„Gutes Gefühl, nichts versäumt zu haben“

Impfzentrum des Rheingau-Taunus-Kreises startet mit 90 Impfungen täglich

Hans Joachim Bleul hatte am Dienstag den ersten Termin im Impfzentrum am Wiesweg erhalten – hier im Arztgespräch mit Dr. Ulrich Fauth.

Eltville. (chk) – „Es ist soweit! Endlich geht’s los! Wir können das Impfzentrum eröffnen“, verkündete Dr. Christoph Zehler. Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Rheingau-Taunus-Kreises, als er die Vertreterinnen und Vertreter aus dem Kreis, von Presse und Radio und vom Impfzentrum-Betreiber Ecolog am Dienstagmorgen begrüßte und einander vorstellte. Daran knüpfte Landrat Frank Kilian an: „Ich greife die Worte von Dr. Zehler auf – endlich geht’s los! Wir könnten natürlich 1.000 Leute täglich hier impfen, befinden uns aber nur im zweistelligen Bereich.“

Die Kapazität für 1.000 Impfungen täglich bereitzustellen, sei eine Vorgabe des Landes Hessen gewesen, merkte Gesundheitsdezernentin Monika Merkert an.

Wie der Leiter des Impfzentrums, Skender Xhakaliu erklärte, reicht der zur Verfügung gestellte Impfstoff täglich für 78 Personen der höchsten Prioritätengruppe, die in den nächsten drei Wochen an sieben Tagen in der Woche ihre Erstimpfung in Eltville erhalten. „Hinzu kommen täglich zwölf Personen von den Rettungsdiensten, die hier geimpft werden“, ergänzte Liane Schmidt, die den Corona-Krisenstab des Kreises leitet.

Er habe Vertrauen, dass es in absehbarer Zeit im Impfzentrum zügig weitergehe, erklärte Frank Kilian. „Zufrieden stimmt mich, dass unsere mobilen Impfteams bereits Impfungen in allen 22 Altenheimen im Kreis durchgeführt haben.“ Geimpft wurden 2.242 Personen; 1.846 haben bereits die Zweit-impfung erhalten. „Und es gibt immer wieder Bewohnerinnen und Bewohner in den Altenheimen, die zunächst nicht geimpft werden wollten und es danach doch wollen, wenn die mobilen Impfteams zur Zweitimpfung kommen“, berichtet Kilian. „Vielleicht, weil sie gemerkt haben, dass es bei den Geimpften keine schlimmen Nebenwirkungen gab. Und dafür fahren die Impfteams gerne noch ein drittes oder viertes Mal in die Einrichtungen.“ Er bedaure, dass die Haus- und Fachärzte bei den Impfungen nicht die höchste Priorität hätten, doch der Kreis habe sich dafür eingesetzt, dass wenigstens die Ärzte, die Patienten in Seniorenheimen betreuen, nun eine Impfung erhalten.

Die Gruppe, die sich zunächst im abgetrennten Besprechungsbereich zusammengefunden hatte, durfte anschließend eine Etage höher der ersten Impfung beiwohnen, weil der erste Impfling dem zugestimmt hatte. Schon um 8.30 Uhr war der 83-jährige Eltviller Hans Joachim Bleul, von seinem Sohn Matthias begleitet, zum Impfen gekommen, hatte die Formalitäten bei der Anmeldung durchlaufen und ein Gespräch mit dem Arzt, Dr. Ulrich Fauth, geführt und wurde schon um fünf vor neun von einer Arzthelferin geimpft. Bei alledem ließ er sich bereitwillig befragen, fotografieren und filmen. Der Mann ist kommunikativ und Öffentlichkeit gewohnt, war er doch auch viele Jahre auf der ECV-Bühne zu sehen. Nein, die Spritze mit dem Impfstoff habe nicht weh getan, betonte er. „Ich habe nichts gemerkt – es war wunderbar.“

