Die Wasserversorgung ist das Hauptproblem

Die Wasserversorgung ist das Hauptproblem

Weinbau für den Klimawandel fit machen / Netzwerk-Treffen als online-Konferenz

Im Assmannshäuser Höllenberg haben die Staatsweingüter Kloster Eberbach einen Teil ihrer Steillagen schon auf Querterrassierung umgestellt.(Foto: Staatsweingüter Kloster Eberbach)

Rheingau. (hhs) — In einem gemeinsamen Projekt der Stadt Eltville, der Hochschule Geisenheim und des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie wird seit letztem Jahr die Frage behandelt, wie der Weinbau mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen soll. Nach dem ersten Treffen aller Beteiligten im November musste das nächste coronabedingt ausfallen. Nun wurde es mit knapp dreimonatiger Verspätung als online-Konferenz nachgeholt.

Koordiniert wurde die Konferenz an der Hochschule Geisenheim – und wurde überschattet von Kommunikations-Problemen. Offensichtlich deckt sich die hohe wissenschaftliche Kompetenz im Rheingau nicht mit den eher bescheidenen digitalen Möglichkeiten.

Wie hoch das Thema „Klimaanpassung im Weinbau“ angesiedelt ist, beweist die Tatsache, dass sich eigentlich sogar Bundesumweltministerin Svenja Schulze angemeldet hatte, um das von ihrem Ministerium geförderte Projekt persönlich zu begutachten. Doch der für diese Woche geplante Termin im Lorcher Weingut Laquai platzte – wieder einmal wegen Corona.

Die Bundesumweltministerin wollte sich mit den Projektpartnern treffen; angesagt hatte sich sogar eine Delegation aus Argentinien. Doch Peter Thomas, deutschstämmiger Wissenschaftler an der Geisenheimer Partner-„Universidad Nacional de Cuyo“ in Mendoza musste sich auf eine Zuschaltung zur Videokonferenz beschränken. Er war einer von 37 Teilnehmern, die sich fachlich über Maßnahmen austauschten, wie dem Klimawandel zu begegnen sei. Gesucht und gefunden werden sollen diese Maßnahmen durch die Zusammenarbeit in einem Netzwerk aus Wissenschaft, Praktikern und Politik.

Die Frage nach der Zukunft des Weinbaus wird in dem Projekt KliA-Net exemplarisch für das Weinbaugebiet Rheingau untersucht – sitzt doch hier mit der Hochschule Geisenheim die geballte weinwissenschaftliche Kompetenz. Weil es auch um Fragen der Landschaftsgestaltung und der Biodiversität geht, sind auch Vertreter des Instituts für Landschaftsplanung und Naturschutz an führender Stelle eingebunden, federführend Professor Eckhard Jedicke.

Wie kann der Weinbau auf die klimatischen Veränderungen ökologisch und ökonomisch effektiv reagieren? Das ist die Kernfrage, die für die Winzer von existenzieller Bedeutung ist – nicht nur im Rheingau, nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit, wie der Experte aus Argentinien schilderte.

Das – hochgesteckte – Ziel von KliA-Net ist, die Weinbau-Landschaft bis zum Jahr 2030 fit für den Klimawandel zu machen und die Nachhaltigkeit des Weinbaus zu sichern. Eines der wesentlichen Themen der jüngsten Konferenz war der Teilaspekt, welche Maßnahmen beim Bodenschutz im Weinberg helfen können, den negativen Wirkungen des Klimawandels zu begegnen.

Wärme und Wasser

Dass der Klimawandel an sich nicht schlecht für den Weinbau sein muss, haben die vielen guten Jahrgänge seit Beginn der 1990er Jahre gezeigt. Das Problem, das gerade die letzten Jahre deutlich gemacht haben, liegt weniger in der Wärme als in der Niederschlagsverteilung, die immer ungleichmäßiger wird. Trockenphasen folgen Starkniederschläge, die bei nicht angepasstem Bodenmanagement allzu oft zu Erosionsschäden führen und den Pflanzen nicht in vollem Umfang zugute kommen.

