Ehrenamtliche helfen älteren Mitbürgern in der Stadt

Ehrenamtliche helfen älteren Mitbürgern in der Stadt

Gesundheit steht vor wirtschaftlichen Schäden / Schiffe und Seilbahnen stehen

Die Fahrgastschifffahrt ist in Rüdesheim und Assmannshausen eingestellt. Der Fährbetrieb zwischen Rüdesheim und Bingen ist reduziert worden. Es fährt nur noch eine Autofähre, mit Wartezeiten muss man rechen.

Rüdesheim. (av) – „Die Corona-Erkrankungen in Deutschland steigen rapide an. Vor diesem Hintergrund der aktuellen Entwicklung fühlen sich die Stadt Rüdesheim am Rhein und Bürgermeister Klaus Zapp verpflichtet, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung des COVID-19-Erregers zu verlangsamen“, (Stand 20.3.2020). Wenn auch (vielleicht auch verfrüht) in einigen Medien von rückläufigen Zahlen die Rede ist, so ist es dennoch Bürgermeister Zapp ein Anliegen, sich wieder darauf zu besinnen, füreinander da zu sein, sich zu helfen und zu unterstützen.

Er teilte den älteren Menschen in der Stadt und den Stadtteilen in einem Brief mit, dass sich Bürgerinnen und Bürger anbieten, helfen und einbringen möchten. Dies gilt besonders für die, die nicht auf Hilfe von Familien, Freunden und Nachbarn zurückgreifen können. Dazu gehört zum Beispiel das Einkaufen, die Fahrt zum Arzt, Unterstützung jeglicher Art oder nach dem Rechten zu sehen. Bürgermeister Zapp bittet, dass gerade die Älteren nicht zum Einkaufen gehen: „Es geht um ihre Gesundheit!“.

Wer dieses Angebot annehmen möchte, der könne bei ihm telefonisch unter 40822, Mobil: 0101–4561562 oder bei der Stadt unter 4080 anrufen. Kontakt über E-Mail erfolgt über buergermeister[at]stadt-ruedesheim[dot]de oder stadtverwaltung[at]stadt-ruedesheim[dot]de. Alles Weitere wird Bürgermeister Zapp mit den Mitarbeitern, Freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern organisieren und mit dem Betreffenden abschließend besprechen. Am Dienstag sprach der Verwaltungschef davon, dass dieses Angebot von Hilfesuchenden und Menschen, die sich zur Hilfe bereitstellen, angenommen werde, und er macht auf die Homepage der Stadt aufmerksam, auf der man den aktuellsten Stand zu Corona einsehen kann. Hier gibt es Tipps, um sich und andere zu schützen. Auch die tägliche Übersicht der bestätigten SARS-CoV-2-Fälle in Hessen.

Die Stadt fordert außerdem dringend dazu auf, Veranstaltungen in städtischen Einrichtungen und auf öffentlichen Plätzen, die bis zum 30. April 2020 geplant sind, abzusagen. Die Gruppenbildung von mehr als zwei Personen ist im gesamten Stadtgebiet sowie in den Stadtteilen verboten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die auch an Samstagen und Sonntagen Dienst verrichten, achten auf Einhaltung der Verordnungen. Auch Bürgermeister Klaus Zapp ging am Wochenende durch die Stadt und stellte fest, dass Besucher aus den Räumen Frankfurt und Wiesbaden Rüdesheim in Zeiten der Corona-Krise als touristisches Ausflugsziel sehen. Nicht geduldet werde auch wildes Parken in den Weinbergen, die ohnehin nur von landwirtschaftlichen Fahrzeugen benutzt werden dürfen. Hier werde man durchgreifen. „Wir überlegen, wie wir hiergegen vorgehen können“, so der Bürgermeister, der darauf hinweist, dass sich ein Krisenstab für zwei Stunden täglich trifft, um die neusten Situationen zu beraten.

