Sympathiebekundung für Bouffier und Kamphaus

Sympathiebekundung für Bouffier und Kamphaus
RMF mit bewegendem Start in die 32. Spielzeit/Übertragungen im Radio und Fernsehen

Eine beeindruckende Leistung boten die Musiker rund um den Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada (Mitte).

Kloster Eberbach. (hhs) — Hoch emotional verlief der Eröffnungsabend des Rheingau Musik Festivals (RMF). Einer ebenso beeindruckenden wie nachdenklich stimmenden Rede von Michel Friedmann folgte ein bewegendes Konzertereignis mit Antonín Dvoráks „Stabat Mater“. Sehr emotional war eingangs auch der herzliche Beifall für Ministerpräsident Volker Bouffier, dem die Besucher nach seiner Genesung einen warmen Empfang bereiteten. Dem Schirmherren des RMF flogen die Sympathien ebenso zu wie Altbischof Franz Kamphaus, der traditionell besonders herzlich begrüßt wird.

 

In der Basilika von Kloster Eberbach stellte Volker Bouffier die Einzigartigkeit des RMF in den Mittelpunkt seiner Eröffnungsrede, das in einer unglaublichen Mischung 146 Konzerte an 37 Orten im und um den Rheingau anbiete. Weltstars gäben sich ebenso die Ehre wie ambitionierte Nachwuchskünstler, die eine Chance beim renommierten Musikfestival bekämen.

Der „Sommer voller Musik“, der am Samstag den Startschuss für seine 32. Auflage erfuhr, sei nicht nur ein Fest der Musik, sondern auch ein Fest der Begegnung und des Wiedersehens. Nachdenklich ging Bouffier auch auf das diesjährige Leitmotiv „Courage“ ein, die gerade nach den jüngsten Ereignissen mit dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gefragt sei. Bouffier forderte ein engagiertes Auftreten gegen jegliche Form des Extremismus. „Demokratie braucht heute keine großen Helden mehr, aber engagierte Demokraten. Und gelegentlich braucht es auch – und so schließt sich der Kreis zum diesjährigen Motiv des Rheingau Musik Festivals – Courage oder Mut“. Michel Friedmann griff die Thematik in seiner Rede auf (eigener Bericht).

Den Auftaktreden folgte mit Antonín Dvoráks Meisterwerk „Stabat Mater“ ein überwältigendes Musikereignis, das zu den populärsten Stücken des tschechischen Komponisten zählt. Beim RMF war es schon des Öfteren zu hören, immer zu ganz besonderen Anlässen. Zuletzt bildete es vor vier Jahren das Abschlusskonzert, 2004 erklang die Klage der Muttergottes über den Verlust ihres Sohnes zum Eröffnungskonzert. Vielen Rheingauer Musikfreunden ist auch noch die Aufführung durch die „Neue Rheingauer Kantorei“ im Jahr 2006 in bester Erinnerung.

Für die Aufführenden hatte RMF-Intendant Michael Herrmann im Vorfeld beim Empfang ausgewählter Gäste nur ein einziges Prädikat gefunden. „Wir haben ein hervorragendes Orchester, einen hervorragenden Chor, hervorragende Solisten und ich verspreche Ihnen: Es wird ein hervorragendes Konzert“.

Ohne auf die auf der Strecke zwischen Eichberg und dem Kloster Eberbach demonstrierenden Fluglärmgegner einzugehen, nutzte Herrmann den Empfang auch für eine Dankesadresse an den kritisierten Flughafen. „Die Fraport ist seit Anfang an Sponsor bei unserem Festival. Aber nicht nur, dass wir finanziell unterstützt werden, ist wichtig. Der Flughafen hilft uns auch, die weltbesten Künstler zu verpflichten. Wenn Orchester oder Solisten auf ihren Tourneen am nahe gelegenen Drehkreuz Frankfurt landen, ist es für unsere Programmplaner leichter, sie für einen Auftritt im Rheingau zu verpflichten, weil das logistisch sehr gut passt“.

Das am Samstag spielende Orchester hatte indessen keine lange Anreise: Es kam aus Frankfurt, vom Hessischen Rundfunk, dem Medienpartner des RMF. Das hr-Sinfonieorchester spielte unter Leitung seines Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada, der als einer der gefragtesten Dirigenten seiner Generation gilt. Diese Anerkennung spiegelt sich auch darin wider, dass der gebürtige Kolumbianer, der immer wieder durch seine engagierte Leitung auffällt, ab dem Jahr 2021 Chefdirigent der Wiener Symphoniker werden wird.