Durch entsprechende Bodenschutzmaßnahmen, insbesondere durch eine Begrünung, kann Erosion verhindert und das knappe Wasser im Weinberg gehalten werden. Eben diese Begrünung tritt dann aber auch selbst als Konkurrent für die Rebe auf.

Im Lorcher Weingut Laquai wurde schon vor mehr als 10 Jahren mit der Querterrassierung der Weinberge begonnen. Das erleichtert nicht nur die maschinelle Bearbeitung der Weinberge, sondern verhindert auch Erosion und verbessert den Wasserhaushalt der Weinberge. Nicht zu vergessen der ökologische Effekt an den Böschungen der Terrassen, an denen sich mit Blühpflanzen eine erhebliche Steigerung der Biodiversität erreichen lässt.

Den „Trendsettern“ aus Lorch schließen sich mittlerweile immer mehr Betriebe an. So haben die Hessischen Staatsweingüter in den Steillagen des Assmannshäuser Höllenbergs und des Rüdesheimer Bergs schon rund 10 Hektar auf Querterrassierung umgestellt – auch dort wird bereits eine markante Steigerung der biologischen Vielfalt beobachtet. Mit den Ergebnissen des Projekts KliA-Net sollen anhand solcher Beispiele weitere Betriebe inspiriert werden.

Bodenschutz

In der von Prof. Dr. Leo Gros moderierten Diskussion mit Praktikern und Wissenschaftlern berichtete der Lorcher Gilbert Laquai von seinen Erfahrungen. Basis einer naturnahen Bewirtschaftung sei für ihn der sorgsame Umgang mit dem Boden. Das Weingut Laquai bewirtschaftet zwölf Hektar Querterrassen und zwölf Hektar Direktzuglagen in klassischer Falllinie. In keinem Fall gebe es Fahrspuren, die bei Starkregen zu Kanälen und Sturzbächen werden und Abschwemmungen auslösen können.

Laquais Aussagen bestätigte Theresa Breuer (Rüdesheim), die im Rüdesheimer Berg ebenfalls von der Topographie her besonders erosionsgefährdete Steillagen bewirtschaftet. „Erosion kann mit wassersparender Begrünung und bodenschonender Bewirtschaftung weitgehend verhindert werden“, pflichtete sie Laquai bei.

Dieter Greiner, der mit den Hessischen Staatsweingütern dem größten deutschen Weinbaubetrieb vorsteht, lobte das Weingut Laquai: „Wir haben viel von den Lorchern gelernt, haben mittlerweile selbst 10 Hektar auf Querterrassierung umgestellt.“ Die Staatsweingüter bewirtschaften rund 200 Hektar Weinberge, davon sind 90 Hektar Steillagen. Gerade für diese landschaftsprägenden Lagen sei das knappe Wasser das größte Problem: „Das Thema Wasser bereitet uns große Sorgen. Ohne Wasser und damit ohne vitale Rebstöcke haben wir besonders in den Steillagen im Zeitalter der Klimaerwärmung zunehmend Wettbewerbsnachteile.“ Sein Wunsch: „Wasser muss flächendeckend zur Verfügung gestellt werden.“

Auch für Joachim Kreis, der in Hallgarten 12 Hektar bewirtschaftet, ist der Wassermangel ein „Riesenproblem.“ In seinen Lagen sei eine ganzflächige Begrünung gar nicht mehr möglich. Kreis forderte von den Wissenschaftlern, eine Begrünungsmischung zu finden, die „möglichst bunt blühend, aber auch walzbar und damit widerstandsfähig ist und zugleich möglichst wenig Wasser verbraucht.“

