Solidarisch mit den Kindern der Welt

Rheingauer Sternsinger bringen den Segen und sammeln für Kinderhilfsprojekte

Nach der Aussendungsfeier stellten sich die Kiedricher Sternsinger mit ihren Begleitern noch einmal in ihrer ganzen Pracht vor dem Altar zum Gruppenfoto auf.

„Segne diese Sternsingerinnen und Sternsinger, die die Freude Christi in die Häuser unserer Gemeinde tragen“, betete Diakon Hans-Jürgen Siebers bei der Aussendungsfeier in der Kiedricher Basilica minor St. Valentinus und Dionysius. „Öffne die Herzen und Hände der Menschen, dass sie durch ihre Spende mithelfen, das Licht des Glaubens in alle Welt zu tragen.“ Am Vortag waren die Kinder und Jugendlichen im Pfarrheim mit Diakon Siebers und den beiden Betreuerinnen, Alexandra Nusser und Simone Weis, zusammengekommen, um sich bei Chips und Lebkuchen auf die Sternsingeraktion vorzubereiten, hatten die Gewänder anprobiert und einen Film angeschaut, der Hintergründe erläuterte. Unter dem Motto „Kinder stärken, Kinder schützen – in Indonesien und weltweit“ steht der Kinderschutz im Fokus der Aktion Dreikönigssingen 2023, denn weltweit leiden Kinder unter Gewalt. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich eine Milliarde Kinder und Jugendliche physischer, sexualisierter oder psychischer Gewalt ausgesetzt sind – das ist jedes zweite Kind.

In Asien, der Schwerpunktregion der Sternsingeraktion 2023, zeigt das Beispiel der ALIT-Stiftung in Indonesien, wie mit Hilfe der Sternsinger Kinderschutz und Kinderpartizipation gefördert werden. Seit mehr als zwanzig Jahren unterstützt ALIT an mehreren Standorten Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen gefährdet sind oder Opfer von Gewalt wurden. In von ALIT organisierten Präventionskursen lernen junge Menschen, was sie stark macht: Zusammenhalt, Freundschaften, zuverlässige Beziehungen und respektvolle Kommunikation.

Mit diesem Rüstzeug machten sich 32 Kiedricher Sternsinger mit zehn Erwachsenen am Donnerstag und Freitag auf den Weg zu den Haushalten, die sich für den Segen angemeldet hatten. Die Aufkleber – die vor allem für die moderneren Türen bestimmt sind – hatte Hans-Jürgen Siebers genauso geweiht wie die Kreide, die an manchen Türen auch noch zum Einsatz kommt. „Die Sternsingerinnen und Sternsinger selbst waren überwältigt von der Freude der Menschen über den Segen; und es ist immer etwas Besonderes zu sehen, wie glücklich die Kinder und Jugendlichen dabei sind“, erzählte Alexandra Nusser. „Einige Kinder, die eigentlich nur am ersten Tag dabei sein wollten, kamen auch am zweiten Tag wieder mit, und wir haben 2.821 Euro an beiden Tagen gesammelt. Das ist der höchste Betrag seit zehn Jahren.“ Ein zusätzlicher Anreiz seien natürlich die Süßigkeiten, die den Sternsingern an den Türen zugesteckt werden. Am zweiten Tag hat es in Strömen geregnet und die nassen Gewänder wurden im Pfarrheim zum Trocknen über die Stühle gehängt. „Zum Abschluss gab es dann Pizza für alle Beteiligten und alle versicherten, dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sein wollen“, berichtete Alexandra Nusser.

Bis vor zehn Jahren lag die Sternsinger-Aktion in Kiedrich in den Händen der Chorbuben, bis Alexandra Nusser und Simone Weis die Organisation und Betreuung übernahmen. „Für den Weihrauch der Sternsinger ist Christian Greffin zuständig und um die Gewänder kümmert sich seit vielen Jahren Annerose Lebert“, erläuterte Simone Weis.

Segen für den Bundeskanzler

Auch in Hattenheim waren 16 Sternsingerinnen und Sternsinger schon vor Silvester unterwegs, weil auch hier viele Kinder in der ersten Januarwoche mit ihren Eltern wegfahren. Betreut werden die Kinder und Jugendlichen von Anke Crass und Steffi Lossau. Für sie und für vier 14- und 15-jährige Jugendliche fing die Aufregung diese Woche erst richtig an. Am Mittwoch fahren sie nach Berlin und am Donnerstag, gerade wenn das Rheingau Echo erscheint, werden Samuel Crass, Michelle Köhler, Leonard Rothmann und Hannah Schieferstein den Segen ins Bundeskanzleramt tragen. Alle vier werden vor Bundeskanzler Olaf Scholz den Text sprechen und Hannah darf den Segen an die Tür schreiben. „Sie hat die schönste Schrift“, verrät Anke Crass. In den letzten Tagen lief ihre Nähmaschine heiß, weil sie die vier neuen königlichen Gewänder aus Samt mit goldenen, silbernen und farbigen Bordüren für diesen besonderen Anlass fertiggestellt hat.

Und warum dürfen gerade die vier Hattenheimer Jugendlichen das Bistum Limburg beim Empfang des Bundeskanzlers vertreten? „Wir haben bei einem Preisrätsel des Sternsinger-Magazins mitgemacht und hatten die richtige Lösung“, erzählt Anke Crass, die früher selbst Sternsingerin war. Jetzt ist ihr Sohn Samuel dabei. Und sie bezeichnet ihre Mitstreiterin Steffi Lossau als „das Herz der Sternsinger“, weil sie mit einer besonders großen Begeisterung die Kinder und Jugendlichen betreut. Schon im Vorfeld gab es über Zoom zwei Treffen mit den Sternsingern, die aus ganz Deutschland nach Berlin fahren. „Wir freuen uns riesig“, sagt sie. „Am 6. Januar werden wir abends um 18 Uhr beim Dreikönigstreffen am Hattenheimer Markplatz dabei sein und berichten.“

Rund 300.000 Mädchen und Jungen beteiligen sich jedes Jahr in Deutschland an der Sternsinger-Aktion. Dahinter steht das Kinderhilfswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit ihrem Start im Jahr 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Insgesamt haben die Sternsinger bisher etwa 1,3 Milliarden Euro gesammelt. Weltweit wurden dadurch mehr als 70.000 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa gefördert.

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