Sommerfest: Kritik an Moderation und Pannen beim Feuerwerk

Sommerfest: Kritik an Moderation und Pannen beim Feuerwerk
Freundschaft als Leitmotiv und Erfolgsgeheimnis des Rheingau Musik Festivals / Promitreffen auf Schloss Johannisberg

Das illuminierte Schloss Johannisberg bildete die malerische Kulisse für das Sommerfest.

Rheingau. (hhs) — Endlich einmal wurde das Sommerfest des Rheingau Musik Festivals (RMF) von perfektem Wetter begünstigt. Doch dennoch war nicht alles eitel Sonnenschein. Beim großen Konzert mit Melodien von Leonard Bernstein erfolgte die Moderation ausschließlich in Englisch, was für Kritik sorgte. Und das große Feuerwerk war gleich von mehreren Pannen begleitet.

„Schöner als heute kann es nicht sein“, hatte sich Dr. Hans Georg Sundermann vom Hauptsponsor Lotto Hessen bei seinem traditionellen Sponsorenempfang noch gefreut. Und RMF-Intendant Michael Herrmann sollte später bei der offiziellen Eröffnung auch dem Team von Schloss Johannisberg danken, das seine Großbaustelle rechtzeitig zu Beginn der Festivalsaison abgeschlossen und so das Sommerfest im herrlichen Ambiente erst möglich gemacht hatte.

„Happy Birthday, Lenny“ war dieses Sommerfest überschrieben. Lenny – das ist Leonard Bernstein, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte feiern können. Für den RMF-Intendanten war das Thema auch deshalb besonders wichtig, weil er den großen Komponisten und Dirigenten persönlich kannte und bis zu seinem Tod im Jahr 1990 mit ihm befreundet war.

Das Leitmotiv „Freundschaft“ griff auch Kuratoriumsvorsitzender Roland Koch auf, der in Vertretung des durch die politischen Querelen mit der CSU in Berlin gebundenen Ministerpräsidenten Volker Bouffier das Sommerfest offiziell eröffnete. Eine Freundschaft, wie sie Herrmann mit Bernstein verbunden habe, pflege der Intendant auch mit vielen Künstlern von Weltruf.

„Michael Herrmann schafft ein Vertrauensverhältnis zu den Künstlern. Die kommen gerne auch als Weltstars in den Rheingau zurück, wenn sie einmal die Vorzüge der Region, ihrer Veranstaltungsorte und die persönliche Betreuung durch das RMF und seiner Mitarbeiter schätzen gelernt haben“, lobte Koch.

Sponsoren

Der ehemalige Ministerpräsident ging auch auf die wirtschaftliche Seite ein. Michael Herrmann und seinem Team sei es gelungen, dank der finanziellen Unterstützung von Sponsoren aus der Wirtschaft das Rheingau Musik Festival zum „größten und erfolgreichsten Festival Deutschlands“ zu machen – und das ohne direkte öffentliche Mittel.

Diese Sponsoren, die im Schnitt der letzten Jahre 45 Prozent des 8-Millionen-Festivaletats abdecken, erhalten beim gesellschaftlichen Höhepunkt des Sommers alljährlich eine besondere Betreuung. Gern gesehene Ehrengäste sind auch Politiker, Vertreter von Medien und aus der Kulturszene.

Beim Sommerfest können dann alte Kontakte gepflegt und neue geknüpft werden – damit die Sponsoren aus der Wirtschaft auch im nächsten Jahr wieder zu einem ausgeglichenen Etat beitragen, damit die Medienvertreter das Festival ins rechte Licht rücken und so weitere Musikfreunde anlocken. Und die Politiker braucht auch ein noch so bedeutendes Festival immer wieder – wenn schon nicht ihr Geld, dann aber zumindest ihr Wohlwollen.

Musikprogramm

Offiziell steht natürlich die Musik im Vordergrund. Das Programm war gewohnt vielschichtig – mit Jazz des Max Neissendorfer Trios im Spätlesereiterhof, mit fetzigen Coversongs der bewährten Publikumslieblinge von der Band Waterproof im Schlosshof und mit dem Hauptkonzert im Cuvéehof vor mehr als 2.000 Zuschauern.

Doch mit diesem vermeintlichen musikalischen Höhepunkt waren nicht alle Zuschauer zufrieden. Unbestritten blieb die musikalische Qualität des WDR Funkhausorchesters unter Leitung seines charismatischen Dirigenten Wayne Marshall. Nicht jedermanns Geschmack war indessen die Musik Leonard Bernsteins, die die Programmgestalter ausgewählt hatten. Zu wenig von der bekannten „West Side Story“, zu viel von weniger populären Bernstein-Kompositionen wie„Candide“ oder „On the Town“.

