Starke Frauen aus der Bibel

Starke Frauen aus der Bibel
Susanne Janssen zeigt „Gottes große Töchter“ im Kunstkeller der Abtei St. Hildegard

Susanne Janssen zeigt „Gottes große Töchter“ im Kunstkeller der Abtei St. Hildegard in Eibingen. Im Hintergrund „Debora“ und „Eva“.

Eibingen. (chk) – Im Kunstkeller der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen zeigt Susanne Janssen zwölf starke Frauen aus der Bibel unter dem Titel „Gottes große Töchter“ und einige weitere Werke. Eröffnet wurde die Ausstellung von Äbtissin Dorothea Flandera und Schwester Christophora Janssen. Schwester Lydia Stritzl umrahmte die Vernissage virtuos auf der Querflöte.

„In der katholischen Kirche ist die Rolle der Frau begrenzt, aber jede wichtige Geschichte in der Bibel fängt mit einer Frau an“, sagt Susanne Janssen. Das wurde ihr bewusst, als sie im Jahr 2015 für eine Ausstellung im Rahmen des „Festival des Illustrateurs“ in der Kathedrale von Moulins in Frankreich die Idee umsetzte, Frauen aus der Bibel zu malen. Sechs Frauen aus dem Alten und sechs Frauen aus dem Neuen Testament hat sie ausgewählt – zwölf „Apostelinnen“ analog zu den zwölf Jüngern Jesu.

Susanne Janssen hat sich als Malerin und Illustratorin einen Namen gemacht und wurde für ihre Buchillustrationen mehrfach ausgezeichnet. Schon Jahre zuvor hat sich die Katholikin mit der Frage beschäftigt: Wie kann ich künstlerisch tätig sein und meinen Glauben leben, ohne mich selbst zu sehr in den Vordergrund zu stellen? „Ich wollte mich für einige Tage in ein Kloster zurückziehen, um dieser Frage nachzugehen“, erzählt sie. „Als ich mich im Internet auf die Suche machte, stieß ich auf die Künstlerin und Benediktinerin Christophora Janssen in der Abtei St. Hildegard.“ Eine Nonne, eine Künstlerin, ein Kloster – da war alles zusammen, was ihre Neugier weckte. Dass die Benediktinerin denselben Familiennamen trägt wie sie, ist ein Zufall. Auch sind beide Frauen 1965 geboren.

2010 kam Susanne Janssen zu Exerzitien in die Abtei St. Hildegard. „Das hat mir Mut gegeben, künstlerisch weiter zu arbeiten und mir nicht zu viele Gedanken zu machen“, erinnert sie sich. Aus der Begegnung entstand außerdem eine Zusammenarbeit. Beim „Chemin d’Art Sacré“, einer Initiative der katholischen Kirche im Elsass, stellte sie im Jahr 2014 gemeinsam mit Christophora Janssen in Lautenbach/Elsass aus. „Ich habe abstrakte Malerei gezeigt und Schwester Christophora zeigte ihre Skulpturen.“ Die großen Keramikskulpturen mit dem Titel „Verklärung Christi“ haben ansonsten ihren Platz im Freien etwas unterhalb der Abtei St. Hildegard. Auch in der aktuellen Ausstellung mit den „großen Töchtern Gottes“ zeigt Schwester Christophora Keramikskulpturen: Drei Marienfiguren, Jonas und den Fisch, und mittendrin den lebensgroßen Abraham.

Die Bilder von Susanne Janssen erweckten schon bei der Eröffnung der Ausstellung große Aufmerksamkeit. Sie hat den Frauen Gesichter „von heute“ gegeben. Eva, die Wissbegierige streckt ihren Arm zwischen blühenden Pflanzen aus dem Paradies heraus. „Ohne Eva wären wir nicht hier“, sagt Susanne Janssen. Die Bilder, die sie in Öl auf Papier gemalt hat, sind hinter Glas. Bei genauerem Hinschauen fällt auf, dass die Frauenbildnisse in den roten Hintergrund hineingesetzt sind. Jedes Werk ist somit auch eine Collage. „Mich fasziniert diese Technik, Bilder zu zerschneiden und sie anders zusammenzusetzen“, erklärt Schwester Christophora Janssen. Das Bild „Die Frau aus der Apokalypse“, die Johannes in der Offenbarung beschreibt, spricht sie besonders an. „Die Frau hält ein Kind im Arm und scheint sich mit dem anderen Arm gegen etwas zu wehren. Durch die Collage sieht es so aus, als würde sie durch mehrere Schichten hindurchgreifen.“

