Erster Preis für 2nd One

Finale der Drink Innovation Challenge 2022 der Gründungsfabrik Rheingau

Die fachkundige Jury kürte in einem engen Rennen das Siegergetränk.

Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte der Hochschule Geisenheim hatten Studierende, Alumni und Mitarbeitende der Hochschule und der EBS Universität für Wirtschaft und Recht im Rahmen eines Wettbewerbs die Chance, ein innovatives, nachhaltiges und alkoholfreies Getränk zu entwickeln und diese Idee dann zu realisieren. Möglich machte das die Drink Innovation Challenge 2022 der Gründungsfabrik Rheingau mit Unterstützung großer Partner aus der Getränkeindustrie und dem Innovationsnetzwerk. Gestartet war die Drink Innovation Challenge 2022 (DIC 22) schon im März mit dem Aufruf „Your Drink comes true!“. Wie das Motto schon andeutet, sollte eine Idee nicht nur gesponnen, sondern auch umgesetzt werden. Als Hauptgewinn winkten attraktive Preisgelder und die Möglichkeit, das Siegergetränk im Rahmen der Feierlichkeiten um das 150-Jahre-Jubiläum des Lehr- und Forschungsstandorts Geisenheim und des EBSpreneurship Forums 2022 in einer größeren Menge zu präsentieren und auszuschenken. Um allen Teilnehmenden die gleichen Chancen zu bieten, die Getränkeidee nachhaltig aufzustellen und vor allem technisch realisierbar zu machen, boten die Innovations-Scouts der Gründungsfabrik einen Nachhaltigkeitsworkshop sowie eine Machbarkeitsanalyse für alle Interessierten an. Bei beiden Veranstaltungen zeichnete sich schon ab, dass vielfältige und kreative Ideen sprudeln würden. Und so wurden zum Stichtag am 1. Juni insgesamt zwölf Ideenskizzen von Angehörigen beider Hochschulen eingereicht. Um diese Arbeit und den Mut zu belohnen sowie zu unterstreichen, dass keine Idee „überflüssig“ ist, stand bereits vor dem Finale fest, dass alle Einreichungen neben der Chance auf einen der drei ausgelobten Preise zumindest einen Gutschein für ein Wein- und Sektseminar der neuen Rotkäppchen-Mumm Academy erhalten.

Sechs Ideen im Finale

Klar war zunächst auch, dass nur fünf Ideen für den Final-Pitch eingeladen werden sollten. Ausgewählt wurden die Finalistinnen und Finalisten – nach Prüfung der generellen Machbarkeit am Getränketechnologischen Zentrum der Hochschule Geisenheim – auf Basis der eingereichten Ideenskizzen durch die Wettbewerbsjury, die aus Branchenvertreterinnen und -vertretern, Studierenden beider Hochschulen und Prof. Dr. Moritz Wagner, Professor für nachhaltigen Ressourceneinsatz und Stoffstromanalysen bei Sonderkulturen an der Hochschule Geisenheim, bestand. Wie dicht die Konkurrenten beieinander lagen, zeigte sich daran, dass wegen einer Punktgleichheit am Ende sechs statt der geplanten fünf Wettbewerbsteilnehmenden sich am 14. Juni in der Aula der Hochschule Geisenheim in einem spannenden Live-Pitch vorstellen durften. Eingerahmt in ein interessantes Programm mit einer Keynote zu den Themen Innovationen und Nachhaltigkeit durch Clemens Michaelis von Gerolsteiner (How to kill a project) und Deandra Anderson, Mitbegründerin des Start-ups Ebb & Flow Keg, bildeten die Pitch-Präsentationen den Höhepunkt des Finales der DIC 22. Die hochrangige Jury hatte anschließend die schwere Aufgabe, die Plätze eins bis drei zu vergeben. Die hohe Qualität aller eingereichten Beiträge zeigte sich in der sehr engen Abstufung in der Bewertung der einzelnen Beiträge. Der Präsident der Hochschule Geisenheim, Prof. Dr. Schultz, zeigte sich vom Niveau begeistert: „Eigentlich sollten wir alle Getränke aus dem Finale produzieren!“

