Traditionelles Vereinsfest im Rüdesheimer Yacht-Club

Kümo "Dorotea" verwandelt sich in Party-Landschaft / Ehrengäste würdigen Verleihung der "Blauen Flagge"

Jedes Jahr im Hochsommer steigt auf dem Clubschiff des Rüdesheimer Yacht-Clubs (RYC) ein fröhlich-maritimes Vereinsfest. In diesem Jahr gab es für die Wassersportler einen ganz besonderen Grund zum Feiern, zu dem auch zahlreiche Ehrengäste erschienen waren.

Die "Dorotea", ein umgebautes Küstenmotorschiff (Kümo) aus Hamburg, dient dem Verein seit über 40 Jahren als schwimmendes Clubheim. Der liebevoll gepflegte Frachter bildete am vergangenen Samstag wieder die Bühne für den beliebten Höhepunkt des Vereinsjahres, das Hafenfest.

In diesem Jahr wurde die große maritime Sause mit einem Sektempfang anlässlich der Verleihung der "Blauen Flagge" eingeläutet, zu dem zahlreiche Ehrengäste erschienen waren. Begrüßt wurden die Mitglieder und Gäste durch die erste Vorsitzende Birgit Fluhrer. Sie dankte allen Mitwirkenden für ihren Einsatz und zeigte sich stolz über die Verleihung: "Wir sind ein verantwortungsbewusster und nachhaltiger Verein."

Das sichtbare Zeichen dieser Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) weht nun weit sichtbar am frisch renovierten Mast der 35 Meter langen Dorotea. Bereits vor drei Jahren hatten die Vorbereitungen für die Zertifizierung begonnen und kurz darauf wurde ein Umweltteam gebildet, das Informationen über den aktuellen Stand der Umweltschutzmaßnahmen im Verein zusammentrug, mit dem Kriterienkatalog der DGU abglich, Verbesserungsvorschläge unterbreitete und diverse Maßnahmen umsetzte. "Für uns ist die 'Blaue Flagge' nicht nur ein Symbol, sondern auch eine Verpflichtung, die erreichten Standards dauerhaft zu halten und stetig weiterzuentwickeln", sagte Christian Kurz, der neben Vincent Screene, Harald Gemmer und Axel Hachenberger das Umweltteam bildet. Besonders stolz sei er auf das neue Tankmobil für Dieselkraftstoffe. Weitere Projekte seien bereits in Arbeit, so Kurz.

Stadtverordnetenvorsteher Tobias Zöller, der selbst Mitglied des RYC ist, lobte in seinem Grußwort die Verantwortung, die der Verein für Umwelt- und Naturschutz, für Sicherheit, Qualität und einen nachhaltigen Umgang mit dem Wasser übernimmt. "Als stellvertretender Stadtbrandinspektor sehe ich die Sache allerdings noch aus einem ganz anderen Blickwinkel", so Zöller. "Wenn Betriebsstoffe ausgelaufen sind oder Gefahr bestand, dass Öl oder andere Schadstoffe in den Rhein gelangen, zählt jede Minute." Deshalb sei es aus Sicht der Feuerwehr besonders erfreulich, wenn ein Verein nicht erst handelt, wenn etwas passiert, sondern Vorsorge trifft. "Der Rüdesheimer Yacht-Club hat genau das getan", sagte Zöller. Die "Blaue Flagge" sei für ihn kein Ziel, sondern ein Auftrag, jedes Jahr aufs Neue Verantwortung zu übernehmen.

Uli Rosskopf, zweiter Vorsitzender des Segelclub Rheingau (SCR), der dem RYC seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden ist, würdigte die Zusammenarbeit beider Vereine bei der Ausrichtung von Regatten, beim inklusiven Segeln und beim Ringen um den Erhalt der wassersportlichen Nutzung des Inselrheins. Er beglückwünschte den RYC für die Verleihung der "Blauen Flagge", die auch im SCR seit drei Jahren weht. Als Gastgeschenk überreichte er eine Kühlbox mit blauen Cocktails, die von den Rüdesheimer Wassersportlern begeistert aufgenommen wurde.

