„Liebe war ihr feuerrotes, glühendes Kleid“

Gut besuchte Andacht zum Elisabethentag in Sankt Martin Oberwalluf mit Kirchencafé

Pfarrer Mani präsentierte die Monstranz der Kirche St. Martin Oberwalluf.

In einer gut besuchten Andacht unter dem Motto „Kleider machen Leute“ feierten unter den geltenden Corona-Restriktionen Katholiken am vergangenen Sonntagnachmittag würdevoll den Elisabethentag in der Kirche Sankt Martin Oberwalluf. Auch eine Abordnung der Kolping-Familie Biebrich nahm mit ihrem Banner wie schon seit vielen Jahren teil. Dazu war einmal mehr der Reliquienschrein mit dem Bußgewand der Heiligen geöffnet.

„Wir halten diesen Gottesdienst im Gedenken an eine wunderbare Frau, der Heiligen Elisabeth von Thüringen, deren Verhalten viele mutige Frauen und Männer bis heute prägt“, hieß Pfarrer Mani alle herzlich willkommen. „Auch Menschen aus früheren Jahrhunderten können uns,“ wie er hinzufügte, „durch ihr Verhalten ermutigen, neue Wege zu gehen.“ Selig seien die Menschen, „die sich nicht um sich selbst drehen, sondern in ihrer Zeit heilend wirkten.“

Nach besinnlichen, von Karin Fischer-Baumann vorgetragenen Worten zum Kyrie und der Bitte um Vergebung durch Pfarrer Mani trug Ursula Immesberger aus dem Johannesbrief Worte der Liebe als Worte des lebendigen Gottes vor, denen der Pfarrer Zitate aus dem Matthias Evangelium hinzufügte.

Wie er anschließend betonte, „sind wir, wie alle Geschöpfe, verletzlich“. Deshalb brauche es der Kleider als Schutz und Hülle für den Körper. Dabei sei die erste Bekleidung der Schoß der Mutter. Anschließend werde man in Windeln gewickelt und liebevoll in warme Decken eingepackt.

Nachdem Karin Fischer-Baumann und Ursula Immesberger im Wechsel unter anderem zerrissene Jeans, Alltagskleider und Festroben vor den Altar legten und dazu die passenden Worte sprachen, wies Pfarrer Mani darauf hin, dass Kleider Leute machen.

Dazu nannte er die auffallenden Glitzerkleider von Stars und Sternchen und die Roben von Königinnen mit passenden Hüten in ausgefallenen Formen. Auch Päpste trugen, fügte er hinzu, Hermelinpelze und teuerste Stoffe und glaubten, es stehe ihnen gut.

Ursula Immesberger erinnerte daran, dass Elisabeth von Thüringen als Mädchen mit Samt und Seide aus ihrem fürstlichen ungarischen Elternhaus kommt. In Thüringen soll sie erzogen werden und später den Landgrafen heiraten. Doch beim Besuch der Kapelle der Wartburg ziehe sie die herrschaftlichen Kleider aus und lege die Spitzen, Schleier und den Schmuck ab. Sie spüre vor dem Bild des gekreuzigten Jesu, dass die Zeichen der Macht und des Reichtums nichts wert sind.

Als Elisabeth durch den Bettelmönch Rüdiger vom Leben des Franz von Assisi erfahren habe, dass dieser in einer Art öffentlichem Prozess seine Kleider dem reichen Vater zurückgegeben habe und nackt vor der Bevölkerung „dem nackten Christus folgend“ auf dem Marktplatz stand, sei sie davon nicht nur fasziniert gewesen, sondern habe sich um Kranke und Verletzte gekümmert und Aussätzige gepflegt und ein Spital gegründet. Dabei habe sie andere Kleider im Blick gehabt und wollte nicht als Landesfürstin Eindruck machen, sondern sich mit Güte und Solidarität bekleiden.

Karin Fischer-Baumann wies darauf hin, dass Elisabeth trotz des Armutsideals eine selbstbewusste und temperamentvolle Frau blieb. Nach dem Tod ihres Mannes Ludwig auf dem Weg zum Kreuzzug habe sie ihre fürstlichen Kleider für immer ausgezogen. Fortan sei ihr feuerrotes, glühendes Kleid Liebe zu den Kranken, Armen und Habenichtsen gewesen. Elisabeth habe erkannt, dass die Liebe zu Gott niemals ausgespielt werden dürfe gegen die Liebe zu den Menschen.

„Deus Caritas est – Gott ist die Liebe und ihm dürfen wir vertrauen. Diese Botschaft wollte die Heilige den Menschen ihrer Zeit nahebringen“, lauteten die abschließenden Worte zu den Schilderungen der beiden Vorrednerinnen.

Nach dem gemeinsamen Lobgebet, dem "Vater unser" und dem Gruß an Maria sowie einem Dankgebet trug Ursula Immesberger den „Sonnengesang der Elisabeth von Thüringen“ aus der Feder von Elisabeth Bernet vor.

Der Erlös der Kollekte der Feierstunde soll nach den Worten von Pfarrer Mani an vier Waisenkinder in der Diözese Nellore in Indien übermittelt werden.

Zur Begleitung des Gesangs der Besucher spielte Christa Diederich die Orgel.

Nach der Besichtigung des Bußgewandes der Heiligen folgten viele der „Elisabeth-Christen“ der Einladung zu Kaffee und Kuchen, die gemäß den Coronabeschränkungen ausgeteilt wurden. Als Erinnerung erhielten sie alle eine rote Rose aus dem Fairen Handel.

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