Ein dauerhaftes Zeugnis für 28 Jahre Garnisonsgeschichte

Fortsetzung: Erinnerungen an die Rheingau-Kaserne und das Flugabwehrregiment

In einem kleinen Zeremoniell wurde der Name der Kaserne offiziell abgelegt und der Schriftzug „Rheingau-Kaserne“ im Beisein des Stellvertreters des Divisionskommandeurs, Brigadegeneral von Heimendahl, von dem vor dem Tor zur Wache stehenden Stein entfernt und dem Kommandeur des FlaRgt 5, Oberstleutnant Wolst, zur Aufbewahrung übergeben.

Vom Panzer-Flugabwehr-Artillerie-Bataillon 5 zum Flugabwehrbataillon 5 und weiter zum Flugabwehrregiment 5 ist Geschichte, aus der Lorcher Rheingau Kaserne ist der Gewerbepark Wispertal geworden. Lediglich der Traditionsverein Flugabwehrregiment 5 Lorch e.V. ist in einem der früheren Kasernengebäude noch anzutreffen. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Flugabwehrregiments 5 zu bewahren. In den Jahren 1961 bis 1965 wurde auf den Lorcher Retzigswiesen im Wispertal eine Kaserne für die Bundeswehr gebaut. Am 1. September 1965 zogen die Soldaten des Flugabwehrbataillons 5 von Koblenz nach Lorch in diese Bundeswehrliegenschaft.

Gedenksteine erinnern

Am 25. August 1967 erhielt die Kaserne den Namen „Rheingau-Kaserne“, um damit die Verbundenheit zur Region, Landschaft und deren Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen. Die von der Bundesregierung eingeleitete Verkleinerung und Umgliederung der Bundeswehr wurde am 6. Mai 1991 durch die Bekanntgabe der aufzulösenden Standorte bekannt gemacht. Es gehörte auch der Standort Lorch dazu. Es wurde entschieden, dass das Flugabwehrregiment 5 (FlaRgt 5) bis zum 31. März 1993 aufzulösen und der Name „Rheingau-Kaserne“ abzulegen ist, erinnert Hauptmann a.D. Peter Griebel. Am Vortag der Auflösung wurde am 30. März 1993 – von der Lorcher Öffentlichkeit unbemerkt – in einem kleinen Zeremoniell – der Name der Kaserne offiziell abgelegt und der Schriftzug „Rheingau-Kaserne“ im Beisein des Stellvertreters des Divisionskommandeurs, Brigadegeneral von Heimendahl, von dem vor dem Tor zur Wache stehenden Stein entfernt und dem Kommandeur des FlaRgt 5, Oberstleutnant Wolst, zur Aufbewahrung übergeben.

Drei Jahre später befürchtete der bereits vor der Auflösung am 4. September 1992 gegründete Traditionsverein FlaRgt 5 Lorch e.V., dessen Erster Vorsitzender Oberstleutnant Wolst wurde, dass durch die vollzogene Auflösung und die Namensablegung ein wesentlicher Teil der politischen, geschichtlichen und militärischen Entwicklung des Standortes Lorch schon bald vergessen sein könnte. Der folgerichtige Antrag des Traditionsvereins, die zwei nunmehr öffentlichen Straßen in der ehemaligen Kaserne in Erinnerung an das dort einmal stationierte FlaRgt 5 mit: „Rheingau-Kasernen-Straße“ und „Flugabwehr-Straße“ zu benennen, wurde letztlich dadurch gegenstandslos, dass in diesem neu entstandenen Lorcher Gewerbegebiet keine Straßennamen vergeben werden sollten. Auch ein anderer Versuch des Traditionsvereins, über einen Beschluss des Ortsbeirates Lorch, das Gewerbegebiet in „Gewerbepark alte Rheingau-Kaserne“ zu benennen, scheiterte, so Peter Griebel.

Der feste Wille, eine bleibende Erinnerung an die Lorcher Garnisonsgeschichte, an die Rheingau-Kaserne und besonders an das FlaRgt 5 zu schaffen, sowie die Hartnäckigkeit des 2. Vorsitzenden, Hauptmann a.D. Griebel, andererseits wurden jedoch belohnt. Die Aufgeschlossenheit aller beteiligten Behörden und Amtsträger für das Anliegen und ihr anerkennenswertes Entgegenkommen führten schließlich zur Genehmigung des erneuten Antragen des Traditionsvereins bei. Es konnte der historische Stein von der Wache der Kaserne an die Zufahrt des neuen Gewerbeparkes umgesetzt und mit einer Gedenktafel versehen werden. Wahrscheinlich trug auch die Zusage des Vereins, die Arbeiten und Kosten zu übernehmen, zur positiven Entscheidung bei. Unter großer Anteilnahme von militärischen und politischen Repräsentanten, von ehemaligen Angehörigen des FlaBtl/Rgt 5 sowie einigen Lorcher Bürgern wurde die feierliche Enthüllung der Gedenktafel auf dem Stein am 6. September 1996 durchgeführt. Das Heeresmusikkorps 300 aus Koblenz gestaltete den Festakt mit und spielte im Anschluss an die offiziellen Reden zum Platzkonzert auf.

