In einer Straußwirtschaft hat er Geschmack am Rheingau gefunden

In einer Straußwirtschaft hat er Geschmack am Rheingau gefunden

50 Jahre im Rheingau – Chefredakteur Michael Gamisch im Gespräch mit Landrat a. D. Klaus Frietsch

Chefredakteur Michael Gamisch (l.) im Gespräch mit Klaus Frietsch.

Rheingau. (mg) – Am 27. Juli 1970, also vor genau 50 Jahren, ist Klaus Frietsch als frisch gewählter Bürgermeister nach Winkel gezogen. Nur wenige Jahre später wurde er zum Bürgermeister der neuen Stadt Oestrich-Winkel zusammen mit den Ortsteilen Winkel, Mittelheim und Oestrich, zu denen sich später noch Hallgarten gesellte. Nur wenige Monate vor seinem Amtsantritt in Winkel wurde das Rheingau Echo als dortiges Bekanntmachungsorgan gegründet. Es war seitdem ständiger Begleiter von Frietschs politischer Karriere, auch als er 1989 vom Kreistag zum Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises gewählt wurde.

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Das runde Jubiläum bot nun Anlass für ein Gespräch, durch das Klaus Frietsch die Rheingau Echo Leser an besonderen Ereignissen in seiner Amtszeit teilhaben lässt. Zu dem persönlichen Treffen in der Rheingau Echo Lounge hatte Klaus Frietsch auch noch das Original der Rheingau Echo-Ausgabe von Ende Juli 1970 mitgebracht. Dort wurde über die Verabschiedung von Bürgermeister Meder berichtet und es enthielt zugleich sein ersten Grußwort an die Winkeler Bürger.

 

Rheingau Echo: Was hat Sie an dieser Gegend und der neuen Aufgabe gereizt, zumal Sie als gelernter Großhandelskaufmann und Zeitsoldat nicht unbedingt auf dem Weg in die Politik waren? Was war reizvoller: die Gegend oder die Aufgabe?

Klaus Frietsch: Die Gegend war es nicht. Es war wohl mehr Zufall oder ein Wink vom Schicksal. Ich war damals in Wiesbaden und besuchte die Verwaltungsfachhochschule, die berufsbegleitend den Abschluss für den gehobenen Dienst mit dem Abschluss zum Diplom Verwaltungswirt ermöglichte. Dabei bin ich sehr schnell in politisches Fahrwasser gekommen – einmal durch die Gewerkschaft ÖTV und später dann als Mitglied bei den Sozialdemokraten. So kam ich recht schnell in den Unterbezirksvorstand – zunächst der Jungsozialisten – zwei Jahre später der Partei und war dort Kassierer.

Die Politisierung hat dazu geführt, dass man im Kollegenkreis in der Stadtverwaltung auch über mögliche Entwicklungen und berufliche Aufstiegschancen gesprochen hat. Ich war damals mit 27 Jahren der zweitälteste in unserem Studienjahrgang. Da muss man sich schon Gedanken um die Zukunft machen.

Mein Abteilungsleiter, der ursprünglich aus Oestrich stammte, machte mich auf die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle in Winkel aufmerksam und gab mir die Kopie aus dem Staatsanzeiger.

Gemeinsam mit meiner Frau machte ich mich an einem trüben Novemberwochenende dann einmal auf in den Rheingau und war damals von Winkel eigentlich nicht so angetan.

Das änderte sich nach einem weiteren Besuch in der Gemeinde in Begleitung des Kollegen Moos. Beim Besuch der Straußwirtschaft Schmiedel in Krayers Mühle konnte ich dann auch im Gespräch ein bisschen von der Stimmung und den Befindlichkeiten im Ort aufnehmen.

Rheingau Echo: Sie haben sozusagen in der Straußwirtschaft Geschmack an dem Ort gefunden?

Klaus Freitsch: Das kann man so sagen! So bin ich in den Rheingau gekommen.

Rheingau Echo: Sie haben vor 50 Jahren die Leitung der Geschicke der Gemeinde Winkel zu einem Zeitpunkt übernommen, als das Rheingau Echo gerade einmal vier Monate zuvor gegründet wurde. Das Presseorgan der Region, das als Bekanntmachungsorgan für Winkel und Mittelheim ins Leben gerufen wurde, und Sie schauen also auf eine gleich lange Ära zurück in der es zwischen beiden nicht immer harmonisch, aber durchaus respektvoll zuging. An welche Begebenheiten erinnern Sie sich vielleicht noch heute?