Komplexes System

Für Hannes Schultz, Direktor der Hochschule Geisenheim sind solche Forderungen nachvollziehbar, aber kaum lösbar: Das ist ein „extrem komplexes System.“ Gleichwohl will der gelernte Weinwissenschaftler in der Hochschule die Forschung auf diesem Gebiet forcieren. Schultz legte den Fokus aber auch auf die Reben selbst. „Wir müssen neue Unterlagen finden, die sparsamer und effektiver mit dem Wasser umgehen.“ Das Grundproblem für Schultz: „Die Wasserbilanz wird in den letzten 70 Jahren – in Zyklen – immer negativer.“ Zwar hätten sich die mittleren Jahresniederschlagssummen kaum verändert, aber durch die höheren Temperaturen stiegen die Verdunstungsraten – und dies auch im Winter. „Wir gehen gegenüber früher schon mit einem Defizit in die Vegetationsperiode“, benannte Professor Schultz das Kernproblem. Sein Fazit – das wenig Hoffnung auf eine kurzfristige pflanzenbauliche Lösung macht: „Es gibt noch viel zu tun!“

Bewässerung

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass möglichst viel Niederschlagswasser im Weinberg gehalten werden muss. Eine weitere Lösungsmöglichkeit, bei der sich die Diskussionsteilnehmer aber unterschiedlich optimistisch äußerten, könnte eine Bewässerung sein. Weinbaupräsident Peter Seyffardt regte Wasser-Rückhaltebecken im Wald an. Von dort könnten die darunterliegenden Weinberge bewässert werden. Da seien aber die Politik und der Naturschutz gefragt, ging ein direkter Appell an die Landtagsabgeordnete und weinbaupolitische Sprecherin der CDU Petra Müller-Klepper, die bei der Konferenz aufmerksam lauschte.

Seyffardt: „Im fränkischen Volkach gibt es schon Erfahrungen mit dieser Form der Bewässerung. Eine für April geplante Exkursion interessierter Rheingauer Winzer musste coronabedingt ausfallen und soll baldmöglichst nachgeholt werden.

Biodiversität

Eher am Rande diskutiert wurde die Frage, wie durch landschaftspflegerische Maßnahmen Kunden bzw. Touristen zum Weinkauf animiert werden könnten. Auch dazu wieder Gilbert Laquai: „Wir leben vom Verkauf, und da hilft es sehr, wenn wir mit unseren Kunden auch in die Kulturlandschaft gehen.“ Die Kunden seien begeistert, aber Aufwand und Nutzen stünden in keinem Verhältnis.

Laquai fordert großräumiges Denken: „Es hilft uns und auch der Natur nichts, wenn wir ab und an einen Weinbergs-pfirsich pflanzen.“ In Lorch gehe man andere Wege. So habe man im Rahmen der Flurbereinigung Vernetzungsstreifen vom Rhein hinauf bis zum Wald angelegt. Felsnischen böten Rückzugsräume für Vögel und Insekten. Auch enge Wegespitzen in der Weinbergsgemarkung habe man in Lorch nicht mehr bestockt. Insgesamt habe man eine – auch von der Hochschule Geisenheim bestätigte – deutlich höhere Pflanzen- und Insektenvielfalt erreicht. Aber, so Laquai: „Die Begehrlichkeit nach Weinbergsflächen sind in Lorch nicht so hoch wie in anderen Regionen des Rheingaus.“ Geholfen habe auch das Land Hessen, das die kostenintensive Pflege der weinbaulich nicht genutzten Flächen übernommen habe. Mittlerweile verlagere sich die Pflege aber immer mehr auf die Winzer.

Dieter Greiner stellte den Hattenheimer Steinberg als ein Projekt der Staatsweingüter vor, in dem Betriebsleiter Carsten Pfaff – wie auch schon sein Vorgänger Zweifler – viel Wert auf Biotope in dem durch eine Mauer abgegrenzten Weinberg lege. Aber: „Es fehlt uns Winzern an Wissen über die Insekten, ihre Flugdistanz und in der Folge, wie eng ökologische Nischen beieinander liegen müssten.“ Sicher war für Greiner nur eines: „Monokulturen mit ausgeräumten Landschaften haben keine Zukunft.“

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