„Unser Herzblut fließt in dieses Album“

Menschen in der Region „Unser Herzblut fließt in dieses Album“

Evi Niessner und Mr. Leu machen sich mit ihrer neuen CD Mut in schwieriger Zeit

Evi und Mr. Leu privat als Eva und Rainer Leupold auf ihrem idyllischen Balkon in Kiedrich.

Kiedrich. (chk) – „Unser Lebenskonzept und unser Lebensinhalt wurden durch die Corona-Krise komplett in Frage gestellt“, sagt Eva Leupold, besser bekannt als Evi Niessner, die solo und mit ihrem Mann, Rainer Leupold – „Mr. Leu“ – wie auch mit dem ganzen Team der 20er Jahre Show rund 30 Veranstaltungen im Frühjahr und Sommer geplant hatte. So schlimm die Zwangspause auch ist – sie hat ihnen aber auch unerwartet Zeit verschafft, eine besondere CD aufzunehmen, die im Herbst herauskommen soll und mit der sie ihr 25-jähriges Jubiläum „feiern“ wollen – als Bühnenduo und als Paar.

„Wir machen aus der Not eine Tugend. Wir haben für die neue CD ein Repertoire mit eigenen Songs und Coversongs ausgewählt, wie es sie bisher nie gab“, erklärt Evi Niessner, „und wir sind sehr dankbar, dass wir mit Andreas Scholl zusammenarbeiten und die CD in seinem Tonstudio aufnehmen dürfen. Das ist vielleicht etwas Gutes, dass wir dafür Zeit gefunden haben.“ Schon einige Jahre leben sie in der Nachbarschaft von Countertenor Andreas Scholl und seiner Frau, der Pianistin Tamar Halperin. Sie sind gut miteinander bekannt, doch sie alle sind in „normalen“ Zeiten – als Paare oder solo – stets mit Konzertauftritten oder Bühnenshows unterwegs, so dass für ein solches CD-Projekt kein Raum gewesen wäre. Die Arbeit an der CD mit 14 Songs ist noch nicht abgeschlossen.

Evi Niessner und Mr. Leu haben zwar schon CDs herausgebracht, die auf gemeinsamen Programmen beruhen wie „Evi und das Tier“ oder „Let’s Burlesque“, aber dies ist die erste CD, die nicht an ein Programm gebunden ist. Es ist ein Resümee ihres gemeinsamen Tuns mit einer sehr persönlichen Auswahl. Bei den Songs geht es immer um Beziehungsaspekte – frisch verliebt sein, zusammen sein, sich in den Haaren zu haben, und all das mit Witz und einem gewissen Augenzwinkern. Es sind Stücke, wie „Cocktails For Two“, „Call Me Baby“ oder „Funny Valentine“. „Das wird das Herzstück der CD sein“, betont Rainer Leupold. „Der Titel der CD wird voraussichtlich ‚Valentine’s Night‘ lauten – eine Würdigung an Kiedrich, wo wir seit 2018 wohnen, und an die Kirche St. Valentin, wo wir geheiratet haben und wo unser Sohn getauft wurde. Evi Niessner erzählt: „Der heilige Valentin ist ja auch der Schutzheilige der Liebenden und zieht sich wie ein roter Faden durch unser Leben. In den 80er Jahren habe ich in dem damals sehr beliebten Wiesbadener Altstadt-Restaurant „Valentin“ gearbeitet, und dort ziemlich gut kochen gelernt. Sogar die feierliche Abiturverleihung habe ich sausen lassen, um damals auf dem Wilhelmstraßenfest für das „Valentin“ Garnelen zu grillen.“

Rainer Leupold ist in Walluf aufgewachsen, hatte als Kind Klavier- und Trompeten-Unterricht, studierte später Kunst und Grafikdesign in Berlin, Mainz und Wiesbaden, hatte eine Band, The Crooners und zeichnete Comics. Seine musikalischen Schwerpunkte sind der Blues, Rock’n‘ Roll und Boogie Woogie. In den 1990er Jahren begegnete er Evi Niessner, die ihre Ausbildung zur Opernsängerin am Wiesbadener Konservatorium absolviert hatte. Mit den 20er-Jahre-Shows ihres Berliner Luft Ensembles hat sie ihre Bühnenlaufbahn begonnen. Beim Bundeswettbewerb Gesang wurde sie 1993 als besonderes Talent für das französische Chanson entdeckt.