Klaus Frietsch: Ich habe zum Rheingau Echo eigentlich in meiner langen Dienstzeit immer ein gutes Verhältnis gehabt, auch wenn man sich manchmal geärgert hat und nach einer Berichterstattung dachte, man wäre auf einer anderen Veranstaltung gewesen. Aber das ist nicht nur beim Rheingau Echo so, sondern auch bei anderen Medien.

Ich hatte mit dem Herausgeber Horst Seikel immer ein kritisch freundschaftliches Verhältnis. Wir sind uns nie aus dem Weg gegangen, haben offen miteinander gesprochen und jeder wusste, wo er dran war.

Seikels Lehrjahre als Zeitungsmann begannen für den gelernten Drucker ja zur gleichen Zeit, in der ich die ersten Erfahrungen im Umgang mit Medien sammeln musste.

Wir waren beide Neulinge in der Branche. Da muss man sich auch an einander abschleifen.

Aber insgesamt war es ein gutes Verhältnis. Wir waren oft mit Interviewpartnern aus der Politik in der Druckerei. Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Rotationsdruckmaschine und die Endlosmaschine mit einem großen Fest in Betrieb genommen wurde.

Ich muss aber auch sagen, dass viele Themen nur im Rheingau Echo in dieser Ausführlichkeit den Bürgern näher gebracht werden konnten.

Eingemeindung

Rheingau Echo: Über die Eingemeindung von Hallgarten gab es sehr unterschiedliche Auffassungen und politische Auseinandersetzungen. Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht den Vorgang?

Klaus Frietsch: Die Gemeinde Hallgarten hatte einstimmig beschlossen selbständig zu bleiben und mit allen Mitteln dafür gekämpft, etwa mit der Ausweisung von Bauland. Das haben wir in Oestrich-Winkel aus der Ferne beobachtet. Ich hatte mit dem Hallgartener Bürgermeister Freimuth auch ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis.

Am Ende trat jedoch das Anschlussgesetz in Kraft, wodurch Hallgarten Oestrich-Winkel angegliedert worden ist. Vom Eltviller Bürgermeister Hölzer, der Hallgartener war, gab es noch den Versuch, da Hattenheim recht nahe am eigenen Stadtgebiet lag, den Ortsteil nach Eltville zu holen. Was erfolglos blieb.

Oestrich-Winkel hat dann sogar – obwohl rechtlich unnötig – einen Auseinandersetzungsvertrag mit Hallgarten geschlossen. Mir war daran gelegen, politisch das Ganze ohne großes Spektakel umzusetzen, zumal unsere Stadt nicht für den Vorgang verantwortlich war, sondern die Landesregierung, die damals von SPD und FDP geführt wurde.

Eine der Triebfedern für die Gebietsreform war die FDP, hier insbesondere der ehemalige Bürgermeister Bielefeld von Bad Schwalbach, der in der sozial-liberalen Koalition Innenminister wurde. Auch die Gebietsreform im Kreis geht auf diese Bestrebungen zurück, die vor Ort alles andere als geliebt wurden.

Aus dem Vertrag mit Hallgarten ging unter anderem der Verein „Weindorf Hallgarten“ hervor, dem erhebliche Vermögenswerte der Gemeinde Hallgarten übertragen wurden, was sich heute noch auswirkt und ihm Einnahmen beschert. Das war aber einvernehmlich geregelt.

Geschadet hat das niemandem, wenn man andererseits betrachtet, was die Stadt Oestrich-Winkel durch den Verkauf von Erbpachtgrundstücken auf dem Rebhang eingenommen hat.

Ich denke, wir haben das damals pragmatisch, überparteilich, vernünftig und einvernehmlich geregelt.

So konnte mit dem Thema auch kein Wahlkampf gemacht werden. Denn anschließend kam ja die Kommunalwahl, bei der das Parlament insgesamt neu gewählt werden musste. Mit dem Anschluss von Hallgarten endete meine Amtszeit als Bürgermeister. Ich habe dann als „Staatsbeauftragter“ die Geschäfte weitergeführt und im Vorfeld Wahlkampf gemacht. Dabei habe ich in Hallgarten an jede Tür geklopft und konnte mit vielen Menschen dort reden. Manche haben schon direkt drauf gewartet.

