Bettine von Arnim Lesung in der Brentanoscheune

Bettine von Arnim Lesung in der Brentanoscheune
Rheingau Literatur Festival am Schauplatz eines Buches

In einer szenischem Lesung ließen Krista Posch und Christoph Pütthoff den Briefwechsel lebendig werden.

Winkel. (ak) – „Es ist schon ein erhebendes Gefühl, dass Bettine von Arnim 20 Meter über der Straße immer wieder anwesend war. Es ist etwas ganz Außergewöhnliches, am Schauplatz eines Buches zu lesen“, begeisterte sich Prof. Dr. Heiner Boehncke, der Künstlerischer Leiter des Rheingau Literatur Festivals.

„Bettine von Arnim: Letzte Liebe“ heißt das von Wolfgang Bunzel veröffentlichte Werk. Im Rahmen des Rheingau Literatur Festivals sprach Bunzel mit dem Moderator Prof. Dr.

Heiner Boehncke über die Entstehung des Buches und über Bettine von Arnim. In einer szenischen Lesung als Bettine von Arnim und Julius Döring ließen Krista Posch und Christoph Pütthoff den Briefwechsel lebendig werden.

Bettina, häufig Bettine genannt, von Arnim ist eine geborene Brentano. Sie wurde 1785 in Frankfurt am Main geboren und starb 1859 in Berlin. Sie war eine deutsche Schriftstellerin und eine bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik. Verheiratet war sie mit Achim von Arnim, der neben seinem Schwager Clemens Brentano als ein wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik gilt. Das Ehepaar hatte sieben Kinder. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes 1831 trat Bettines literarisches und soziales Engagement ins Licht der Öffentlichkeit. Die neue Autonomie, die der Witwenstand ihr ermöglichte, führte zu einer Verstärkung ihres öffentlichen Wirkens.

Im Jahr 1835 erschien auch Bettine von Arnims wichtigstes Buch „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“. Bettine hatte schon als junges Mädchen eine enge Beziehung zur Mutter von Johann Wolfgang von Goethe. Die Beschäftigung mit Goethe machte einen großen Teil von Bettinas literarischem Ruf aus und beeinflusste die Romantik.

Das Buch ist in der Form eines Briefromans geschrieben, der Briefwechsel mit Goethe ist von Bettine dafür stark bearbeitet worden. Sie wurde durch diese Veröffentlichung berühmt und zog viele Intellektuelle an.

Zahlreiche begeisterte junge Männer nahmen sich Bettines Verhältnis zu Goethe zum Vorbild und versuchten nun, in Kontakt mit ihr zu treten. So auch der Jurastudent Julius Döring. Er bewunderte sie nicht nur als Autorin, sondern verliebte sich auch in sie und sie erwiderte diese Zuneigung.

Der nun erstmals vollständig vorgelegte Briefwechsel zwischen der Grande Dame der Romantik und ihrer „letzten Liebe“ ist eine faszinierende Korrespondenz – ein letztes unbekanntes Werk der Bettine von Arnim.

Prof. Dr. Wolfgang Bunzel lehrt an der Goethe Universität, ist der Leiter der Brentano-Abteilung im Goethe-Haus und der Geschäftsführer der Trägergesellschaft Brentanohaus. Da lag es auf der Hand, ihn um eine Bettine von Arnim Biografie zu bitten, erzählte der Moderator. Da dass aber noch einige Jahre dauern würde, bot Bunzel den unveröffentlichten Briefwechsel von Bettine mit dem Studenten Julius Döring an.

„Der Briefwechsel ist eine Entdeckung und zeigt Bettine von Arnim von einer unbekannten Seite. Es ist ein Archiv-Fund, ein Archiv-Schatz“, betonte Prof. Bunzel und erklärte: „Der Briefwechsel lag im Goethehaus. Er wurde zunächst von der Familie gehütet und 1960 an den Deutschen Hochstift vermacht.“

Obwohl der Briefwechsel damals in Fachzeitschriften veröffentlicht wurde, hatte er keinen Erfolg, denn Julius Döring war unbekannt.

Anfang der 1960er Jahre hatte keine reife Frau Mitte 50 mit einem 32 Jahre jüngeren Mann korrespondiert. „Die Biografen haben von der Hysterie der Wechseljahre gesprochen und die Beziehung nicht verstanden. Auch haben die Gegenbriefe von Döring gefehlt. Ich habe sie in unserem Archiv gefunden, dadurch entstand ein Gewebe“, verriet Prof. Bunzel.

Mehr als 100 Briefe hatten sich Bettine von Arnim und Julius Döring von 1839 bis 1849 geschrieben, die intensive Phase war in den ersten beiden Jahren.

Bettine hatte noch während des Briefwechsels geplant, diesen Wechsel zum Druck zu geben, es aber doch nicht getan. Dadurch war es ein unbekanntes Briefbuch, das noch nicht zur Veröffentlichung kam.

Jeder der damals mit Bettine von Arnim korrespondierte, musste damit rechnen, dass sie es veröffentlicht. Julius Döring war Jurastudent mit einer poetischen Ader, das hat beide verbunden. „Er war bestimmt hin und hergerissen zwischen der Liebesbeziehung und der Möglichkeit durch Bettine bekannt zu werden“, mutmaßte Prof. Boehncke.

Döring brauchte lange, bis er sich ein Herz fasste und der berühmten, gefeierten Frau schrieb. „Begnadete, gebenedeite Frau“, begann Döring den Brief an eine unbekannte Bekannte und schrieb einen sehr ausführlichen und sehr schwärmerischen Brief. Sofort begann ein reger Briefwechsel und man war auch nach wenigen Wochen beim vertraulichen Du angekommen.

„Lieber Blonder! – zu Füssen wolltest Du mir fallen und dann ans Herz? – Ach! – frühere Gelübde verhindern dies. – Wie gerne wollt ich sonst!“, erklärte Bettine, denn sie fühlte sich an das Treueversprechen gebunden, das sie ihrem verstorbenen Mann gab. Trotzdem geht man nach mehreren Besuchen Dörings zielstrebig zu Zärtlichkeiten über.

„In den ersten acht Wochen entwickelt sich die Beziehung rasend schnell. Es entsteht eine Liebesbeziehung zwischen der 54jährigen Bettine und dem 22 Jahre alten Studenten“, erklärte Prof. Bunzel.

„Sie nennt ihn Blonder. Haben sie ein Bild von Julius Döring bekommen können?“, fragte der Moderator und der Romantikforscher verneinte.

Der Student schreibt Metapher reich und blumig, was für diese Zeit nicht üblich war und Bunzel erklärte: „Er verwendete die Diktion aus Bettines 'Goethes Briefwechsel mit einem Kinde'“, und der Moderator resümierte: „Döring zeigte damit, dass er ein gelehriger Schüler von Bettine von Arnim war.“

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