Stand und Ziele

Breitbandausbau im Rheingau-Taunus-Kreis

Achim Staab, Leiter der Wirtschaftsförderung und gleichzeitig Koordinator des Breitbandausbaus im Rheingau-Taunus-Kreis.

Gleichzeitig mit Daten surfen, große Datenmengen up- und downloaden, über beste Bildqualität beim Streamen verfügen: Gigabitfähige Infrastrukturen bilden die Basis für die digitale Veränderung und Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft, was sie zu einem entscheidenden strategischen Standortfaktor auch im Rheingau-Taunus-Kreis macht. Dafür benötigt es ein stabiles und leistungsfähiges Internet. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, findet im Rheingau-Taunus-Kreis mit dem aktuellen Breitbandausbau eines der größten Infrastrukturprojekte der letzten Jahre statt. In allen Städten und Gemeinden schreitet der Ausbau voran. Neben Leitungsverlegungen innerhalb der Städte und Gemeinden werden auch außerhalb der bewohnten Ortslagen Gräben gezogen und Leitungen verlegt. Verteilerkästen werden neu gebaut und aufgerüstet sowie mit modernster Technik versehen. Dazu erläutert der Leiter der Wirtschaftsförderung und gleichzeitig Koordinator des Breitbandausbaus im Rheingau-Taunus-Kreis, Achim Staab, den aktuellen Stand, Ziele und weitere Planungen.

Nach entsprechenden Markterkundungs- und Ausschreibungsverfahren habe die Telekom den Auftrag für die Umsetzung erhalten. Das Unternehmen investiere über 20 Millionen Euro und erhalte für die unwirtschaftlich zu erschließenden Bereiche als Deckung der Wirtschaftlichkeitslücke Fördermittel in Höhe von rund acht Millionen Euro. Mit der Umsetzung des Projektes wurde Anfang 2019 begonnen. Beim aktuellen Ausbau handele es sich um ein sogenanntes Nachverdichtungsprojekt. Versorgt werden Anschlüsse, die vor Ausbau weniger als 30 Mbit/s im Download hatten. Im Ausbau befinden sich rund zehn Prozent der Gebäudeanschlüsse, von rund 53.000 insgesamt im Kreisgebiet. Nach Abschluss des Projektes hätten fast alle Teilnehmeranschlüsse im Kreisgebiet Versorgungsraten von mindestens 100 Mbit/s im Download und vielerorts darüber hinaus. Auch 34 förderfähige Bildungseinrichtungen und förderfähige Unternehmensanschlüsse werde man direkt mit Glasfaser anbinden und erreiche dann Gigabit-Leistung. Dafür werden mehr als 100 km Tiefbautrasse neu realisiert. Der Aufbau der Systemtechnik erfolge durch Vergrößern bzw. den Neuaufbau von 108 Multifunktionsgehäusen, inklusive der Herstellung der Stromversorgung. Weiterhin werden 61 neue Verteiler für Glasfaseranschlüsse aufgebaut. "Insgesamt werden fast 500 km Glasfaserkabel eingeblasen und in Mikrorohren verlegt. Dabei werden auch bestehende Leerrohre verwendet. Bis spätestens Mitte 2022 soll das aktuelle Ausbauprojekt im Kreisgebiet abgeschlossen sein", kündigt Staab an.

Kurz- und mittelfristig gesehen, werde das Kreisgebiet nach Abschluss des Projekts bestens versorgt sein. Für viele aktuelle Anwendungen und Dienste im geschäftlichen und privaten Bereich würden Downloadraten von 50, 100 oder 250 Mbit/s genügen. Längerfristig gehe aber am hochleistungsfähigen Breitbandausbau zur Gigabit-Region kein Weg vorbei. Daher wolle man, koordiniert über die Wirtschaftsförderung, diesen flächendeckenden Hochleistungsausbau weiter vorantreiben. Glasfaser sei dabei das wichtigste und technisch leistungsstärkste zukunftsweisende Medium – und Glasfaser müsse zu jedem Teilnehmeranschluss. Mit bis zu 1.000 Mbit/s oder zukünftig auch mehr, gebe es genug Bandbreite, nachhaltig und zukunftsfähig professionell zu arbeiten, mit vielen Nutzern gleichzeitig zu surfen, große Datenmengen zu transportieren oder über beste Bildqualität beim Streamen zu verfügen.

Es gebe bereits Überlegungen, Planungen und auch Aktivitäten für den weiteren Breitbandausbau. Vom Regionalverband Frankfurt initiiert, sei ein Großprojekt im Entstehen – die Gigabitregion FrankfurtRheinMain. Zur Umsetzung wurde im Juni dieses Jahres eine entsprechende GmbH gegründet, der Rheingau-Taunus-Kreis ist Gründungsmitglied. Ziel des Ausbauprojektes sind hochmoderne, für alle Anbieter frei zugängliche Glasfaseranschlüsse bis an jedes Unternehmen und nahezu jeden Haushalt. Bis 2025 sollen alle Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie Gewerbebetriebe in der Gigabitregion mit einem glasfaserbasierten, gigabitfähigen Internetzugang ausgerüstet werden. Bis zum gleichen Jahr sollen die Hälfte und bis 2030 90 Prozent aller Haushalte in der Gigabitregion so angeschlossen oder aufgerüstet werden. Es seien enorme Anstrengungen nötig, um diese Ausbauziele zu erreichen. Der Glasfaserausbau müsse in der Region beschleunigt und kosteneffizient gestaltet werden. Im Rahmen dieses Projektes werde eine enge Kooperation mit der Privatwirtschaft sowie mit den kommunalen Unternehmen vor Ort angestrebt. Das Ziel sei eine Kombination von eigenwirtschaftlichem, geförderten und kooperativen Ausbauaktivitäten.

