„Es ist immer der Mensch, der den Menschen bedroht“

Würdevolle Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Neuen Friedhof mit Kranzniederlegung

Die Ansprache zur Gedenkfeier im Rahmen des Volkstrauertags hielt Bürgermeister Winfried Steinmacher.

Auch der diesjährige Volkstrauertag in Kiedrich war dem Gedenken der unzähligen Männer, Frauen und Kinder, die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, von Völkermord und Rassenwahn, von Terror und Vertreibung wurden sowie der Kriegstoten gewidmet. Dazu hielt Bürgermeister Winfried Steinmacher auf dem Neuen Friedhof die Ansprache.

„Da nur noch wenige lebende Zeitzeugen aus dem Zeitraum der schrecklichen Geschehnisse vorhanden sind und diese für die meisten von uns ferne Vergangenheit sind, ist es umso wichtiger, sich die Geschichte immer wieder vor Augen zu führen und zu erkennen, wie bedeutend es ist, sich konsequent für den Frieden einzusetzen“, erinnerte Steinmacher an die über 120 Millionen Menschen, „die in den beiden Weltkriegen Leben und Gesundheit verloren haben“.

Alle diese Menschen unterschiedlichster Nationalität hatten, so Steinmacher, Wünsche und Hoffnungen auf eine Zukunft, die aufgrund menschenverachtender Politik zerstört wurden. Da viele von ihnen auf den Kriegsgräberstätten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ihre letzte Ruhestätte fanden, seien sie Mahnung zum Frieden.

Erinnert werde heute nicht nur an die Opfer der beiden Weltkriege, sondern an alle Toten aufgrund von Krieg, Gewaltherrschaft und Terrorismus sowie der bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr gefallenen deutschen Soldaten. Ferner der schier unglaublichen Zahl an Opfern, die in Glaubenskriegen, in Schlachten politischer Ideologien und sinnlosen anderen Auseinandersetzungen zu beklagen sind.

„Nur wer sich erinnert“, betonte Steinmacher, „kann aus der Vergangenheit lernen und so eine bessere Zukunft gestalten“. Um auf die Einzelschicksale zu sehen, „müssen wir im persönlichen Umfeld suchen und die wenigen Zeitzeugen, die es noch gibt, anhören“. Aus der Erinnerung an die bedrückenden Schicksale müsse die vom Volkstrauertag ausgehende Botschaft lauten: „Nie wieder“.

Deshalb rufe dieser Tag des Gedenkens vor allem dazu auf, Zeichen der Hoffnung und Versöhnung zu setzen und Verantwortung für den Frieden zu übernehmen, „der bei jedem von uns beginnt“. Dabei gehe es nicht nur um den inneren und häuslichen Frieden, sondern auch um den Frieden im Umgang mit Kollegen und Nachbarn.

Der heutige Tag mahne auch zum Nachsinnen darüber, „was wir alle als Nation, als Kommune und als Einzelner für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit tun können“. Als Erblast der jüngeren Geschichte werde von den Deutschen erwartet, alle Möglichkeiten zur Förderung eines gerechten Friedens und zur Wahrung der Menschenrechte konsequent auszuschöpfen.

Da die aktuelle Situation zeige, dass es keinen Frieden in der Welt gibt und diese nicht zur Ruhe kommt, gelte es auch an die Millionen Menschen zu denken, die in der Gegenwart noch im Krieg leben müssen, davon fliehen oder getötet werden. Diese schrecklichen Geschehnisse seien Beispiele dafür, „wie wenig selbstverständlich Frieden heute ist“. Dabei sei es immer der Mensch, der andere Menschen bedroht.

Nachdem Steinmacher aus dem Geiste des Erinnerns das Totengedenken gesprochen hatte, legte er zusammen mit Bernd Zorn, Vorsitzender der VDK-Ortsgruppe Kiedrich, einen Kranz nieder. Dabei wurden beide von den anwesenden Standarten der Vereine begleitet.

Das Gebet und die Fürbitten sprach Pastoralreferentin Marion Mazanek. Die würdevolle Feierstunde umrahmten der Gemischte Chor „Liederblüte“ mit gesanglichen und Mitglieder der KCV-Bigband mit musikalischen Darbietungen.



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