„Libiamo ne lieti calici – Libiamo amore“

„Libiamo ne lieti calici – Libiamo amore“
Das Publikum zeigte sich begeistert von der „Italienische Nacht“ in Stephanshausen

Zweieinhalb Stunden lang begleitete Jin Liang meisterhaft die „Italienische Nacht“ auf dem Flügel.

Stephanshausen. (chk) – Stephanshausen ist das Rheingauer Arkadien“, schwärmte Dr. Winfried Rathke, der als „Freund des Hauses“ die Moderation der „Italienischen Nacht“ übernahm, nachdem Hausherr Volkmar Nägler in der Alten Schule die Gäste begrüßt hatte. „Die Ränge unserer ‚Opera in Musica‘ sind gefüllt – vier großartige Solisten warten auf ihren Einsatz“, fuhr Rathke in seiner Moderation fort, bevor er Künstlerinnen und Künstler einzeln vorstellte. Die Sopranistin Gunda Baumgärtner aus Geisenheim sei die „Rheingauer Primadonna assoluta“.

Sie hatte das Programm maßgeblich gestaltet und sang im Duett mit Belcanto-Tenor Agustin Sanchez aus Mexiko, der seit neun Jahren als Erster Tenor am Staatstheater tätig ist. Beide brillierten im Duett und solo gleichermaßen und beeindruckten zudem mit ihrer schauspielerischen Ausdrucksfähigkeit. „Die virtuose Pianistin Jin Liang aus China schulte ihre Fingerfertigkeit in Wuhan und Minsk, bevor sie über Mainz nach Rauenthal kam und dort eine eigene Musikschule leitet“, setzte der Moderator seine wertschätzende Vorstellung fort. „Dazu kommt die gefühlvolle Cellistin Ena Markert vom Mainzer Konservatorium, die aber schon Erfahrungen in Salzburg, Weimar, Barcelona und Berlin sammelte. Sie hat einen Stammplatz im Mainzer Ensemble Favole musicali.“

Rathkes Moderation war schon ein Meisterwerk für sich, so umfassend wie er auf die Arien, Lieder, Komponisten, Zeitgeschichte und die italienische Sprache einging. Den Auftakt machte Agustin Sanchez mit „Questa o quella?“ aus Verdis „Rigoletto“, gefolgt von Gunda Baumgärtner mit „Una voce poco fa“ aus Rossinis „Barbier von Sevilla“. Daran schlossen sich drei Arien aus „La Bohème“ von Puccini an. Nach der Arie des Randolfo und der Mimi trugen Gunda Baumgärtner und Agustin Sanchez das Duett „O soave fanciulla“ vor, aus dem Rathke – wie auch aus den vorherigen Darbietungen – Passagen übersetzte: „O geliebtes Mädchen! O süßes Antlitz! Liebe, du allein regierst. In dir finde ich meinen Traum. Unsere Küsse schaudern vor Liebe.“ Große Werke, große Stimmen. „Sie brauchen nicht nach Venedig zu fahren, Sie können Arien aus italienischen Opern auch in Stephanshausen erleben“, stellte Rathke fest.

Das Publikum spendete nach jeder Darbietung stürmischen Applaus. Als nach weiteren hervorragenden Interpretationen vor der Pause „Libiamo“ erklang, erreichte die Stimmung einen Höhepunkt. Begleitet wurden die beiden Interpreten den ganzen Abend meisterhaft und unermüdlich von Jin Liang auf dem Flügel, und bei diesem beliebten Trinklied aus Verdis „La Traviata“ kam die Cellistin Ena Markert dazu, die im zweiten Teil des Abends noch weitere bereichernde Auftritte hatte. „La Traviata“ sei Verdis persönlichste Oper, erklärte Rathke. Er habe den Stoff der „Kameliendame“ von Dumas zugrunde gelegt und seine Dame „Violetta“ genannt. Da geht es um Liebe, Sehnsucht, Schmerz, Verzweiflung“, erklärte Rathke. In dem beschwingten „Brindisi“, dem Trinklied, das er übersetzte, ist von Schmerz und Verzweiflung allerdings nichts zu spüren: „Libiamo ne lieti calici – Trinkt aus unsern frohen Bechern. Libiamo amore – wir trinken Liebe. Godiamo la tazza, e il cantico in questo Paradiso – wir genießen den Trunk und das Lied in diesem Paradies.“

Diese Arie war eine gute Einstimmung auf die Stücke nach der Pause, die zunehmend romantischer und lockerer wurden. Dazu gehörten neapolitanische Lieder und Kompositionen, die zu „Welthits“ wurden, wie „Funicoli funicola“, „Torna a Surriento“ und sogar ein deutscher „Schlager“ war dabei: „Caprifischer“, ein Lied, das durch Rudi Schuricke bekannt wurde. Winfried Rathke schöpfte aus seinem großen Fundus an Wissen über Komponisten und ihre Stücke, das er bereitwillig weitergab und spickte seine Moderation mit Anekdoten, philosophischen Zitaten, heiteren Anmerkungen und eigener Dichtung – dafür bekam er viel Applaus vom Publikum, das am Ende die fünf Akteurinnen und Akteure nicht ohne weitere Zugabe von der Bühne entließ. Mit dem romantischsten aller Lieder verabschiedete sich das Ensemble: „O sole mio“, und ließ auf den immer noch stürmischen Beifall die Arie der Herzogin Helena, „Merce dilette amiche“ aus Verdis „Rigoletto“ folgen.

Die Solisten nahmen gemeinsam mit den Gastgebern, Volkmar Nägler und Sabine Bierfreund, nach dem Finale die Begeisterungsstürme gerne an. Da es schon eine Warteliste gab und der Erfolg so überwältigend war, wird es in der Alten Schule eine Wiederholung geben. „Wir führen die ‚Italienische Nacht‘ am 27. Dezember um 20 Uhr noch einmal auf“, versprach Volkmar Nägler.

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
8 Wochen 2 Tage
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
9 Wochen 2 Stunden
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
9 Wochen 3 Tage
Musik aus der Zeit des Hattenheimer Geigerkönigs
44 Wochen 3 Tage
Fachwerkhaus beschädigt
48 Wochen 1 Tag


X