Nachbarschaftshilfe: Der Vereinszweck ist aktueller denn je

Nachbarschaftshilfe: Der Vereinszweck ist aktueller denn je

Udo Stenz zum neuen Geschäftsführer bestellt / Bürgermeister sagt „ganz großes Dankeschön an Helga Lukic“

Abstand ist noch immer das Gebot der Stunde bei der Nachbarschaftshilfe, bei der 99,9 Prozent Risikopatienten sind, wie ihr Vorsitzender Christian Aßmann mahnte.

Geisenheim. (hhs) — Es ist eine tiefgreifende Zäsur: Helga Lukic gibt nach knapp elf Jahren den Posten der Geschäftsführerin der Nachbarschafts- und Generationenhilfe ab. Zu ihrem Nachfolger wurde Udo Stenz ernannt. Bürgermeister Aßmann, der auch Vorsitzender des Vereins ist, sprach Lukic „ein ganz großes Dankeschön“ aus.

 

Seit der Gründung im Jahr 2009 ist die Nachbarschafts- und Generationenhilfe zu einem der größten Vereine in Geisenheim mit knapp 700 Mitgliedern geworden. In dieser Zeit hat Lukic mit den drei Bürgermeistern Federhen, Kilian und Aßmann zusammengearbeitet, denn traditionell ist der Bürgermeister auch Vorsitzender der Nachbarschaftshilfe.

Als ihr Nachfolger wurde Udo Stenz schon eine Woche vor der Mitgliederversammlung ernannt. Er wurde gemäß der Satzung vom Vorstand bestimmt und war einziger Kandidat. Helga Lukic, die sich lange um einen Nachfolger bemüht hatte, war bei dieser Sitzung auf Antrag von Georg Mahr als „beratendes Mitglied“ in den Vorstand aufgenommen worden.

Christian Aßmanns Bericht als Vorsitzender war geprägt von der Corona-Pandemie, in der die Nachbarschaftshilfe ihre Bedeutung eindrucksvoll unter Beweis gestellt habe. In einer vom Bürgerbüro koordinierten Hilfsaktion habe man etlichen Bürgern helfen können. „Gerade in Zeiten wie diesen hat sich gezeigt, dass der Vereinszweck aktueller ist denn je“, sagte Aßmann. „Es ist beispielhaft, was hier passiert.“ Ausdrücklich zollte der Bürgermeister seinem Vorvorgänger Manfred Federhen Respekt, der seinerzeit gemeinsam mit Helga Lukic die Nachbarschafts- und Generationenhilfe aus der Taufe gehoben hatte.

Erfolgsbilanz

Breiten Raum nahm Lukics letzter Rechenschaftsbericht ein, in dem sie eine beeindruckende Bilanz ziehen konnte. Thema war natürlich die Corona Pandemie, der sie als positiven Aspekt abgewinnen konnte, dass „die Menschen zusammen rückten, auch wenn sie körperlich auf Abstand gehen mussten.“ Eine große Hilfe habe es bedeutet, dass sich jüngere Menschen bei der Nachbarschaftshilfe gemeldet hätten, und sich bereit erklärten, für ältere Menschen einzukaufen oder mal den Hund mal auszuführen. „Das bedeutete eine große Hilfe in dieser Zeit.“

Lob zollte Lukic Bürgermeister Aßmann, der Vorsorgemaßnahmen vor Ort mit Bedacht getroffen habe. „Seine Sorge um die Mitbürger in Geisenheim mit seinen Ortsteilen spürte man.“ Dies galt insbesondere für die Mitglieder der Nachbarschaftshilfe, bei der die meisten alleine schon aufgrund des Alters zur „Risikogruppe“ zählten.

Corona bedingt musste auch der Umzug vom ursprünglichen Ehrenamtsbüro in der Prälat-Werthmann-Straße 12 in das neue Büro Bischof-Blum-Platz 2 verschoben werden. Er konnte erst Anfang Mai vollzogen werden. Dort ist die Nachbarschaftshilfe wieder täglich telefonisch unter der Nummer 402 45 38 zu erreichen.

Erst kürzlich konnten wieder Angebote wie das Gedächtnistraining mit Manfred Diehl oder die Gymnastikstunden mit Monika Frankenberger aufgenommen werden – wenn auch mit den vorgeschriebenen Regeln und Schutzmaßnahmen.

Aktivitäten

Im Wesentlichen erfolgen die Hilfeanforderungen der Mitglieder per Telefon. Diese laufen entweder im Büro der Nachbarschaftshilfe direkt auf oder außerhalb der Bürozeiten bei der Stadt Geisenheim, dort bei Gudrun Oho, die auch Schriftführerin des Vereins ist.

Typische Hilfeleistungen sind Fahrten von behinderten, alten oder kranken Menschen zu ihrem Arzt, zum Krankenhaus oder zum Einkauf. Auch Einkäufe für die Mitglieder oder Hausbesuche organisiert die Nachbarschaftshilfe, „selbst kleinere Reparaturen wurden im Einzelfall durchgeführt“, listete Lukic in ihrem Rechenschaftsbericht auf.

