Die Wetterkapriolen werden nicht weniger / Rückblick auf 2017
Kaltem Januar folgte ein Frühstart in der Natur / Spätfrost im April und Hagelunwetter im August / Frühe Weinlese

Rheingau. (hhs) — Die Extreme beim Wetter blieben dem Rheingau auch im abgelaufenen Jahr treu. Es gab winterliche Kälte zum Jahresbeginn, den wärmsten März seit Beginn der Messungen, Spätfröste im April, einen nassen Sommer mit teilweise heftigen Unwettern und in der Folge einem extrem frühen Lesebeginn in den Weinbergen. Einigen kalten Tagen Ende November folgte ein wenig winterlicher Dezember mit einem fast schon frühlingshaften Jahresausklang.

Diese Kurzzusammenfassung des vergangenen Jahres basiert auf den Messungen der Wetterstation Geisenheim, an der nunmehr bereits seit 133 Jahren Wetterdaten aufgezeichnet und archiviert werden. Die Gesamtbilanz weist das Jahr 2017 mit einem Jahresmittelwert von 11,3 °C um 0,8 Grad zu warm aus, wobei als Vergleichszeitraum die Jahre von 1981 bis 2010 genommen wurden.

In diese Zeitspanne fällt der Beginn der Klimaerwärmung seit Ende der 1980er Jahre. Nähme man den Mittelwert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1884 als Basis (er beträgt 9,9 °C), läge die Abweichung sogar bei plus 1,4 Grad. In der Rangliste der Geisenheimer Wetterreihe platzierte sich das vergangene Jahr auf dem siebten Platz. In der grafischen Übersicht der Jahresmitteltemperaturen von Geisenheim wird der Trend zur Erwärmung (über)deutlich.

Die wenigen verbliebenen Klimaskeptiker wird aber auch das kaum überzeugen können. Ihr Argument, dass das Klima steten Schwankungen unterliegt und es ähnlich warme Zeiten in der Vergangenheit gab, ist durchaus berechtigt. Noch nie allerdings in der Geschichte der Menschheit verlief die Erwärmung so schnell wie derzeit, und ein Ende ist nach Einschätzung der überwiegenden Mehrheit der Wissenschaftler nicht in Sicht.

Schwankungen

Was die reinen Durchschnittswerte nicht aufzeigen, sind die großen Schwankungen innerhalb des Jahres. Wie die Grafik mit den Temperaturverhältnissen (schwarze Balken für die Durchschnittswerte, rote Balken für 2017) zeigt, begann 2017 relativ kalt. Der Januar wurde so kalt wie zuletzt in den Jahren 2009 und 2010. Es gab mehrmals Frost um minus 10 °C – was u.a. für eine späte Eisweinlese am Dreikönigstag genutzt werden konnte.

Mit kurzen Unterbrechungen zog sich die Kälte bis Ende des Monats hin – um dann von einer zehnwöchigen milden Periode abgelöst zu werden. Februar und März wurden frühlingshaft mild (der fast schon frühsommerliche März war der wärmste in Geisenheim seit Beginn der Messungen), und auch im April wurden in der ersten Monatshälfte mehrmals Höchsttemperaturen über 20 °C gemessen.

Die Folge war ein sehr zeitiger Start in die Vegetationsperiode. Die Natur erwachte früh. Viel zu früh, wie sich bald zeigen sollte. Anfang April betrug der Vorsprung in den Weinbergen gegenüber einem „Durchschnittsjahr“ 14 bis 16 Tage.

Als in den Nächten zum 20. und – etwas schwächer – zum 24. April in ungünstigen Lagen Spätfröste auftraten, waren teilweise heftige Schäden die Folge, insbesondere in Weinbergen, die aufgrund ihrer geschützten, meist niedrigen Höhenlage besonders weit entwickelt und damit besonders empfindlich waren. Dabei war es gar nicht extrem kalt: So wurden in der Nacht zum 20. April an der Wetterstation Geisenheim minus 1,1, am 24. sogar „nur“ plus 0,2 °C gemessen.

