428 Frauen und Männer wurden in den Meisterstand erhoben

428 Frauen und Männer wurden in den Meisterstand erhoben
Würdevolle Meisterfeier der Handwerkskammer Wiesbaden / Acht Meisterinnen und Meister aus dem Rheingau

Stolz präsentierten sich die frisch gebackenen Jungmeisterinnen und Jungmeister im großen Festsaal des Wiesbadener Kurhauses.

Rheingau. (mh) – In einer würdevollen Feier im Wiesbadener Kurhaus sind am vergangenen Samstag 428 Frauen und Männer des Prüfungsjahrgangs 2018 aus dem Bereich der Handwerkskammer Wiesbaden feierlich in den Meisterstand erhoben worden. Darunter auch zwei Jungmeisterinnen und sechs Jungmeister aus dem Rheingau. Die Ansprache hielt Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung.

 

„Ich erhebe Sie voller Stolz in den Stand handwerklicher Meisterschaft“ freute sich Präsident Klaus Repp, die frisch gebackenen Handwerksmeisterinnen und -meister auf die Prinzipien des ehrbaren Handwerks und des meisterlichen Könnens verpflichten zu können. Gleichzeitig gab er ihnen mit auf den Weg: „Setzen Sie als Meister ihre eigenen Akzente, bringen Sie Veränderungen ein und gehen Sie Ihren Weg“.

Handwerk sei in Deutschland Garant für Qualität, gute Konjunktur, hohe Ausbildungsleistung, Tradition und Innovation. Einer der Gründe, warum Handwerker einen so guten Ruf genießen, sei das duale Ausbildungssystem. Dieses verbinde das Lernen in der Praxis mit dem notwendigen theoretischen Unterbau.

Weil dadurch Qualität entstehe, trage die duale Ausbildung dazu bei, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland zu den niedrigsten in Europa zähle. Im Handwerk habe jeder, der anpacken möchte, auch wenn er in der Schule nicht der Überflieger war, die Chance auf eine Karriere mit Lehre.

Weil duale Ausbildung Qualitätssicherung und Verbraucherschutz bedeute, muss sie, wie Repp nachdrücklich betonte, erhalten bleiben und attraktiver gemacht werden. Vor allem aber müsse diese, forderte er die Bundesministerin auf, gestärkt werden. Über das Ziel sei man sich einig, über den Weg dahin und die Maßnahmen und Instrumente müsse jedoch debattiert werden. Ihre aktuellen Vorschläge für einen Mindestlohn für Lehrlinge und neue Berufsbezeichnungen seien derzeit Gegenstände einer kritischen Debatte.

Nachdem die Bundesregierung im Jahr 2004 „leider“ für 53 von 94 Handwerksberufen die Meisterpflicht mit dem Ziel, mehr Fachkräfte für das Handwerk zu gewinnen, abgeschafft habe, sei das Gegenteil passiert. Zwar haben in diesen zulassungsfreien Berufen, wie Repp vorrechnete, immer mehr Menschen ihren eigenen Betrieb gegründet. Da jedoch viele der Gründer einen Ein-Mann-Betrieb führten, bildeten sie nur fünf Prozent der Lehrlinge aus. Die tatsächliche Ausbildungsleistung komme jedoch von den Meisterbetrieben.

Auch seine Kammer hoffe auf die Unterstützung der Ministerin, „dass die Meisterpflicht wieder flächendeckend eingeführt wird und die 2004 eingeleiteten Fehlentwicklungen überprüft und korrigiert werden“. Nur so bleibe das Handwerk auch zukunftsfähig, „denn Innovation findet nur in Meisterbetrieben statt, die sich mit Leib und Seele dem Handwerk verschrieben haben“.

An einigen Beispielen auf Baustellen machte der Präsident deutlich, dass die Digitalisierung vor fast keinem Handwerk mehr Halt macht. Wer einen technischen Beruf im Handwerk ergreife, könne die Zukunft mitgestalten und die Welt prägen, „in der auch Ihre Kinder einmal leben“ So eine Chance gebe es nur sehr selten im Leben.

Zum Schluss seiner Rede gab Repp allen jungen Menschen, die in den nächsten Jahren ihre Schule beenden den „wirklich guten“ Tipp, sich ein Vorbild an den heute hier sitzendenden Meisterinnen und Meistern zu nehmen, „denn ihnen stehe eine Karriere offen, von der viele Akademiker nur träumen können“. Das gelte auch für das Gehalt. Wer einen Meistertitel habe, erhalte oft mehr Geld als jemand mit Bachelor-Abschluss.

„Sie können jetzt voller Stolz das „me“ vor Ihren Namen setzen“, gratulierte Oberbürgermeister Sven Gerich in seinem Grußwort allen Jungmeisterinnen und –meistern, „denn Sie sind Vertreter einer Zunft, die es schon seit vielen Jahrhunderten gibt und seither eine große gesamtwirtschaftliche Leistung erbringt.

