Baum des Jahres 2018 auf der Windeck

Baum des Jahres 2018 auf der Windeck
Baumpflanzung des Kreisverbands der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Der Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, vertreten durch Dr. Heidrun Orth-Krollman, hat auf der Windeck den „Baum des Jahres 2018“ gepflanzt. Mit dabei Bürgermeister Volker Mosler, Dr. Wolfgang Derz, Dr. Werner Schütz und der frühere Leiter des Forstamtes Rüdesheim, Hans-Ulrich Dombrowsky (v.l.).

Rüdesheim. (av) – Der Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Rheingau-Taunus, hat Ende des Jahres 2018 auf der Windeck, am Ende der Nothgottesstraße eine Edelkastanie gepflanzt. Die Edelkastanie ist „Baum des Jahres 2018“, seit 1989 wird von einem Gremium, in dem die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Mitglied ist, der Baum des Jahres gewählt, so Dr. Heidrun Orth-Krollmann vom Kreisverband. Dadurch sollen Baumarten wegen ihrer Seltenheit oder ihrer Bedrohung oder ökologischen Werte oder auch Nutzen in der Zukunft in den Blickpunkt gerückt werden.

 

Nach dem lang anhaltenden kalten Winter 2017/2018, der weit ins Frühjahr reichte, habe man sich entschlossen, die Edelkastanie erst später zu pflanzen, so Dr. Heidrun Orth-Krollmann. Im Frühjahr sei es schnell sehr warm geworden. In dieser lange anhaltenden Trockenheit wäre der junge Baum, der 200 Jahre und älter werden kann, ohne häufiges Wässern vertrocknet. Daher habe man gewartet bis der Boden eine gewisse Feuchtigkeit aufweist, damit der Baum anwachsen kann. Zur Baumpflanzung waren auch Dr. Wolfgang Derz, langjährige Leiter der Forstabteilung im Umweltministerium und Chef der Hessischen Landesforstverwaltung, Dr. Werner Schütz vom Jagdverein Rheingau, der frühere Rüdesheimer Forstamtsleiter Hans-Ulrich Dombrowsky (als Forstamtsleiter prägte er über drei Jahrzehnte den Wald im Rheingau sowie im westlichen Taunus) und Rüdesheims Bürgermeister Volker Mosler gekommen.

Die Edelkastanie ist mit einem Verbreitungsgebiet entlang der französischen Mittelmeerküste, über die Schweiz, Italien und Österreich bis in den Balkan und Kaukasus der Baum des Südens. Wann die ersten Esskastanien ihren Weg nach Deutschland fanden und wie viel der Mensch dazu beigetragen hat, ist nicht exakt zu bestimmen. Auch damals haben die Menschen europaweit gehandelt und es ist möglich, dass Esskastanien bis nach Germanien ihren Weg fanden. Die Römer brachten sie schließlich vor rund 2.000 Jahren über die Alpen. Sie erkannten die günstigen Voraussetzungen und etablierten die Art entlang des Rheins, der Nahe, der Mosel und der Saar. Im Rheingau trifft man sie häufig auch in Mischbeständen mit Eichen, Buchen, Linden und Ahornarten. Am Rand des Gemeindewalds Walluf beginnt eine alte Edelkastanien-Allee entlang der „Alten Rheingaustraße“, die noch aus der Zeit des Herzogs Adolph von Nassau stammt.

Noch heute fühlt sich die Edelkastanie in den warmen Weinanbaugebieten Süddeutschlands wohl, so der Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Rheingau-Taunus. Nicht nur als Bauholz, sondern auch als Nahrungsmittel erlebt die Esskastanie in den letzten Jahren dort eine Wiedergeburt. Das frühere „Brot der Armen“ ist heute eine Delikatesse auf jedem Weihnachtsmarkt und erobert sich den Weg in die Gastronomie. Obwohl die Esskastaniein Deutschland nicht heimisch ist, verträgt sie die klimatischen Bedingungen unserer Breiten sehr gut. Mit der Rosskastanie ist sie nicht verwandt. Deutlich unterscheiden sich die Blätter der beiden Bäume: Die Esskastanie hat Einzelblätter am kurzen Stiel, die lanzettisch geformt sind, einen tief gesägten Rand mit einer ausgezogenen Spitze haben und bis zu 20 Zentimeter lang sein können. Die Rosskastanie hat gefingerte Blätter an einem langen Stiel mit fünf bis sieben Einzelblättern, die regelmäßig schon ab August durch den Fraß der Kastanienminiermotte verwelken. Auch die Blüten der Bäume sind unterschiedlich.

Das Holz der Edelkastanie ist durch seinen hohen Gerbsäuregehalt sehr dauerhaft. Es wird gerne für Rebpfähle und für Fassdauben in Weinbaugebieten, als dauerhaftes Holz im Außenbereich, als Pfosten und Masten, zum Lawinenverbau und als Fachwerkholz, aber auch für Möbel, Parkett, Tür- und Fensterrahmen sowie Vertäfelung im Innenausbau verwendet. Für all das wird der auf das Windeck gepflanzte Baum nicht herhalten müssen.

Dr. Heidrun Orth-Krollmann selbst liebt die Früchte des Baumes, in ihrer Küche werden sie zu den Vorspeisen, zum Hauptgang und für ein Dessert verwendet. Esskastanien sind sowohl Grundnahrungsmittel, als auch Delikates-Früchte. Wie auf Weihnachtsmärkten zu sehen, werden sie gerne als heiße oder geröstete Maroni verspeist. Nicht nur der Mensch, auch Waldtiere wie Mäuse, Häher, Eichhörnchen, Rehe, Hirsche und Wildschweine fressen sie sehr gerne. Eine Besonderheit ist der Edelkastanien-Honig, der sich als charakteristisch durch eine fein-herbe Geschmacksnote auszeichnet. Wegen der späten Blütezeit ab Mitte Juni, wenn Obstbäume, Wiesenblumen und Rapsfelder keinen Nektar und Blütenstaub mehr darbieten, können Imker ihre Bienenvölker in die Nähe von Edelkastanien bringen und dann diesen köstlichen Honig im Juni schleudern.

Die Flatterulme – dies steht bereits fest – ist der Baum des Jahres 2019, hieß es bei der Baumpflanzung auf der Windeck. Sie gelte als ökologisch wertvoll und stark gegen das Ulmensterben. Seit über hundert Jahren kämpfen nämlich die Ulmen mit einem Pilz, der über den Kleinen und Großen Ulmensplintkäfer übertragen wird. Die Pilzsporen wachsen in den Leitbahnen des Baumes und unterbrechen die Versorgung der Blätter und Äste. Erst sterben die Äste ab, dann der ganze Baum. Jüngere Bäume halten nicht lange durch, bei älteren zieht sich der Prozess über mehrere Jahre, sodass sich in all den Jahren die Zahl der Ulmen stark vermindert hat. Die Flatterulme ist deutlich weniger betroffen. Ihr Stammdurchmesser kann bis zu zwei Meter erreichen, das Alter bis zu 400 Jahre. Auch für einen solchen Baum werde man mit Sicherheit im Rheingau-Taunus-Kreis einen geeigneten Standort finden, waren sich alle einig.

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