Masterarbeiten mit Nutzen für die Region

Der Wolfgang-Ehmke-Preis wurde erstmals verliehen / Festlicher Rahmen auf Schloss Vollrads

Verleihung des Wolfgang-Ehmke-Preises: (von links) Professor Klaus Werk, Juryleiter Rolf Hussing, Preisträger Fabian Achten und Preisstifter Dr. Wolfgang Ehmke.

Professor Klaus Werk, Vorsitzender der Bürgerstiftung, begrüßte im Foyer des Herrenhauses Preisstifter Wolfgang Ehmke, Mitglieder der Jury, Ehrengäste und Gäste, die zur Preisverleihung eingeladen waren, sprach einleitende Worte und moderierte danach auch die Veranstaltung in der Schlosshalle im ersten Stock. Dort verriet Weingutsdirektor Ralf Bengel ein wenig von dem, „was die Mauern von Schloss Vollrads zu erzählen haben“. Bertram Theilacker, Mitglied des Vorstandes der Naspa, erläuterte, wie nach dem tragischen Suizid von Erwein Graf Matuschka zu Greiffenclau die Naspa Eigentümer wurde, sich nach einer gewissen Zeit zu ihrer Verantwortung für Schloss und Weingut bekannt habe. „Schloss Vollrads gehört zu den Monumenten der Region – mit Kloster Eberbach und Schloss Johannisberg“, betonte er. „Wir streben stets die schwarze Null an. Eventuelle Gewinne werden reinvestiert.“

Weil er als Schirmherr nicht persönlich anwesend sein konnte, wandte sich Landrat Frank Kilian mit einem Grußwort per Video ans Publikum, gratulierte den Preisträgern, dankte vor allem Wolfgang Ehmke, der sich ebenfalls vor der Preisverleihung mit einer Ansprache ans Publikum wandte.

Dass er diesen Preis gestiftet habe, ergebe sich aus seiner Vita, betonte er. „Als Agrarbiologe mit Schwerpunkt Naturschutz war ich auf verschiedenen Ebenen tätig, immer im Bestreben, dem Naturschutz Partner zu gewinnen.“ Dies habe er als umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag schon in den 1980er Jahren getan, und auch später als Abteilungsleiter Naturschutz im Hessischen Umweltministerium habe er immer dieses Ziel verfolgt, dass die Landwirte nicht gegen, sondern mit der Natur arbeiten. Und getreu der Devise von Erich Kästner, „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“, habe er mit vielen Gleichgesinnten 2009 die Bürgerstiftung "Unser Land!" gegründet, die inzwischen schon vielfältige Projekte in Natur und Kultur gefördert hat. Dazu nannte Ehmke einige Anwesende; darunter war Andreas Kowol, der zuvor ebenfalls ein kurzes Grußwort gesprochen hatte.

„Ich bin in der Stiftung von Menschen mit einer starken Motivation umgeben, und deren Begeisterung und Einsatz schenkt mir selbst immer wieder Energie“, betonte Ehmke. „Ich bin der festen Überzeugung, unsere Gesellschaft braucht mehr Hoffnung, Kreativität, Inspiration und gute Beispiele wie diese Stiftung.“ Solche Beispiele lieferten oft auch kreative und verantwortungsvolle Projekte und Arbeiten im Bereich Landschaftsentwicklung, die teilweise von der Öffentlichkeit wenig bemerkt würden. „Dieses Engagement soll mit dem Preis belohnt und für Andere erfahrbar gemacht werden.“ Ein anderer persönlicher Grund sei, dass es ihm und seiner Familie relativ gut gehe. „Ich komme aus einfachen Verhältnissen und das Leben hat es überwiegend gut mit mir gemeint.“ Bis heute sei er im praktischen Naturschutz aktiv und er werde ein Naturschützer bleiben bis zum letzten Atemzug. Er dankte allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern für ihr großes Engagement. „Herzlichen Dank sage ich auch unserem Schirmherrn, Herrn Landrat Kilian, sowie der Naspa, Herrn Theilacker, die uns stets aktiv und finanziell unterstützt haben. Ich hoffe, dass das so bleibt, dass noch viele gute Projekte in Gang gesetzt werden können und dass die Stiftung weiterhin gedeihen möge!“

Parkanlagen im Klimawandel

Rolf Hussing, Mitglied des Stiftungsvorstands, der die Jury geleitet hatte, stellt die Arbeiten vor, die mit dem Wolfgang-Ehmke-Preis ausgezeichnet wurden und auf die das Preisgeld je zur Hälfte aufgeteilt wurde. Marie-Louise Faber „grüßte“ mit einem Foto von der Leinwand, weil sie als Mitarbeiterin eines Mainzer Unternehmens derzeit in Berlin tätig ist und nicht zur Preisverleihung kommen konnte. Sie hat nach dem Abitur und einer Ausbildung als Gärtnerin an der Hochschule Geisenheim ein Bachelor- und ein Masterstudium der Landschaftsarchitektur absolviert, das sie in diesem Jahr abgeschlossen und sofort eine Anstellung gefunden hat. „Bäume in historischen Parkanlagen im Klimawandel am Beispiel der Hochschulparkanlagen der Hochschule Geisenheim“ lautete der Titel ihrer Masterthesis. Als praktische Anschauungsprojekte für die Folgen des Klimawandels für die Gartendenkmalpflege habe sie den Monrepos-Park und im Rudolph-Goethe-Park „vor der Tür“ gewählt. „Es ist ihr ein besonderes Anliegen, diese beiden Parkanlagen und ihre Bäume auch die Zukunft und für die Lehre an der Hochschule zu sichern“, erläuterte Hussing.

