Dreikönigskekse im Segenspäckchen

Rheingauer Kirchorte verteilen den Sternsinger-Segen in Kirchen, Briefkästen und digital

Keine Sternsingerin, aber eine Segensverteilerin: Stephanie Anthoni ist eine von mehreren Ehrenamtlichen in Eltville, die im Lauf der Woche die Segenspäckchen in die Briefkästen bringt – gemeinsam mit ihren Kindern.

Rheingau. (chk) – Normalerweise wären in dieser Woche Caspar, Melchior, Balthasar und ihr Gefolge in bunten Gewändern durch die Kirchorte der Pfarreien St. Peter und Paul Rheingau und Heilig Kreuz Rheingau gezogen, um ihren Segen im direkten Kontakt zu den Menschen zu bringen, die dies wünschen. Doch in Zeiten von Corona erfährt diese Tradition eine Erschütterung, die in den Kirchorten der beiden Rheingauer Pfarreien durch Segensbriefe oder -päckchen gelindert wird. Manche Gruppen aus den Kirchorten melden sich mit digitalen Sternsinger-Botschaften.

 

Auch in den Kirchen werden in diesen Tagen Segensaufkleber und geweihte Kreide zum Mitnehmen ausgelegt. Wer nicht in die Kirche kommen will oder kann, kann im Pfarrbüro den Segen bestellen, der kontaktlos zugestellt wird. Mancherorts kommen die Aufkleber in die Briefkästen, andernorts werden sie von den Überbringern aufgeklebt oder der Segen wird mit Kreide an die Tür geschrieben – aber immer ohne zu klingeln, um den direkten Kontakt zu vermeiden.

Das Eltviller Sternsinger-Team hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Im Segenspäckchen, das in dieser Woche in viele Briefkästen der Kernstadt kommt, finden die Empfänger neben einem Anschreiben und einem Segensaufkleber auch „Eltviller Dreikönigskekse“. Diana Schuck hat Kaspar, Melchior und Balthasar in Keksform gebacken. Für mehr als 1.000 Kekse hat sie den Teig gemacht, die Formen ausgestochen und zum Schluss bunt verziert – natürlich mit der tatkräftigen Hilfe ihres Mannes Andreas, und ihrer Kinder Korbinian und Katharina-Aurelia. „Wir haben fünf Tage durchgebacken, aber es hat Freude gemacht“, sagt Diana Schuck strahlend. Die Familie hat auch beim Packen der 336 Segens-Päckchen geholfen, genau wie Ines, Stefan und Pauline Bittner und Florian Wende, der das Eltviller Sternsinger-Team weiter unterstützt, obwohl er inzwischen nach Mainz gezogen ist. Auch beim Verteilen werden sie dabei sein.

Daran werden sich weitere Familien nach einem festen Plan beteiligen und im Laufe der Woche den Segen verteilen. Am vergangenen Samstagvormittag standen die Segenspäckchen zur Abholung im katholischen Pfarrzentrum bereit. Für die Aktion hat das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ gelbe Masken geliefert, versehen mit Sternen und dem Aufdruck „Sternsingen – aber sicher“. „Wir haben 130 Anmeldungen und weitere Empfehlungen für die Segenspäckchen“, erklärt Stefan Bittner. Außerdem wurden Segenspäckchen auch nach dem Gottesdienst am Dreikönigstag zum Mitnehmen ausgelegt. Dort konnten auch Spenden für die Sternsingeraktion abgegeben werden. Darüber hinaus bat das Sternsinger-Team auch im Anschreiben um Spenden auf das Konto der Kirchengemeinde St. Peter und Paul Rheingau, IBAN: DE86 5105 0015 0461 0004 36, mit dem Verwendungszweck „Sternsingeraktion 2021 – Kirchort Eltville“. Auch andere Spender aus der Pfarrei St. Peter und Paul Rheingau können dies unter Angabe ihres Kirchortes tun, wenn sie ihre Spende nicht in einem Gottesdienst abgeben können.

„Wir Sternsinger können Ihr Haus dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie leider nicht persönlich besuchen. So wünschen wir Ihnen auf diesem Wege Gottes Segen für das neue Jahr!“, steht in einem Begleitbrief, der in Martinsthal mit dem Segensaufkleber – nach vorheriger Absprache – zum Selbstaufbringen in die Briefkästen verteilt wurde. Judith Scheuerling, die die Sternsinger-Aktion in Martinsthal organisiert, weist darauf hin, dass die Segensaufkleber auch nach dem 6. Januar noch in der Kirche ausliegen. In ähnlicher Weise handhaben dies auch die übrigen Kirchorte in der Pfarrei St. Peter und Paul Rheingau. Aus Kiedrich und Rauenthal ist bekannt, dass die Sternsinger ebenfalls einzeln und privat Segensaufkleber und Flyer nach Vorbestellung in die Briefkästen verteilen.

