Der Aktionsradius erweitert sich enorm

Erste Testfahrer der E-Bike-Aktion „Radfahren neu entdecken“ berichten von ihren 14-tägigen Erfahrungen

„Es war eine tolle Aktion, um einmal ungezwungen ein E-Bike auf Herz und Nieren zu testen“, hält Teilnehmer Max Kaller fest.

Oestrich-Winkel. (sf) – „Mit dem elektrischen Rückenwind waren auch Abstecher in die Ortschaften oberhalb des Rheins ohne größere Anstrengungen möglich. Völlig entspannt konnte ich die Landschaft genießen und das eine oder andere bisher unbekannte Detail entdecken. Anfangs fuhr noch die Angst um die Akkureichweite mit, die sich allerdings als unbegründet erwies. Im Tourenbetrieb ließen sich mehrere Stunden problemlos zurücklegen“, resümiert der Hallgartener Förster Max Kaller seine ersten Erfahrungen mit einem E-Bike.

Kaller hatte im Rahmen eines Projektes des Landes Hessen 14 Tage lang ein kostenloses E-Bike ausprobiert und viele interessante Erfahrungen dabei gemacht. Im Testzeitraum können die Tester wortwörtlich die Vorzüge eines elektrisch unterstützen Fahrrads selbst erfahren. Diese Erfahrungen machte auch Max Kaller: Früher unüberwindlich scheinende Steigungen verlieren ihren Schrecken, auch längere Touren werden kinderleicht und der Muskelkater am nächsten Tag gehört der Vergangenheit an.

Mehr Menschen zu einem Umdenken im Bereich der Nahmobilität zu veranlassen und im praktischen Einsatz zu demonstrieren, dass für innerstädtische Wege Alternativen zur Nutzung des Autos existieren, das ist Ziel der Aktion „Radfahren neu entdecken“. Zusammen mit 11 weiteren hessischen Kommunen nimmt Oestrich-Winkel an einer Kampagne der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität, einer Initiative des Landes Hessen teil, bei der Interessenten kostenlos ein E-Bike zur Verfügung gestellt wird. Man wolle auch den Bürgern „hautnah“ den Reiz des elektrisch unterstützten Fahrens nahe bringen, die noch kein E-Bike besitzen. Sei es, weil Radfahren ihnen bisher zu anstrengend oder ein passendes Rad schlicht zu teuer war. Immerhin werden für ein einfaches E-Bike Preise von 1.000 Euro aufwärts aufgerufen, Spitzenmodelle liegen weit über 5.000 Euro. Um möglichst vielen Nutzern die Gelegenheit zum Testen zu geben, ist der Ausleihzeitraum auf zwei Wochen begrenzt. Am 12. Januar startete die erste Testphase, die jetzt nach 14 Tagen am letzten Dienstag zu Ende ging. Insgesamt stehen für die Stadt Oestrich-Winkel elf Räder zur Verfügung, sodass in den nächsten Wochen 66 Personen in den Genuss von zwei Wochen E-Bike-Fahren kommen. Die Teilnehmer mussten sich im Vorfeld registrieren und erhielten dann die Möglichkeit, sich aus dem Pool von E-Bikes das passende zu reservieren – soweit es noch zur Verfügung stand.

„Ich hatte die Aktion letztes Jahr mitbekommen, als die Stadt Eltville an dem Projekt teilnahm, und wurde dieses Jahr auch von unserem FahrradbeauftragtenKurt Bussweiler per Mail informiert, dass es nun auch in unserer Stadt eine solche Aktion gibt. Mit Kurt Bussweiler stehen wir seit dem Stadtradeln im Mailkontakt“, erzählt Corinna Lippert, die zu den „Premierenfahrern“ der Aktion in Oestrich-Winkel gehörte.

Der Fahrradbeauftragte der Stadt Oestrich-Winkel, Stadtrat Kurt Bussweiler, ist selbst seit vier Jahren begeisterter E-Biker. Sein Radius geht inzwischen über den Nahbereich hinaus: „Eine Woche Deutschland mit dem Rad zu entdecken ist eine gute Alternative zum Urlaub mit dem Auto!“, kommentiert er seine Urlaubserfahrungen. Aber auch er hofft, dass die jetzt gestartete Aktion mehr Menschen in Oestrich-Winkel nicht nur im Urlaub dazu bringt, öfter aufs Rad zu steigen. Flankierend sind in der jüngeren Vergangenheit weitere Maßnahmen umgesetzt worden, die es den Radlern einfacher machen.

Und auch Corina Lippert hat trotz des schlechten Wetters einige Touren unternommen, obwohl sie die gerne mit ihrem Mann ausprobiert hätte und gerne auch lieber in den Frühlingswochen: „Ich hatte mich einmal für mich und einmal für meinen Mann für das Ausleihen eines Rades beworben. Ich hatte dann die Chance, ein Rad zu leihen, und mein Mann hat absolut nichts mehr gehört. Schade. Bis ich mich mit einem Freund, der ebenfalls eins ausleihen konnte, kurzgeschlossen hatte, umwenigstens mit ihm einen gemeinsamen Ausleihtermin wahrnehmen zu können, war es schon sehr spät undfür mich nur noch dieser eine, fast noch im Winter liegende, Termin übrig. Das war etwas unglücklich. Ich bin echt nicht aus Zucker und bin auch gleich mal am übernächsten Tag eine größere Runde zum Einkaufen nach Ingelheim und zurück über die Schiersteiner Brücke, Oberwalluf, Kiedrich und zum Wachholderhof noch Eier mitnehmen, gefahren. 49 Kilometer! Doch war es schon ziemlich kalt. Diese Jahreszeit ist eben nicht gerade ideal, um Leuten, die eigentlich sonst keine großen Radfahrer sind, den täglichen Weg mit dem Rad schmackhaft zu machen“, hält die Teilnehmerin fest. Sie fahre sonst auch viel mit ihrem Rad und mit dem E-Bike erst recht: „Ich habe mir Satteltaschen angebracht und los ging es zum Einkaufen. Gerade im Ort ist es viel einfacher und schneller, wenn man mit dem Rad unterwegs ist. Besseres Durchkommen und keine Parkplatzsuche. Nur wünsche ich mir mehrAkzeptanz von denanderen Verkehrsteilnehmern! Fahrradfahrer werden leider immer noch nicht als „vollwertige“ Verkehrsteilnehmer ernst genommen.“. Corinna Lippert hatte ein Kreidler Vitality Eco 6 und war mit dem Rad sehr zufrieden, auch das Gewicht sei leichter gewesen als gedacht.