Beeindruckend war auch der Rundfunkchor des Mitteldeutschen Rundfunks, der mit seinen 73 Mitgliedern eine optisch wie akustisch großartig wirkende Wand bildete. Sechs Reihen hoch standen die Mitglieder des größten und traditionsreichsten Chors des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Weltklasse schließlich auch die vier Solisten Hanna-Elisabeth Müller (Sopran), Gerhild Romberger (Alt, die Musikprofessorin ist fast schon so etwas wie ein Stammgast beim RMF), Benjamin Bruns (Tenor) und Günther Groissböck (Bass).

Persönlich

Antonín Dvorák hat in der Zeit der Komposition seine drei Kinder verloren – oft wird dieses Leiden mit der Leidensgeschichte der Mutter Jesu in Verbindung gebracht, die er in seinem „Stabat Mater“ vertonte. Es sei die tröstende Funktion der Musik und des Glaubens gewesen, die dem Komponisten halfen, die Schicksalsschläge zu überstehen.

In seiner Komposition, die später seinen Weltruhm begründen sollte, wird das Gebet der leidenden Gottesmutter in Musik umgesetzt, die ihren gekreuzigten Sohn beklagt. Nach düsterem, traurigem Beginn endet das Werk in der Hoffnung auf ein Wiedersehen im Paradies. Dvoráks Vertonung hat eine außergewöhnliche Tiefe und Innigkeit, sie steigert sich zum Schluss in eine hoffnungsfrohe Glückseligkeit, die mit der Kenntnis seiner persönlichen Schicksalsschläge auf besondere Weise berührt. Zweifelsohne haben sowohl der eigene Schmerz als auch die Suche nach Trost Eingang in das Werk gefunden, das den thematischen Bogen zurück zum diesjährigen Eröffnungskonzert spannte.

Im Publikum gab es wohl kaum jemanden, der sich diesem Spannungsbogen entziehen konnte. Dies auch dank eines hervorragenden Begleittextes im Programmheft, das mittlerweile immer einige Tage vor dem jeweiligen Konzert im Internet unter www.rheingau-musik-festival.de abgerufen werden kann. Auch so ist es zu erklären, dass sich am Ende der gigantischen Aufführung die Anspannung in einem Begeisterungssturm entlud. Als die letzten Töne verklungen waren, löste sich die Spannung bei Musikern und Publikum nur langsam. Andrés Orozco-Estrada ließ wie in Zeitlupe seine Hände sinken – erst als aus dem Leiter die Spannung gewichen war, konnte sich auch die Zuhörerschaft mit Begeisterungsrufen Luft machen, aus den hintersten Reihen drängten die Musikfreunde nach vorne. Mit stehenden Ovationen wurden die Aufführenden für ihre imposante und bewegende Leistung belohnt.

TV und Radio

Das Eröffnungskonzert wurde live im Hörfunk übertragen, wobei sich etliche Rundfunkstationen der Sendung des Hessischen Rundfunks anschlossen. In 3sat wird die Aufführung am Samstag, 6. Juli zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr zu sehen sein, für Frühaufsteher gibt es am Folgemorgen am frühen Sonntag um 7.25 Uhr eine Wiederholung im hr-Fernsehen.

Traditionell gibt es das Eröffnungskonzert in doppelter Ausführung. Bei der „richtigen“ Eröffnung am Samstagabend ist allerdings die Dichte an Polit- und Medienprominenz unter den gut 1.200 Besuchern höher. Für beide Aufführungen gab es nur noch wenige Restplätze, für die sich an der Abendkasse aber noch etliche Musikfreunde fanden. Immer noch gilt der Satz von Intendant Herrmann: „Wir schicken niemanden weg“. Allerdings müssen die Interessenten ggf. in Kauf nehmen, dass sie auch mal Plätze ohne Sicht zur Bühne bekommen.

Zum Start in die diesjährige Spielzeit standen von den 122.000 zur Verfügung stehenden Karten noch 23.000 im freien Verkauf, damit bewegt sich der Vorverkauf im üblichen Rahmen.

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