Endlich wieder mal ein „fast“ normales Jahr – Wetterrückblick

Trotz verregnetem Sommer war das Jahr 2021 insgesamt zu trocken / Etwas zu kühl, Sonne über dem Durchschnitt

Nicht ganz so warm wie in den vorhergehenden Jahren, aber immer noch über dem Durchschnittswert: Auch 2021 brachte einen Wärmeüberschuss.

Nach drei Jahren mit teilweise extremer Trockenheit und belastenden Hitzeperioden fiel das vergangene Jahr weitgehend „normal“ aus. Von Wetterextremen blieb der Rheingau verschont. Die Zweifler am menschengemachten Klimawandel mögen das als Bestätigung ihrer Skepsis sehen, doch herrscht – auch wenn ebendiese Skeptiker dies nicht einräumen werden – in der weltweiten Wissenschaft weitgehende Einigkeit darüber, dass aus dem verharmlosenden Begriff „Klimawandel“ längst eine „Klimakrise“ geworden ist.

Denn auch wenn der Rheingau von Extremwetterlagen verschont blieb – die Flutkatastrophe an der Ahr und zahlreiche Wetterkapriolen weltweit belegen dramatisch, dass die Wettersysteme zunehmend aus dem Tritt geraten. So wie die drei Trockenjahre von 2018 bis 2020 alleine nicht ausreichen, um einen Klimawandel zu belegen – Klima betrachtet immer lange Zeitreihen von mindestens 30 Jahren – kann ein „Durchschnittsjahr“ kein Beleg dafür sein, dass sich nun schon alles wieder einrenkt. Der Trend zu immer wärmeren Jahren ist eindeutig – auch in Geisenheim, wo immerhin schon seit Sommer 1884 Wetteraufzeichnungen vorliegen.

Nach Angaben des Klimawandel-Dienstes der EU „Copernicus“ gehörte das vergangene Jahr zu den sieben wärmsten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen; in Europa wurde sogar der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen - knapp vor den Sommern von 2010 und 2018.

Da kann man sich im Rheingau fast schon glücklich schätzen, dass es hier nicht ganz so heiß wurde. Denn laut Geisenheimer Wetterdaten reichte das vergangene Jahr mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,7 Grad Celsius bei weitem nicht an die Rekordwerte der Vorjahre heran. Doch in der Gesamtschau seit 1885 liegt auch 2021 noch immer über dem Durchschnitt, wie die entsprechende Abbildung zeigt. Darin sind die Abweichungen vom Mittelwert über 137 Jahre aufgetragen. Rot heißt wärmer, blau steht für kühler als der Durchschnitt. Das letzte zu kühle Jahr war danach 2010 – damals gab es einen ungewöhnlich kalten Winter mit Tiefstwerten unter minus 12 Grad im Januar und Dauerfrost bis weit in den Februar hinein. Das konnte auch ein warmer Sommer nicht mehr ausgleichen. Wichtig ist der Trend: Und der lässt sich auch von einzelnen Ausreißern nicht beeindrucken. Er zeigt unbeirrt nach oben!

Den detaillierten Überblick über die Einzelmonate zeigen die Grafiken für die Wetterelemente Temperatur, Niederschlag und Sonnenschein der Wetterstation Geisenheim. Dabei werden die Ergebnisse aus 2021 den Durchschnittswerten des Vergleichszeitraums von 1991 bis 2020 gegenübergestellt. Offiziell wird in vielen Ländern noch der Zeitraum von 1961 bis 1990 als Referenzperiode geführt – was aber kaum noch realistisch ist, da die offensichtliche Klimaerwärmung ab Beginn der 1980er Jahre darin nur ansatzweise berücksichtigt ist.

Kühles Frühjahr

Die Mitteltemperaturen zeigt die Grafik mit den Temperaturverhältnissen. Schwarze Säulen stehen dabei für die 30-jährigen Durchschnittswerte, die roten Säulen für 2021. Sieben Monate waren kälter als im Vergleichszeitraum, fünf waren wärmer.

