Ende einer Ära: Berthold Fuchs im Ruhestand

Ende einer Ära: Berthold Fuchs im Ruhestand

28 Jahre Weinbauberatung mit enger Verbindung von Wissenschaft und Praxis

Blumen und viele warme Worte zum Abschied: Berthold Fuchs, eingerahmt von Dr. Manfred Engel und Jutta Flocke.

Rheingau. (hhs) — Im Beisein von ehemaligen und aktuellen Kollegen, langjährigen Weggefährten und gleich zwei Weinbaupräsidenten wurde am letzten Freitag Berthold Fuchs im Weinbauamt Eltville verabschiedet.

Fast drei Jahrzehnte war der Lorcher Weinbaufachmann dort beschäftigt, im Rheingau gilt er als Institution, als Glücksfall für die Winzer. Selbst bis ins Regierungspräsidium (RP) Darmstadt – das ehemalige, im Rheingau immer noch sogenannte „Weinbauamt“ ist ein Dezernat des dortigen Regierungspräsidiums – ist er anerkannt.

Fuchs‘ dortige Vorgesetzte Jutta Flocke bekundete, dass er „weit über die Grenzen des Rheingaus“ bekannt sei.

Dass Fuchs seinerzeit von einem laut wiehernden Amtsschimmel aus eben jenem Regierungspräsidium eine Maßregelung erfuhr, weil er für allzu früh mit dem Rebschnitt beginnende Winzer den virtuellen „Goldenen Schleifstein“ verliehen hatte, war auch bei der Verabschiedung ein Thema. Ohne Sinn für Humor wies man ihn damals darauf hin, dass er nicht befugt sei, Auszeichnungen zu verleihen. „Das war das einzige Mal, dass ich Post von ganz oben bekam“, schmunzelte Fuchs, als ihm seine Kollegen einen echten, mit Goldspray aufgepeppten Schleifstein verliehen.

Seine klare Sprache war aber genau das, was die Winzer im Rheingau und an der Bergstraße an ihm schätzten. „Du hast es meisterhaft verstanden, Wissenschaft und Praxis zu verbinden“, lobte Peter Seyffardt. Der Rheingauer Weinbaupräsident hatte 1978 mit Fuchs das Weinbaustudium in Geisenheim begonnen. Für die Bergsträßer Winzer sollte sich später deren Präsident Otto Guthier den anerkennenden Worten anschließen.

Fuchs war nach seinem Abschluss in Geisenheim acht Jahre als Außenbetriebsleiter an einem Weingut am Mittelrhein und anschließend bei Schloss Schönborn in Hattenheim tätig, bevor er 1991 beim Land Hessen anheuerte. „Das war ein großer Gewinn für uns“, freute sich Dr. Manfred Engel als sein Chef vor Ort.

Er sei in all‘ den Jahren seiner „Berufung als Berater und ständiger Ansprechpartner für die Winzer treu geblieben“, lobte Engel. Anfangs habe ihn mit Helge Reuther noch eine Kollegin unterstützt, nach deren Rückkehr in die Pfalz habe Fuchs ab den 2000er Jahren diese Aufgabe alleine wahrnehmen müssen. Mit seinem Namen, so Dr. Engel weiter, sei untrennbar das „Wetterfax für den Weinbau“ verbunden, das in den 1990er Jahren gemeinsam mit der Forschungsanstalt und dem Deutschen Wetterdienst in Geisenheim entwickelt wurde und deutschlandweit Maßstäbe gesetzt und viele Nachahmer gefunden habe. Vom Rheingauer Weinbauverband wurde das Engagement vor vier Jahren mit der Verleihung des „Goldenen Rieslingblattes“ gewürdigt – übrigens ohne Einspruch aus Darmstadt.

Weil die „wertvolle Information für die Winzer“ unter dieser Bezeichnung fest etabliert sei, halte man auch an der Bezeichnung „Wetterfax“ fest, obwohl es längst fast durchweg per E-Mail versendet werde. Fuchs habe „mit unermüdlichem Einsatz, mit geschickt, lebendig und klar formulierten Beratungstexten den Winzern regelmäßig topaktuelle und fundierte Empfehlungen … serviert“, lobte Dezernatsleiter Dr. Engel. Auch in der individuellen Beratung sei bei Fuchs keine Frage unbeantwortet geblieben.

Rundum-Paket

Neben seiner Beratungstätigkeit habe Fuchs auch zahlreiche Fachschüler ausgebildet, Winzer und deren Mitarbeiter die seit einigen Jahren erforderliche Sachkunde vermittelt, darüber hinaus in der Vegetationsperiode unzählige Gruppenberatungen durchgeführt. Auch viele schriftliche Informationen des Weinbauamts stammten aus seiner Feder. Nicht zuletzt machte sich Fuchs auch durch Fachvorträge einen Namen. „Sie haben sich und unsere Dienststelle in der Winzerschaft bekannt und unser Dezernat als Beratungsinstitution für den Weinbau in Hessen unverzichtbar gemacht“, fasste Engel Fuchs‘ Tätigkeit zusammen.

Wie wichtig dem Dezernat Weinbau des RP die Fortführung der Beratung ist, zeigte sich auch in der zeitigen Berufung eines Nachfolgers für Fuchs. Schon seit 2017 ist Bernd Neckerauer sukzessive in diese Rolle hineingewachsen. Dass dieser fast zwei Jahre im Doppel mit Fuchs arbeiten konnte, liegt auch daran, dass Fuchs aus gesundheitlichen Gründen ursprünglich einen früheren Ruhestandstermin in Erwägung gezogen hatte, dann aber sein Engagement doch nochmals verlängerte, um sich aber im letzten Jahr seiner Tätigkeit als „Reblaus-Kommissar“ aus der ersten Beratungs-Reihe zurück zu ziehen.

Durch den Rückzug auf Raten, so Fuchs‘ abschließende Bilanz „konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einen geregelten, begleitenden Übergang bei der Beratung und eine interessante und wichtige Aufgabe als Reblaus-Kommissar, die aus Personalknappheit in den letzten Jahren leider etwas vernachlässigt wurde“.

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