„Unsere Ordnungspolizei ist täglich zehn Stunden unterwegs und prüft, ob die Anordnungen auch ausgeführt werden“, so Ordnungsamtsleiter Michael Schmidt. Derzeit arbeite man einen neuen Einsatzplan wegen des Beginns der Sommerzeit aus. „In der Regel sind die Menschen den neuen Anordnungen gefolgt, auch die Gastronomie. Allerdings musste man zwei Gastronomen diese noch einmal klar vor Augen halten.“ Die Rüdesheimer Supermärkte gingen mit der gegebenen Situation sorgsam um, teilweise werde mit Einlasskontrollen gearbeitet, denn, so Michael Schmidt, jeweils eine Person mit Einkaufswagen darf eintreten, um die Besucherzahl im Markt zu reduzieren. Mit Sorge blicke man auf die Besucherströme aus der Rhein-Main-Region am Niederwalddenkmal, im Ostein`schen Park oder zur Abtei St. Hildegard. Hier hätten die Schwestern bereits ihren Laden wegen der zahlreichen Besucher geschlossen, obwohl er eigentlich geöffnet sein dürfe. „Wir sind mit der Staatlichen Verwaltung Schlösser und Gärten Hessen im Dialog, notfalls müssen wir die Straße zum Denkmal sperren“, sagte Schmidt, der auch darauf verwies, dass Picknick im Hafenpark oder auch anderswo auf Bänken innerhalb der Stadt und bei Wanderungen verboten ist. Da die Gaststätten geschlossen sind, kauften sich die Leute Backwaren beim Bäcker und würden diese in der Öffentlichkeit verzehren. Ordnungsamtsleiter Schmidt lobte die Jugend: „Sie verhält sich vorsichtig, auch wenn der Jugendtreff Auf der Lach geschlossen ist“.

Kirchliches Leben

Die Verordnungen der Länder zur Bekämpfung des Corona-Virus haben auch deutliche Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Alle gottesdienstlichen Zusammenkünfte (Eucharistiefeiern, Andachten usw.) unterbleiben gemäß den staatlichen Vorgaben. Selbstverständlich feiern die Priester sonntags und werktags die Hl. Messe für die Gläubigen. „In dieser Stunde ist gerade die Feier der Eucharistie unser Auftrag als Kirche, um die Not der Menschen vor Gott zu tragen und ihnen, wenn auch vorerst nur geistlich, nahe zu sein“, so der Generalvikar Wolfgang Rösch des Bistums Limburg. Wo Gottesdienste nicht mehr öffentlich gefeiert werden dürfen,laden Aktionen wie der Kerzen-Flashmob jeden Abend um 19.30 Uhr zusammen mit Glockengeläut dazu ein, sich im Gebet zu verbinden. Zum gleichen Zweck haben Pfarrer Fischer und Pfarrer Michael Pauly eine Sonntagsandacht zum 4. Fastensonntag aufgenommen, https://youtu.be/3NxiadfzwhE. Beide laden die Christen in der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau ein, mit ihnen zu beten. Tagsüber sind auch die Kirchen im gesamten Stadtgebiet als Orte des persönlichen Gebetes geöffnet.

Öffentliches Leben

Blicken wir in unsere Straßen und auf öffentliche Plätze, sieht man nichts als gähnende Leere und geschlossene Geschäfte. Das ist, wie wir alle wissen, nicht nur in Rüdesheim und den Stadtteilen so. Die Menschen folgen den Anordnungen von Bund, Land und Stadt zum Aufenthalt in ihren Häusern und Wohnungen. Die Niederwald Seilbahn in Assmannshausen wäre eigentlich am vergangenen Wochenende in Betrieb genommen worden. Sie steht vorläufig still. Auch die Kabinenbahn zum Niederwalddenkmal in Rüdesheim ist nicht in Betrieb. Nichts ist derzeit mit „über den Reben schweben“. Auf der Homepage der Seilbahngesellschaft steht: „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem neuartigen Corona-Virus COVID-19 müssen wir den Saisonbeginn 2020 erst einmal verschieben. Wir informieren an dieser Stelle, sobald es neue Erkenntnisse gibt. Vielen Dank für Ihr Verständnis und bleiben Sie gesund!“