Aktuell tue sich einiges im Kreisgebiet. Neue Telekommunikationsunternehmen würden in die Region kommen und auf die Kommunen zugehen. Zum Stand der Aktivitäten erläutert Staab, dass ein erster Meilenstein über das Projektteam Gigabitregion FrankfurtRheinMain in der Region erreicht wurde. Im Sommer wurden Rahmenkooperationsvereinbarungen mit der Deutschen GigaNetz GmbH, der Deutschen Glasfaser Wholesale GmbH und der Telekom Deutschland GmbH unterzeichnet. Wichtig sei, dass zu diesen Vereinbarungen auch Muster für Kooperationsvereinbarungen mit den Kommunen gehören. Hinter den beiden erstgenannten Unternehmen stehen globale Investoren, die ihr Geld im Breitbandausbau anlegen und darüber Rendite erwarten und erzielen.

Auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Vorhaben und Planungen erläutert Staat. Das aktuelle Breitbandausbauprojekt durch die Deutsche Telekom, im Auftrag des Kreises und seiner Städte und Gemeinden sei so aufgebaut, dass durch die erwähnten Fördermittel die Telekom in die Lage versetzt wurde, auch die für sie unwirtschaftlich zu erschließenden Bereiche zu versorgen. Als Beispiel nennt Staab hier den Heidenroder Ortsteil Geroldstein im Wispertal mit rund 90 Einwohnern und etwa 50 Haushalten. Hier hätten kilometerlange Leitungen von Heidenrod-Dickschied ins Tal verlegt werden müssen, um relativ wenig Häuser anzuschließen und zu versorgen. "Wichtig bei „unserem“ kreisweiten Ausbauprojekt ist auch folgender Sachverhalt: Da Fördermittel zum Zuge kommen, besteht die Verpflichtung, dass der Kunde entscheiden kann, für welchen Anbieter er sich bei einem Tarifabschluss entscheidet. Dies nennt sich dann Open Access, also offener beziehungsweise freier Zugang für alle Anbieter, unabhängig vom Netz-Eigentümer", so Achim Staab.

Die Rahmenkooperationsvereinbarungen in der Gigabitregion FrankfurtRheinMain hätten auf Grundlage der im Markterkundungsverfahren eingegangenen Konzepte und zahlreicher Verhandlungsgespräche mit den ausgewählten Telekommunikationsunternehmen abgeschlossen werden können. Der Abschluss mit der Privatwirtschaft diene dazu, klare Ziele und Spielregeln, Grundsätze des Ausbaus (Verlege-Methoden, Mindesttiefen, Open Access etc.) sowie regionale und kommunale Unterstützungsleistungen zur Umsetzung des Gigabitprojektes verbindlich festzulegen.

Bei den aktuell entstehenden Projekten im Kreisgebiet sei der Ablauf folgender: Wenn eine Kooperation zwischen Kommune und Unternehmen abgeschlossen wurde, findet anschließend eine Vorvermarktung beziehungsweise Nachfragebündelung statt. Ist eine bestimmte Quote erreicht, meist 40 Prozent, gehen die Unternehmen in Planung und Ausbau. Oftmals wird eine intensive Unterstützung durch die Kommunen benötigt und gefordert. In einer Kommune im Kreisgebiet ist die Vorvermarktung abgeschlossen und die Planung beim TK-Unternehmen beginnt, weitere Kommunen haben Kooperationsvereinbarungen unterschrieben bzw. planen dies. Allerdings werden bei der Projektumsetzung nur die Anschlüsse direkt und ohne zusätzliche Baukosten verwirklicht, die eine längere vertragliche Bindung mit diesem Unternehmen eingehen. Bei späteren Vertragsabschlüssen und Ausbau entstehen meist zusätzliche Anschlusskosten. Vorwiegend wird eine nicht direkt mit anderen Anbietern kompatible Netzstruktur aufgebaut. Wichtig ist darauf zu achten, dass die Möglichkeit des Open Access in den Vertragswerken gegeben ist.

Die sich in Planung und Umsetzung befindlichen Eigenausbauaktivitäten stünden nicht im Zusammenhang mit "unserem geförderten Ausbauprojekt durch die Deutsche Telekom". Es bewegt sich also sehr viel auf dem großen Feld des hochleistungsfähigen Breitbandausbaus. Letztendlich entscheide am Ende der Kunde wie er versorgt sein möchte und welchen Tarif er bucht. Wichtig sei dabei Transparenz und Vergleichbarkeit.

"Besonders wichtig ist das große Ziel, den flächendeckenden Glasfaserausbau im Blickfeld zu haben, frei zugängliche Glasfaseranschlüsse bis an jedes Unternehmen und nahezu jeden Haushalt zu erreichen und dies dementsprechend in den nächsten Jahren voranzutreiben. Nur gigabitfähige Infrastrukturen ermöglichen weitere Innovationen, Wettbewerb, Beschäftigung, Wohlstand und nachhaltiges Wirtschaftswachstum", so Staab abschließend.



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