Gewächshaus für die Start-up-Szene Rheingau

Gewächshaus für die Start-up-Szene Rheingau
Auftaktveranstaltung „Gründerzentrum Rheingau“ in der Burg Schwarzenstein / Statement von Minister Altmaier

Die drei Initiatoren für das Gründerzentrum Rheingau: Christian Aßmann, Hans Reiner Schultz und Andreas Zeiselmaier (v.l.n.r.).

Rheingau. (mh) – Zielsetzung der sehr Auftaktveranstaltung „Gründerzentrum Rheingau – Wein, Kultur und Innovation“ am 20. Dezember in Johannisberg war es, junge Unternehmen mit innovativen Ideen in ihrer Gründungsphase zu unterstützten, damit vorhandenes Know-how in der Region bleibt. Standort soll die Waas’sche Fabrik in Geisenheim werden.

Wie Bürgermeister Christian Aßmann (parteilos) bei der Begrüßung ausführte, „wird das Bild unserer landschaftlich und kulturell vielfältigen Region zwar wesentlich vom Weinbau geprägt, dennoch ist der Rheingau auch ein guter und nachgefragter Wirtschaftsstandort“. Viele erfolgreiche Unternehmen schätzten die hiesigen Gegebenheiten mit guter Anbindung zum Rhein-Main-Gebiet.

Weil Stillstand Rückschritt bedeutet, wolle die Hochschulstadt Geisenheim gemeinsam mit der Hochschule Geisenheim University und der Rheingauer Volksbank (RVB) ein Zeichen für eine nachhaltige und zielgerichtete Entwicklung und Stärkung des Wirtschaftsstandortes Rheingau setzen, für diese Idee werben und potenzielle Kooperationspartner aus dem Gewerbebereich zum Mitmachen begeistern“.

Aufgrund der durchweg positiven Resonanz bereits im Vorfeld geführter Gespräche sehen wir uns gestärkt, so Aßmann, „dieses Thema gemeinsam weiter zu verfolgen“. Gerade der Aufbau von Gründerzentren diene als regionalpolitisches Instrument zur aktiven Wirtschaftsförderung und Schaffung von qualifizierten Arbeitsplätzen. Festgestellt habe man auch, dass von Seiten Studierender eine große Nachfrage nach Gründerzentren besteht.

Als Schwerpunkte könne er sich gut die Themen nachhaltige Landwirtschaft und Weinbau vorstellen. Dabei denke er nicht nur an Studierende im Rheingau, sondern das Angebot richte sich auch an Jedermann mit einer guten Idee. Wenn man heute das Fundament für ein Gründerzentrum Rheingau lege sei allen Beteiligten klar, „dass wir das alleine nicht schaffen können“.

Tatsache ist, so RVB Vorstandsvorsitzender Andreas Zeiselmaier, „dass viele Studierende nach dem Abschluss ihres Studiums den Rheingau wegen etlicher in regionaler Nähe vorhandener Gründerzentren, wie beispielsweise CoWorking Taunusstein und Mainz StartUp, verlassen“. Es sei schade, „dass wir diese kreativen Kräfte verlieren, denn eigentlich bietet diese Region exzellente Ausbildungsmöglichkeiten sowie ideale Kooperationen mit Wissenschaft und regionalen Unternehmen“.

Um den „War of talents“ (Kampf um Talente) zu bestehen und den Rheingau als modernen, innovativen und lebenswerten Standort für junge Talenten zu präsentieren sollen, so Zeiselmaier, interessierten Start-Ups günstige Mieträume mit kurzen Kündigungsfristen angeboten werden. Entstehen solle ein „Gewächshaus“ für die Start-up-Szene Rheingau in Kooperation mit TechQuartier, Fresenius Hochschule und EBS.

Eine Gemeinschaft, bestehend aus Gründern, Wissenschaft und Unternehmen als Netzwerk soll die Räumlichkeiten „als Marktplatz für innovative Lösungen“ mit Leben erfüllen. Gleichzeitig solle das Gründerzentrum als Leuchtturm die Aufmerksamkeit auf Rheingauer Entrepreneurship lenken.