Bei der Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft läuft der Fahrbetrieb während der Krisenzeit nicht mehr wie gewohnt. Wie ein Sprecher auf Anfrage betonte, ist der Personen- und Linienverkehr komplett eingestellt. Wegen des geringeren Verkehrsaufkommens ist nur eine Autofähre in Betrieb, auf längere Wartezeiten muss man sich einstellen. Auch die RÖSSLER Linie in Assmannshausen bittet um Verständnis dafür, dass man zum Schutz der Mitarbeiter und Gäste aufgrund der aktuellen Lage vorerst bis zum 10. April keine Schiffsfahrten anbietet.

Veranstaltungen werden und wurden bereits reihenweise in Rüdesheim und den Stadtteilen abgesagt. Das trifft die vielen Ortsvereine, die von den Einnahmen aus Veranstaltungen ihre Unkosten bestreiten, wie zum Beispiel die Gesangvereine für ihre Chorleiter. Geschlossen sind die Vereinshäuser in Assmannshausen, Aulhausen, Presberg, Eibingen und auf der Windeck. Somit kommt die Vereinsarbeit auch generell zum Erliegen. Gerade in unserer Gesellschaft wird den Zusammenkünften, Probeabenden und sportlichen Betätigungen in den Vereinen ein großer Stellenwert eingeräumt. In Gesprächen mit Vereinsvertretern vernehmen wir großes Verständnis.

Hart trifft es die Hotels und Gaststätten. „Es kommen nur noch Absagen“, sagt Birgit Berg vom Hotel „Alte Bauernschänke“ in Assmannshausen, der Gastronomiebetrieb ist geschlossen wie angeordnet. „Wir hatten gerade eine positive Aufbruchstimmung“, sagte Torsten Schambach vom Hotel „Zwei Mohren“, der auch Ortsvorsteher in Assmannshausen ist. Jahrelang habe man in der Gastronomie große Einbußen wegen des Radwegebaus zwischen Rüdesheim und Assmannshausen und den oft damit verbundenen Straßensperrungen hinnehmen müssen. „Ich hoffe, dass nach der Krise unsere Aufbruchstimmung, die wir gerade hatten, wieder zurückkehrt“, sagte Schambach. „Daran müssen wir gemeinschaftlich arbeiten, unseren Ort wieder attraktiv machen“. Was dem Ortsvorsteher nicht gefällt, ist die zurzeit geschlossene Filiale der Rheingauer Volksbank in der Rheinuferstraße. Ältere Menschen, die ihr Geld für den Einkauf vom Konto holen wollten, ständen vor verschlossener Tür.

Touristische Auswirkungen

„Wie in der Touristik und anderen Branchen weltweit, sind auch Rüdesheim und Assmannshausen massiv von den Einschränkungen durch die Maßnahmen gegen eine starke Verbreitung des Corona-Virus betroffen. Oberstes Ziel ist es, die Streuung zum Schutz der Bevölkerung zu verlangsamen, damit sich die Situation schnellstmöglich beruhigt und sich auch der Tourismusmarkt erholen kann“, so Martin Duda, Vorstand der Rüdesheim Tourist AG. In Rüdesheim sind rein touristische Übernachtungen aktuell selbstverständlich nicht möglich. „Bei notwendigen Absagen und Umbuchungen bieten Gastgeber ihren Gästen Treueboni für zukünftige Buchungen an und ernten positives Feedback von Gästen“, so Duda. Gastronomen würden weiterhin die Möglichkeit anbieten, Speisen mitzunehmen oder liefern diese an die Haushalte, wobei persönlicher Kontakt natürlich vermieden werde. Geschäfte dürften ebenfalls Produkte ausliefern oder eine Abholung anbieten. Betroffen von den Einschränkungen seien weitere Veranstaltungen, wie etwa Wanderungen und Führungen, die in den kommenden Tagen hätten stattfinden sollen. „Leider mussten diese abgesagt werden und Betroffene wurden dahingehend informiert. Veranstaltungen, die weiter in der Zukunft liegen, wie zum Beispiel „Rhein in Flammen“, sind nach jetzigem Stand nicht betroffen“.