Das hat dazu geführt, dass die SPD in Hallgarten 49 Prozent erhielt. Damit haben wir 1977 die absolute Mehrheit geholt, obwohl sonst im Land die SPD überall verloren hat.

Hallgarten ist sicher ein schwieriges Pflaster, aber ich hatte auch als Landrat dort gute Ergebnisse.

System „Orban“

Rheingau Echo: Sie haben sich in Ihrer Amtszeit als Bürgermeister – später auch als Landrat auf Kreisebene – für die Partnerschaften mit Ungarn eingesetzt. Sind Sie von der aktuellen Entwicklung in dem Land enttäuscht?

Klaus Frietsch: Ich bin ja bis zum letzten Jahr im Vorstand des Partnerschaftsvereins von Tokaj gewesen und habe aktuell Kontakte mit Menschen vor Ort. Ich kenne dort viele über lange Zeit.

Was mich wundert ist, dass die Menschen dort anfangs Orban positiv angenommen haben. Inzwischen hat sich das in den letzten zwei bis drei Jahren aber geändert. Offenbar auch, weil sich ein System etabliert hat, das nicht nur unsere politische und gesellschaftliche Werteordnung auf den Kopf stellt. Vielmehr scheint auch Korruption eine Rolle zu spielen.

Orban soll beispielsweise über einen Strohmann das größte Weingut im Tokajer-Anbaugebiet besitzen. Das wird ganz offen gehandelt. Das habe ich aus mehreren glaubhaften Quellen, darunter eine frühere Anhängerin von Orban, die das mittlerweile kritisch sieht.

Was mich wundert ist, dass seine Partei eine solche Mehrheit im Land holt. Aber das könnte bald bröckeln. Da könnte die Zeit gegen Orban arbeiten. Ich bedauere die Entwicklung in Ungarn. Denn wir hatten auf kommunaler Ebene einen fruchtbaren Austausch. Es wurden viele Beziehungen aufgebaut, die auf privater Ebene durchaus weiter bestehen. Auswirkungen auf die Partnerschaften gab es bislang keine in Bezug auf den Verein. Die Menschen, die von Anfang an dabei waren, stehen noch immer zu den Zielsetzungen der Partnerschaft.

Jobverlust & erste Direktwahl

Rheingau Echo: In Ihre Zeit als Landrat fielen bemerkenswerte Ereignisse, So wurde Ihre Wahl durch die rot-grüne Koalition wegen eines Formfehlers vom Verwaltungsgericht gekippt. Die erneute Wahl 1993 war die erste Direktwahl für einen Landrat in Hessen. Hatten Sie unter Umständen schon das vorzeitige Ende Ihrer Karriere vor Augen?

Klaus Frietsch: Die juristische Entscheidung war ein herber Einschnitt, zumal die oberste Instanz in Hessen so entschieden hat und damit das erstinstanzliche Urteil aus Wiesbaden bestätigte. Damit habe ich nicht gerechnet, da ich mich im Innenministerium und dem Landkreistag schlau gemacht habe, ob es Sinn macht, dagegen vorzugehen. Damals war mir eindeutig erklärt worden, dass der Verwaltungsgerichtshof in Kassel das erste Urteil aus Wiesbaden kassieren werde, weil dies im krassen Gegensatz zur bisherigen Rechtsprechung stehe. Das hat mich erst beruhigt.

Doch vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Der Berichterstatter des Gerichts, Nassauer, der Bruder des hessischen Innenministers, hat die langjährige Rechtsprechung in dieser Frage neu bewertet und damit auf den Kopf gestellt.

Die Nachricht von der Wahlannullierung erreichte mich dann auch überraschend bei einer Wehrübung auf Korsika. Ich bin aus allen Wolken gefallen, als mich der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Muno unterrichtete. Mit einem Versorgungsflieger konnte ich dann sofort den Heimflug antreten und mein Büro in Bad Schwalbach räumen. Das muss man schon ein dickes Fell haben, um das wegzustecken.

Der Zeitpunkt des Urteils bedeute zugleich, dass die Wahl im Kreistag nicht einfach wiederholt werden durfte, da dies ab einem Zeitraum von zwölf Monaten vor der gefassten Neuregelung der Direktwahl, untersagt war. Es folgten für mich also zehn Monate als Pensionär der Stadt Oestrich-Winkel, in denen ich mich aber auf die Wahl vorbereiten konnte.