Um die Wachstumschancen von Start-Ups zu fördern, sollen Geschäftsräume, Infrastruktur und Dienstleistungen bereitgestellt, in „begleitenden Formaten“ Jungunternehmer in Form von Beratungs- und Betreuungsangeboten ‚an die Hand genommen‘ und junge Talente und Unternehmen ‚verzahnt‘ werden.

Denkfabrik

Nach dem Motto „innovative Ideen brauchen innovative Räume“ waren alle drei Initiatoren sich darüber einig, dass das Gründerzentrum in der Waas’sche Fabrik eingerichtet und nach Aussage von Aßmann zu einer „Denkfabrik“ werden soll. Dafür seien dort als freie Flächen mehrere Büroräume, ein großer Veranstaltungsraum und eine Empore als „Open-Space“ vorhanden. Die nutzbare Fläche betrage rund 265 Quadratmeter. Optionen für Erweiterungen seien gegeben.

Bereits vorhanden sei eine sehr gute Infrastruktur. Diese reiche von ausreichend Briefkästen, getrennten Zählern für Heizung und Strom über Lautsprecher- und Musikanlage bis zu WLAN und LAN-Anschlüssen in jedem Büro sowie im Veranstaltungsraum. Ferner gebe es in diesem Objekt eine voll ausgestattete Küche.

„Wir müssen“, wie Präsident Hans Reiner Schultz betonte, „nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen erarbeiten, sondern auch die entsprechenden finanziellen Grundlagen schaffen“. Die Aufstellung eines Business-Planes allein reiche jedoch nicht aus. Weil man ein Produkt ohne es zu testen nicht entwickeln könne, sei ihm die Herstellung von Verbindungen unter anderem zur Hochschule Fresenius wichtig.

„Um zu signalisieren, dass wir keinen Profit machen wollen“, sei die Gründung einer gemeinnützigen GmbH durch die drei Partner Rheingauer Volksbank und Hochschule Geisenheim University (je 37,5 Prozent) und die Hochschulstadt Geisenheim (25 Prozent) geplant.

Diese Rechtsform ermögliche Fördermöglichkeiten im Rahmen des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Ferner im Rahmen der Gründungsoffensive des Bundes und der Förderung Regionaler Gründerzentren durch die WI-Bank/das Land. Benötigt werde aber auch ein „Kümmerer“ vor Ort, der die Verwaltungsabläufe „bespielt“. Im Augenblick sei die Frage noch völlig offen, „wie wir das finanziell stemmen können“.

In Betracht komme, wie Zeiselmaier hinzufügte, auch Firmensponsoring unterschiedlichster Art. Auch wenn man heute über einen Standort des Gründerzentrums in Geisenheim spreche könne er sich in Zukunft durchaus auch mehrere Standorte im Rheingau vorstellen. Obwohl noch keine Promotion erfolgt sei, gebe es bereits schon bis zu sieben Interessenbekundungen von Studierenden.

Eingebettet in die Auftaktveranstaltung war der Impulsvortrag von Sebastian Schäfer, Chef des TechQuartiers, jüngstes und größtes mit Hilfe des Hessischen Wirtschaftsministers gegründeten Frankfurter Startup-Zentrums. Darin wies er nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, für junge Unternehmen attraktive Einstiegsbedingungen zum Verbleib in ihrer Region zu schaffen und Verbindungen zu Unternehmen herzustellen. Da man in einer Metropolregion eng zusammenarbeiten müsse, trage er gerne seinen Part zum Gelingen des Projekts „Gründerzentrum Rheingau“ bei.

In der anschließenden lebhaften Diskussion signalisierten Vertreter der EBS ihre Bereitschaft, sich als Kooperationspartner in das Projekt mit einzubringen. Auch eine Vertreterin von Ernst + Young bot eine Beteiligung an. In einem schriftlichen Statement wünschte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Initiatoren des Gründerzentrums Rheingau gutes Gelingen und viel Erfolg.

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