Marie-Louise Faber, ihre Arbeit übersichtlich und mit ansprechenden Grafiken, Plänen, Karten und Tabellen gestaltet. „Die Arbeit ist aktuell zum Thema Klimawandel, die Anwendbarkeit für andere Parkanlagen ist gegeben und die Thesis ist ein wichtiger Beitrag zur Region.“ Historische Parkanlagen hätten einen besonderen kulturellen Wert, verfügten meist über eine große Vielfalt heimischer und gebietsfremder Gehölze und seien seit einigen Jahren Einflüssen ausgesetzt, deren Auswirkungen noch nicht absehbar seien. Im zweiten Teil ihrer Masterarbeit habe Marie-Louise Faber Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Parkentwicklung gegeben. Jury-Mitglied Professor Dr. Ilona Leyer vom Institut für angewandte Ökologie der Hochschule Geisenheim nahm die Urkunde zur Weiterleitung an Marie-Louise Faber entgegen.

Folgen von Erosion

Fabian Achten, Absolvent des Studiengangs Geowissenschaften/Geograhie am Institut für Physische Geographe der Goethe-Universität Frankfurt, hat 2020 in seiner Masterarbeit die schwerwiegenden Folgen von Bodenerosion im Idsteiner Land untersucht – unter Verwendung eines Multimethodenansatzes zur Herleitung gezielter Gegenmaßnahmen. Auch in diesem Fall hat die Jury die klare Strukturierung der Arbeit hervorgehoben und die Anwendbarkeit für Mittelgebirgslagen als gegeben und somit als wichtigen Beitrag zur Region gewertet. Dem Ausmaß der Bodenerosion und dem merklichen ökologischen und ökonomischen Wertverlust sei nur mit einer gezielten Flurumgestaltung entgegenzuwirken. Einen Auszug aus seiner Masterarbeit hat Fabian Achten in dem gerade erschienen Jahrbuch 2022 des Rheingau-Taunus-Kreises veröffentlicht und gut verständlich dargelegt. Auch er hat sofort nach dem Abschluss des Studiums 2020 eine feste Anstellung beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Wiesbaden gefunden. „An seinem neuen Betätigungsfeld bietet Fabian Achten auch Lösungsstrategien an“, sagte Dr. Rainer Dambeck, der dem Stiftungsrat angehört und als Studiengangskoordinator mit Lehraufgaben das betreffende Institut der Goethe-Universität betreut, bevor Fabian Achten schließlich seine Urkunde persönlich entgegennahm.

Eine feierliche Note erhielt die Veranstaltung durch die musikalische Begleitung von Pianist Viktor Timm aus Wiesbaden, der u.a. Stücke von Chopin und Beethoven meisterhaft vortrug. Klaus Werk, der Ralf Bengel von Schloss Vollrads dankte, dass die Stiftung die Räume für die Preisverleihung nutzen durfte, sagte zum Abschluss: „Hoffentlich können wir auch im nächsten Jahr den Wolfgang-Ehmke-Preis an diesem oder an einem anderen exquisiten Ort verleihen.“

Besondere Einblicke

Im Anschluss waren die Gäste eingeladen zu einer Führung durch den Westflügel des Schlosses, begleitet von einer Weinprobe mit drei Weinen aus dem Schlossweingut. Ein Teil der Gäste wurde von Ralf Bengel geführt, ein anderer Teil von Gerhard Becker. Die drei Weine, die vorgestellt wurden, waren ein trockener Gutsriesling aus dem Jahr 2020, ein feinherber 2020er Riesling Kabinett feinherb und ein 2019er Riesling Kabinett. „Seit 2019 haben wir auf ökologischen Weinbau umgestellt“, erklärte Ralf Bengel, der die Weine in verschiedenen Räumen präsentierte. So beispielsweise wurde der zweite Wein im „Herrenkabinett“ verkostet, das als einer von drei Räumen des Schlosses auch als Standesamt der Stadt Oestrich-Winkel dient und sehr gefragt ist.

Kennenlernen durften die Gäste auch das „Greiffenzimmer“, das Richard Graf Matuschka-Greiffenclau und seiner Frau Eleonore als Esszimmer diente und mit ihren Porträts geschmückt ist. In jedem der Räume gewährte Ralf Bengel den Gästen auch einen Einblick in die Geschichte des Hauses Greiffenclau, das über die Jahrhunderte unzerstört von Bränden und Plünderungen geblieben ist. Ein gut erhaltenes Archiv weist die wohl älteste Weinrechnung der Welt vom 18. November 1211 auf. Auch der Kabinettkeller ist wahrscheinlich der älteste der Welt – jedenfalls als „Cabinetkeller“ 1716 erstmals urkundlich erwähnt. Das „Esszimmer für Gäste“, das berühmte „Ledertapetenzimmer“, das auch als Standesamt-Raum beliebt ist, war die letzte Station der Führung und der Weinverkostung. „Das ist vielleicht nicht das schönste Zimmer des Schlosses, aber das wertvollste“, erläuterte der Weingutsdirektor. Hier war 1814 Goethe zu Gast und beklagte sich anschließend über die Ledertapete, die von den Wänden hing und den insgesamt vernachlässigten Zustand des Schlosses. Das ist alles Vergangenheit. Die Gäste konnten sich vom Top-Zustand aller Räume vergewissern und erfuhren, dass eigentlich alle Räume, die öffentlich genutzt werden dürfen, schon für das ganze nächste Jahr ausgebucht sind. Bengel erläuterte auch anhand der alten Porträts an den Wänden, dass von den Greiffenclaus viele Persönlichkeiten, darunter auch Bischöfe und Kurfürsten, im Laufe der Jahrhunderte großen Einfluss gehabt hätten.

 

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