Zum achten Mal in Folge ein gutes Jahr für das Handwerk

Zum achten Mal in Folge ein gutes Jahr für das Handwerk
Jahrespressekonferenz des Hessischen Handwerkstags mit Rückblick auf 2018 und Ausblick auf 2019

Jahrespressekonferenz des Hessischen Handwerkstags mit Wolfgang Kramwinkel, Bernhard Mundschenk und Bernd Ehinger (v.l.n.r.).

Rheingau. (mh) – Das Hessische Handwerk mit seinen aktuell knapp über 74.500 Betrieben und rund 350.000 Beschäftigten blickt auf ein wirtschaftlich gut verlaufenes Jahr 2018 zurück und erwartet für 2019 eine Stabilisierung der Geschäftslage auf hohem Niveau. Das sind die Kernaussagen des in der Jahrespressekonferenz des Hessischen Handwerkstages (HHT) vorgestellten Konjunkturberichts 2018 mit Ausblick auf 2019.

 

Wie Präsident Bernd Ehinger sagte, beurteilten über 88 Prozent der hessischen Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Ein regelrechter Boom habe im Bauhauptgewerbe geherrscht, wo fast 95 Prozent der Betriebsinhaber mindestens zufrieden waren. Damit habe sich die Lage dort gegenüber 2017 nochmals um 1,5 Prozentpunkte verbessert. Dem Ausbaugewerbe gehe es ähnlich gut. Am investitionsfreudigsten seien die Bauhandwerke.

Das Kraftfahrzeuggewerbe habe die innerhalb des Jahres 2017 erreichte Erholung (84,3 Prozent) in etwa gehalten. Das Lebensmittelhandwerk notierte, so Ehinger, am Ende des Jahres 2018 mit 85,7 Prozent an Betrieben mit mindestens zufriedenstellender Geschäftslage. Dies sei ein Rückgang um knapp zwei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Handwerksgruppen, die vorrangig private Kundschaft bedienen, blickten dank Anschaffungs-und Konsumbereitschaft der Verbraucher auf ein gutes Jahr 2018 zurück. In den Gesundheitshandwerken sei der Anteil zumindest zufriedener Unternehmen mit 84 Prozent stabil geblieben. Die Handwerke für persönliche Dienstleistungen hielten, so Ehinger, ebenfalls ihr Ergebnis vom Vorjahr und teilten zu 79,1, Prozent mit, dass ihre Geschäftslage gut oder zufriedenstellend ist.

Sorge bereitet nach den Worten des Präsidenten allein der Fachkräftemangel. So fanden sich im Nahrungsmittelhandwerk, aber auch in den technikorientierten Handwerken wie im Elektro- und Sanitär- Heizungs- und Klimabereich, nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter.

Die Sicherung des Fachkräftebedarfs sei auch deshalb von enormer Bedeutung, damit die Betriebsübergabe von tausenden hessischer Handwerksbetrieben, die ihr Lebenswerk in den kommenden Jahren an die nächste Generation weitergeben wollen, funktioniert.

Ehinger räumte ein, dass die Verschärfung des Wettbewerbs um Fachkräfte zum Teil zu Wartezeiten für Kunden führt. Deshalb sollten alle, die in nächster Zeit Investitionen vornehmen möchten, einen etwas längeren Vorlaufzeitraum einzuplanen.

Das Handwerk sei optimistisch, im Jahr 2019 seine positive Lage auf hohem Niveau stabil halten zu können. Während der Sachverständigenrat nach 1,6 Prozent mit einem Anstieg der Gesamtwirtschaft um 1,5 Prozent in 2019 ausgeht, erwarte das Handwerk nach einem Umsatzwachstum in 2018 von fast fünf Prozent einen Anstieg von vier Prozent in diesem Jahr. Die nochmals erhöhte Auftragsreichweite ließe erwarten, dass sich die Gesamtkonjunktur im Handwerk auch 2019 weiter kraftvoll zeigen werde. Wachstumstreiber dürften, so Ehinger, auch 2019 die Handwerksgruppen Bau und Ausbau sein.

