Goethe bei den Brentanos

Goethe bei den Brentanos
Tag des offenen Denkmals im Brentanohaus mit Sommerfest, Konzerten und literarischen Spaziergängen

Prof. Dr. Wolfgang Bunzel vom Freien Deutschen Hochstift Frankfurt erläuterte den Gästen, dass dieses Denkmal einst geistig-kulturelles Zentrum der Rheinromantik war.

Winkel. (sf) – Ein Fest voller Romantik mit großem Programm gab es bereits zum dritten Mal im Rahmen des Tages des offenen Denkmals im Brentanohaus und die Gäste strömten auch diesmal von nah und fern in Scharen herbei. Darüber freuten sich nicht nur die beiden Vorsitzenden des Förderkreises Brentanohaus, Prof. Dr. Gerd Weiß und Hans Lange. Gemeinsam mit der Trägergesellschaft Brentano-Haus Winkel gGmbH und weiteren Vereinen hatten sie das Sommerfest im Brentanohaus am Tag des offenen Denkmals mit einem umfangreichen Begleitprogramm wieder initiiert und organisiert . Die Veranstaltungen wurden auch durch die Rheingauer Volksbank und den Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main unterstützt. Bei der Durchführung standen ihnen dann noch weitere Helfer wie Betriebsleiter Frank Kirsch, Schatzmeister Achim Carius, Schriftführer Christian Schwindt und die Beisitzer Dr. Ute Weinmann, Udo von Brentano und Wolfgang Junglas zur Seite.

Und das war auch gut so, denn der Andrang war am Sonntag riesengroß und von 10 Uhr morgens bis in die Abendstunden ungebrochen. Die Reise durch die Zeit der Romantik lockte am Denkmaltag hunderte Besucher aus vier Generationen nach Winkel und ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht: In unterhaltsamen Führungen, Konzerten und literarischen Spaziergängen wurde den Gästen die Zeit der Romantik auf dem geschichtsträchtigen Anwesen des ehemaligen Landgutes der Frankfurter Adelsfamilie von Brentano wirklich erlebbar gemacht. Und der Geist von Goethe, Clemens und Bettine von Brentano, Achim von Armin, Heinrich Heine und den vielen anderen großen Denkern dieser Zeit schien allgegenwärtig.

Das lag vor allem auch an den Lesungen, mit denen Angela von Brentano die Gäste durch den lauschigen Garten führte. Im Badehaus und in der Brentanoscheune gab es außerdem auch immer wieder romantische Serenaden-Konzerte und Musik verschiedener Gruppen. Den Anfang machte das Duo ChordAer: Seit 2014 verweben Steph Winzen am Saxophon und der Querflöte und Alex Litau an der Gitarre ihre musikalischen Gedanken ineinander. Virtuos und romantisch lag die Musik von ChordAer zwischen den Welten von Pop, Rock, Latin, Jazz und Klassik und erzählte instrumentale Geschichten, die sich nicht in Worte fassen lassen: „Inspiration findet sich in jeder kleinen Blüte am Wegesrand des Alltages“. Und so füllte sich die warme Sommerluft des sommerlichen Septembertages zunehmend mit dem Geist der Rheinromantik. Verstärkt wurde das Gefühl einer wirklichen Zeitreise von den Damen und Herren des Eltviller Biedermeiervereins, die auf Einladung des Fördervereines in weitfallenden Kleidern mit Blümchenmuster und Rüschenhüten, spitzenbesetzten Sonnenschirmen oder in Frack und Zylinder durch die weitläufige Anlage und den Rebengarten flanierten.

