Schwierige Jungs – Jungen in Schwierigkeiten

Schwierige Jungs – Jungen in Schwierigkeiten
Kinderschutzbund traf mit Vortrag und Diskussion mit Reiner Wanielik auf Interesse

„Schwierige Jungs – Jungen in Schwierigkeiten“ lautete das Thema, mit dem sich Referent Reiner Wanielik in seinem Vortrag auseinandersetzte.

Geisenheim. (sf) – „Wo geht es denn hier in die Aula?“, diese Frage wurde in der Dr. Emely Salzig-Schule vielfach gestellt, denn das Interesse an einem Vortrag, den der Kinderschutzbund hier veranstaltete war groß. „Schwierige Jungs – Jungen in Schwierigkeiten“ lautete das Thema, mit dem sich Referent Reiner Wanielik auseinandersetzte und hinterher zur Diskussion einlud.

Längst nicht nur Mütter und Väter waren gekommen, zu den interessierten Gästen zählten auch Erzieher und Sozialpädagogen, die in ihrer täglichen Arbeit mit Jungs im „schwierigen Alter“ zu tun haben.

Der Vortrag beschäftigte sich eingehend mit den Herausforderungen und Zumutungen, die Jungen zwischen dem fünften und dem zwölften Lebensjahr erleben – und eben auch die Eltern und Erziehenden dieser Jungen. Reiner Wanielik aus Wiesbaden ist Diplom-Sozialpädagoge, Referent der Fachstelle Jungenarbeit Rheinland-Pfalz/Saarland und Dozent am Institut für Sexualpädagogik. Er lud die mehr als 60 Teilnehmenden ein, über die existierenden Bilder von Jungen nachzudenken, ihre Wünsche und auch Befürchtungen zu verstehen und über sie zu diskutieren. Spannend war, gerade weil neben den Eltern eben auch Pädagogen anwesend waren, die manche in beiderlei Hinsicht „betroffen“ sind. Und als Vater zweier Kinder konnte auch der Referent „am eigenen Leib“ Erfahrenes mit in Vortrag und Diskussion einbringen.

Der Vortrag spannte den Bogen von der Geburt bis zum „Mann-werden“ von Jungen. „Warum verhalten sich Jungen so, wie sich verhalten?“, stellte Wanielik in den Raum. Unterschiedlich, aber auch oft deutlich spürbar anders als Mädchen würden sich die Jungen verhalten. Im Vortrag wurde dargestellt, dass es sowohl gesellschaftliche Ursachen für Verhalten als auch biologische Gründe hierfür gibt. „Jungen und Mädchen sind von Geburt an verschieden in ihren Verhaltensweisen. Vom ersten Lebensjahr an sind Jungen impulsiver, störbarer, schwerer zu beruhigen. Sie sind generell „schwieriger“ und erfordern daher oft mehr Aufmerksamkeit. Bereits sechs Monate alte männliche Säuglinge sind durchsetzungsorientierter als weibliche. Jungen sind explorativer. Bei Einjährigen zeigt sich bereits eine Vorliebe für Technisches, für alles was funktioniert. Zwölfmonatige Jungen zeigen kaum, im Gegensatz zu Mädchen, Interesse an Puppen, selbst wenn Ihnen diese wiederholt vom Vater angeboten werden. Die Vorliebe von Mädchen ist kulturübergreifend. Tritt auch da auf, wo es keine vorgefertigten Spielsachen gibt, sondern sie sich selbst zurechtmachen“, erklärte er. Bereits im Kindergartenalter seien Jungen hingezogen zur gleichgeschlechtlichen Gruppe, kämpfen um Vorrechte, initiieren stabile Rangfolgen, setzen Rangansprüche mit Drohgebärden und manchmal brachial durch. „Sie zeigen häufig Imponierverhalten, versuchen das Gespräch zu dominieren, gehen in den Widerstand und versuchen sich Respekt zu verschaffen“, so Wanielik.

Der Referent lehnte es ab, die Verhaltensweisen, Gefühlswelten und Selbstwahrnehmungen von Jungen und schlussendlich von Männern nur einseitig zu erklären. Es komme darauf an zu verstehen, was Jungen umtreibt, welche Ideen, Phantasien und Ängste sie haben. „Das zu verstehen, bedeutet nicht, mit allem einverstanden zu sein“, betonte er. Es wurde aufgezeigt, dass Jungen Klarheit und Grenzsetzungen für ihre Entwicklung neben Einfühlung in ihre Problemlagen gut gebrauchen können.

Thematisiert wurde die oft einseitige Befürsorgung von Jungen: „Sie erleben im pädagogischen Alltag sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule als Personal fast ausschließlich Frauen. Nur bei drei Prozent liegt der Anteil von Männern in Vorschulerziehung und nur 11 Prozent männliche Lehrkräfte gibt es in der Grundschule. In beiden Institutionen werden die Jungen vor allem mit weiblichen Haltungen, Kommunikationsformen und Vorbildern konfrontiert. Sie können sich in diesem Raum, anders als Mädchen mit den Frauen, weniger identifizieren, sondern sind mit Abgrenzung gegenüber Weiblichem beschäftigt. Damit stoßen sie auf wenig Verständnis, sondern erleben eher verärgerte und ratlose Erwachsene. Anstatt andauernd Forderungen nach Verhaltensänderungen an Jungen zu erheben, sollten Eltern und Pädagogen im ersten Schritt nach dem Sinn des Verhaltens von Jungen fragen“.

Nach dem Vortrag wurden diese Anregungen noch in einer angeregten Diskussion vertieft und viele alltagspraktische Fragen von Eltern wurden rege diskutiert und beantwortet.

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