Wo Ackerwildkräuter noch gehegt und gepflegt werden
Informative und lehrreiche Wanderung zum Feldflora-Reservat in Hausen vor der Höhe

Wolfgang Ehmke führte die Teilnehmer zum Feldflora Reservat in Hausen v.d.H. und erläuterte die dort angebauten Wild- und Nutzpflanzen.

Rheingau. (mh) – Trotz der vorangegangenen Niederschläge und der immer noch immer dunklen regenschwangeren Wolken hatten sich am Abend des 4. Juni eine stattliche Zahl an interessierten Naturfreunden am Dorfgemeinschaftshaus von Hausen vor der Höhe eingefunden, um an einer informativen und lehrreichen Wanderung zum Feldflora-Reservat unter der Leitung von Diplom-Agrarbiologen Wolfgang Ehmke teilzunehmen.

Seine Entstehung verdankt das vom Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H. betreute Projekt dem ungewöhnlichen Artenreichtum der Äcker um den Schlangenbader Ortsteil. Dieser Reichtum war bei der im Jahr 1997 von der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Taunus durchgeführten Erfassung der botanisch noch wenig erforschten Pflanzenvielfalt in den Mittelgebirgen aufgefallen.

Dank der Aufgeschlossenheit der Gemeinde, des Eigentümers und der Landwirte war es gelungen, in mühevoller Kleinarbeit gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft und dem Landwirt Wenzel Taut mit seinen Söhnen ein solches Reservat mit einer Größe von cirka 1,3 Hektar einzurichten und mit alten Kultursorten wie Dinkel, Emmer, Einkorn, Lein und Buchweizen einzusäen

Davon werden 3.000 Quadratmeter als Ackerschonstreifen, das heißt ohne Düngung und Spritzung, bewirtschaftet. 700 bis 800 Quadratmeter sind als Demonstrationsparzellen abgeteilt. Parallel dazu gründete sich der Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H., bestehend aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern, der für die Pflege und Unterhaltung des Reservates verantwortlich ist. Im Juni 2001 war das FFR Hausen eingeweiht worden.

Nachdem der Deutsche Verband für Landschaftspflege dem Verein im Jahr 2006 als Würdigung der Bereitstellung gesicherter Lebensräume für seltene Ackerwildkräuter den „Oskar“ der Landschaftspflege verliehen hatte, wurde er vor Kurzem als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt als einer der Gründungsstifter der Bürgerstiftung Unser Land: RheingauTaunus ausgezeichnet.

„Es ist immer wieder spannend zu sehen, was uns die Natur so alles geschenkt hat“, wies Ehmke auf dem Weg zum FFR immer wieder auf am Rande stehende Wildpflanzen, wie beispielsweise die Schwarze Glockenblume, den Goldenen Kälberkopf, den Grünen Pippau und den Kleinen Klappertopf, hin.

Mit großem Stolz berichtete er, dass man anfangs cirka 40 Wildkräuter gefunden habe. Inzwischen habe sich deren Zahl dank intensiver Suche auf 130 Exemplare erhöht. Darunter ein gutes Dutzend, die auf der sogenannten „Roten Liste“ stehen. Die Erhöhung der Artenvielfalt sei vor allem aber dem Verzicht der Landwirte auf Spritzen und Düngen zu verdanken. Viele Samen könnten bis zu 50 Jahren im Boden „ruhen“, um bei für sie günstigen Bedingungen zu keinem und zu wachsen. Deshalb sei es sein großer Wunsch, dort ein Naturschutzgebiet einzurichten.

Seit Beginn des Ackerbaues in Deutschland um 5500 v. Chr. Habe sich die Ackerflora dauernd verändert. Schon mit der Einfuhr der ersten Getreidearten Einkorn und Emmer aus Südosteuropa in der Jungsteinzeit seien zugleich fremde Wildkräuter mit eingeschleppt worden.

Nach der römischen „Besatzungszeit“ sei ein weiterer „Schub“ in der Neuzeit nach 1492 mit Beginn des weltweiten Handels erfolgt. Seit etwa 1850 führten, so Ehmke, „die sich verändernden Methoden und die damit einhergehende Intensivierung des Ackerbaues zu einem immer schnelleren Rückgang der Ackerkräuter. Von etwa 300 Arten in Hessen seien fast 50 Prozent bereits ausgestorben oder gefährdet.

Drei-Felder-Wirtschaft

An den Demonstrationsparzellen angekommen, erläuterte er die Dreifelderwirtschaft im Herzogtum Nassau, die sich etwa seit dem achten Jahrhundert entwickelt und den Ackerbau mehr aus tausend Jahre geprägt habe. Dabei sei den Bauern per Anordnung ein dreijähriger Kreislauf von Sommerfeld, Winterfeld und Brache zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit vorgeschrieben worden. Wegen zahlreicher Hungersnöte sei ihnen jedoch später erlaubt worden, zwei Drittel des Brachfeldes zum Anbau unter anderem von Kartoffeln, Kohlrabi oder Weissrüben zu nutzen.

Nachdem Ehmke den Wildpflanzenwanderern alte Getreidesorten, wie beispielsweise Dinkel oder Spelz, Einkorn, Emmer und Lein oder Flachs vorgestellt und auf erforderliche behördliche Genehmigungen beim Anbau von Hanf und Schlafmohn hingewiesen hatte, ging er näher auf den Färber-Waid ein. Ihr Samen sie auch der sämtlicher anderer Pflanzen würden im Herbst geerntet und im nächsten Jahr wieder ausgebracht.

Vor allem im Mittelalter sei Färber-Waid die wichtigste Pflanze zum Blaufärben von Stoffen gewesen. Auch im früheren Nassau habe es relativ viele Waidfelder für das Blaufärben („Blaues Ländchen“) gegeben. Nach dem Erlöschen des Anbaues habe sich die Pflanze Lebensräume an Felshängen und Weinbergsmauern, wie beispielsweise in Lorch, erobert. Im Heimatmuseum von Nastätten seien die Geräte und Verarbeitungsschritte zum Blaufärben anschaulich dargestellt.

Interessenten an einer Wanderung zum FFR können sich im Internet unter www.feldflora-taunus.de informieren. Da ab dem Dorfgemeinschaftshaus gut sichtbar Hinweisschilder angebracht sind und die in den Demonstrationsparzellen wachsenden Pflanzen gut beschrieben werden, kann die Wanderung auch ohne Führung unternommen werden. Außerdem sind im Keltenhaus neben den Parzellen weitere wertvolle Hinweise angebracht.

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