2nd One knapp vorne

Am Ende gewann das Kopf-an-Kopf-Rennen die Idee „2nd One“ von Elvira Bechtold und Monika Cerniauskaite. Die Verwertung von Biertreber als Abfallprodukt aus der Bierproduktion, kombiniert mit regionalem Traubensaft, ging überzeugend auf den geforderten Aspekt der Nachhaltigkeit ein, begeisterte die Jury und brachte mit einem hauchdünnen Vorsprung den Sieg. Neben quasi unbegrenzten Mengen des Grundstoffs – in Deutschland fallen Jahr für Jahr 50.000 LKW-Ladungen von Biertreber an – überzeugte auch die Veredelung des Trebers vom Futtermittel zur Grundlage eines Erfrischungsgetränks.

Aber auch die Plätze zwei und drei lieferten überzeugende Konzepte ab. Die pfälzisch-norddeutsche Koproduktion „Äppeltied“ der Teilnehmerinnen Caroline Gilcher und Friederike Schnitker nutzt für ihr Erfrischungsgetränk ebenfalls Trester, allerdings solchen aus der Apfelsaftproduktion. Ergänzt mit Holundersirup und mit der besonderen Note des Rosmarins, schaffte es das Team auf den zweiten Platz. Dritter wurde der etwas exotischere Ansatz „Thai Tonic“ von Jannick Boer. Er verwertet Abfälle aus der Ingwersaftproduktion und Galgantschalen sowie rote Datteln aus China. Auf Basis eines Suds aus Gerstengraupen, kombiniert mit allerlei Gewürzen und der Schärfe der Ingwerwurzeln, gelang ihm ein überzeugender Ansatz, der auch bei einer Spontanverkostung für die Jury unterstrichen wurde. Hier war die Nachhaltigkeit der Knackpunkt, der den Sieg gekostet haben dürfte, denn die Rohstoffe sind nicht in der gleichen Menge verfügbar wie bei den beiden Erstplatzierten, legen weite Wege zurück und der Produzent begibt sich in die Abhängigkeit von Importeuren, wie aus der fachkundigen Jury moniert wurde. Insgesamt konnten aber alle sechs Finalistinnen und Finalisten begeistern und stolz auf ihre Ideen sein. Dies wurde einhellig von der Jury bestätigt. Vor allem die Branchenvertreterinnen und -vertreter zeigten sich beeindruckt von der Qualität der Beiträge, gaben konstruktives Feedback und schätzten die Umsetzbarkeit aller Getränke als realistisch ein. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich ihrerseits durchweg begeistert vom Wettbewerb. Der drittplatzierte Jannick Boer sah im „Wettbewerb eine tolle Gelegenheit, das erlernte Wissen aus dem Studium anwenden zu können“, und unterstrich damit die Freude an der Praxisnähe der Drink Innovation Challenge. Möglich gemacht haben den Wettbewerb natürlich alle Mitwirkenden, insbesondere aber die Sponsoren Gerolsteiner, Döhler, DSM, Rotkäppchen-Mumm und Hessen Ideen sowie die Fachkolleginnen und -kollegen aus dem Institut für Getränkeforschung der Hochschule Geisenheim sowie die Jury, bestehend aus den Start-ups Viez & Töchter aus Marburg, Ebb & Flow Keg aus Frankfurt, dem jungen Unternehmen Ostmost Berlin, Prof. Dr. Moritz Wagner sowie Studierenden-Vertreter und -vertreterinnen beider Hochschulen. Neben dem Feedback und der Möglichkeit, das Getränk zu produzieren, teilen sich die drei ausgezeichneten Teams auch eine Prämie in Gesamthöhe von 3.000 Euro. Beim gemeinsamen Ausklang des Abends konnten sich dann die jungen Talente mit den Branchengrößen austauschen und ein Gläschen Sekt genießen. Wer weiß, welche Ideen dabei noch ausgegoren wurden.

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