Annika Walther ist neue Rheingauer Weinprinzessin

Alexandra Unger will die deutsche Krone holen / Rheingauer Weinkönigin Valerie Gorgus hängt ein Jahr dran

Blumen nach einem „unglaublichen, verrückten Jahr“ bekam das Weinmajestäten-Duo des Jahres 2019/20, nachdem Alexandra Unger die Krone abgelegt hatte.

Rheingau. (hhs) — Eine besondere Situation erfordert besondere Maßnahmen. Beim Rheingauer Weinbauverband haben sich die Verantwortlichen in Absprache mit den Weinmajestäten für einen ungewöhnlichen Weg entschieden: Die bislang weitgehend digital und ohne öffentliche Auftritte amtierende Weinkönigin Valerie Gorgus bleibt ein Jahr länger im Amt. Ihre Prinzessin Alexandra Unger geht stattdessen für den Rheingau ins Rennen um die Krone der Deutschen Weinkönigin. Ihr folgt als Rheingauer Weinprinzessin Annika Walther.

Verabschiedung der scheidenden und Krönung der neuen Weinprinzessin erfolgten am Abend vor dem Start des „Herbsterlebnis“, das in diesem Jahr nach dem Frühjahrs-Lockdown die Schlemmerwochen ersetzt und noch bis einschließlich Sonntag läuft, am letzten Wochenende mit sehr großem Erfolg.

Den feierlichen Rahmen für den „Machtwechsel“ bildete ein Empfang im Hallgartener Riesling-Pier der Familie Keßler. Dort wurde die Krönung in ihrem Heimatort ein Heimspiel, wie Annika Walther betonte. Dass sie just an diesem Tag auch ihren 21. Geburtstag feierte, war für die neue Weinprinzessin doppelter Grund zur Freude. Die Krone, aber noch mehr das Vertrauen der Winzer seien „mit Abstand das schönste Geschenk, dass ich je zum Geburtstag erhalten habe.“

Fünf Jahre lang vertrat Annika Walther die Hallgartener Winzer und ihre Weine. Sie hat in dieser Zeit ein profundes Weinwissen erworben und an der Hochschule Geisenheim das Studium der Internationalen Weinwirtschaft aufgenommen. Davon konnten sich die Gäste im Riesling-Pier einen Eindruck verschaffen. Fachlich wie rhetorisch überzeugend stellte Annika Walther unter Beweis, dass sie ein guter Counterpart zu Valerie Gorgus sein wird. Gemeinsam wollen die beiden jungen Frauen nun für ein Jahr den Rheingau regional, national und digital mit Charme, Fachwissen und Begeisterung für den Wein vertreten.

Fast wie im Stil der Wahlen bei „Rheingau Royal“ oder auch zur Deutschen Weinkönigin stellte die neue Weinprinzessin einen Wein vor, den die Gäste im Riesling-Pier im Glas hatten. Ebenso souverän bewies sie auch ihre Spontaneität und Schlagfertigkeit bei einem kleinen Rätselspiel und einer spontanen Rede zu vorgegebenen Begriffen.

„Als Rheingauer Weinprinzessin möchte ich die Menschen begeistern. Sei es von unseren Winzern und deren Weinen, unserer Kultur und Geschichte oder der gesamten Schönheit unserer Region. Ich möchte über die Grenzen des Rheingaus hinaus unsere Lebensfreude transportieren. Ich brenne für unsere Heimat, unseren Wein und das wofür wir stehen: Einzigartigkeit, Vielseitigkeit, Offenheit und pure Lebenslust. Für mich ist der Rheingau nicht nur Kulturgut, sondern Zuhause. Außerdem sehe ich das Amt als Rheingauer Weinprinzessin als Chance, meinen Horizont zu erweitern. Es ist mir eine Ehre, meine Heimat repräsentieren zu dürfen“, hatte Annika Walther schon im Vorfeld ihrer Krönung erklärt und bestätigte das in überzeugender Manier bei ihrer Krönung.

Märchenhaft

Bevor die Neue ihre Prinzessinnen-Krone aufsetzen konnte, musste ihre Vorgängerin Alexandra Unger aber noch ebendiese Krone abgeben. Dafür hatten sich Weinkönigin Valerie Gorgus und Alexandra Unger eine eigene Abschiedszeremonie einfallen lassen: Weil das vergangene Jahr mit der Corona-Pandemie just zu Beginn der „Weinköniginnen-Saison“ so „unglaublich, ungewöhnlich und verrückt“ gewesen sei, „könnte man fast glauben, es sei alles erfunden und habe nie stattgefunden – fast wie in einem Märchen.“

Für Valerie Gorgus, die sich so viel vorgenommen hatte, lautete die ernüchternde Bilanz: „Eine Königin ohne Termine ist keine Königin.“ Auch deshalb habe sie sich entschlossen, noch ein Jahr dran zu hängen. Für Alexandra Unger kam das nach zwei Amtsperioden als Rheingauer Weinprinzessin nicht in Frage. „Wir haben beide nicht damit gerechnet, dass alles so verläuft, und dass wir eigentlich nichts von unserem Amt hatten“, bedauerte auch sie. Sie habe sich besonders auf Reisen zur Internationale Tourismusbörse nach Berlin und zur Messe ProWein nach Düsseldorf gefreut – was wie viele andere Events geplatzt sei. Trotzdem blieb sie positiv. „Wir haben das Beste daraus gemacht.“

Weil alles so unwahr erschien, erzählten Valerie Gorgus und Alexandra Unger ihre Story in Form eines Märchens und ließen ihr gemeinsames Jahr in diesem Sinne Revue passieren. Kurzweilig und kreativ hob sich die Verabschiedung von Unger wohltuend von altbekannten, häufig auch mal von Tränen begleiteten Abschiedsritualen ab.