Stabile Ausbildungszahlen

Wie Vizepräsident Wolfgang Kramwinkel mitteilte, wurden in den drei hessischen Handwerkskammern Frankfurt-Rhein-Main, Kassel und Wiesbaden insgesamt 10.265 neue Lehrverträge im Erhebungszeitraum 1. Oktober 2017 bis zum 30. September 2018 eingetragen. Damit verharre diese Zahl auf einem hohen Niveau.

Das hessische Handwerk knüpfe mit diesem Wert an das Vorjahresniveau an, wobei es einen kleinen Rückgang um 125 oder 1,2 Prozent neu abgeschlossener Lehrverträge gegenüber dem hohen Wert des Vorjahres gab. Damit seien die 75.000 hessischen Ausbildungsbetriebe nach wie vor der stärkste Ausbilder der mittelständischen Wirtschaft. Sorge bereite allerdings der zunehmende Mangel an geeigneten Lehrstellenbewerbern

Gleichzeitig machte Kramwinkel deutlich, dass der Anteil von Lehrlingen mit Fluchthintergrund sich mittlerweile deutlich erhöht hat. „Die hessischen Handwerkskammern verzeichneten Ende Oktober 2018 fast 1.300 neu eingetragene Lehrverträge mit jungen Menschen aus den Hauptfluchtländern, im Vorjahr waren es knapp 920 Verträge“, so Kramwinkel.

Diese Zahlen zeigten, dass das hessische Handwerk nicht nur Ausbildungs-, sondern auch wichtiger Integrationsmotor ist. „Unsere Ausbildungsbetriebe beweisen, wie Handwerk auch gesellschaftliche Verantwortung übernimmt“, sagte Kramwinkel. Es komme nicht darauf an, wo jemand herkomme, sondern wohin er wolle. Auch „Studienzweifler“ nehme das Handwerk gerne auf.

Der Vizepräsident geht davon aus, dass das hessische Handwerk auch in 2019 über 10.000 neue Lehrverträge wird abschließen können. „Dieses Ziel werden wir allerdings nur erreichen, wenn es uns endlich gelingt, von einem Bildungsideal weg zu kommen, wonach die ‚Menschwerdung‘ erst mit dem Abitur und einem sich automatisch anschließendem Studium beginnt“, so Kramwinkel abschließend.

Strukturwandel

Die Zahl der hessischen Handwerksbetriebe ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Nach Angaben von HHT-Geschäftsführer Bernhard Mundschenk erhöhte sich insgesamt die Zahl der bei den hessischen Handwerkskammern eingetragenen Betriebe um 233 beziehungsweise 0,3 Prozent auf 74.509 Handwerksbetriebe.

Auffällig dabei sei allerdings eine gegenläufige Entwicklung bei den Handwerksgruppen. So sei die Zahl der zulassungspflichtigen Handwerke, zu deren Ausübung grundsätzlich der Meisterbrief erforderlich ist, um 377 Betriebe zurückgegangen.

Umgekehrt habe es bei den zulassungsfreien Handwerken und handwerksähnlichen Betrieben ein Plus von 606 Betrieben gegeben. „Diese Zahlen belegen, dass sich der durch die Handwerksnovelle 2004 ausgelöste Strukturwandel im heimischen Handwerk weiter fortsetzt“, so Mundschenk. Die Folge sei auch die Zunahme von „Pfusch am Bau“. Auch könnten diese Betriebe keine Lehrlinge ausbilden, weil sie ihre Kenntnisse durch „learning by doing“ erworben haben.

Um diesem Trend aufhalten zu können, halte er eine Novellierung für erforderlich. Er hoffe, dass sich die neue Hessische Landesregierung für die „handwerkschaftliche Meisterschaft“ in Europa einsetzen werde. Gleichzeitig forderte er eine bundeseinheitliche Regelung bei der Übernahme und Prüfungs- und Kursgebühren bei der Meisterprüfung sowie eine finanzielle Gleichstellung wie bei der akademischen Bildung.

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Musik aus der Zeit des Hattenheimer Geigerkönigs
9 Wochen 3 Tage
Fachwerkhaus beschädigt
13 Wochen 1 Tag
Betrieb im Kindergarten Ranselberg geht weiter
32 Wochen 3 Tage
60 Menschen verlieren ihren Job
1 Jahr 1 Woche
Dem Opernsänger Peter Parsch zum Gedenken
1 Jahr 10 Wochen


X