17 Jahre in Berlin

Im Pariser Hoftheater in Wiesbaden standen sie im März 1996 zum ersten Mal in „Heartbreaks Night“ als Duo auf der Bühne und spürten dann sehr schnell, dass sie nicht nur künstlerisch zusammengehörten. Sie gingen zusammen nach Berlin und kehrten nach 17 Jahren – mit ihrem 2007 geborenen Sohn – in den Rheingau zurück. Auch von Berlin aus hatten sie immer wieder Gastspiele im Rheingau und in der Region gegeben, beispielsweise mit „Evi und das Tier“ im KUZ Eichberg. Neben mehreren gemeinsamen Projekten sind beide auch mit Soloprogrammen unterwegs, was von Vorteil war und ist, wenn ein Elternteil zu Hause bei ihrem Sohn bleiben kann. Evi Niessner hat sich einen Namen mit ihrem Piaf-Programm „Chanson Divine“ gemacht. Mit „Mondän – Die Dame der 20er Jahre“ wollte sie in diesem Sommer an die Anfänge ihrer Karriere anknüpfen und in der „Bar Jeder Vernunft“ in Berlin Premiere feiern. Diese muss nun wegen Corona auf 2021 verschoben werden. Mr. Leu tritt solo mit „Mr. Leu Waits“ auf – mit Songs hauptsächlich von Tom Waits und einer Vielzahl eigener Stücke. Mit ihrer Eigenproduktion „Let’s Burlesque!“ mit elf Mitwirkenden haben Evi Niessner und Mr. Leu bereits 2012 den Schritt vom Cabaret auf die großen Showbühnen gemacht und füllen seither immer größere und renommiertere Theater.

Das bislang größte Projekt der bereits 1996 von Evi Niessner und Mr. Leu gegründeten M&G Showcompany ist „Glanz auf dem Vulkan“. Evi Niessner hat damit ihren seit 30 Jahren gehegten Traum Wirklichkeit werden lassen, und diese 20er-Jahre-Show mit einem internationalen Künstler-Team – alle aus dem früheren Berliner Umfeld – inszeniert. Die konkrete Realisierung begann schon im Januar 2018. „Glanz auf dem Vulkan“ ist kein Retroprogramm, sondern ein Zeitspiegel. Die 20er Jahre von damals und heute stehen sich gegenüber und blicken sich an.“ Die Show „Glanz auf dem Vulkan“ nimmt das Publikum mit ins Berlin der 20er Jahre – in die Sündenstadt, ein Schmelztiegel voller Künstler und Lebenskünstler. Es ist eine hochenergetische und exzentrische Bühnenshow mit Musik, Tanz, Gesang, Artistik, Humor, Frivolitäten und nachdenklichen Momenten. Die ersten Vorstellungen wurden begeistert aufgenommen. „Im März wären wir in die ‚Erntephase‘ gekommen“, erwähnt Evi Niessner mit Wehmut, denn Corona hat alles ausgebremst. Verzweiflung, Fassungslosigkeit und Trauer haben sich bei ihr und ihrem Mann breit gemacht. „Nach außen sieht es aus, als würde einem geholfen werden“, sagt Rainer Leupold. Doch Künstler fallen durch alle Raster. Für entgangene Umsätze, Gagen und Honorare gibt es keine Soforthilfe – es bleibt nur die sogenannte Grundsicherung.

Ein Lichtblick war jedoch ein Stipendium der Hessischen Kulturstiftung, mit dem die beiden nun ihre CD realisieren können.

„Geschenk an uns selber“

„Diese Ohnmacht und Abhängigkeit kannten wir als selbständige Künstler gar nicht“, versichert Evi Niessner. „Wir kennen es nur, für uns selbst verantwortlich zu sein.“ Nicht nur der schwerwiegende finanzielle Aspekt schmerzt, auch das Gefühl, entbehrlich zu sein, tut weh. „Kultur bedeutet für viele, in Biergärten zu gehen – Konzerte sind verzichtbar.“ Das ist der Eindruck, den sie aus den Diskussionen und Verordnungen der letzten Wochen herauszuhören glauben. „Auch im Flugzeug und im Theater gelten nicht die gleichen Maßstäbe. Und Singen gilt als gefährlich.“ Sie befürchten auch, dass nicht genügend Leute nach der Corona-Krise und weiteren Lockerungen in der Lage sind, gleich wieder Geld für Kultur auszugeben. Während sie auf ihrem idyllischen Balkon im Kiedricher Ortskern über ihre Situation plaudern, stellt Rainer Leupold fest: „Wir sitzen hier wie im Paradies.“ Und Evi Niessner ergänzt: „Aber wir sind ganz schön durch den Wind.“ Und weiter sagt sie: „Man muss eine seelische Lebensbalance wieder hinbekommen.“

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg dürfte die „Jubiläums“-CD „Valentine’s Night“ sein, die trotz und gerade wegen Corona im Entstehen ist. „Sie ist vor allem auch ein Geschenk an uns selber, mit dem wir uns bei uns selbst bedanken, uns belohnen und Mut machen möchten. All unser Herzblut fließt in dieses Album. Wir hoffen sehr, dass es ab September wieder los geht mit Live-Auftritten, und dass unser Publikum uns treu bleibt und jetzt schon fleißig Tickets und CDs kauft.“ Informationen zu allem Terminen stehen auf der Homepage www.mg-showcompany.com, über die man auch die CD schon vorbestellen kann. Am 25. und 26. September tritt Evi Niessner mit „Chanson Divine“ im Thalhaus Wiesbaden auf. Am 2. Dezember wird „Glanz auf dem Vulkan“ im Wiesbadener Kurhaus aufgeführt.

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