Was im vergangenen Jahr die Temperaturbilanz in Richtung zu den Durchschnittswerten drückte, waren vor allem die kühlen Frühlingsmonate April und Mai sowie die Sommermonate Juli und August. Dieses Wärmedefizit konnten auch ein deutlich zu warmer Juni und ein ebenfalls überdurchschnittlicher September nicht mehr ausgleichen.

Was bei den Temperaturen noch auffiel: Es fehlten die Extreme, weder bei den heißen Tagen noch bei jenen mit strengem Frost. In Geisenheim gab es keine Fröste unter minus 10 Grad. Kälter als minus 5 Grad wurde es im Januar gerade mal an einem Tag (minus 6,3 °C am 11.). Im Februar, der in der Mehrzahl der Jahre die kältesten Tage bringt, waren es im Zeitraum vom 9. bis 14. immerhin schon sechs Tage mit mäßigem Frost, wobei die tiefste Temperatur des Jahres mit minus 9,9 °C am 10. gemessen wurde. Und kurz vor Weihnachten gab es am 22. und 23. nochmals zwei Tage unter minus 5 Grad.

Noch bewusster als die kalten Tage dürfte aber der vergleichsweise kühle Sommer in Erinnerung geblieben sein. 30 Grad Celsius und mehr – das ist in der Meteorologie das Kriterium für einen „heißen Tag“ - wurden in Geisenheim nur an den fünf Tagen vom 15. bis 19. Juni und dann nochmals vom 13. bis 15. August gemessen. Auch bemerkenswert: Zum Jahresende wurde es mit Höchstwerten nahe 17 °C frühlingshaft mild.

Nasser Sommer

Was vom Jahr 2021 noch nachhaltig haften bleiben dürfte, war der „gefühlt“ verregnete Sommer. Tatsächlich waren Juni und Juli zu nass. Glücklicherweise verteilten sich diese Regenfälle auf viele Tage – schlecht für die Freizeitgestaltung, aber gut für die Natur, die nicht unter Starkregenereignissen zu leiden hatte. Trockenheit in den Sommermonaten war im vergangenen Jahr kein Thema.

Überdurchschnittlich viel Niederschlag fiel darüber hinaus zu Jahresanfang in den Monaten Januar und Februar. Aber das war’s dann auch schon mit dem vermeintlichen Niederschlagsreichtum. Die Grafik mit den Niederschlagsbalken weist den Frühling von März bis Mai als zu trocken aus, ebenso wie die letzten fünf Monate des Jahres, einschließlich des Augusts! In der Summe fielen in Geisenheim nur rund 500 mm, normal wären 530 mm. Zum Vergleich: Der vieljährige Durchschnittswert für Gesamtdeutschland liegt bei knapp 800 mm!

Bedauerlicher Fakt ist, dass damit auch das vierte Jahr in Folge zu trocken war – auch wenn das Defizit im Vergleich zu den Vorjahren deutlich geringer ausfiel. Aber es bleibt dabei: In tieferen Bodenschichten ist es immer noch viel zu trocken.

Sonnenüberschuss

Abschließend noch ein Blick auf die Sonnenscheindauer. Wie die entsprechende Abbildung zeigt, fing das Jahr – nach relativ trübem Januar mit drei sonnigen Monaten in Folge sehr sonnig an. Kurios: in den Monaten Februar bis April schien die Sonne jeweils fast so lang, wie es in den Vergleichsmonaten März bis Mai zu erwarten gewesen wäre. Als Folge hatten wir bis Ende April schon einen Überschuss von 80 Stunden gegenüber einem Durchschnittsjahr. Doch der positive Trend wurde im trüben Mai gebrochen, der alles andere als ein Wonnemonat wurde.

Und auch der Sommer fiel – trotz eines sonnigen Junis – insgesamt zu trüb aus. Hier war es der August, der ein sattes Defizit von 45 Stunden einfuhr, so dass zum Beginn des ersten Herbstmonates September der Überschuss gerade noch bei 15 Stunden lag. Ein sonniger September ließ das Überschuss-Polster wieder etwas wachsen, da sich dank eines relativ normalen letzten Quartals bis zum Jahresende halten konnte: Mit 1776 Sonnenstunden wurde das Soll von 1696 Stunden schließlich um 80 Stunden übertroffen – was exakt jenem Überschuss entsprach, den wir schon Anfang Mai erreicht hatten.

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