Herz für das Handwerk

Gleichzeitig dankte er den Verantwortlichen in der Handwerkskammer Wiesbaden für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit in der Vergangenheit. Er habe, so Gerich, immer ein Herz für das Handwerk gehabt und werde dieses auch weiterhin haben. Auch wenn er im nächsten Jahr nicht mehr Oberbürgermeister der Stadt sei, würde er sich über eine Einladung zur Meisterfeier freuen.

„Wir brauchen mehr junge Leute wie Sie, die ihren Beruf zur Berufung gemacht haben“, reihte sich auch Anja Karliczek in die Reihe der Gratulanten mit ein. Sie wisse sehr wohl, dass es für die frisch gebackenen Meisterinnen und Meister ein langer Weg war, „den Sie letztendlich erfolgreich gemeistert haben“.

Wenn Deutschland im internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb nach wie vor einen Spitzenplatz einnehme, sei dies auch dem Handwerk zu verdanken, „denn ohne Handwerk funktioniere Deutschland nicht“. Dies belegten sowohl die Zahlen des Bruttoinlandsprodukts wie auch die sprudelten Steuereinnahmen. Mit Blick auf die Wünsche und Anmerkungen von Präsident Repp machte sie deutlich, „dass ich nicht zum Streiten mit Ihnen nach Wiesbaden gekommen bin“.

Auch der Anstieg der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf inzwischen über 32 Millionen Personen zeige, „dass es unserem Land gut geht“. Sie freue sich über jeden neuen Meister, „damit unser Land auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt“.

Sie wisse ebenfalls sehr wohl, so die Ministerin, „dass durch den technologischen Wandel in Deutschland in den kommenden Jahren über eine Million Arbeitsplätze wegfallen, gleichzeitig aber über zwei Millionen neue Arbeitsplätze entstehen werden.

Mehr Meister statt Master

Weil sich die Arbeitswelt rasant verändere, sei berufliche Qualifikation das Gebot der Stunde. Um auch das Handwerk an die Digitalisierung anzupassen, habe ihr Haus für die Umsetzung der Forschungsagenda „Industrie 4.0“ bisher Fördermittel in Höhe von über 470 Millionen Euro bewilligt. Sie freue sich, „dass wir dabei die Kammern auf unserer Seite haben“.

Nachdrücklich wies die Ministerin darauf hin, „dass wir die berufliche Bildung stärken wollen“. Mit der anstehenden Novelle des Berufsbildungsgesetzes sollen auch formal die Abschlüsse der beruflichen Fortbildung denen der akademischen Bildung angeglichen und damit international sichtbar gemacht werden. Erforderlich seien mehr Meister als Master.

Sie stehe auch voll hinter der Entscheidung, den Meister auf Stufe 6 des europäischen Qualifikationsrahmens einem akademischen Bachelor gleich zu stellen. Weil die Berufsbildung vor einem Internationalisierungsschub stehe, möchte sie die Berufs- und Meisterausbildung noch stärker als bisher international anschlussfähig machen. Dabei unterstütze ihr Haus das Handwerk uneingeschränkt.

Um sich im Wettbewerb auch weiterhin behaupten zu können, schloss sich Anja Karliczek den Worten von Präsident Repp an alle Jungmeisterinnen und Jungmeister an, auch in Zukunft weiter zu lernen und sich weiterzubilden. Ferner als Vorbilder ihre Erfahrungen weiterzugeben, „denn Sie sichern damit Ihre und auch unsere Zukunft.

Nachdem die 16 Jahresbesten des Prüfungsjahrgangs 2018, unter denen sich diesmal kein Rheingauer befand, in aller Öffentlichkeit auf der Bühne ihre Meisterbriefe erhalten hatten, konnten auch alle anderen erfolgreichen Absolventen dieses wertvolle Dokument anschließend in Empfang nehmen.

CDU-Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper gratulierte den frischgebackenen Jungmeisterinnen und Jungmeistern aus dem Rheingau herzlich. „In vorbildlicher Eigeninitiative haben Sie sich die Spitzenqualifikation im Handwerk erworben, was von hoher Motivation, Fleiß und Durchhaltevermögen zeugt. Sie haben erfolgreich dokumentiert, dass sie nicht nur über die fachlichen Kompetenzen, sondern auch die Persönlichkeit verfügen, um höchste Leistungen in ihrem Handwerk zu erbringen, Nachwuchs auszubilden sowie einen Betrieb zu gründen und zu leiten. Sie eröffnen nicht nur sich berufliche Perspektiven, sondern sie stärken zugleich auch das Wirtschaftsleben in unserer Region und entwickeln die Handwerkskultur weiter“. Es sei gut und richtig, dass es als Wertschätzung und Anerkennung für diese Meisterleistung vom Land Hessen eine Meisterprämie gibt.

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