Erinnerungen aus Rothmühl werden virtuell präsentiert

Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen hat in Hallgarten ausgewählte Exponate digitalisiert

Gabriele Jandl-Schneider(rechts) war gerne bereit, Lydia Tosses und Sascha Gustorf bei den Vorbereitungen für den virtuellen Auftritt zu unterstützen.

Kürzlich besuchte ein Team der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen das Heimatmuseum Rothmühl in Hallgarten, um an mehreren Tagen ausgewählte Exponate der Vertriebenensammlung für die Projektwebseite www.heimatsammlungen.de zu digitalisieren. Der Verein Heimatkunde Rothmühl ist Träger des Heimatmuseums. Gabriele Jandl-Schneider ist Vorsitzende des Vereins und führt damit das Werk ihres verstorbenen Vaters Dr. Hans Jandl fort. Er hat neben seinem Beruf als Pädagoge Dokumente, Kunstgegenstände und Erinnerungsstücke aus Rothmühl zusammengetragen und 1973 den Verein gegründet. 1980 richtete er im ehemaligen Rathaus von Hallgarten das Rothmühler Archiv und ein Heimatmuseum ein, die bis heute dort untergebracht sind.

Gabriele Jandl-Schneider war gerne bereit, Lydia Tosses und Sascha Gustorf von der Bonner Geschäftsstelle der Kulturstiftung bei ihrer Arbeit in Hallgarten zu begleiten, um dazu beizutragen, dass das Werk ihres Vaters somit einem größeren Publikum auch digital zugänglich wird. Neben den ausgewählten Ausstellungsstücken, die für den virtuellen Auftritt im Internet fotografiert und vorbereitet wurden, hat das Team zudem die Räumlichkeiten für eine 360°-Ansicht abgelichtet. Schon bald werden die digitalisierten Objekte in ihren kulturellen Kontext eingebettet und – mit vielen Zusatzinformationen versehen – im Internet zu betrachten sein. Zu dem gezeigten Querschnitt gehören beispielsweise Porzellan, Hüte, Trachten, Tischdeckchen, religiöse Figuren, Kinderwagen, Spielzeug und vieles mehr.

„Es ist von besonderem Wert, was die Vertriebenen aus der Heimat mitgebracht haben und auch bei späteren Besuchen weiter mit Erinnerungsstücken ergänzt haben“, sagt Lydia Tosses, die das Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen Hessen“ leitet. Sie zeigte sich vom Sammlungsbestand der Kulturgüter aus Rothmühl und Umgebung sehr beeindruckt. Darunter sind auch historische Vereinsfahnen und mehrere besonders reizvolle Marionetten nebst Theaterkulissen. Besonders reichhaltig ist das Archiv, in dem sich mehr als 4.000 Originaldokumente und -urkunden, Chroniken und andere handgeschriebene Bücher befinden. Ein Bild- und Videoarchiv informiert über das historische und gegenwärtige Rothmühl; Tonträger dokumentieren die Rothmühler Mundart.

Viele der ausgestellten Trachten und zwei Rothmühler Hochzeitskronen hat Erna Jandl, die ebenfalls verstorbene Ehefrau von Dr. Hans Jandl, in Handarbeit angefertigt. Sie nähte auch Trachten für ihre Kinder und Enkel und für die Ausstattung der Schönhengster Sing- und Spielschar für deren Auftritte. Gabriele Jandl-Schneider und ihre Schwester Marlene Schmitz sind mit Ehepartnern, Kindern und Enkeln bis heute in dieser Sing- und Spielschar aktiv, um mit anderen Nachkommen der Vertriebenen Brauchtum und Lebensfreude aus dem Schönhengstgau zu pflegen. Rothmühl, heute Radimer, liegt in Tschechien in der Landschaft des Schönhengstgaus, der ehemals größten deutschen Sprachinsel in Böhmen und Mähren. Die Mitglieder der Sing- und Spielschar leben verstreut in ganz Deutschland, Österreich und Tschechien, treffen sich zu Probewochen und gemeinsamen Auftritten und sind darüber hinaus untereinander gut vernetzt und freundschaftlich verbunden.

Das Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen in Hessen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen wird finanziell durch das Hessische Ministerium des Innern und für Sport gefördert und dient der Erhaltung des deutschen kulturellen Erbes aus dem östlichen Europa. Es knüpft an das erfolgreich in Nordrhein-Westfalen gelaufene Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen NRW“ an. Mehr dazu im Internet unter www.kulturstiftung.org.

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