Hans Joachim Bleul, der in Eltville besser als Jochen Bleul bekannt ist, musste nach der Impfung noch 15 Minuten Platz nehmen, um abzuwarten, ob keine kurzfristigen Nachwirkungen auf den Impfstoff auftreten. Mit gelassener Heiterkeit ging er auf die Fragen der Medienvertreter ein. „Ich bin froh, dass ich gewartet habe, bis ich einen Termin in Eltville bekomme“, sagte er. Sein Sohn Matthias habe ihm bei der Terminvereinbarung geholfen und habe auch gleich den Termin für die Zweitimpfung am 2. März bekommen. „Es war von vorneweg klar, dass ich mich impfen lasse, denn ich bin auf jeden Fall fürs Impfen.“ Er sei auch dafür, dass man die Corona-Maßnahmen strenger handhabe. „Angst vor Corona habe ich nicht gehabt, ich wollte einfach vorbeugen“, versicherte er. „Es fühlt sich gut an, dass ich nichts versäumt habe.“ In den Jahren zuvor habe er sich nur sporadisch gegen Grippe impfen lassen.

Nachdem Dr. Ulrich Fauth sich vergewissert hatte, dass Hans Joachim Bleul keine Impf-Nachwirkungen verspürte, war der frisch Geimpfte noch zu einem Gespräch mit Landrat Frank Kilian und Gesundheitsdezernentin Monika Merkert bereit, die ihm dankten, dass er so ausführlich und freundlich auf alle Fragen eingegangen sei. Neben dem Check-Out am Ausgang wartete schon Matthias Bleul, um seinen rüstigen Vater nach Hause zu bringen. Eine Nachfrage beim Sohn gegen Abend ergab, dass es dem Vater blendend gehe.

Krisenstab seit einem Jahr

Nach diesem Rundgang äußerten sich Monika Merkert, Frank Kilian und die weiteren Vertreterinnen und Vertreter des Kreises zufrieden mit der Organisation des Impfzentrums. Alles mache einen wohlüberlegten, professionellen Eindruck, so dass der ganze Ablauf ruhig und geordnet vonstatten gehen könne. Die Zusammenarbeit mit Ecolog wurde als sehr gut bezeichnet. „Und ich muss auch meinem ganzen Team ein großes Lob für das Durchhaltevermögen und die immer noch gute Stimmung aussprechen“, betonte Kilian. „Schon fast ein Jahr, seit dem 27. Februar 2020, tagt nun der Krisenstab des Rheingau-Taunus-Kreises.“ Vieles werde vom Land vorgegeben, aber an einigen Stellschrauben könne auch der Kreis drehen. Als positiv bewertet wurde die Möglichkeit, dass nun auch Paare gemeinsame Impftermine vereinbaren können, sofern sie derselben Altersgruppe angehören.

„Mit zwei oder drei anderen Kreisen in Hessen haben wir wieder einen Inzidenzwert von knapp über 50 erreicht“, sagte Monika Merkert und wertete es als einen Meilenstein, auf den man stolz sein könne. Sorgen machen dem Landrat jedoch 13 positive Testergebnisse aus dem St. Vincenzstift, die eine Testung aller Bewohner und Mitarbeiter nach sich ziehe. „Das sind 1.100 Tests – da können dann weitere positive Ergebnisse von Getesteten ohne Symptome dabei sein, die aber das Virus weitergeben können“, befürchtet er.

700 Bewerbungen

In einem weiteren Gespräch erläuterte Skender Xhakaliu die Organisation des Eltviller Impfzentrums, das eins von sechs Ecolog-Impfzentren in Deutschland ist. Xhakaliu ist Wirtschaftswissenschaftler und Gesundheitsmanager, der in Deutschland aufgewachsen ist, und einige Jahre Botschafter seines Herkunftslandes Kosovo in Deutschland war. Seit 2018 ist er für Ecolog tätig. Es seien bereits 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ecolog eingestellt worden, die im Impfzentrum am Wiesweg und in fünf mobilen Teams eingesetzt würden. Derzeit werde im Impfzentrum nur Biontech-Impfstoff verimpft, während die neu hinzugekommen Impfstoffe von Moderna und Astrazeneca von den mobilen Teams eingesetzt werden – Astrazeneca für Impfberechtigte unter 65 Jahren. Sobald ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe, könnten alle acht Impfstraßen geöffnet werden, versicherte er. Am Personal werde es nicht scheitern. „Wir haben 700 Bewerbungen von hochmotivierten Leuten bekommen, die betont haben, dass sie dem Kreis helfen wollen“, ergänzte Christoph Zehler. „Das hat uns positiv überrascht. Trotz der Verzögerungen sind die Leute dabeigeblieben.“ „Ich bin sehr froh, dass die Bereitschaft da ist und dass wir heute anfangen konnten“, versicherte Xhakaliu.

