Trinket die Liebe des Johannes

Trinket die Liebe des Johannes
Johannisweinsegnung hat im Rheingau eine lange Tradition

Pfarrer Debus segnete den von den Gläubigen und Winzern mitgebrachten Wein.

Mittelheim. (sf) – „Die Liebe des heiligen Johannes“ tranken die Gläubigen in der Mittelheimer Basilika nach dem Gottesdienst mit Johannesweinweihe. Für die Winzer und ihre Arbeit erbat Pfarrer Debus den Segen. Die heimischen Winzer gestalteten den Festgottesdienst mit und schenkten nach dem Gottesdienst den geweihten Wein aus.

Die Tradition der Weinsegnung an „Winterjohannes“, dem 27. Dezember, ist im Rheingau schon viele Jahrhunderte alt und geht auf eine noch ältere biblische Legende zurück.

Sie erzählt davon, dass man einst dem Heiligen Johannes einen Becher voll vergiftetem Wein zum Trinken reichte. Johannes habe diesen Wein jedoch mit dem Kreuzzeichen gesegnet, bevor er ihn trank, und das Gift soll in Gestalt einer Schlange aus dem Becher gekrochen sein. Der Heilige soll den Wein dann getrunken haben und ganz unbeschadet geblieben sein. In Gedenken an diese Legende hatte man schon im Mittelalter am Tag des Heiligen Johannes, den man am 27. Dezember feiert, einige Flaschen Wein von Geistlichen segnen lassen und für besondere festliche Anlässe wie Hochzeiten, Geburten und Jubiläen aufgehoben. Aber auch bei Krankheiten, in Kriegszeiten, Armut und Not war es Brauch, ein Glas gesegneten Johannisweins zu trinken, um Unheil und Krankheit abzuwenden.

Nach dem Krieg war der Brauch zunächst in Vergessenheit geraten. Ende der 80er Jahre hatten Mitglieder des Winkeler und Mittelheimer Weinbauvereines sich an die schöne Tradition der Johannisweinsegnung zurückerinnert und den Brauch wieder ins Leben gerufen. Seitdem sind der festliche Gottesdienst in der Mittelheimer Basilika nach Weihnachten und die traditionelle Weinsegnung ein feierliches Ereignis, das nicht nur bei Winzern und Rheingauern auf großes Interesse stößt. Aus der ganzen Umgebung kommen Weinfreunde zur Johannisweinweihe nach Mittelheim und auch in anderen Rheingaugemeinden hat man den Brauch inzwischen mit großem Interesse aus der Bevölkerung wiederbelebt. Die Johannisweinsegnung erfreue sich gerade in den letzten Jahren einer immer größer werdenden Beliebtheit und ziehe alljährlich am 27. Dezember Weinfreunde und Gläubige von nah und fern in Scharen an, freuten sich die Winzer.

Und so waren auch diesmal am „Winterjohannes“, wie der 27. Dezember im Volksmund heißt, beim festlichen Gottesdienst und der Weinsegnung in der Mittelheimer Basilika viele Gläubige und Weinfreunde gekommen, als Pfarrer Debus den Gottesdienst eröffnete. Die musikalische Umrahmung der diesjährigen Segnung hatte Organist Peter Moussong übernommen, der die Weinweihe wunderschön mit Weihnachtsliedern umrahmte.

„Viel reicher als der Rosen Elixier, viel voller als die Wolke aus Importen, viel heiliger als Weihrauch duftet mir die Blume Wein von edlen Heimatsorten. Ja, der Erlöser ist uns oft erschienen und hat in schäumenden Mostes Knopse offenbart, dass er den Jüngern , die ihm gläubig dienen, viel Gnaden tief im Keller aufbewahrt“, zitierte Pfarrer Debus in seiner Predigt aus dem Gedicht „Weinblume“ den unvergesslichen Heimatdichter Carl Zuckmayer.

Über zwei Dutzend Flaschen Wein segnete Pfarrer Debus im Rahmen des Festgottesdienstes. Die Hälfte des Weines wurde direkt im Anschluss an die feierliche Segnung ausgeschenkt. Und wie schon in den vergangenen Jahren wurde die Einladung zum gemeinsamen Umtrunk von den Besuchern des Gottesdienstes gerne angenommen. Im Seitenschiff der historischen Mittelheimer Basilika, wo auch die ganz aus Weinreben gebaute Krippe wieder viele begeisterte Blicke auf sich zog, wurde der gesegnete Johanniswein, den die Winkeler und Mittelheimer Winzer gestiftet und mitgebracht hatten, nach dem Gottesdienst ausgeschenkt. Den anderen Teil des gesegneten Weines nahmen die Besitzer jedoch wieder mit nach Hause. Mit dem Johanniswein wird in manchen Familien an Silvester nämlich auch auf ein gesundes neues Jahr angestoßen. Außerdem nutzen die Winzer den Wein auch für einen anderen uralten Brauch. Einige Tropfen des geweihten Johannisweines werden auch heute noch in manchen Weinkellern in die Fässer mit dem jungen Wein gefüllt, um den kirchlichen Segen so weiterzugeben.

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