Kinder nicht beteiligt

Ähnlich läuft es in den Kirchorten der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau. Auf der Homepage der Pfarrei gibt es auch Videobotschaften einiger Kirchorte. Beispielsweise aus Lorchhausen kommt ein Video mit Kaspar, Melchior und Balthasar und Erklärungen zur aktuellen Sternsinger-Aktion. Für Geisenheim und Marienthal organisiert Marvin Kilian die „Segensverteilung“, die dort am 8. Januar stattfinden wird. Schon Mitte Oktober hatte er sich mit den ehrenamtlichen Gruppenleiterinnen und Gruppenleitern im Alter zwischen 15 und 28 Jahren zusammengesetzt, um über die Durchführung der Aktion zu diskutieren und alle mit einzubeziehen. „Zu diesem Zeitpunkt wollten wir noch klassisch, mit Kindergruppen, von Tür zu Tür gehen“, erklärt er. „Dazu wurde ein Hygienekonzept für die gesamte Aktion entwickelt, sowohl für die Gruppen unterwegs, als auch im Pfarrzentrum, für die Küche, den Transport, die Übergabe der Spenden, das Anschreiben des Segens und den Aussendungsgottesdienst.“ Zum ersten Mal gab es eine Anmeldung. „Das war für uns wichtig, um den Zeitverlust, der zwangsläufig mit den Hygieneregeln einhergeht, aufzufangen, und um den Leuten die Option zu geben, selbst zu entscheiden, ob sie in dieser Zeit Besuch wünschen oder lieber nicht.“ Als die aufwendige Planung abgeschlossen war, kam Anfang Dezember der Lockdown durch die Regierung und drei Tage später vom offiziellen Sternsinger-Netzwerk die Empfehlung, keine Personen zu besuchen.

„Wir haben währenddessen schon überlegt, wie wir alternativ arbeiten können, und nach dieser Empfehlung haben wir entschieden, trotzdem alle angemeldeten Häuser zu besuchen, allerdings ohne zu klingeln“, erläutert Marvin Kilian. „Wir erneuern nur den Segen bei den Personen, die das bei der Anmeldung angegeben haben und werfen ein Segenspaket in den Briefkasten. Darin sind dann schriftlich die Segenswünsche enthalten, ein Schreiben der Pfarrei, ein wenig Infomaterial zur Sternsingeraktion allgemein und ein Flyer mit den Kontodaten, falls gespendet werden möchte.“ Kinder werden nun nicht mehr an der Aktion beteiligt. „Die Gruppenleiter werden in Zweiergruppen gehen – mehr Haushalte sind sowieso nicht erlaubt“, betont er. „Ich sitze während der Aktion im Pfarrzentrum und koordiniere und bin Ansprechpartner für alles. Statt der geplanten drei Tage wird die Aktion so aber auch auf einen Tag komprimiert, dadurch gibt es keine Mahlzeiten mehr und es muss kein Küchenteam organisiert werden.“ Inzwischen gibt es auch ein Video der Geisenheimer Sternsinger mit Lied und Segen auf der Homepage www.heilig-kreuz-rheingau.de online.

„Sternsingen bedeutet anstrengende Laufwege von Tür zu Tür, viele tolle Erlebnisse, manche unschöne, aber wichtig ist uns Gruppenleiterinnen und Gruppenleitern immer der Abend gewesen, wenn man gemütlich zusammensitzt, gemeinsam isst und die spannendsten Geschichten aus den einzelnen Gruppen erzählt und sie miteinander teilt. Die Kinder haben immer einen riesigen Spaß dabei. All das fällt dieses Mal weg, und wir sind sehr gespannt, wie sich die Sternsingeraktion diesmal anfühlt“, sagt Marvin Kilian. Wenn er den Anrufbeantworter für die Segensaktion abhört, erkennt er an den Stimmen einiger Leute, dass sie das in dieser Zeit brauchen und dass ihnen der Segen etwas bedeutet.

Segnen und Sammeln

Genau das geht auch aus dem Motto der Sternsingeraktion 2021 hervor: „Die Welt braucht eine frohe Botschaft.“ Und der „Untertitel“ dazu lautet „Heller denn je.“ Hinter der bundesweiten Aktion „Dreikönigssingen“ stehen das Kinderhilfswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit ihrem Start im Jahr 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Insgesamt haben die Sternsinger bisher über eine Milliarde Euro gesammelt. Weltweit wurden dadurch mehr als 70.000 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa gefördert. In diesem Jahr stehen Kinder in der Ukraine im Mittelpunkt, doch es werden, wie in jedem Jahr, Projekte für Kinder in aller Welt gefördert. Die Organisatoren weisen darauf hin, dass die Folgen der Corona-Pandemie ganz besonders Kinder in ärmeren Ländern betreffen, weil sie durch den Mangel an Lebensmitteln, Schulschließungen, eine unzureichende Gesundheitsversorgung und einen Anstieg ausbeuterischer Kinderarbeit gefährdet sind. „Kindern halt geben – in der Ukraine und weltweit“ lautet das Motto auf dem ursprünglichen Aktionsplakat.

„Segnen und Sammeln“ soll auch 2021 das Anliegen der Sternsingeraktion sein. Damit bei der kontaktfreien Verteilung des Segens dennoch gespendet werden kann, liegen allen Segensbriefen und -päckchen Informationen bei, die ausdrücklich um Überweisen der Spenden an die Pfarreien bitten.

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