Modellprojekt „Schulsozialarbeit an Grundschulen“ vorgestellt

Modellprojekt „Schulsozialarbeit an Grundschulen“ vorgestellt
Teilnehmer sind die Wisperschule Lorch und die Astrid-Lindgren-Schule Aarbergen

Vorstellung des Modellprojekts „Sozialarbeit an Grundschulen im Rheingau-Taunus-Kreis“ mit allen daran beteiligten Akteuren.

Rheingau. (mh) – Im Rahmen eines Pressegesprächs im Kreishaus am vergangenen Montag, dem 10. Jahrestag des Amoklaufes von Winnenden, hat Monika Merkert, Dezernentin für Jugendhilfe und Jugendförderung, das Modellprojekt „Sozialarbeit an Grundschulen im Rheingau-Taunus-Kreis“ vorgestellt. Beteiligte Schulen sind die Wisperschule Lorch und die Astrid-Lindgren-Schule Aarbergen.

Das Modellprojekt an den beiden von insgesamt 33 im Kreisgebiet vorhandenen Grundschulen wurde, wie sie berichtete, im ersten Schulhalbjahr 2018 gestartet. Die Modellphase sei auf zwei Jahre befristet. Dafür seien im Haushalt 2018 50.000 Euro und im Haushalt 2019 100.000 eingestellt worden. Für 2020 seien ebenfalls 50.000 vorgesehen. Beide Grundschulen seien aufgrund der höchsten Fallzahlen in der Jugendhilfe für das Modellprojekt ausgewählt worden. Als Kriterien für deren Ermittlung wurden unter anderem die Trennung von Eltern, oder wenn Eltern eine Erziehungshilfe beantragten, genannt.

Das Modellprojekt sei, so Merkert, in die Gesamtstruktur der Schulsozialarbeit im Rheingau-Taunus-Kreis eingebunden. Zielsetzung sei es, auf der Grundlage des bestehenden Konzepts im Kreisgebiet in der Modellphase ein auf die Erfordernisse der einzelnen Grundschule abgestimmtes Konzept für die Sozialarbeit zu entwickeln. Dabei orientiere sich die Arbeit jeweils eng an den Bedarfen der jeweiligen Schulstandorte.

Träger des Modellprojekts ist die Soziale Arbeit gGmbH der Arbeiterwohlfahrt Rheingau-Taunus, die dazu vom Rheingau-Taunus-Kreis beauftragt wurde. Wie Geschäftsführer Ralf Reitz zur Begründung ausführte, „müssen wir im Grundschulbereich ansetzten, Kinder in ihrem jeweiligen Umfeld zu verantwortungsvollem Handeln anzuregen, um sie gegen äußere Einflüsse im Alltag stark zu machen“.

Liane Schmidt, Fachdienstleiterin für Jugendhilfe in der Kreisverwaltung, bezeichnete das Projekt als ein offenes und präventives Angebot, das nicht erst bei einer Gefährdung des Kindeswohls zum Tragen kommt. Insofern sei Schulsozialarbeit wichtige Jugendhilfe vor Ort.

Für Schülerinnen und Schüler beinhaltet das Projekt insbesondere sozialpädagogische Beratung und Begleitung bei der Bewältigung von Krisen und Konflikten sowie Förderung und Unterstützung zur Verbesserung von individuellen Lebenssituationen. Ferner bietet es Hilfen bei der Gestaltung von Übergängen an, beispielsweise bei der Einschulung und dem Übergang in weiterführende Schulen.

Als eine weitere wichtige Zielgruppe definiert das Modellprojekt Eltern und Erziehende. Hierbei gelte es, diese unter anderem bei Fragen der Erziehung zu stärken, sie bei der Bewältigung von Krisen und Konflikten zu beraten und zu begleiten sowie Kontakte zu schwer erreichbaren Eltern/Erziehenden aufzubauen. Dabei ist es besonders wichtig, diese davon zu überzeugen, dass die Schule nicht ihr Feind ist.