Sehr begehrt waren natürlich aber auch die Führungen im Brentanohaus: Prof. Dr. Wolfgang Bunzel vom Freien Deutschen Hochstift Frankfurt, der Architekt der Baumaßnahmen am Brentanohaus, Stephan Dreier, Prof. Gerd Weiß vom Vorstand des Förderkreises und Dr. Verena Jacobi vom Amt für Denkmalschutz erläuterten den interessierten Gästen, dass dieses Denkmal einst geistig-kulturelles Zentrum der Rheinromantik war, das man gemäß dem Motto des diesjährigen Tages des offenen Denkmals „Entdecken, was uns verbindet“ zusammen mit vielen Förderern sanieren und erhalten wolle. Der erste Schritt in diese Richtung wurde im Dezember 2014 gemacht, als das Land Hessen das Brentanohaus mit seiner weitläufigen Gartenanlage und dem Weinberg kaufte und die Stadt Oestrich-Winkel und das Freie Deutsche Hochstift Frankfurt zu gleichberechtigten Trägergesellschaftern machte. Nur wenige Monate später gründete sich dann der Freundeskreis Brentano Haus e.V. mit dem Ziel, diesen zentralen Ort der deutschen Romantik in seinem Originalzustand zu retten und ihn wieder zu einem kulturellen Anziehungspunkt zu machen. „Und wir haben schon einiges auf den Weg gebracht“, erklärte der Vorsitzende des Freundeskreises, Professor Gerd Weiß. Doch es sei auch noch vieles zu tun, denn schließlich soll das gesamte Ensemble restauriert und zu einem authentischen Ort der Begegnung für die Öffentlichkeit werden. Im Vordergrund stehen nach der abgeschlossenen Sanierung der Fassade zum Hof und Garten hin, der aufwendigen Dachrestauration und den weiteren äußeren Instandsetzungsarbeiten an der Fassade zur Straße hin nun die behutsame Innenrenovierung der Räume, die authentisch noch so erhalten sind, wie auch einst Dichterfürst Goethe sie erlebt hat. Die historischen Schauräume begeisterten auch am Sonntag wieder hunderte Besucher. Unter der Leitung von Wolfgang Bunzel und Gerd Weiß wurden halbstündliche Führungen durch die historischen Räume angeboten. Die Gäste erklommen ehrwürdig die Stufen im originalen Treppenaufgang von 1751 und staunten dann im roten Salon, im den auch schon Goethe weilte. Dass der im Brentanohaus nicht von allen hochgeschätzt wurde, belegte Baronin Angela von Brentano beim Literarischen Spaziergang durch den Laubengang, indem sie aus Antonia Brentanos Erinnerungen von 1814 zitierte: „Er ist stolz und geizig mit Worten, herablassend schöpft er seinen Teller voller Speisen und isst kaum etwas davon“.

Wunderschön präsentiert sich mittlerweile auch das einst stark verwitterte Badehaus, das wildromantisch am Rande des Weingartens liegt. Wieder einmal sorgte dieses Kleinod bei vielen Besuchern immer wieder für Verzücken: Es stammt aus der Goethezeit von 1817, verfügt noch über den Original-Terrazzofußboden und wird in der Mitte des kleinen Hauses vom Brentano-Wappen auf dem Fußboden gekrönt. Im Rahmen der aktuellen Goethe-Festwoche wurden am Nachmittag im Badehaus, im Garten und in der benachbarten Brentano-Scheune auch eine besondere Lesung, eine Klanginstallation und ein Konzert angeboten. Und auch in der nahen Brentanoscheune folgten ein Konzert mit Lesung und eine Klanginstallation den Spuren der Beschreibungen des Rheingaus, die Bettina Brentano in ihren Briefen an Goethe formulierte. Die Texte illustrierten die Landschaft um das Badehäuschen, dazu gab es kleine szenische Darstellungen und die Musik hatte die Stimmung der Briefe ebenfalls reflektiert. Denn in dem Konzert waren Vertonungen von Gedichten Goethes und Brentanos zu hören, die auf das Thema Natur eingingen: Verbunden wurden die klassischen Liedblöcke durch neu komponierte melodramatische. Patrick Bishay, der sich für die Komposition und Textauswahl verantwortlich zeigte, Bariton Hans Christoph Begemann, Hilko Dumno am Klavier und die Schauspielerin Katherina Bach schlugen mit der Neuvertonung des Komponisten Patrik Bishay von Goethes Ganymed eine Brücke zwischen Natur und Musik.

Alle Konzerte, Lesungen, Führungen und Spaziergänge mündeten dann früher oder später im lauschigen Hof und unter den alten Bäumen des wundervollen Gartens, wo die Winkeler Winzerfamilie Allendorf mit ihrem Team die Gäste mit dem Wein, der am Brentanohaus wächst, und vielen anderen kulinarischen Köstlichkeiten bewirtete.

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