Joachim Gauck kommt zum Eröffnungskonzert

Joachim Gauck kommt zum Eröffnungskonzert

„Hochkarätig und attraktiv“ /Rheingau Musik Festival geht in seine 33. Spielzeit / Kartenverkauf auf Rekordkurs

Vorfreude auf den 33. „Sommer voller Musik“ bei (v.l.) Fördervereinsvorsitzender Claus Wisser, Dr. Heinz-Georg Sundermann (LOTTO Hessen), Intendant Michael Herrmann, Co-Geschäftsführer Marsilius von Ingelheim sowie die beiden Programm-Planer Lisa Ballhorn und Timo Buckow.

Rheingau. (hhs) — „Jedes Konzert beim Rheingau Musik Festival ist ein unvergessliches Erlebnis. Man ist dort umgeben von Schönheit und Geschichte. Alles atmet Positivität und Glück. An Orten wie dem Rheingau Musik Festival kann man wunderbar spüren, dass das Leben und die Musik wertvolle Gaben für uns sind.“

 

Diese Lobeshymne stammt nicht vom Intendanten Michael Herrmann, der sein Festival bestens verkaufen kann. Herrmann sprach bei der Programmvorstellung am letzten Donnerstag „nur“ von einem „hochkarätigen und attraktiven Programm“. Das Eingangszitat stammt vielmehr von der Sopranistin Julia Lezhneva, die in diesem Jahr als „Fokus-Künstlerin“ eine tragende Rolle einnehmen wird.

Der Weltstar aus Russland wird in fünf Veranstaltungen seine volle gesangliche Bandbreite zeigen können. Erstmals wird Julia Lezhneva bei den beiden Eröffnungskonzerten am 20. und 21. Juni singen. RMF-Intendant Herrmann gelang dabei der Coup, den ehemaligen Bundestagspräsidenten Gauck als Redner zu gewinnen. Joachim Gauck wird in seiner Festrede den diesjährigen Festival-Leitgedanken „Freiheit“ beleuchten. Im letzten Jahr gab es die Premiere, als Michael Friedmann – viel beachtet und heiß diskutiert – zum Thema Courage sprach.

Neben Julia Lezhneva standen bei der Programmvorstellung noch zwei weitere Künstlerinnen im Mittelpunkt: Als „Artist in Residence“ zeigt die Geigerin Lisa Batiashvili in vier Veranstaltungen mit Musik von Beethoven bis Arvo Pärt ihr ganzes Können. Die gebürtige Georgierin ziert auch die Titelseite der 85.000-fach gedruckten und an alle Kunden verschickten „Ouvertüre“ für die diesjährige Spielzeit.

Als Dritte im Bunde ist schließlich die Venezolanerin Gabriela Montero „Composer und Artist in Residence“. Die Pianistin, die sich in ihrem Heimatland für die Freiheitsrechte engagiert, wird in drei Veranstaltungen nicht nur bekannte Werke, sondern auch eigene Kompositionen und Improvisationen zu Gehör bringen. Als Fokus Jazz-Künstler präsentiert Wolfgang Haffner in vier Veranstaltungen seine musikalische Raffinesse.

Der musikalische Schwerpunkt liegt im Beethovenjahr – wen wundert’s – auf Kompositionen von Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Mit zahlreichen Konzerten und Veranstaltungen feiert das Rheingau Musik Festival den großen Komponisten.

Eines der bewegendsten Events dürfte die Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie werden – sie wird am 14. August mit dem Bundesjugendorchester und dem Weltjugendchor von mehr als 200 jungen Menschen aus 20 Nationen im Wiesbadener Kurhaus auf die Bühne gebracht. Der Weltjugendchor versammelt jedes Jahr 100 Sänger zwischen 17 und 26 Jahren in seinen Reihen, um mit Musik einen weltumspannenden Austausch zu schaffen – Völkerverständigung in einer bewegten Zeit.