Dies unterstrich auch Ute Hartung, Leiterin der Wispertalschule. Wie sie berichtete, besuchen aktuell 127 Schülerinnen und Schüler ihre Schule, darunter 45 mit Migrationshintergrund. Eine besondere Aufgabe stelle daher die Beschulung von Kindern mit nichtdeutscher Sprache dar. Sie räume ein, dass es auch an ihrer Schule einen Bedarf für Schulsozialarbeit gibt, Tendenz ansteigend.

Da die Lehrkräfte zunehmend nicht mehr in der Lage seien, Problemfälle selbst zu lösen und diese auch nicht „so einfach“ auf Förderschulen „verlagert“ werden könnten, seien sie und ihr Lehrkörper sehr froh und dankbar über die Zuweisung einer Schulsozialarbeiterin.

Auch ihre Kollegin von der Astrid-Lindgren-Schule bestätigte ihre Einschätzung. Dort sei ebenfalls der Punkt erreicht, dass Lehrkräfte diese Herausforderungen im Rahmen ihres Lehrauftrages nicht mehr allein lösen können. Inzwischen sei die Entlastung durch die Schulsozialarbeiterin „enorm“ spürbar. Dies führe auch zu mehr Zeit für die Erledigung der steigenden bürokratischen Anforderungen der Schulleitungen.

Helikoptereltern

Als Gründe für die aus allen sozialen Schichten auftretenden Problemfälle nannten beide Schulleiterinnen unter anderem bildungsferne Elternhäuser, spät vom Berufsalltag heimkehrende Eltern, die sich nur wenig um ihre Kindern kümmerten mit der Folge, dass sich kein behütetes Familienleben mehr entwickeln könne sondern dieses mehr und mehr auseinander falle. Betroffen seien aber auch Kinder von sogenannten „Helikoptereltern“, die ihre Kinder überbehüten und ständig „in Watte“ packten. Diese „Überbehütung“ könne sich durchaus negativ auf deren Entwicklung und soziales Verhalten auswirken.

Wie Sozialarbeiterin Melanie Hiller, die mit einer halben Stelle ausgestattet an der Wisperschule für Sozialarbeit zuständig ist sagte, sind die Hemmschwellen für Gewaltanwendung bei der Lösung von Konflikten auch an Schulen inzwischen immer weiter gesunken, „weil sich Erziehung verändert hat“.

Zu ihren Aufgaben gehöre es auch, Kindern zu vermitteln, dass man Konflikte auch gewaltfrei lösen kann. Dabei sei es ihr ganz wichtig, beide Konfliktparteien anzuhören, Täter und Opfer Gehör zu schenken, um die Ursachen für den Streit herauszufinden. Kinder müssten auch verantwortungs- und respektvolles Handeln lernen. Auf Wunsch und mit Genehmigung der Eltern könnten Kinder in den Nachmittagsstunden die Arbeitsgemeinschaft „Soziales Lernen“ besuchen.

Ebenso wie die beiden Schulleiterinnen wies auch Melanie Hiller nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, Eltern vor einer behördlichen Einschaltung in die Schulsozialarbeit mit einzubeziehen. Wie ihre Kollegin an der Astrid-Lindgren-Schule habe sie inzwischen festgestellt, dass die Lehrerschaft bei Bedarf gerne bei den Sozialarbeiterinnen um fachlichen Rat nachsucht. Dies insbesondere bei der Vorbereitung von Elterngesprächen, bei denen die Sozialarbeiterinnen auf Wunsch anwesend sind. Dadurch würden solche Gespräche qualitativ aufgewertet.

Das Pressegespräch wurde auch von einigen Anwesenden zu einem Appell an Politiker genutzt, der Schulsozialarbeit mehr Aufmerksamkeit zu schenken und diese im Rahmen von Haushaltsberatungen mit den erforderlichen finanziellen Mitteln auszustatten.

Auch wenn die Situation in den Schulen in einem Landkreis, wie dem Rheingau-Taunus-Kreis, nicht vergleichbar mit denen in vielen Städten sei, dürften Probleme nicht „klein geredet“ werden. Dabei machte Monika Merkert deutlich, dass sie im Kreisausschuss für die Verbesserung der Schulsozialarbeit weiter kämpfen werde.

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