„Ich finde es toll, wie Ecolog das alles hinbekommen hat, auch von der Aufteilung der Räume her“, lobte Monika Merkert. „Ich bin richtig begeistert.“ Auch dass die Impfstraßen für Rollstühle ausgerichtet sind, dass die Menschen eigene Rollstühle oder Rollatoren mitbringen könnten, dass diese aber auch vor Ort zur Verfügung gestellt werden können, wurde gelobt. Zudem stünden Helferinnen und Helfer bereit, um die älteren Menschen in die Halle zu begleiten. Monika Merkert wies außerdem darauf hin, dass jeglicher Lichtbildausweis vorgelegt werden könne, falls der Personalausweis abgelaufen sei und wegen Corona kurzfristig nicht erneuert werden konnte.

Unterstützungsangebote

Positive Rückmeldungen kamen am Dienstag auch vom Hessischen Innenministerium. „Rund 175.000 Angehörige der höchsten Priorisierungsgruppe haben seit letzter Woche Impftermine in 28 hessischen Impfzentren vereinbart“, wurde Innenminister Peter Beuth zitiert. „Auch wenn der heutige Start ein langsamer ist, geben uns die Zusagen der Impfstoffhersteller die Zuversicht, dass wir in den nächsten Monaten deutlich schneller mehr Menschen mit den schützenden Dosen vor dem Corona-Virus versorgen können. Der Anfang ist gemacht.“

Impfberechtigte, die im Rheingau keine familiäre Unterstützung bei der Terminvereinbarung oder der Begleitung ins Impfzentrum haben und diese benötigen, können sich an ihre Kommunen wenden, an die Nachbarschaftshilfe Geisenheim und Oberer Rheingau und andere Vereine und Institutionen. Auch der Rotary Club Wiesbaden-Rheingau bietet ab sofort eine schnelle und direkte Hilfe an. Betroffene aus dem Raum Wiesbaden und dem Rheingau können sich unter der extra für diesen Zweck eingerichteten Telefonnummer 0611–9760863 melden. Dort steht ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung.

Neues Testmobil

Vor allem um Corona-Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen entgegenzuwirken, setzen die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) dieser besonderen Gefährdung alter Menschen nun ein neues, mobiles und hochspezifisches Testkonzept entgegen. Ebenfalls am Dienstag wurde das Testmobil in Wiesbaden von Staatsminister Kai Klose und den Vorständen der KV Hessen, Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, vorgestellt. Durch modernste Laborausstattung können dort Schnelltests mit besonders hoher Sensitivität durchgeführt und innerhalb von kurzer Zeit ausgewertet werden. Damit werden zwei Ziele erreicht: Die Alten- und Pflegeheime haben, wenn das Testmobil das Gelände wieder verlässt, im Normalfall einen exakten Überblick über den Infektionsstatus von Bewohnern und Pflegepersonal. Anhand dieses Überblicks können unmittelbar Maßnahmen eingeleitet werden, ohne dass wertvolle Zeit verstreicht, sodass die Einrichtungen in der Regel arbeitsfähig bleiben und die Bewohner maximal geschützt werden.

Darüber hinaus kann das Testmobil künftig auch unterstützend eingesetzt werden, wenn im Zusammenhang mit einem Ausbruchsgeschehen Personal in einer Kindertagesstätte oder einer Schule getestet werden muss. Das Testmobil kann über die regionalen Gesundheitsämter zusammen mit dem Sozial- und Integrationsministerium angefordert werden; die Alarmierungszeit beträgt in der Regel 24 Stunden.

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