Für PC-Probleme konnte die Nachbarschaftshilfe teilweise auf versierte Mitglieder, aber auch auf Schüler des Internats Schloss Hansenberg zurückgreifen.

Mit Beginn der Corona Pandemie mussten die wöchentlichen Besuche der Jugendlichen des Internats im Marienheim eingestellt werden. „Wir hoffen, dass diese regelmäßigen Besuche nach den Sommerferien wieder losgehen können.“

Auch beim Umgang mit dem Smartphone konnte sich die Nachbarschaftshilfe auf Hilfe vom Hansenberg verlassen. 17 Mitglieder nahmen an einem entsprechenden Kurs im Internat teil – wie alle Aktivitäten der Hansenbergschüler kostenlos. Nach den Herbstferien soll auch dieses Angebot wieder aufgenommen werden.

Das gilt natürlich immer unter dem Vorbehalt, dass Corona das zulässt. Denn die Pandemie hat auch das Veranstaltungsprogramm dezimiert – vom geplanten Jahresangebot konnte bisher lediglich der Kreppelkaffee stattfinden. Alle anderen Veranstaltungen bis einschließlich Ende des Jahres mussten abgesagt werden. Etwas Hoffnung gibt es noch, dass im Dezember zumindest eine kleine Adventsüberraschung organisiert werden kann.

Solidarität

Das System der Nachbarschaftshilfe basiert auf einem Punktekonto, mit dem jede Leistung „bezahlt“ wird. Getreu dem sozialen Aspekt wurde aber für Mitglieder, die nur wenig Einkommen haben, ans Haus gebunden sind oder in den Heimen wohnen ein „Solidaritätskonto“ angelegt. Hierauf werden ständig Punkte von Mitgliedern gespendet, die im Einsatz waren und dabei Pluspunkte ansammeln konnten.

Besonders aktive Mitglieder nannte Lukic in ihrem letzten Rechenschaftsbericht, immer Gefahr laufend, jemand zu vergessen – wofür sie sich schon vorab entschuldigte. „Für den Fahrdienst oder Einkauf und vieles mehr ständig im Einsatz waren Hans Hübscher, Pietro Semeraro, Heinrich Gattenhof, Christian Sonnleitner, Roland Schmidt, Rudolf und Ursel Steiner, Franz Jörger, die Eheleute Albrecht und Irmgard Höhle, Jasna Richter, Ingrid Lange-Dehring und Patricia Gaberle. Regelmäßig im wöchentlichen Einsatz waren Helga Szarka, Maria Bierschenk, Maria Bischof und Hildegard Biernat, die einem fast blinden Mitglied wöchentlich das Rheingau Echo vorlesen.“

Nachwuchsprobleme

Auf der negativen Seite musste Helga Lukic einräumen, „dass es uns bisher nicht gelungen ist, jüngere Mitbürgerinnen und Mitbürger für eine Mitarbeit in unserem Verein zu gewinnen.“ Zwar hätten sich während der Corona Krise sofort einige junge Frauen gemeldet; sie wollten sich aber während ihrer Berufstätigkeit nicht fest an den Verein binden. „Das Miteinander der Generationen ist uns also nur bedingt gelungen.“

Lukics dringlicher Appell: „Unser Verein wird nur dann eine Zukunft haben, wenn wir jüngere Mitglieder erreichen. Dies schaffen wir am besten, indem wir jungen Familien Hilfestellung geben“, gab die scheidende Geschäftsführerin die Devise aus. Sie hoffe deshalb, dass sich weitere „jung gebliebene“ Mitglieder, die gerne mit Kindern Kontakt haben, für diese Aufgaben bereit erklären.

Viele Höhepunkte

In ihrer Abschiedsrede ging Lukic auch nochmals auf jene zahlreichen Referenten ein – viele von ihnen sind Mitglied der Nachbarschaftshilfe -, die mit ihren Vorträgen das jeweilige Jahresprogramm bereicherten: „Fast jährlich konnten wir Edda Herrmann mit wunderbaren, bebilderten Vorträgen aus aller Welt begrüßen, oder Dr. Winfried Rathke mit seinem Talent, so von seinem Leben, seinen Reisen, seinen Büchern zu erzählen, dass eine Stunde im Nu vergangen war. Oder Professor Dr. Leo Gros, der uns mit Mundart erfreute. Schließlich Heinz Reineck, der uns mit seinen Berichten und Bildern aus unserer Heimat immer wieder überraschte. Zuletzt reichten die Stühle im Kath. Pfarrzentrum fast nicht aus, so groß war der Zuspruch. Auch die Besuche von Ulrike Neradt und Monika Albert vom Rheingauer Mundartverein sind unvergesslich für uns.