Der knappe Sieg in der Stichwahl war da durchaus eine Genugtuung, wenn es am Ende auch nur an rund 252 Stimmen auf Kreisebene lag. Durch die Ereignisse war ich der zweite Landrat in Hessen, der mittels Direktwahl gewählt wurde.

Fremdwährungsgeschäfte

Rheingau Echo: Ihr Geschäftsmodell mit Zinsgewinnen aus Fremdwährungskrediten hat zwar gegriffen, wurde aber später von der Finanzaufsicht untersagt, zumal sich immer deutlicher aufgrund der Volatilität der Währungen die Risiken abzeichneten. Sehen Sie das Geschäftsmodell als Fehler an oder fehlte es im Kreis an geeigneten Steuerungsinstanzen für derartige Geschäfte?

Klaus Frietsch: Ich habe diese Fremdwährungskredite schon als Bürgermeister von Oestrich-Winkel genutzt. Das war nicht neu für mich. Auch dort konnten wir so rund 250.000 D-Mark an Zinsen einsparen. Neu im Kreis war sicherlich die Dimension der Kreditsummen.

Die Kassenkredite auf diesem Weg aufzunehmen war übrigens eine Empfehlung des damaligen Vorstand der Rheingauer Volksbank, Dr. Andreas. Dabei betrugen die Zinsen normalerweise etwa 8,25 Prozent. Mittels Schweizer Franken konnte die Zinslast für Oestrich-Winkel auf rund vier Prozent gesenkt werden.

Ich habe das als Bürgermeister gelernt und als Landrat fortgesetzt und mehr Erfahrungen gesammelt, auch über die Bank für Gemeinwirtschaft. Da sank die Zinslast sogar noch weiter.

Nachdem ich mit diesen Dingen vertrauter war, zumal ich auch im Anlageausschuss der ZVK saß. Damals haben wir dort eigene Aktienfonds kreiert. Mit dem Erwerb und Verwaltung wurden fünf Banken beauftragt, die im Wettbewerb standen. Aus dieser Zeit habe ich den Umgang mit Aktien und Währungen kennengelernt – „learning by doing“ – habe mich aber trotzdem beraten lassen. Dazu kamen über viele Jahre Erfahrungswerte aus dem Kreditausschuss der NASPA.

Deshalb habe ich mir diese Fremdwährungsgeschäfte auch zugetraut, auch dank einer guten Mitarbeiterin in der Kasse des Kreises. Daher sind wir damals zusätzlich in den Yen eingestiegen.

Als die Finanzaufsicht des Regierungspräsidiums die Einstellung der Geschäfte gefordert hat, habe ich Widerspruch eingelegt und parallel zur Prozessvorbereitung ein Gutachten durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödel & Parter aus Berlin erstellen lassen, das den Erfolg der Geschäfte belegte. Immerhin hat der Kreis auf diesem Weg bis zum Ende meiner Amtszeit rund 43,7 Millionen D-Mark gespart.

Ich hatte meinem Nachfolger auch angeboten, das Buch zu schließen, oder, falls er weiter machen möchte, ihm gerne beratend zur Seite zu stehen, was er nicht in Anspruch genommen hat. Das Ende vom Lied war, dass der Kreis klein beigegeben hat und die Geschäfte eingestellt wurden, obwohl sie damals in Bezug auf Kassenkredite rechtmäßig waren.

Heute ist dank der Nullzinspolitik die Situation anders. Da gibt es sogar die Möglichkeit mit einem Kassenkredit Geld zu verdienen.

Koalitionspartner

Rheingau Echo: Sie waren gezwungen in politisch unterschiedlichen Konstellationen zu handeln. Wie kamen Sie mit den notwendigen Kompromissen zurecht oder was ist womöglich auf der Strecke geblieben, das Sie gerne umgesetzt hätten und wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht den Umgang der Fraktionen und der Abgeordneten im Kreistag untereinander und wie beurteilen Sie heute den Zustand Ihrer Partei?

Klaus Frietsch: Ich hatte mit den Grünen eine Koalition ab 1989, geduldet von der FDP, solange Michael Denzin noch Kämmerer war. Mit ihm habe ich ohnehin absolut vertrauensvoll zusammengearbeitet, auch gegen eine Mehrheit der CDU. Er war absolut zuverlässig und stand zu seinem Wort.

