Der Japan-Knöterich macht sich nicht nur an der Walluf breit

Der Japan-Knöterich macht sich nicht nur an der Walluf breit

Fallopia japonica gehört zu den eingewanderten Pflanzen, die in ihrem Wachstum schwer zu kontrollieren sind

Entlang des Walluf-Ufers hat sich der Japan-Knöterich breit gemacht. Durch regelmäßiges Abmähen ist er weniger üppig in seinem Wachstum.

Rheingau. (chk) – Wer an der Walluf entlanggeht, begegnet von Walluf bis Schlangenbad dem üppig wachsenden Japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica), der im 19. Jahrhundert bewusst in Europa und Deutschland eingeführt wurde, sich mittlerweile in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas ausgebreitet hat und andere Pflanzen überwuchert. „Nachdem ursprünglich überwiegend Gewässerufer besiedelt wurden, ist Fallopia japonica heute auch an gewässerfernen Wuchsorten häufig. Mit einer weiteren Ausbreitung an bisher nicht besiedelte Wuchsorte ist zu rechnen“, schreibt das Bundesamt für Naturschutz. Durch das zentrifugale Wachstum dringt der Knöterich auch in intakte Bestände anderer Pflanzen ein.

Auf die Anfrage des Rheingau Echos, welche Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Japan-Knöterichs unternommen werden, verwies die Untere Naturschutzbehörde des Rheingau-Taunus-Kreises auf die Zuständigkeit der Oberen Naturschutzbehörde in Darmstadt. Von der dortigen Pressestelle wurde die Anfrage folgendermaßen beantwortet: „Das Regierungspräsidium Darmstadt vollzieht in seinem Zuständigkeitsbereich Maßnahmen gegen invasive Arten nach den §§ 40a ff. Bundesnaturschutzgesetz. Diese Regelungen setzen die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 um. Demnach werden Maßnahmen gegen invasive gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung ergriffen, die in entsprechenden Durchführungsverordnungen bestimmt werden. Bisher hat die Europäische Union drei dieser Durchführungsverordnungen erlassen, in keiner ist der Japan-Knöterich enthalten.“

Somit bleibt der Umgang mit der „Invasion“ des Japan-Knöterichs kommunalen und privaten Initiativen überlassen. Im vorderen Rheingau wächst der Japan-Knöterich nicht nur, aber besonders stark an der Walluf im Martinsthaler Wiesental. Dort ist es Aufgabe der Stadt Eltville, die Wegbankette zu pflegen. „Wir mähen den Japan-Knöterich regelmäßig ab, so dass er in seinem Wachstum gebremst wird“, erklärt Ralph Biel, der als Gärtner bei der Stadt Eltville beschäftigt ist. Ein solch üppiges Wachstum wie in Martinsthal sei ihm in anderen Bereichen der Stadt nicht bekannt; in geringerem Maße komme der Knöterich auch am Erbacher Kisselbach vor. Für den Bewuchs an Radwegen, wo er sich zunehmend ausbreitet, sind die jeweiligen Straßenmeistereien zuständig.

Im Martinsthaler Wiesental sieht man den Japan-Knöterich in allen Wuchshöhen – bis zu drei Meter hoch. An einigen Stellen ist der Blick auf den Bach komplett versperrt und es fällt auf, dass sogar die robusten Brennnesseln überwuchert werden. Im Zuge der Walluf-Renaturierung wurden einige Uferabschnitte vollkommen vom Japan-Knöterich befreit. Ob es von Dauer ist, wird sich zeigen, denn der „Erfolg“ in der Knöterich-Ausbreitung liegt vor allem in den unterirdischen verzweigten Ausläufern, den Rhizomen, begründet, die bis zu zehn Zentimeter dick werden können. Aus den Rhizomen werden Sprosse und neue Rhizome gebildet, so dass ein Bestand sich bis zu einem Meter pro Jahr ausdehnen kann. Auch aus kleinen Fragmenten des Rhizoms und des Stängels können neue Pflanzen heranwachsen.

Einschränkungder Biodiversität

Die Ausbreitung des Japan-Knöterichs geschieht überwiegend vegetativ durch den Transport von Fragmenten mit fließendem Wasser oder durch Erdtransporte bei Bauarbeiten. Letzteres hat der Rauenthaler Gartenbauexperte und Master of Horticulture, Bernd Mengel, schon häufiger nach Erdaufschüttungen beobachtet. Er begleitet öfter die geführten Wanderungen von Dr. Günter Brack, dessen Landschaftspflege-Initiative inzwischen unter dem Dach des Rauenthaler Traditionsvereins beheimatet ist. Im vergangenen Jahr wies Bernd Mengel bei einer solchen Wanderung durch das Rauenthaler Heinzental auf den Sachalin-Knöterich hin, der größere Blätter hat, bis zu vier Metern hoch wird und vermutlich auch durch Erdtransporte dorthin gelangt ist. „Die Pflanze sieht eigentlich schön aus. Aber mit ihren Wurzeln tötet sie alles andere im Boden ab und schränkt die Biodiversität radikal ein.“ Der Sachalin-Staudenknöterich sei ähnlich wie der Japan-Knöterich eine invasive Pflanze, deren Ausbreitung nur schwer zu bekämpfen sei. „Aber ich würde den Kampf nicht aufgeben“, betonte Mengel.