Dank an Valerie

Für die scheidende Weinprinzessin gab es herzlichen Dankesapplaus und den obligatorischen Blumenstrauß. Den bekam auch Valerie Gorgus, obwohl für sie weder Abschied noch Neuanfang anstanden. Sie hatte sich entschieden, sich noch ein Jahr als Weinkönigin für den Rheingau zu engagieren, obwohl sie mittlerweile ihr Betriebswirtschafts-Studium erfolgreich beendet hat und seit September in einem führenden Rheingauer Weingut arbeitet.

Bedingt durch die Corona-Pandemie konnte sie ihr erstes Amtsjahr nur eingeschränkt ausführen. Um den Rheingauer Wein dennoch repräsentieren zu können, warb Valerie Gorgus in den sozialen Medien mit unterhaltsamen und kurzweiligen Videobeiträgen. Als Moderatorin der digitalen After-Work-Reihe #Winetalk@Rheingau präsentierte sie jeden Donnerstag charmant zwei Rheingauer Winzer in einer eigenen Show.

Das war dem Rheingauer Weinbauverband ein besonderes Dankeschön wert. „Wir möchten Valerie für das besondere Engagement danken. Sie hat kreativ und gekonnt den Rheingau in den sozialen Medien präsentiert und so in der schwierigen Zeit immer wieder für sympathische Momente gesorgt“, lobte Präsident Peter Seyffardt.

Kandidatur

Optimistisch fährt Alexandra Unger zur Wahl der Deutschen Weinkönigin nach Neustadt an der Weinstraße. „Für mich geht die Reise jetzt weiter“, gab sie ihr neues Ziel aus. Es sei „eine ganz außergewöhnliche Situation, eine wahnsinnig spannende Reise“ erklärte sie. Aber schon jetzt sei mit der Kandidatur ein Traum in Erfüllung gegangen. „Ich werde mein Bestes geben“, versprach sie. „Und dann werden wir sehen, mit was ich nachhause komme.“

Die Filmaufnahmen, in der die Kandidatinnen der Jury wie auch den Zuschauern im Fernsehen vorgestellt werden, sind längst im Kasten. Jetzt geht es in die finale Phase. „Alexandra hat sich immer engagiert für den Rheingauer Wein eingesetzt und mit viel Begeisterung ihr Amt ausgefüllt“, drückt ihr nicht nur Verbandsgeschäftsführerin Andrea Engelmann ihr die Daumen für die Wahl.

An der Erfahrung wie auch am Fachwissen wird es nicht mangeln. Denn Alexandra Ungers Majestäten-Karriere begann schon 2013. Damals wurde sie Geisenheimer Weinprinzessin; zwei Jahre später folgte das Amt der Geisenheimer Weinkönigin. Gleich zweimal nahm Unger ihren Mut zusammen und stellte sich der Wahl zur Rheingauer Weinkönigin, um ihren größten Traum, die Teilnahme an der Wahl der Deutschen Weinkönigin umzusetzen. Als Rheingauer Weinprinzessin repräsentierte sie 2017/2018 und – in deutlich reduzierter Form – auch 2019/2020 jeweils ein Jahr die Region bei zahlreichen Veranstaltungen.

„Sie wäre nach 48 Jahren die erste Deutsche Weinkönigin aus dem Rheingau“, drückte auch Weinbaupräsident Peter Seyffardt seine Hoffnung auf ein gutes Abschneiden aus. Dass er sich mit den Jahren so gut auskennt – und zu seinem persönlichen Bedauern bislang von Jahr zu Jahr weiter zählen muss – liegt daran, dass die letzte Deutsche Weinmajestät aus dem Rheingau seine Schwester Ulrike Neradt war.

„Wir drücken dir alle Daumen, dass du Deutsche Weinkönigin wirst“, betonte er seine Sympathien für Alexandra Unger. „Gute Chancen hast du auf jeden Fall“. Die so angesprochene konterte trocken: „Prinzessin wäre auch schon sehr gut.“

Der SWR überträgt die Fachbefragung zur Wahl der Deutschen Weinkönigin am Samstag, 19. September, um 16 Uhr per Livestream unter swr.de/weinkoenigin. Am darauf folgenden Freitag, dem 25. September wird die Wahl der Deutschen Weinkönigin im SWR ab 20.15 Uhr live aus dem Saalbau in Neustadt an der Weinstraße übertragen.

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