisches zu vermerken: In Afrika ist es Usus, dass Stammesfürsten ihre Reden auf einem Bein stehend halten, in dem Moment, wo sie mit dem anderen den Boden berühren, ist Schluss. Dementsprechend kurz war seine Grußrede, die folgenden Redner hielten sich an das afrikanische Rezept: Stefan Worm vom GKC brauchte kein Mikrofon, um eine launige Büttenrede zu halten: „4 x 11 Jahre CMC ach Gottche wie is des schee! Schwer ist’s für die and’ren alle, mit euch Schritt zu halle!“ Der Vorsitzende des KGL und Heimatvereins, Dr. Herbert Zender, ließ in seiner Rede trockenen Humor anklingen. „Ich werd’ bald 80, oft sagen die Leut’, ach, das ist aber ein schönes Alter – ich weiß nicht, was daran schön sein soll. Aber 44, das ist wirklich bestes Mannesalter.“ Für den JCV gratulierte der frisch gewählte Erste Vorsitzende Volker Prinz. Der nächste Redner ließ die Stimmung überschwappen. „Jetzt ist’s vorbei mit den Akademikern, jetzt kimmt en Aulhausener“, begann Gerd Brömser, Sitzungspräsident des ACC, und vergaß völlig, die Gäste zu begrüßen. Bürgermeister Kilian versprach er noch mehr Geld für die Stadtkasse, denn: Bei der kürzlichen 100-Jahrfeier des JCV seien er und seine Begleiter im Johannisberger Grund geblitzt worden, jetzt wieder auf der Straße von Geisenheim nach Marienthal. Helga Lukic vom VdK Geisenheim, selbst lange Jahre CMC-Aktive, beschloss den Reigen der Grußreden mit einer herzlichen Ansprache und viel Lob für den legendären Marienthaler Club. Danach trat die aus Thorsten Sandtner, Andreas Klein, Günter Faust und Thomas Mendra bestehende Musikband „Combo Infernale“ auf. Der Festabend, verschönert durch perfekte Sommerabendtemperaturen, ging noch bis spät in die Nacht weiter, mit der gewohnten Gastfreundschaft des CMC, mit Getränken, Snacks und viel Stimmung.

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