Schließlich muss ich auch Bernward Herrmann erwähnen, der uns seit vielen Jahr zum Jahresende ein Adventsstündchen vorbereitet, das richtig feierlich und von den Besuchern mit Freude angenommen wird. Erinnern will ich auch an die großartigen Orchester und Kapellen, die uns in den 11 Jahren zu unseren großen Veranstaltungen im Rheingau Atrium erfreuten, wie z. B. die Blaskapelle Weindorf Johannisberg.

Und unseren Freund Friedel Anschau, der den Kreppelkaffee als Alleinunterhalter bereicherte, ebenso unsere Sommerfeste am Weinprobierstand. In den letzten Jahren wurde er von dem Tenor Michael Senzig begleitet.“ Lukic erinnerte auch an Heinz Marscheck, der in den einige Jahre die musikalische Leitung am Sommerfest übernommen hatte, sowie an Helmut Höhn, einen weiteren Mann der ersten Stunde.

Danksagung

Ganz am Ende nannte sie auch noch Günter Ringsdorf, Klaus Büsselberg, Stefan Eiser von Schloss Johannisberg, und den unvergessenen Erwin Boos, die genussvolle wie informative Weinproben durchführten. Auch hier habe die Nachbarschaftshilfe immer auf die Unterstützung durch die Schnutedunker Bernward Herrmann und Rudi Jakobi zählen können.

„Unverzichtbar war auch der Einsatz von Annelie Spring und Margit Glück sowie weiteren Helfern bei den Erzählcafés“ versuchte Lukic niemand ihrer zahlreichen Mitstreiter zu vergessen. So nannte sie auch die fleißigen Helfer, die bei diversen Veranstaltungen Tische und Stühle aufstellten, grillten und die Mitglieder bewirteten: „Hier sind stellvertretend für viele andere Günter Steger, Werner Wünsche, Heinrich Horne, Hans Zentner, Georg Paul, Pietro Semeraro, Hans Hübscher und Rudi Körber zu nennen.“

Starke Frauen

Ihre starken Frauen hob sie sich bis ganz zum Schluss auf, „die beim Sommerfest für Stunden im Einsatz sind, wie Helga Pretzel, Adelheid Wagener, Irmgard Freimuth, Annelie Spring, Brunhilde Gahan, Patricia Gaberle und Hilde Quint, die seit Jahren im Einsatz sind.“

Im Bürodienst seien Heidrun Söhn, Doris Hübscher, Jasna Richter, Ursel Steiner, Adelheid Wagner und Brunhilde Gahan seit Jahren regelmäßig verantwortungsbewusst aktiv gewesen. „Mein Dank gilt insbesondere unserer Kassenverwalterin Irene Stadel, die die Kasse seit Gründung mit großer Sorgfalt und untadelig führt. Und nicht zuletzt unserer Schriftführerin Gudrun Oho für die gute Zusammenarbeit.“ Alle die Genannten hätten den Erfolg der Nachbarschaftshilfe und ihren guten Ruf gemeinsam erarbeitet.

Ganz zum Schluss bedankte sich Lukic bei „ihren“ bisherigen Vorsitzenden Bürgermeister Aßmann, Landrat Frank Kilian und Altbürgermeister Manfred Federhen „für das Vertrauen, das sie mir geschenkt haben.“

Unter großem Beifall der – für Corona-Zeiten – zahlenmäßig stark vertretenen Mitglieder, gab Bürgermeister Aßmann den Dank zurück, verbunden mit einem großen Blumenstrauß. „Du hast den Verein geprägt und hinterlässt große Fußstapfen“, lobte Aßmann, der davon sprach, dass Lukic mit dem Verein ihr Lebenswerk umgesetzt habe. „Dein Engagement kann man mit Geld nicht aufwiegen. Geisenheim braucht Leute wie dich.“

Neuwahlen

Satzungsgemäß stand am Ende der Jahreshauptversammlung die Wahl des Ersten Vorsitzenden und die Besetzung von zwei neuen Beisitzerposten. Vorsitzender blieb Bürgermeister Christian Aßmann, als neue Beisitzerinnen wurden Olga Friedel und Angela Schneider gewählt. Weitere Beisitzer sind Monika Frankenberger, Brunhilde Gahan, Doris Hübscher, Georg Mahr und Heidrun Söhn.

Zuvor hatte sich Udo Stenz den Mitgliedern nochmals kurz vorgestellt. Er sei zwar erst seit einem Jahr Mitglied, aber immerhin schon fast 30 Jahre in Geisenheim. Er habe in diesen Jahren schon viele heiße Eisen angefasst, sich dabei manchmal auch die Finger verbrannt, räumte er ein. Er freue sich aber jetzt auf die zukünftige Verantwortung, die sich leichter bewältigen lasse, weil er bei Helga Lukic eine intensive Einarbeitung genossen habe. Der neue Geschäftsführer kündigte an, dass er jeden Mittwoch im Büro zu erreichen sei.

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