Terminkonflikte rund um Weinpräsentation

Terminkonflikte rund um Weinpräsentation
Ausrichtung am Fastnachtssonntag sorgt für Besucherrückgang und Unmut bei Winzern

Gut besucht, aber nicht übervoll: Die Weinfreunde konnten entspannt probieren.

Kloster Eberbach. (hhs) — Des einen Freud, des andren Leid: Für die Besucher war die große Weinpräsentation der Rheingauer Prädikatsweingüter und ihrer Kollegen aus dem österreichischen Weinviertel im Laiendormitorium von Kloster Eberbach entspannt wie selten, für die präsentierenden Winzer eher ärgerlich. Die Terminierung auf den Fastnachtssonntag drückte die Besucherzahlen.

 

Nachdem in den letzten Jahren regelmäßig deutlich mehr als 1.000 Besucher – in Spitzenjahren waren es 1.450 – nach Eberbach gepilgert waren, dürfte diese Grenze am Sonntag bei Weitem nicht erreicht worden sein. Was zunächst einmal ärgerlich gewesen sein dürfte für den Veranstalter Hans Burkhard Ullrich vom Hattenheimer Kronenschlösschen, weil weniger Tickets verkauft wurden.

Dem Hotelier des Hattenheimer Kronenschlösschens, der die VDP-Präsentation als Teil seines „Rheingau Gourmet & Weinfestivals“ vermarktet und demzufolge auch den zeitlichen Rahmen festlegt, kam in diesem Jahr die späte Fastnacht in die Quere. „Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass wir bei der Planung gar nicht an Fastnacht gedacht haben“, räumte Ullrich auf Nachfrage ein. „Sonst hätten wir den Termin eine Woche nach vorne verlegt“. Ullrich sprach von 850 Besuchern, die letztendlich nach Eberbach gekommen seien. Geht man von mindestens 300 Besuchern weniger aus als üblich, sind das bei einem Ticketpreis von 32 Euro immerhin etwa 10.00 Euro, die in der Kasse fehlen.

Was die Situation zusätzlich verschärfe, so klagt Ullrich, sei die Tatsache, dass die Kosten und Auflagen in Kloster Eberbach mittlerweile so hoch seien, dass sich die Veranstaltung wirtschaftlich kaum noch trage. „Wenn wir“, so HB Ullrich „nicht so ein gutes Verhältnis zur VDP-Spitze hätten, mit der wir übers ganze Jahr hervorragend zusammenarbeiten, würden wir die Weinpräsentation gar nicht mehr in unserem Festival-Programm anbieten“.

Dem wirtschaftlichen Druck sei auch die Tatsache geschuldet, dass der Essenstand des Kronenschlösschens – in diesem Jahr gab es Linseneintopf mit Würstchen – im Laiendormitorium aufgebaut wurde. „In den Vorraum dürfen wir aus Brandschutzgründen nicht, und das Brauhaus, in dem wir früher waren, kostet mittlerweile 690 Euro Miete“, erklärte Ullrich. Im Übrigen gebe es eine Geruchsbeeinträchtigung nur in unmittelbarer Nähe des Standes. „Wir wollen von Jahr zu Jahr einen anderen Standort im Dormitorium nehmen, damit nicht immer die gleichen Weingüter betroffen sind“, zeigte HB Ullrich aber Verständnis für die Kritik.

Winzerklagen

Was aber wohl noch ärgerlicher für die beteiligten Winzer aus dem Rheingau und dem österreichischen Weinviertel war: Aufgrund der Termin-Kollision mit Fastnacht hatten sie weniger Kunden, denen sie ihre Weine präsentieren konnten. Gerade viele der für die Rheingauer Winzer so wichtigen Händler aus dem Gebiet der rheinischen Fastnachtshochburgen rund um Köln/Bonn und Düsseldorf waren nicht gekommen.

An der Qualität der Weine kann es nicht gelegen haben, denn das Angebot war auch in diesem Jahr außergewöhnlich. Mehr als 50 Spitzenweingüter – jeweils etwa zur Hälfte vom VDP.Rheingau und aus der Gastregion Weinviertel (Österreich) offerierten insgesamt knapp 180 erlesene Weine. Mit einem Ticketpreis von 32 Euro war die Veranstaltung angesichts der dargebotenen Qualitäten ein Schnäppchen. Für Studenten, Fachschüler und Auszubildende im Weinbau- und Gastronomiebereich kosteten die Tickets sogar nur 22 Euro.

Dieser Preis ist auch nur deshalb zu halten, weil die Mitgliedsbetriebe des VDP.Rheingau und die Gastwinzer ihre Weine kostenlos bereitstellen. Zwischen vier und sechs Flaschen schenkt jeder Winzer im Durchschnitt von seinen jeweils vorgestellten Weinen aus – bei 180 Gewächsen sind das also rund 1000 Flaschen. Wenn man bedenkt, dass Große Gewächse oder edelsüße Spezialitäten in der Regel nicht unter 20 Euro zu haben sind, kann sich ausrechnen, wie viel die Winzer für ihre Präsentation investieren.

Spannend

Während die Rheingauer ihre Spitzenrieslinge aus „Großen“ und „Ersten Lagen“, etliche auch hochwertigste Spätburgunder und einige auch edelsüße Raritäten ausschenkten, boten die Österreicher vorrangig den „Grünen Veltliner“ als Leitrebsorte des Weinviertels an. Dieses Gebiet im Nordosten der Alpenrepublik ist mit einer Weinanbaufläche von mehr als 13.000 ha Österreichs größtes Weinbaugebiet und damit rund vier Mal so groß wie der Rheingau. Es liegt nördlich der Hauptstadt Wien, wird im Süden von der Donau eingerahmt, im Norden und Osten grenzt es an Tschechien und die Slowakei.

Neben dem als „frisch, fruchtig, pfeffrig-würzig“ beschriebenen Grünen Veltliner hatten die Österreicher aber auch zahlreiche andere interessante Kreszenzen im Gepäck – darunter etliche frische Weißburgunder, wuchtige Zweigelt oder Pinot Noir.

Zu Beginn der Veranstaltung galt das Hauptinteresse der Besucher den österreichischen Weinen, ab dem frühen Nachmittag verteilte sich das Interesse paritätisch auf beide Weinanbaugebiete. Während der anfänglichen Besucherflaute nutzten die Rheingauer Winzer die Gelegenheit, sich mit den Kollegen auszutauschen und deren Tropfen zu verkosten.

Auffällig war, dass die Österreicher ein sehr intensives Marketing betreiben, äußerst kreativ sind, was die Etikettengestaltung angeht und bei vielen Weinen eine sehr lange Lagerzeit auf der Hefe bevorzugen, bevor die Weine abgefüllt und auf den Markt gebracht werden.

Was das Preisniveau angeht, gab es – Analogie zum Rheingau – eine breite Spanne. Während die großen Namen durchaus Preise von 50 Euro und mehr für ihre Weine fordern, gab es auch viele durchaus hochwertige Weine, die sogar unter 10 Euro für die Flasche lagen.

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