Powerfrau Maria

Fragen und Anmerkungen zu den Frauenbildern kamen auch von Gästen der Vernissage. Helga Tillmann zum Beispiel hat sich selbst schon intensiv mit den Frauen der Bibel beschäftigt. „Mich verwundert die Darstellung der Maria. Warum ist sie so freizügig angezogen?“, wollte sie von der Künstlerin wissen. „Ich habe versucht, den konzentrierten Moment der Entscheidung festzuhalten“, erläuterte Susanne Janssen. „Das war keine leichte Entscheidung, die sie zu treffen hatte.“ Das Bild trägt den Titel „Maria – Der Mut zum Ja“. Die Kleidung zeigt eine selbstbewusste junge Frau in einer verinnerlichten Haltung. Helga Tillmann vermisste außerdem Esther. „Sie ist doch auch eine starke Frau aus der Bibel.“ Susanne Janssen gab zu, dass ihr noch viele starke Frauen im Alten und Neuen Testament begegnet sind, die sie nicht berücksichtigen konnte, und sie denkt sogar daran, die Reihe der großen Töchter Gottes irgendwann fortzusetzen.

Bei der Arbeit an dem Bilderzyklus habe sie viel gelernt, gesteht sie – und dass die Frauen im Alten Testament und in der Urkirche eine große Rolle spielten, hat sie tief beeindruckt. „Die Urkirche war nicht so männerorientiert wie die Kirche heute. Wenn es doch wenigsten Diakoninnen geben dürfte wie damals, wäre das gut.“ Sie erinnert daran, dass der erste Christ in Europa eine Frau namens Lydia war, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, der sie auch ein Bild gewidmet hat.

Aus dem Alten Testament hat Susanna Janssen außer Eva noch Sara, die Mutter des jüdischen Volkes aufgegriffen, zudem Mirjam, die rebellische Schwester Moses, Judith, die Retterin ihres Volkes und Debora, die große Richterin. Mit dem Bild „Susanna – der Mut zum Nein“ setzt sie den Frauen ein Denkmal, die über Jahrtausende bis heute Sexismus und männlicher Verleumdung und ungerechten Urteilen ausgeliefert sind. Von den Frauen des Neuen Testaments hat die Künstlerin neben Maria, Lydia und der Frau der Apokalypse noch drei weitere Frauen ausgewählt: Marta, die Christus-Bekennerin, Maria Magdalena, die Apostelin der Apostel und die namenlose Frau aus der Salbung.

Aus den zwölf Frauenbildern von Susanne Janssen ist in der Edition Chrismon das Buch entstanden „Die großen Töchter Gottes – Starke Frauen in der Bibel“ mit Texten von Susanne Breit-Keßler. Die evangelische Theologin und Autorin ist Regionalbischöfin für München und Oberbayern, und sie hat einfühlsame und zum Nachdenken anregende Texte zu den zwölf Frauen geschrieben. Erschienen ist es in diesem Jahr bei der Deutschen Bibelgesellschaft als großformatige gebundene Ausgabe mit 80 Seiten. Es kostet 18 Euro und ist im Klosterladen und allgemein im Buchhandel erhältlich.

Susanne Janssen ist 1965 in Aachen geboren, in Mülheim aufgewachsen und hat in Düsseldorf Visuelle Gestaltung studiert. Seit 1993 arbeitet sie als freie Buchillustratorin und Malerin. Sie lebt mit ihren drei Kindern und ihrem Mann, dem Konzertorganisten Thierry Mechler, im Elsass. Neben den zwölf Frauenbildern zeigt Susanne Janssen in Eibingen auch noch übermalte Fotocollagen von Landschaften und einen großformatigen „Engel der Verkündigung“, der aus Papierresten ihrer Collagen entstanden ist. Die Ausstellung geht noch bis zum 23. Dezember. Der Kunstkeller ist geöffnet von mittwochs bis sonntags von 15 bis 17 Uhr.

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