Ab Mitte Mai wurde es wieder frühsommerlich, auch Juni und Juli fielen etwas zu warm aus. Die Rebentwicklung in den vom Spätfrost verschonten Anlagen nahm wieder zügig Fahrt auf. Zehn Tage früher als im Durchschnitt der Jahre begann die Rebblüte.

Regen und Hagel

Auch die weitere Reifeentwicklung der Trauben verlief zügig. Schon zum Monatswechsel Juli/August wurde bei ersten Standorten der Reifebeginn beobachtet – wie schon die Blüte mit einem deutlichen zeitlichen Vorsprung. Dann ereignete sich in der Nacht zum 1. August ein verheerendes Unwetter: Mit Hagel und Sturmböen zog ein Gewitter über den Rheingau. Windbruch führte nicht nur dazu, dass die Bahnstrecke durch den Rheingau gesperrt werden musste, auch in den Weinbergen – schwerpunktmäßig im mittleren Rheingau im Raum Hattenheim/Erbach waren die Schäden massiv. Durch Hagel wurden viele Trauben verletzt, womit eine Eintrittspforte für die Botrytis (Grauschimmel) geöffnet war.

Weil in den Folgetagen weitere kräftige Regengüsse über dem Rheingau niedergingen (von Anfang August bis Mitte September fielen örtlich bis zu 150 Liter Regen), trockneten die geschädigten Beeren nicht ein, sondern die Fäulnis wurde massiv vorangetrieben.

In der Folge musste die Lese zum Teil sehr früh beginnen, um nicht noch weitere Ertragsverluste zu riskieren. Wer seine Trauben länger hängen lassen wollte, musste eine – zeitaufwändige – negative Selektion vornehmen und die faulen Trauben herausschneiden, dies zum Teil in mehrfacher Wiederholung. Im Ergebnis gab es dann qualitativ hochwertige Weine, allerdings lag die Menge deutlich unter den Erwartungen.

Niederschläge

Die hohen Regenmengen im Sommer zeigt auch die Grafik mit den Niederschlagsverhältnissen (grüne Balken). Herausragend – in negativer Hinsicht – war der Juli, aber auch Mai und August standen dem nur wenig nach. Vergessen war zu diesem Zeitpunkt der trockene Start ins Jahr mit fünf zu trockenen Monaten in Folge. Mehr als ausgeglichen war da auch das vormalige Niederschlagsdefizit, das Ende April noch rund 50 mm betragen hatte und das nun einem Überschuss gewichen war.

Für die Winzer war es Glück im Unglück, dass es im September und Oktober längere Trockenphasen gab, die den Abschluss der Lese begünstigten. Den nassen Jahresausklang – in Verbindung mit dem noch nässeren Start ins laufende Jahr – wurde gerade in den letzten Jahren beim Blick auf „Vater Rhein“ sichtbar, der sein Bett verlassen hat.

In der Endabrechnung fiel das Jahr 2017 etwas zu nass aus – statt der Durchschnittsmengen von 542 mm wurden in Geisenheim 580 mm gemessen. Rund 7 Prozent mehr als „normal“ ist nichts außergewöhnliches, die extrem unterschiedliche Verteilung schon eher. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass die Streuung bei den Regenmengen auf kleinster Distanz groß sein kann. Es dürfte etliche Standorte im Rheingau gegeben haben, an denen das Jahr noch deutlich nasser ausfiel.

Sonne im Durchschnitt

Für die Sonnenscheindauer (Grafik mit den gelben Balken) gilt das nicht. Hier gibt es keine vergleichbaren kleinräumigen Unterschiede, auch die Schwankungen innerhalb der einzelnen Monate sind nicht so groß wie bei den Niederschlagsmengen. Selten einmal gibt es total trübe Monate, innerhalb eines Monats gleicht sich vieles aus.

Herausragend war in 2017 der Juni, in dem die Sonne 256 Stunden schien (statt 212 Stunden). Dass der Sommer dennoch nicht sonderlich strahlungsreich ausfiel, lag an den sonnenscheinärmeren Folgemonaten Juli und August. Im Endeffekt dürfte das Jahr aber die Betreiber der Solaranlagen zufrieden gestellt haben: Mit 1683 Stunden schien die Sonne 36 Stunden mehr als normal – zwar nur 2 Prozent über dem Mittel, aber immerhin.

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