„Die Bekämpfung ist sehr schwierig, weil langwierig und arbeitsintensiv“, erklärt Dr. Wolfgang Ehmke auf Anfrage. Der Taunussteiner Agrarbiologe ist engagierter Naturschützer, gehörte zur ersten „Generation“ der Grünen im Bundestag, ist in zahlreichen regionalen und überregionalen Initiativen, Vereinen und Stiftungen aktiv, denen der Schutz von Natur und Landschaft am Herzen liegt. Zur langen Liste seiner Publikationen gehören auch mehrere Artikel und Aufsätze über Neophyten – eingewanderte Pflanzen. Häufiger als der Japan- und Sachalin-Knöterich sei im Taunus inzwischen der Bastard-Knöterich – die Hybride Fallopia x bohemica, die sich aus beiden Arten gebildet habe und in den Merkmalen zwischen beiden Eltern stehe, hat er festgestellt. „Es gibt also drei Arten, die man gut unterscheiden kann.“ Das Verhalten aller drei Arten sei ziemlich gleich, weshalb sie auch auf die gleiche Art und Weise zu behandeln bzw. zu bekämpfen seien. An solchen „Bekämpfungsaktionen“ in und um Taunusstein wirkt er selbst mit. „Man muss die grünen Triebe mehrmals im Jahr abhacken, da sie laufend nachwachsen aus den Wurzeln. Besser wäre noch, die Wurzeln auszugraben – aber wer kann das leisten angesichts der zum Teil riesigen Bestände?“, fragt er. „Schauen Sie mal ins Aartal bei Burg Hohenstein – alles voll! Und die Kontrolle mit Abhacken muss mindestens drei Jahre gehen.“

Pflanze der Zukunftoder lästige Plage?

Richtig sei, dass die beiden Knöteriche von Imkern bewusst als Bienenfutterpflanzen eingeführt wurden. Um die weitere Vermehrung zu vermindern, sollten in Gärten und vor allem in der freien Landschaft keine weiteren Anpflanzungen erfolgen. „Bei Erdbewegungen mit Baumaschinen muss darauf geachtet werden, dass im Boden keine Wurzel- oder Stängelteile enthalten sind“, betont Ehmke. „Gartenabfälle mit Knöterichteilen sollten weder im Wald noch sonst wo entsorgt werden.“ Eine gute Methode sei die regelmäßige Beweidung mit Schafen, Ziegen, Pferden oder Kühen, da das Vieh die grünen Triebe gerne frisst. Er weist darauf hin, dass der Knöterich auch für den Menschen gute Gerichte abgebe. „Die Nutzung als Nahrungspflanze ist aber doch wohl eher eine kleine Nische“, kommentiert Ehmke einen Hinweis auf ein Zitat von der Internetseite www.kostbarenatur.net. Und auch, dass es eine „Pflanze der Zukunft“ sei, wage er zu bezweifeln, weil die Knötericharten äußerst intensiv und schwer zu kontrollieren seien.

Als solche wird der Japan-Knöterich auf der genannten Internetseite bezeichnet, wohlwissend, dass die invasive Ausbreitung Probleme macht. Die Pflanze sei aber zugleich eine Bienenweide, ein wertvolles Nahrungs- und Heilmittel und diene der Sanierung verseuchter Böden wird dort argumentiert. In Asien werde der Japanische Knöterich als Gemüse angebaut. Als Küchenzutat würden nur die jungen Sprossen verwendet, die bei regelmäßiger Ernte immer wieder schnell nachwachsen. Junge Triebe könnten auch wie Rhabarber zu Fruchtaufstrich oder Kompott verarbeitet werden, wird als Tipp weitergegeben. Auch wenn der Japan-Knöterich und die beiden anderen Knötericharten für sich betrachtet keine gefährlichen Pflanzen sind, wie beispielsweise der invasive Riesen-Bärenklau, der Menschen und Tiere bei Berührung in Verbindung mit Tageslicht schmerzhafte Quaddeln auf der Haut verursacht, so stellen sie doch einen Eingriff ins Ökosystem dar. An Fluss- und Bachufern werden häufige Arten von Pflanzen wie Pestwurz, Brennnessel und Zaunwinde verdrängt. Möglicherweise erhöht sich die Erosionsgefahr durch Knöterich-Sippen, weil die Knöterich-Rhizome den Boden schlechter fixieren als beispielsweise Gräser. Auch die Veränderung des Landschaftsbildes durch die hochwüchsigen Pflanzen an den Ufern von Fließgewässern ist nicht wünschenswert. Wahrscheinlich werden diese negativen Auswirkungen des Japan-Knöterichs als zu gering erachtet im Verhältnis zu den immensen Kosten, die ihre Beseitigung verursachen würde, weshalb sie auch in keiner Durchführungsverordnung der EU erfasst sind. Allein in Deutschland müssten dafür viele Millionen Euro aufgewendet werden. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Bundesamtes für Naturschutz www.neobiota.bfn.de.

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Oskar auf der Burg Rheinstein
27 Wochen 4 Tage
100 Prozent Öko-Strom für E-Stromer
32 Wochen 17 Stunden
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
1 Jahr 1 Woche
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
1 Jahr 2 Wochen
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
1 Jahr 2 Wochen


X