Positive Aussichten

Trotz der Sorgen in der Tourismusbranche sieht man in Rüdesheim und Assmannshausen der kommenden Saison positiv entgegen. Man kann davon ausgehen, dass sowohl Gäste aus der näheren Umgebung sowie Besucher mit einer Anreise von drei bis fünf Stunden aus dem In- und Ausland, Erholung suchen. Insbesondere Gäste aus Deutschland werden verstärkt Urlaub im Heimatland machen, so Martin Duda weiter. Darauf würden sich Hotels ebenso wie Gastronomen bereits vorbereiten und die noch ruhige Zeit unter anderem für die Planung der verspätet startenden Saison sowie die Erstellung attraktiver Angebote und Pakete nutzen.

„Das Alleinstellungsmerkmal Rüdesheims ist, dass die Stadt und ihre Umgebung dank der idealen Rheinlage und des bunten Angebotes für jeden etwas zu bieten haben – und vor allem für jedes Alter. Die beeindruckende Dichte an Schlössern und Burgen, spannende Schiffsfahrten, die entschleunigende Seilbahnfahrt sowie sehenswerte Wanderwege und Aussichtspunkte versprechen, neben den Museen und Weingütern, jede Menge Abwechslung. Wer nach der angespannten Alltagssituation wegen der Corona-Pandemie Erholung sucht, findet vielfältige Kulinarik in der Stadt wie auch in der Region, kann gemütliche Stunden bei den Gastgebern und Winzern verbringen sowie die Natur erleben und die Seele baumeln lassen“, sagt der Tourismuschef. Eine Social Media Kampagne werde genau diese Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten und in gemeinsamem Engagement mit zahlreichen Leistungsträgern außergewöhnliche Einblicke hinter die Kulissen gewähren. Freunde und Gäste sollten den Urlaub sozusagen schon zu Hause auf dem Sofa beginnen und noch mehr Lust auf eine Reise nach Rüdesheim bekommen.

Zusammenhalt

Die Mitglieder der Wirtschaftsverbände werden im Umgang mit der schwierigen Situation tatkräftig unterstützt, indem neueste Informationen, Tipps zur Hilfe und Selbsthilfe wie auch Rat seitens der Verbände angeboten werden. Erst am Montag, dem 23. März 2020, ging ein Schreiben des Vereins zur Wirtschafts- und Tourismusförderung Rüdesheim und Assmannshausen am Rhein (WTF e.V.) an dessen Mitglieder sowie die Aktionäre der Rüdesheim Tourist AG und der Werbegemeinschaft rund um die Drosselgasse e.V. Inhalt des Schreibens waren der aktuelle Stand der Dinge, Hinweise zu Kurzarbeitergeld, Hinweise zu Steuern, Tipps zur Minimierung laufender Kosten, Statements der Nassauischen Sparkasse und der Rheingauer Volksbank und eine Aussicht auf die positiven Entwicklungen, die am Standort Rüdesheim zu erwarten sind. Astrid Climenti im Namen der Verbände: „Für uns alle sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie in unserem Tourismusort Rüdesheim am Rhein ein noch nie dagewesener Zustand. Gerade in diesen, für jeden Einzelnen und dessen Gewerbebetrieb „unerlebten“ Zeiten sind die Wirtschaftsverbände, WTF e.V., RÜD AG, Werbegemeinschaft rund um die Drosselgasse e.V., ein wichtiges Instrument, um Interessen, Abläufe und Erfahrungen zu bündeln. Wir sind davon überzeugt diese außergewöhnlichen Herausforderungen gemeinsam meistern zu können. Gern stehen wir ihnen mit Rat und Tat zur Seite“.

Bleiben Sie gesund. Nehmen Sie die Anordnungen ernst und befolgen Sie diese!

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