Koalitionen und der Erfolg der Zusammenarbeit hängt natürlich wesentlich von den handelnden Personen ab. Als dann die FDP im Kreis von dem Strategen Dr. Hirschler geführt wurde, kühlte das Verhältnis ab. Da die FDP und die Grünen nicht miteinander konnten, stand ich oft vermittelnd dazwischen.

Deshalb war die Lösung mit der großen Koalition am Ende die bessere Variante. Es war mit Wolfgang Muno zugleich eine erfolgreiche Zeit. Er war stets absolut integer und verlässlich.

Aber natürlich mussten wir dafür auf ein Thema verzichten, nämlich die Gesamtschule. Das war damals mit der CDU nicht zu machen. Das war uns allen klar. Eine Koalition hat immer ihren Preis. Und das war in diesem Fall die Gesamtschule für Rüdesheim, Eltville und Idstein.

Daran wollten wir es aber nicht scheitern lassen, weil es viele Felder gab auf denen wir gemeinsam gute Politik umsetzen konnten.

Mehrheiten suchen

Rheingau Echo: Halten Sie eine Koalition für sinnvoller, als das Regieren mit wechselnden Mehrheiten?

Klaus Frietsch: Nach dem Ausscheiden von Wolfgang Muno und mir hat sich das Klima zwischen CDU und SPD ganz schnell abgekühlt. Dann ist auch der Koalitionsvertrag nicht mehr eingehalten worden. Und da ist es nicht verwunderlich, dass die Truppen auseinander laufen. Seither gab es im Kreis keine gefestigten Mehrheiten mehr, die sich für fünf Jahre auf ein gemeinsames Programm verständigten.

Wechselnde Mehrheit halte ich für problematisch. Sie sind sehr teuer. Derjenige an der Spitze muss den höchsten Preis zahlen, mühsam Mehrheiten suchen, was insbesondere beim Haushalt schwer ist. Das kostet viel Kraft. Wenn man sich hingegen vorher auf ein Programm einigt, kann man in der Legislaturperiode auch tatsächlich etwas bewegen. In einem Koalitionsvertrag bindet man sich, definiert sich aber auch.

Rheingau Echo: Aber wie ist es, wenn Abgeordnete, die in verschiedenen Gremien sitzen, sich im Kreistag anders positionieren, als im Landtag oder im Bundestag?

Solange die Vereinbarungen stehen, war es mir auch egal , was die Bundes- oder Landespolitiker in ihren jeweils anderen Gremien von sich gaben. Heute muss man beobachten, dass hier teilweise im Landtag – vielleicht mir Rücksicht auf die Grünen – die Hände gehoben werden, weil man genau weiß, dass man auf örtlicher Ebene diese Beschlüsse unterlaufen wird, was zum Beispiel den Bau von Windrädern betrifft.

Das ist auch etwas, was ich als Bürgermeister versäumt habe – Windräder errichten zu lassen. Das hätte für sichere Einnahmen für die Stadt über viele Jahre gesorgt.

Ruhestand

Rheingau Echo: Sie haben sich in Ihrem Ruhestand unter anderem als Vorsitzender des Vereins Lebensraum Rheingau-Taunus für psychisch Kranke engagiert. Was hat Sie dazu motiviert?

Klaus Frietsch: In allen meinen Ämtern war ich schon gesellschaftlich sozial engagiert. Schon in der Bundeswehr war ich Vertrauensmann. Nachdem ich nun aus dem aktiven Dienst ausgeschieden war, hat mich der damalige langjährige Vorsitzende des Vereins „Lebensraum“ bei meiner Verabschiedung als Landrat dazu aufgefordert, in seine Fußstapfen zu treten. Aber irgend etwas wollte ich ohnehin machen.

Ich habe im Leben viel Glück gehabt. Ich habe zwei gesunde Kinder, fünf gesunde Enkel, da sollte man sein Potential auch für diejenigen in der Gesellschaft einbringen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, solange man das kann. Dank der Teamarbeit im Verein „Stiftung Lebensraum Rheingau-Taunus“ konnten wir zusammen viel erreichen.

Ich habe das ja schon gemacht in meiner Frankfurter Zeit, als ich Vorstand der Immobilien AG von Claus Wisser war. Das bedeute neben dem Fulltimejob noch zusätzlich für den Verein zu arbeiten. Auch der Job in der Privatwirtschaft als AG-Vorstand war für mich interessant und erfüllend nach der Politik.

Rheingau Echo: Vielen Dank für dieses Gespräch.

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