Karl-Heinz Menges, Geschäftsführer und zweiter Vizepräsident des Hessischer Landesverband Motorbootsport e.V. (HELM), gratulierte dem RYC, dem mitgliederstärksten Verein im HELM, für die Zertifizierung. "Die 'Blaue Flagge' ist gerade für Vereine, die in gefährdeten Gebieten, wie Natur- und Vogelschutzgebieten ihren Sitz haben, eine wichtige Auszeichnung." Er erinnerte zudem an "die Nacht- und Nebelaktion" vor zwei Jahren, mit der eine rheinland-pfälzische Behörde ein vollständiges Befahrensverbot der Gewässer um die Ilmen- und Fulderaue durchsetzen wollte. Auf federführende Initiative der ersten Vorsitzenden des RYC wurde damals die Interessengemeinschaft Inselrhein ins Leben gerufen, die sich für eine naturverträgliche Nutzung dieser Gewässer durch Wassersportler einsetzt. Dank des Engagements von Birgit Fluhrer und ihrer Mitstreiter aus vielen Vereinen und Verbänden, und mit Unterstützung zahlreicher Akteure aus Politik und Gesellschaft, war es gelungen, eine vollständige Sperrung vorerst abzuwenden. "Daher hat das Präsidium des HELM beschlossen, dass solch eine Leistung mit einer besonderen Ehrung auszuzeichnen ist", so Menges. In Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um den Motorbootsport in Hessen, insbesondere um die weitere Nutzung der Gewässer im Inselrhein, verlieh der Helm Birgit Fluhrer die Verdienstmedaille in Silber. "Ich bin froh, dass wir gehört wurden", sagte Birgit Fluhrer. "Das ist Demokratie für mich, und ich bin total froh, dass ich sagen kann: Unsere Demokratie funktioniert."

Der Landtagsabgeordnete Ingo Schon (CDU), der als Ehrengast das malerische Ambiente auf der "Dorotea" genoss, gratulierte dem RYC zur Zertifizierung. "Die 'Blauen Flagge' ist viel mehr als ein Stück Stoff, gerade angesichts des langen Prozesses, den man durchlaufen hat." Ingo Schon, der auch Stadtverordnetenvorsteher in Eltville ist, würdigte das Engagement des RYC und anderer Wassersportvereine für den Erhalt der Gewässer und der Umwelt. Es sei gut, dass das, was "aus Rheinland-Pfalz über uns hereingekommen ist", nämlich die angestrebte Sperrung der Wasserflächen im Naturschutzgebiet Fulderaue/Ilmenaue, nun aufgearbeitet wird. Schon bedankte sich ausdrücklich bei Birgit Fluhrer und ihren Mitstreitern von der Interessengemeinschaft Inselrhein für ihren Einsatz. "Es war ein sehr sehr hartes Ringen", sagte Ingo Schon. Er habe damals intensiv mit Landrat Sandro Zehner und dem Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch, von denen Schon Grüße überbrachte, auf allen Ebenen gewirkt und die Sportministerin und den Landwirtschafts- und Umweltminister direkt eingebunden. Seine Anerkennung verband Ingo Schon mit dem Angebot, sich erneut für den Wassersport einzusetzen, sollte es bei anderen politischen Mehrheiten erneut zu einem Versuch kommen, diese Gewässerstrecken zu sperren. "Ich bin mit Ihnen gemeinsam der Überzeugung, dass wir diese Strecken brauchen und dass wir den Sport dort auch weiter betreiben müssen." Darüber hinaus versprach er, Informationen über Fördermöglichkeiten für eine Ausbaggerung von Untiefen im Rüdesheimer aber auch im Wallufer Hafen in den zuständigen Ministerien einzuholen. "Diese Region lebt von diesem Fluss, wir leben alle im, am oder von dem Fluss, und wir sollten alles dafür tun, dass dies auch so bleibt", so Schon abschließend.

Nach der Ehrung und den Grußworten startete das Hafenfest des RYC. Das rauschende Fest endete für einige der wetter- und partyerprobten Wassersportler erst in den frühen Morgenstunden.

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