Wassermanagement im Weinbau wird zentrales Thema

Überwiegend digital übertragene Winterfachtagung des Rheingauer Weinbauverbandes erfreute sich einer guten Resonanz

Frank Schönleber und Peter Seyffardt, der über den Verlauf und das Ergebnis des Weinjahres 2022 sowie über weitere für den Weinbau wichtige Themen berichtete.

Der Bericht von Weinbauministerin Priska Hinz über die Weinbaupolitik aus der Sicht der Hessischen Landesregierung und der Rück- und Ausblick des Präsidenten des Rheingauer Weinbauverbandes Peter Seyffardt standen traditionell im Mittelpunkt der Winterfachtagung des Rheingauer Weinbauverbandes im Rahmen der 66. Rheingauer Weinbauwoche, die aufgrund der Pandemie überwiegend als online-Veranstaltung durchgeführt wurde.

Wie die Ministerin betonte, zeige auch die Themenauswahl der aktuellen Fachtagung, “dass Sie stets am Puls der Zeit diskutieren und Veränderungen gemeinsam angehen. Trotz der Folgen des Angriffskriegs Russlands auch für die Winzerbetriebe sowie der klimatischen Herausforderungen des Jahres 2022 haben Sie durch Engagement und Fachwissen wieder einmal bewiesen, dass der erreichte Standard des hiesigen Weinbaus eine gute Grundlage für die Zukunft der Betriebe und damit auch für Region darstellt“.

Da sicher sei, dass auch die nächsten Jahre von Veränderungen geprägt sein werden, müsse neben der Anpassung an den Klimawandel und dem künftigen Umgang mit knappen Wasserressourcen auch die Notwendigkeit zur Reduzierung der Dünge- und Pflanzenschutzintensität noch stärker in den Blick genommen werden.

Um den dramatischen Rückgang der biologischen Artenvielfalt aufzuhalten, müssten intakte Ökosysteme, Artenvielfalt und Wasser gestärkt und geschützt werden, „denn sie sind nicht nur Voraussetzung für die Erzeugung unserer Lebensmittel, sondern auch für den Erhalt unserer Lebensgrundlage“.

Da die Dürre die Grundwassersituation weiter verschärft habe, müsse sich auch der Weinbau unter anderem durch die Steigerung der Effizienz von Bewässerungsmaßnahmen und den Verzicht auf Zusatzbewässerung, soweit dies möglich ist, auf Veränderungen einstellen. Die Optimierung des Wasserrückhalts und der Versickerung auf den Weinbergflächen könnten hier Möglichkeiten sein. Deshalb werde Wassermanagement zu einem zentralen Thema.

Auch mit einer weiteren Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln in Höhe von 30 Prozent wollen wir, so die Ministerin, in den kommenden Jahren vorankommen. Die Umsetzung in Hessen solle im Rahmen eines Hessischen Pestizidreduktionsplans erfolgen, der in Kürze veröffentlicht werde.

Steillagenförderung

Für ökologisch besonders wertvolle Steillagen sei für den kommenden Haushalt eine deutliche Erhöhung der Förderung abhängig von der Hangneigung geplant. Vorgesehen sei fast eine Verdopplung.

Besonders lobte die Ministerin die weiterhin positive Entwicklung des ökologischen Weinbaus in Hessen. Dieser entspreche inzwischen einem Anteil von über 20 Prozent der gesamten hessischen Rebfläche.

Das Weinrecht betreffend habe das Land inzwischen alle Voraussetzungen dafür geschaffen, um die hessischen Schutzgemeinschaften anzuerkennen und somit das Herkunftsprinzip und die klare Profilierung der hessischen Weine mit Leben zu erfüllen. Umstritten seien nach wie vor die Detailregelungen einer künftigen Qualitätspyramide für Weine aus Deutschland.

Hinsichtlich der Landeswein- und Sektprämierung und der diesjährigen „WiWein“ im Rhein-Main Congress Center wünscht sich die Ministerin für die Zukunft eine größere Beteiligung der hessischen Weinbaubetriebe. Darüber werde mit den Vertretern der hessischen Weinwirtschaft in Kürze ergebnisoffen diskutiert.

Zum Schluss ihrer Rede wünschte sich Hinz eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit, „denn wir haben ein gemeinsames Ziel vor Augen: Ein nachhaltiger und zukunftsfähiger Weinbau in Hessen. Wir, die Mitarbeiter der Weinbauverwaltung, der Hochschulen und der Beratungsinstitutionen stehen jederzeit für einen Austausch zur Verfügung“.

Das Weinjahr 2022 mit Durchschnittstemperaturen von 10,5 Grad (Mittel in Deutschland) war, wie Präsident Seyffardt ausführte, das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das trockene Jahr habe keine großen Herausforderungen an den Pflanzenschutz gestellt, auch nicht im ökologischen Weinbau.