Dauerhaftes Zeugnis

Oberstleutnant Wolst sprach nach der Enthüllung der Tafel folgende Worte: „Zum Gedenken und zur Erinnerung an die Rheingau-Kaserne und besonders an das Flugabwehrregiment 5 sowie an die stets gute Partnerschaft und Zusammenarbeit der Stadt Lorch und der Bevölkerung mit den Soldaten und zivilen Mitarbeitern enthülle ich diesen Gedenkstein. Möge den Ehemaligen dieses traditionsreichen Verbandes, die damals in der Rheingau-Kaserne ihren Dienst versahen, möge den Soldaten und den zivilen Mitarbeitern, die heute in den beiden Lorcher Depots arbeiten, möge den Nutzern des heutigen Gewerbeparkes und möge auch der Garnisonsstadt Lorch und ihrer Bevölkerung eine gedeihliche und glückliche Zukunft bestimmt sein. Möge dieser Stein ein dauerhaftes Zeugnis für 28 Jahre Garnisonsgeschichte ablegen und auch dafür stehen, dass wir Soldaten und Ehemalige uns in Lorch stets wohlgefühlt haben. Möge dieser Stein an seinem festen Platz stets an die Rheingau-Kaserne und an das Flugabwehrregiment 5 sowie an die Menschen, die dort dienten, erinnern“.

Auch Lorchs Bürgermeister Günter Retzmann würdigte die guten Beziehungen zu den ehemaligen Soldaten und Bediensteten des FlaRgt 5. „Die Soldaten, die in Lorch gedient haben, denken immer wieder gern an die Zeit im Wispertal zurück“.

In der Wisperstadt, besonders auf dem Ranselberg, lebten zahlreiche Soldaten und andere Bundeswehrangehörige, die die Auflösung des Regimentes in die weitere Umgebung verschlagen hat. Auch für sie alle ist der Stein an der L 3030 ein Symbol der Freundschaft zwischen Lorch und der Bundeswehr.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Gedenkstein steht auf der anderen Straßenseite, in der Nähe der Hl. Kreuzkapelle, ein weiterer Gedenkstein. Dieser ist dem Bürgermeister Hofmann gewidmet, der Initiator war, was durch sein erfolgreiches Bemühen dazu führte, die Bundeswehr nach Lorch zu holen. Bei einer öffentlichen Stadtverordnetensitzung wurde am 11. Mai 1959 dies beschlossen. Leider war es ihm nicht vergönnt, den Erfolg seines Wirkens zu erleben, denn er verstarb unerwartet am 14. Oktober 1971. Ursprünglich war vorgesehen, den Antreteplatz in der Kaserne als „Bürgermeister-Hofmann-Platz“ zu benennen.

Mit dem neuen Gedenkstein an der Einfahrt zur ehemaligen Kaserne hat sich ein Kreis geschlossen. Beide Gedenksteine markieren Anfang und Ende eines bedeutsamen Zeitabschnittes für Lorch. Peter Griebel: „Dem Traditionsverein FlaRgt 5 Lorch e.V. ist und bleibt es wichtig, das die Geschichte der ehemaligen Bundeswehrgarnison nicht verloren geht.“

Nach der Auflösung des FlaRgt 5 im Jahr 1993, folgten 2007 das Sanitätshauptdepot Lorch-Rheingau, 2008 das Gerätehauptdepot Lorch-Wispertal und die Standortverwaltung und somit das Ende von Lorch als Bundeswehrgarnison.

Die beiden aufgestellten Gedenksteine tragen zur Erinnerung bei, sowie eine vom Traditionsverein aufgebaute „Militärgeschichtliche Sammlung“ über den Bundeswehrstandort Lorch-Rheingau von 1961 bis 2011, im ehemaligen Unterkunftsgebäude Nummer 12. Weitere Informationen sind in der Homepage „fla5.de“ nachzulesen.

„Abschließend bleibt festzustellen, dass die Zeitspanne vom Beginn der Auflösung ab 1. April 1993 bis zu deren Abschluss im Jahr 2008 bis heute der Stadt Lorch und ihren Gemeinden, sowie den Betroffenen inzwischen ein Stück Normalität gebracht hat. Die Konversion in der kleinen Wisperstadt war für die Stadt schwierig. Sie ist vornehmlich mit den örtlichen ansässigen Firmen, Gewerbetreibenden und Selbstständigen zu guter Letzt doch zufriedenstellend gelungen“, so Peter Griebel.

Weitere Artikelbilder:

Neueste Kommentare

Ein beharrlicher Forscher der Regionalgeschichte
6 Wochen 4 Tage
"Das Lied ist noch wichtiger als vor einem …
7 Wochen 2 Tage
Schöne Sommertage am Rhein
31 Wochen 6 Tage
Schöne Sommertage am Rhein
32 Wochen 2 Tage
Schöne Sommertage am Rhein
32 Wochen 4 Tage


X