USA-Reise auf den Spuren von Kommunisten

USA-Reise auf den Spuren von Kommunisten
Felicitas Hoppe stellte ihr Buch „Prawda. Eine amerikanische Reise“ vor

Die preisgekrönte Autorin Felicitas Hoppe stellte in der Brentanoscheune ihr Buch „Prawda.Eine amerikanische Reise“ vor

Winkel. (sf) – „Prawda“, der Titel der bekannten russischen Zeitung ist nicht unbedingt ein Titel, hinter dem man einen amerikanischen Reisebericht vermutet. Doch genau solche irrealen Wortspiele sind es, die das Buch von Felicitas Hoppe „Prawda.Eine amerikanische Reise“ ausmachen. Vergangen Dienstagabend stellte die preisgekrönte Autorin dieses Buch im Rahmen einer Lesung vor und entpuppte sich als Meisterin im Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion.

 

Felicitas Hoppe wurde 1960 in Hameln geboren und lebt seit vielen Jahren als Schriftstellerin in Berlin oder auch im kleinen Schweizer Ort Leuk. Die vielfach ausgezeichnete Autorin ist Trägerin des Georg-Büchner-Preis 2012 und begeisterte mit ihrer freundlichen Art die Gäste in der Winkeler Brentanoscheune. Wenn sie nicht gerade Romane, Erzählungen, Kinderbücher oder Feuilletons verfasst, sei sie viel unterwegs, erzählt die Autorin. Schon ihr Debüt-Roman „Picknick der Friseure“ beruht auf einer Weltreise auf einem Frachtschiff. „Paradiese, Übersee“ heißt eines ihrer weiteren Bücher, ein anderes „Abenteuer – was ist das?“. Man sieht: Felicitas Hopp liebt Reiseberichte, die allerdings immer etwas anders sind, als man vermutet. Wie ihr brandneues Buch „Prawda. Eine Amerikanische Reise“, das sie auf Einladung der Stadt Oestrich-Winkel und mit Unterstützung des Kulturfonds im Rahmen des 9. Literaturfestivals FrankfurtRheinMain in den Rheingau mitgebracht hatte.

Die „Amerikanische Reise“ hat Felicias Hoppe im Herbst tatsächlich 2015 unternommen und sich dabei schriftstellerisch auf die „amerikanische Reise“ begeben, die vor ihr schon 1936/37 die beiden russischen Schriftsteller Ilja Ilf und Jewgeni Petrow gemacht haben: Im Auftrag der Parteizeitung „Prawda“ sind sie kreuz und quer, rund 10.000 Kilometer durch die USA gereist und haben ihre Erlebnisse und Eindrücke immer brav nach Hause telegrafiert. Aus ihrer Artikel-Serie in der „Prawda“ entstand dann auch ein Reisebuch, das erst vor wenigen Jahren unter dem Titel „Das eingeschossige Amerika“ in deutscher Übersetzung erschienen ist. Ilf und Petrow seien durchaus fasziniert vom „American way of life“ beim Klassenfeind gewesen. Natürlich sollten sie aber eigentlich die Überlegenheit der Sowjetunion, der Planwirtschaft, der Diktatur des Proletariats über die kapitalistische Ausbeuter-Gesellschaft dokumentieren. Für sie ein Dilemma, dem sie mit Selbstironie begegneten, was bis heute für Kultstatus ihres Buches sorgt. Und genau dieses kuriose Buch hatte auch Felicias Hoppe auf ihrer Reise immer dabei: „Sozusagen ein Kompass für meinen Amerika-Trip“. Die 60-tägige Reise in einem alten knallroten Ford Explorer „Red Ruby“ startet in Boston, führt über Montreal und Toronto zu den Niagarafällen, nach Detroit und Chicago, dann durch den Mittleren Westen über Kansas City, Oklahoma am Grand Canyon vorbei nach Las Vegas, San Francisco und Los Angeles. Auf der Rückreise geht es über die südliche Variante nach El Paso, San Antonio, New Orleans, über Atlanta hinauf nach Washington und New York. Dabei erlebt auch sie die kuriosesten Dinge, trifft auf den Maler „Brueghel der Jüngste“, erinnert sich an ihren Vater, der die Bücher von Karl May liebte, um mit ihm und Winnetou durch die Prärie zu reiten oder auf den Vater der Eishockey-Legende Wayne Gretzky, um mit ihm über Gott und die Welt plaudern. Einer der Höhepunkte der fiktiven Geschichten ist das Treffen bei einer Freundin in L. A. auf den Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino, mit dem sie Bier trinkt, Zigaretten raucht und, in Anspielung auf einen seiner blutigsten Filme, eine Runde „Kill Bill“ spielt.

In Winkel fesselten alle diese Geschichten auch die gespannt lauschenden Zuhörer, die mit Felicitas Hoppe an diesem Abend literarisch die ungewöhnliche Reise durch die USA unternahmen.

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