137 Konzerte

Zwischen dem Auftakt am 20. Juni und dem Abschluss-Konzert am 5. September hat das RMF 137 Konzerte im Programmplan. Dafür gab es – ursprünglich einmal – 121.200 Eintrittskarten. Davon hatten die 3.800 Mitglieder des Fördervereins, die ein zweiwöchiges Vorkaufsrecht haben, bis zum Beginn des freien Verkaufs aber schon 30.000 Karten gekauft.

Als dann am letzten Donnerstag mit der offiziellen Programmvorstellung der Vorverkauf startete, glühten beim Ticketverkauf im ehemaligen Gasthaus Krone in Oestrich die Telefondrähte (Karten- und Infotelefon: 0 67 23/60 21 70), die Zahl der Zugriffe auf die Internetseite des Rheingau Musik Festivals (rheingau-musik-festival.de/veranstaltungen) erreichte neue Rekordhöhen. An diesem Tag wurden weitere 6.000 Karten verkauft. Am späten Nachmittag waren die ersten Konzerte schon ausgebucht.

Zum Verkaufsstart führte Beethovens Missa solemnis die Verkaufsrangliste an, was die Anzahl der Karten angeht. Die Messe wird am 20. August in Kloster Eberbach unter der Leitung des Stardirigenten Kent Nagano aufgeführt. Beethoven soll die Messe als „sein bestes Stück“ geadelt haben.

Sehr stark nachgefragt waren auch das Sommerfest auf Schloss Johannisberg am 27. Juni und Anne-Sophie Mutters Beethoven-Violinkonzert am 30. August im Wiesbadener Kurhaus. Für dieses Konzert werden Preise bis 185 Euro pro Ticket verlangt – gleichwohl ist das Konzert mittlerweile ausverkauft. Noch etwas teurer ist das Open-Air-Konzert mit dem Startenor Jonas Kaufmann am 5. Juli im Wiesbadener Kurpark, für das in der Spitze 190 Euro zu zahlen sind. Weil aber im Kurpark rund vier Mal so viel Plätze wie im Kurhaus verfügbar sind, gab es Anfang der Woche noch Karten.

Wie immer sehr beliebt ist auch die Steinberger Tafelrunde, die traditionell am letzten Juli-Samstag stattfindet. Für diese Veranstaltung sind die Karten sogar kontingentiert: Pro Kunde gibt es maximal sechs Karten – das ist exakt ein Tisch im Lieblingsweinberg der Mönche von Kloster Eberbach. Weil hier mehr als 1.300 Karten verfügbar sind, bestehen für Kurzentschlossene noch Chancen auf die begehrten Tickets.

Gefragte Weingüter

Dies gilt leider nur noch beschränkt für die beiden Weingüter Allendorf in Winkel und Diefenhardt in Martinsthal. Dort sind Plätze ein rares Gut, die Tickets aber sehr begehrt. Bei Allendorf gibt es am 30. Juni und am 1. Juli eine „Wiener Melange“, nur für den ersten Termin gibt es noch Karten. Bei Diefenhardt gibt es vom 28. Juli bis 2. August gleich drei unterschiedliche Programme, das erste des Ensembles „Gankino Circus“ ist bereits ausgebucht.

„Diese Veranstaltung ist ausverkauft“ hieß es auch schon frühzeitig für eines der Kinderkonzerte in der Eltviller Burg. Wer „Beethoven zieht wieder um“ hören und sehen wollte, musste leider vertröstet werden.

Denn beim RMF heißt „Nein“ nicht immer „Nein“. Denn, so verkündet es die Ouvertüre: „Teilweise werden bestellte und bereits vergebene Karten wieder verfügbar. Besuchen Sie also regelmäßig unsere Website, um freigewordene Kartenkontingente nicht zu verpassen“.