Erste Sorten seien bereits im August geerntet worden. Die Hauptlese mit dem Spätburgunder und dem Riesling habe in der 36. beziehungsweise in der 38. Kalenderwoche begonnen. Die Gesamtsäure des Riesling habe sich auf einem guten Niveau befunden. Eine Säuerung war daher nicht notwendig. Erwartet worden sei ein starker Anstieg der Mostgewichte, „aber wir wurden eines anderen belehrt“. Diese stagnierten in der Überzahl bei etwa 80 Oechsle.

Die Erntemengen variierten, so Seyffardt, zwischen 15 bis 130 Hektoliter pro Hektar und waren stark abhängig von der Beschaffenheit des Bodens und der Verfügbarkeit von Wasser.

Der zunächst sehr gute Gesundheitszustand der Trauben habe durch den Regen zu einer schnellen Zunahme der Botrytis geführt, sodass Betriebe einen erhöhten Aufwand bei der Selektion der Trauben hatten. Trotzdem erwartete man einen Weinjahrgang mit reifen Beeren, „sodass wir Weine mit einer sehr guten Aromatik haben werden“.

Der Durchschnittsertrag werde auf 73 Hektoliter pro Hektar geschätzt. Dies bedeute eine Erhöhung gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2021 (69 Hektoliter pro Hektar). Im Vergleich mit anderen Ländern in Europa gehe man von einer höheren Erntemenge in Deutschland aus.

Trockenstress

Auf die Themen der Zukunft fokussierend wies Seyffardt auf eine vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie erstellte Grafik „Trockenindex“ hin, in der die nutzbare Feldkapazität für die Zukunft (2071 bis 2100) dargestellt wird. Falle die Kapazität unter 30 Prozent, bedeute dies für den Weinbau Trockenstress.

Weil mit einer Zunahme von Trockenperioden und in deren Verlauf mit neuen Schaderregern, Bakterien, Viren und Pilzen zu rechnen ist, sei es wichtig, Wasserressourcen zu schaffen, „sonst werden wir diesem Druck nicht standhalten können und die Steillagen nicht überleben“. Standorte mit schlechter nutzbarer Feldkapazität, wie der Rüdesheimer Berg, seien besonders gefährdet.

Als zentrales Thema bezeichnete Seyffardt das Wassermanagement. Dies bedeute, die Rückhaltung und Verfügbarkeit von Wasser vollkommen neu zu organisieren. Dies heiße unter anderem, Niederschlagswasser auf der Fläche zurückzuhalten, die Verfügbarkeit von Brauchwasser zu fördern, die Wasserhaltekapazität des Bodens zu verbessern und Bewässerungssysteme zu schaffen.

Er frage sich, auf welchen Fakten Aussagen, wie „Riesling wird bald nicht mehr so schmecken wie heute“ oder „Klimawandel bedroht den Riesling“ basierten, „denn mir sind solche Fakten nicht bekannt“. Experten, wie beispielsweise Dieter Greiner von den Hessischen Staatsweingütern rechneten zwar mit einer Veränderung der Charakteristik des Riesling wie schon in früheren Jahren. Mit veränderten Anbaumethoden könne man jedoch noch gut auf die Veränderungen reagieren.

Er selbst sei der Auffassung, „dass der Klimawandel diese Rebsorte positiv wie negativ beeinflusst. Es waren, so Seyffardt, „gerade die wärmeren Jahrgänge in der Vergangenheit, die große Rieslingweine hervorgebracht haben“. Er wisse nicht, woher die große Angst kommt, dass insbesondere der Riesling vom Klimawandel betroffen ist, wie auch alle anderen Rebsorten.

Als nicht erfreulich bezeichnete der Präsident die Entwicklung des Fassweinmarktes. Deshalb müsse man sich Gedanken darüber machen, „wie wir langfristig die Betriebe auf ein anderes Niveau heben können“. Sich nur auf den Fassweinmarkt zu verlassen sei sicher der falsche Weg, „sondern wir müssen die Vermarktungsstruktur noch mal verändern und versuchen, die Rheingauer Weine selbst zu vermarkten“.

Im weiteren Verlauf seines Berichts ging Seyffardt auf das 1971 verabschiedete „Deutsche Weingesetz“ ein, das sukzessive ab 2026 komplett durch das „romanische System“ ersetzt werde. Die Verfahren zur Flurbereinigung dauerten zu lange. Gerade im Hinblick auf die Organisation der Bewässerung stehe diese dem entgegen, „was wir gerade benötigen“.

Ferner sei die Erhebung der Grundsteuer ein Problem, weil Verlegungen von Weinbergen oft noch nicht im Grundbuch berücksichtigt seien. Deshalb fordere sein Verband zwingend Veränderungen herbeizuführen. Mit den zuständigen Ministerien sei man bereits im Gespräch.

Ebenfalls als nicht akzeptabel bezeichnete Seyffardt die EU-Verordnung zu den Pflanzenschutzmitteln. Davon betroffen wären in den hessischen Anbaugebieten cirka 928 Hektar Rebfläche in Naturschutz-, FFH-, Vogelschutz- und Heilquellen Schutzgebieten. Da in diesen kein Pflanzenschutz erlaubt würde, bedeutet dies, dass Weinbau dort nicht mehr machbar wäre und einem Berufsverbot gleichkomme.

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