Und wie von der Aktion gewünscht, hat Corinna Lippert sich bei ihren Testfahrten mit dem Pedelec vertraut gemacht und sagt zur Handhabung im Alltag mit einem E-Bikes, dass man sich schon Gedanken machen müsse, wo manhin will und planen müsse, wann und wie viel Unterstützung man zuschalte. „Es ist erst mal sehr verlockend, wenn man nicht schweißgetrieben am Berg oben ankommt und auch mal ganz spontan schnell in die Höhengemeinden radeln kann.Im Display hat man aber zu jederzeit die vorhandene E-Energie gut im Blick. Es war also für mich ein Leichtes, gerade mal über Ingelheim zum Wachholderhof Eier zu holen, was ich mir sonst bei dieser Kälte doch noch mal genauer überlegt hätte. Der Aktionsradius erweitert sich enormund ich könnte mir gut vorstellen, auchden Urlaub mit dem E-Bike anzutreten“. Alles in allem sei die Teilnahme an der Aktion eine sehr gute Erfahrung gewesen, auch wenn es schöner gewesen wäre, das Rad zusammen mit Freunden und das dann vielleicht auch noch bei schönem Wetter auszutesten, meint sie. „Die Verlockung ist nun groß, mir ein eigenes E-Bike anzuschaffen“, so Lippert.

Im Pool der Ausleihräder sind eigentlich nicht nur Pedelecs für Tourenfahrer und Pendler. Die Aktion bietet auch Räder, mit denen man Kinder StVO-gerecht mitnehmen kann oder solche, die sich zum Transport von Lasten eignen. Solche Räder kommen aber in Oestrich-Winkel nicht in den Einsatz. Ein S-Pedelec für die ganz Eiligen steht aber zur Verfügung, das bis zu 45 km/h schnell fahren kann und für Pendler gedacht ist, die längere Wege zur Arbeit mit dem Rad zurücklegen wollen. Hierfür müssen allerdings ein Rollerführerschein sowie eine Versicherung vorhanden sein und der ohnehin sinnvolle Helm ist hier Pflicht.

Max Kaller hatte im Rahmen der Testaktion auch ein Tourenrad von Kreidler ausprobiert. „Mitgemacht habe ich bei der Aktion, weil ich schon länger neugierig war, wie sich ein E-Bike in den Alltag einbinden lässt. Ich bin gerne mit dem Mountainbike im Wald unterwegs und versuche auch schon lange, Fahrten innerhalb von Oestrich-Winkel mit dem Rad zu erledigen. Das ist auf Grund unserer Wohnlage unterhalb des Rebhangs immer mit einem kleineren sportlichen Endspurt verbunden. Von dem E-Bike habe ich mir erhofft, dass vor allem der Heimweg leichter fällt und ich so im Alltag noch öfter zum Rad greife“, sagt er. Genutzt habe er das E-Bike in den letzten 14 Tagen zum einen für kleine Besorgungen in Oestrich-Winkel, aber auch für Touren durch den Rheingau. Doch auch Max Kaller machte das Winterwetter Schwierigkeiten: „Die ursprünglich geplanten Fahrten durch den Wald mussten wegen Schnee und Eis leider ausfallen.“. Die Stärke des Rads lägen jedoch definitiv auf entspannten Touren. „Allerdings kam das Rad auf dem Heimweg auch an seine Grenzen, hier hätte ich mir doch etwas mehr elektrische Unterstützung gewünscht. Für Freizeittouren war die Leistung völlig ausreichend, um aber im Alltag öfter als Ersatz für das Auto zu dienen, würde ich ein Modell mit stärkerem Motor bevorzugen. Die zwei Wochen mit dem Rad haben mir auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Es war eine tolle Aktion, um einmal ungezwungen ein E-Bike auf Herz und Nieren zu testen“, hält er fest, als er am vergangenen Dienstag sein Rad wie die anderen elf Teilnehmer wieder zurück gibt. Am Vormittag erfolgte die Rückgabe, nach einer kurzen Inspektion gingen die Räder dann nachmittags an die nächste Gruppe und nach einer kurzen Einweisung wurden sie an die „Testfahrer“ übergeben. Für alle Fälle stehen aber auch Ersatzräder zur Verfügung, falls ein Rad nicht mehr einsatzbereit sein sollte. In diesem Rhythmus geht es dann bis zum Ende des Testzeitraums am 6. April weiter. Den Teilnehmern ist zu wünschen, dass das Wetter genug Gelegenheiten lässt, um ausgiebig zu testen und auch längere Touren zu unternehmen.

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