Alternativ kann man sich auch auf eine Warteliste setzen lassen. Im Fall von ausgebuchten Konzerten empfiehlt das RMF: „Wenden Sie sich an unseren Kartenvorverkauf unter 0 67 23/60 21 70 und lassen Sie sich auf die entsprechende Warteliste setzen.“ Beim RMF ist man offenkundig sehr bemüht, das Klischee zu widerlegen, dass man als Normalkunde gar nicht an Karten komme.

Förderverein

Wer ganz sicher gehen wolle, so betont Fördervereinsvorsitzender Claus Wisser immer wieder, könne doch gerne dem Förderverein beitreten und sich damit ein Vorkaufsrecht sichern: „Wir gehen auf die 4.000 zu“, freute sich der Vorsitzende des Rheingau Musik Festival e.V. über den ungebrochenen Mitgliederzuwachs. Der Jahresbeitrag für eine Einzelmitgliedschaft beträgt 75 Euro, die Partnermitgliedschaft 100 Euro.

Für Wisser ist der Förderverein das „Herz des Festivals“. Mit den Mitgliedsbeiträgen werden auch defizitäre Konzerte unterstützt, für die sich keine Sponsoren gefunden haben. Denn das „größte privatwirtschaftlich finanzierte Festival Europas“, so Michael Herrmann, kann nicht ohne die Unterstützung der Wirtschaft leben. Die Gesamtkosten des Festivals belaufen sich auf 8 Millionen Euro, von denen Sponsoren und Konzertpaten die Hälfte tragen. Dagegen nimmt sich der Landeszuschuss in Höhe von 25.000 Euro eher bescheiden aus, wird aber gerne genommen.

Zum Zeitpunkt der Programmvorstellung hatte das RMF mehr als 100 Sponsoren für seine Konzerte gefunden. Bei einigen liefen noch Verhandlungen, erläuterte Marsilius Graf von Ingelheim, neben Michael Herrmann zweiter Geschäftsführer des RMF.

Sponsoring

Hauptsponsor ist auch in diesem Jahr LOTTO Hessen – und das nunmehr bereits im 16. Jahr. LOTTO-Chef Heinz-Georg Sundermann äußerte sich sehr kritisch zu den „Compliance“-Regeln, die Sponsoring in die Nähe von Bestechung rückten. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich heute noch trauen würde, die Rolle des Hauptsponsors, der wir seit 2006 sind, zu übernehmen“, gab der Geschäftsführer von LOTTO Hessen zu bedenken. Und auch andere Sponsoren müssten sehr gut aufpassen, wen sie wie oft einladen. RMF-Intendant Herrmann griff den Ball auf. „Eine Einladung ist keine Bestechung, die Politik muss die Problematik endlich erkennen“ bestätigte er Sundermanns nachdenklich stimmende Ausführungen.

Beim RMF ist man heilfroh, dass man treue Sponsoren halten konnte. So unterstützen die Fürst von Metternich Sektkellerei und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in Verbindung mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen das Rheingau Musik Festival als Co-Sponsoren.

Weitere „Premium-Projektpartner“ sind die Brass-Gruppe, die Commerz Real AG, die Deutsche Börse Group, die Deutsche Leasing AG mit ihrer Tochter DAL, die Deutsche Telekom AG, die R+V Versicherung sowie die UBS Deutschland AG. Offizieller Automobilpartner ist die ŠKODA AUTO Deutschland GmbH. Marsilius von Ingelheim erklärte hierzu, dass die Sponsoringfahrzeuge sukzessive auf Elektrobetrieb umgestellt werden.

Lufthansa befördert als Official Airline Künstler aus aller Welt zu Vorzugsbedingungen, und dass die Konzerte des RMF eine weltweite Verbreitung finden, garantieren die Medienpartner Hessischer Rundfunk, Deutschlandradio und die Deutsche Welle. Verstärkt werden soll auch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom, die im letzten Jahr mit dem Programm „MagentaMusik 360“ rund eine Million Zuschauer erreichte.

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