Was die Situation hätte retten können, wäre sicher eine gelungene Moderation gewesen. Im Vorjahr war das dem kolumbianischen Dirigenten Andrés Orozco-Estrada gelungen, der als charmanter wie geistreicher Conferencier durch ein anspruchsvolles und mitunter sperriges Musikprogramm geführt hatte. Doch in diesem Jahr fiel dieser Job der amerikanischen Sängerin Kim Criswell zu – die dies zum Unverständnis der Zuhörer durchweg in englisch machte. Ihre Witze, die Anekdoten und Hintergrundinformationen, die einen besseren Zugang zu den gespielten Musikstücken erlaubt hätten, erreichten somit nicht alle Adressaten.

Selbst wenn bei den Hits wie „Somewhere“ oder „Maria“ der Applaus groß war, wollte die ganz große Stimmung im Cuvéehof nicht aufkommen. Am Ende des gut 90-minütigen Hauptkonzertes waren dann auch nicht mehr alle Stühle besetzt.

Kulinarik

Viele der „Bernstein-Flüchtlinge“ machten es sich stattdessen an den Verpflegungsständen gemütlich, beim „Promenadenkonzert mit kulinarischen Kunststücken deutscher Meisterköche“, wie es das RMF in seinem Programmheft bezeichnete.

Diese Meisterköche werden alljährlich vom RMF eingeladen, das damit auch eine möglichst große kulinarische Bandbreite anbieten will. Nicht immer ist der wirtschaftliche Erfolg garantiert, wie die Newcomer vom Benen-Diken-Hof aus dem noblen Keitum auf Sylt erfahren mussten. Ihre Austern „Sylter Royal“ für schlappe 4 Euro das Stück schienen im Rheingau nicht so gut anzukommen. Auf Nachfrage lobten die Anbieter „die tolle Atmosphäre“ des Festes und auch „das schöne Feuerwerk“ – zu wirtschaftlichen Aspekten wollten sie sich nicht äußern. Immerhin: „Diejenigen, die unsere Austern gegessen haben, waren sehr zufrieden“. Und wiederkommen wollen sie im nächsten Jahr auch – „wenn wir eingeladen werden“.

Den Werbeeffekt des Sommerfestes nutzte auch Mathias Marschollek. War er in den letzten Jahren immer mit seiner Eberbacher „Klosterschänke“ zu Gast, firmierte sein Kochstand in diesem Jahr unter dem Namen seiner neu eröffneten Hattenheimer „Rheinschänke“. Das Küchenteam um Marscholleks Sohn musste viele Fragen beantworten, wo und was denn die „Rheinschänke“ sei. Solche Fragen waren bei den Stamm-Köchen wie der Consortium-Gastronomie, dem renommierten Nassauer-Hof oder den Platzhirschen der Schloss-Schänke nicht nötig.

Feuerwerkspannen

Ein bedauerliches Novum gab es beim großen Feuerwerk, das alljährlich um 23 Uhr beginnen und synchron von Musik aus dem Programm des Abends begleitet werden soll. Durch einen „Kurzschluss“ – so die Verantwortlichen – zündeten einige Raketen schon um 22 Uhr, eine Stunde zu früh und optisch völlig ohne Wirkung, weil es noch viel zu hell war.

Dem Vernehmen nach soll das unzeitige Geknalle in den Nachbarkommunen von Johannisberg zu Irritationen geführt haben. Bei der Rüdesheimer Polizeistation indessen wurden keine entsprechenden Nachfragen dokumentiert. Eine Ursache des schnell gestoppten Feuerwerks konnte am Samstagabend nicht gefunden werden. Möglicherweise könnte eine Drohne das Signal ausgelöst haben, hieß es.

Als dann programmgemäß um 23 Uhr der Startschuss für das „richtige“ Feuerwerk fiel, schienen genau jene Sekunden zu fehlen, die eine Stunde zuvor „verpulvert“ worden waren. Jedenfalls war die sonst so bewunderte Synchronität von Feuerwerk und Musik nicht gegeben.

Schön anzusehen war das Feuerwerk trotzdem. Was weniger schön war, war der kleine Brand, den eine zu früh abgestürzte Rakete im Schloss-Park auslöste. Nur gut, dass die Einsatzkräfte der Feuerwehr Johannisberg schnell reagierten und das Feuer löschten, bevor es größeren Schaden anrichten konnte.

Dank des herrlichen Sommerwetters blieb das Festgelände auch nach dem Feuerwerk gut gefüllt. Beim „Late Night Concert“ im Schlosshof mit der Band Waterproof gingen die Stimmungswogen endlich so hoch, wie man es sich zuvor auch schon beim Geburtstagskonzert für Lenny Bernstein erhofft hatte.

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