Selbst „Tante Emma“ sollte im Internet präsent sein

Selbst „Tante Emma“ sollte im Internet präsent sein
Das 2. Rheingauer Handelsforum stieß wieder auf reges Interesse und guten Austausch

Bürgermeister und Wirtschaftsförderinnen begrüßten das Publikum, von links: Patrick Kunkel, Christian Aßmann, Ulrike Eschweiler, Birgit Roßkopf und Barbara Lilje.

Eltville. (chk) – Das 2. Rheingauer Handelsforum in der Kurfürstlichen Burg Eltville stieß auf gute Resonanz bei den mehr als 70 Gästen aus Handel, Gewerbe und dem Dienstleistungsbereich, die sich im Kurfürstensaal eingefunden hatten, um an den Vorträgen und Präsentationen teilzuhaben und anschließend Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Das Handelsforum ist eine Kooperationsveranstaltung der Wirtschaftsförderer aus den Kommunen Geisenheim, Oestrich-Winkel und Eltville. Barbara Lilje, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Kultur bei der Stadt Eltville und Birgit Roßkopf, zuständig für Marketing und Kommunikation, begrüßten mit Geisenheims Bürgermeister Christian Aßmann und seiner für Tourismus und Wirtschaftsförderung zuständigen Mitarbeiterin Ulrike Eschweiler das Publikum.

„Das sind Aufgaben, die sich eher gemeinsam verwirklichen lassen, als dass jede Kommune alleine rum wurschtelt“, sagte Aßmann, der stellvertretend für die drei Bürgermeister begrüßte. Bürgermeister Patrick Kunkel, der in diesem Moment im Kurfürstensaal ankam, bezeichnete es als „charmant“, dass der Bürgermeister von Geisenheim in Eltville begrüßte, und er fügte hinzu: „Der Rheingau hat es verdient, dass wir zusammenarbeiten.“

Die beiden Themen des Abends griffen die Online-Präsenz von Unternehmen, was als Wunschthemen aus Feedback-Bögen aus dem ersten Handelsforum hervorgegangen waren. „Die Rückmeldungen auf das erste Handelsforum war überwiegend positiv, aber es gab auch ein paar kritische Stimmen“, berichtete Birgit Roßkopf. So hätten einige Teilnehmer verwundert gefragt: „Ist das jetzt eine Verkaufsveranstaltung der Stadt?“ In gewisser Weise sei es das, unterstrich Birgit Roßkopf, auch wenn niemand mit einer Heizdecke unterm Arm die Burg verlassen würde. Der Wirtschaftsförderung der drei Kommunen und ihren Gewerbevereinen sei es jedoch ein Anliegen, den Gewerbetreibenden eine Plattform zur Vernetzung zu bieten und sie mit Experten zusammenzubringen.

Wunschgemäß stand also bei diesem zweiten Handelsforum, das Thema Internetpräsenz im Mittelpunkt. „Offline zu Online – Tante Emma geht ins Internet“, war der Titel des ersten Vortrags von Ralf Kauffmann und Volker Ostermann von der Agentur für Handelsmarketing, „Brainartist“, die ihren „Heimathafen“ im Maximilianshof in Erbach gefunden hat – neben Zweithäfen in Berlin und Zürich. Sie stellten klar, dass es nicht darum geht, online oder stationär präsent zu sein, sondern sowohl als auch. Vor allem mit der Einführung von Smartphones habe der Online-Umsatz stark zugenommen. „Inzwischen liegt der Umsatz, der von Mobilgeräten aus getätigt wird, über dem von Festrechnern“, betonte Ostermann. Aber immer noch kaufen Kunden im Einzelhandel zu rund 90 Prozent stationär. Auch für 2020 sei prognostiziert, dass noch mehr als 85 Prozent der Kunden stationär kaufen werden. „Aber 64 Prozent der stationären Käufer informieren sich vorher im Internet“, sagte Ostermann, was also die Notwendigkeit einer eigenen Homepage auch für kleinere Händler nahe legt.

„Wie erstelle ich eine Website?“, fragte Kauffmann und gab dazu einige Empfehlungen von Anbietern wie Jimdo, Weebly, 1&1 Ionos oder Wix. „Das sind preisgünstige Baukastensysteme, die in mehreren Stufen ausgebaut werden können.“ In dem reich illustrierten Vortag stellte Ostermann als positives Beispiel die Internetpräsenz von Intersport-Kiegele vor, der zwei seiner sechs Filialen in Geisenheim und Eltville hat und mit einer vorbildlichen Website, einer eigenen App und einer Facebook-Seite glänzen kann. „Wenn Sie auf Facebook präsent sind, müssen Sie das auch regelmäßig bespielen“, betonte er, bevor er zu Hilde Seitz-Meißner kam, die für ihren Laden, die „Knorzelstube“ in Geisenheim, ebenfalls eine aussagekräftige Homepage, eine aktive Facebook-Seite und zudem einen Online-Shop aufweisen kann.

Internet ist das„Schaufenster“

„Ein Händler ohne Website ist wie ein Laden ohne Schaufenster“, sagte Eva Gancarz vom Unternehmen „Handel ist Wandel“, das ein Online-Training unter dem Namen „prandible“ für Einzelhändler entwickelt hat und insbesondere Schulungen für „Google My Business“ anbietet. Eva Gancarz bekräftigte noch einmal das zuvor Gehörte über die Notwendigkeit der Online-Präsenz für Ladengeschäfte und die Bedeutung des Smartphones in diesem Zusammenhang. „77 Prozent nutzen ihr Smartphone vor dem Kauf im Laden“, betonte sie. Um „Google My Business“ als „beste kostenlose Werbemöglichkeit“ zu nutzen, sei ein physisch vorhandener Laden die Voraussetzung. „Wir wollen keine öden Innenstädte“, versicherte sie. „Essentiell für die Kundenfrequenz im Laden ist eine informative Website.“ Sie zeigte einige Beispiele, wie Kunden nach einem Einzelhandelsgeschäft oder einem Dienstleister – beispielsweise einem Friseur – suchen und wie wertvoll es ist, wenn bereits über Google die wichtigsten Daten, insbesondere Öffnungszeiten, angezeigt werden. Auch Bewertungen seien wichtig, wenn Kunden erstmals nach einem Geschäft suchen. Nach ihrem Urteil braucht es nicht mehr als 15 Minuten in der Woche, um „Google My Business“ zu pflegen. Sehr lebendig führte sie das Publikum durch die ersten Schritte zur Erstellung eines Profils auf „Google My Business“ und schenkte schließlich allen im Saal den Gutscheincode für einen einführenden Workshop auf www.prandible.com, der ansonsten 30 Euro kostet.

Dass die beiden Vorträge die Gäste angesprochen hatten, war am anschließenden regen Austausch untereinander deutlich zu erkennen. Offensichtlich nahmen einige Unschlüssige gerne Anregungen und Tipps entgegen und verweilten noch lange bei Wein und Gebäck im Burgsaal. In einem Feedback-Bogen wurden die Teilnehmenden gebeten, ihr Urteil über den Abend und Lob, Kritik und Vorschläge für die kommenden Rheingauer Handelsforen abzugeben, denn die Veranstalter der drei Kommunen sind sich einig, dass diese Reihe auf jeden Fall fortgesetzt wird.

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