Zwei Richterinnen unterrichteten über deutsche Rechte und Werte

Zwei Richterinnen unterrichteten über deutsche Rechte und Werte
„Fit für den Rechtsstaat“ hieß es bei den Intensivklassen der Hildegardisschule

Annika Schlecht und Lea Bolz arbeiten beide als Richterinnen und unterrichteten die Schülerinnen und Schüler der Intensivklassen über deutsche Rechte und Werte.

Rüdesheim. (ak) – „Wir kommen alle irgendwo her und dort gibt es Spielregeln. Hier in der Schule haben wir die Schulordnung, an die man sich halten muss. Wie Deutschland tickt, das erklären Euch die beiden Richterinnen Lea Bolz und Annika Schlecht“, begrüßte Thomas Nestler, der Schulleiter der Hildegardisschule die Schülerinnen und Schüler der zwei fortgeschrittenen Intensivklassen von Senay Bernhardt und Katja Löffler. Die Kinder sollten hier über Rechte und Werte informiert werden, außerdem sollten Unterschiede zu anderen Kulturen aufgezeigt werden.

 

Die Intensivklassen werden von Schülerinnen und Schülern besucht, die sich noch nicht lange in Deutschland aufhalten und die die deutsche Sprache noch lernen. Um die 15 Schülerinnen und Schüler sind in einer Klasse. Die Kinder und Jugendlichen sind zwischen zehn und 15 Jahren alt und dürfen die Intensivklassen bis zu zwei Jahre besuchen. Sie sollen auf den Regelunterricht vorbereitet werden. Anschließend geht es in den Regelklassen weiter, wobei die Kinder hier erstmal einen Notenschutz bekommen können. Ein Ziel der Schüler ist es, ein deutsches Sprachdiplom zu bekommen und den Haupt- oder Realschulabschluss zu machen.

„Ich finde gut, dass die beiden Richterinnen euch fit für den Rechtsstaat machen, damit wir alle auf Augenhöhe sind. Bitte stellt Fragen, geht in den Dialog“, forderte der Schulleiter seine Schüler auf.

Annika Schlecht ist Richterin am Sozialgericht und Lea Bolz arbeitet als Richterin am Amtsgericht.

„Wir würden euch auch gerne kennenlernen, wissen wie ihr heißt, wie alt ihr seid und wo ihr herkommt“, erklärte Annika Schlecht und die Schülerinnen und Schüler stellten sich vor. Im Durchschnitt sind sie 13 Jahre alt und kommen aus: Iran, Syrien, Türkei, Belgien, Griechenland, Nigeria, Polen, Italien, Afghanistan, Bosnien und Rumänien.

„Viele unterschiedliche Nationalitäten bedeuten auch viele unterschiedliche Rechte“, stellte Annika Schlecht fest.

Dann gingen die beiden Richterinnen auf Deutschland als Mitgliedstaat der Europäischen Union und auf Hessen als eines von 16 Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland ein.

Während das deutsche Strafrecht in ganz Deutschland gilt, macht jedes Bundesland sein Schulrecht selbst.

„Nachdem es in Deutschland früher viel Krieg gegeben hat, schrieb man ein Gesetz, das Grundgesetz und hat darin Regeln festgelegt, die wichtigen Grundrechte“, erklärte Lea Bolz.

Deutschland ist ein demokratischer Rechtsstaat, denn die Parlamente, der Bundestag, die Landtage und die Gemeindevertretungen werden von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt. Die Parlamente erlassen die Gesetze nach den Regeln des Grundgesetztes. Sie wählen die Regierung. Das Zusammenleben in Staat und Gesellschaft richtet sich nach den im Grundgesetz verankerten Grundrechten.

Die wichtigsten Grundrechte sind, dass alle Menschen tun und lassen dürfen was sie wollen, solange sie damit nicht die Würde und Rechte anderer verletzten. Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens und seiner religiösen und politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden.

„Jeder darf selbst entscheiden, ob oder wen er heiratet, auch ob man einen Mann oder eine Frau heiraten will. Es darf von niemandem bestimmt werden“, betonte Annika Schlecht

„Ein Richter darf nicht ausgesucht werden, denn innerhalb der Gerichte wird im Vorhinein festgelegt, welcher Richter einen Fall zu übernehmen hat. Es wäre unzulässig, einen Fall dem zuständigen Richter zu entziehen und einem anderen zu übertragen, weil dieser als besonders streng oder milde gilt“, versicherte die Richterin und ergänzte: „Weder die Regierung noch irgendeine andere Einrichtung oder Person kann einen Richter dazu zwingen, ein Urteil zu fällen, das er nicht richtig findet. Am Ende eines Prozesses wird das Urteil verkündet, das immer mit dem Satz beginnt: „Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil…“. Mit diesem Satz wird ausgedrückt, dass Richter nicht ihre eigene Meinung, sondern nur das verkünden dürfen, was geltende Gesetze vorgeben.“

Für die staatliche Verwaltung, das sind Behörden, Schulen und die Polizei gilt, dass sie keineswegs machen darf was sie will, nur wenn ein Gesetz sie dazu ermächtigt. Sie dürfen auf keinen Fall gegen die Verfassung und Gesetze verstoßen. Auch ist es strengstens verboten, Beamten und Richtern Geld oder Vorteile anzubieten, damit sie im Sinne des Gebers entscheiden.

Insgesamt drei Zeitstunden dauerte die Veranstaltung „Fit für den Rechtsstaat“. In zwei Wochen geht es weiter, dann sind die Anfänger der dritten Intensivklasse an der Reihe.

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