Mehr Dreck und Unrat in der Umwelt

Viele Wallufer sind empört und verärgert über die Vermüllung ihrer Gemeinde

Erschreckendes Ergebnis einer Reinigungsaktion von Barbara und Wolfgang Rossmeissl in der Wallufer Gemarkung: Eine umgeworfene Bank, zwei volle Müllsäcke und jede Menge leere Flaschen.

Die Corona-Pandemie hinterlässt viele Spuren sowohl im Bereich der Gemeinde als auch in der Gemarkung von Walluf. Deutlich wird dies dadurch, dass dort immer mehr Dreck und Unrat in die Umwelt „entsorgt“ wird, obwohl an vielen Stellen Müllbehälter vorhanden sind. Dass viele Wallufer über die Vermüllung ihrer Gemeinde erbost und verärgert sind, wurde unlängst vor allem in den sozialen Medien verdeutlicht. Inzwischen hat sich viel Eigeninitiative gebildet.

„Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass wegen der Restriktionen der Corona-Pandemie für jung und alt gegenwärtig eine schwierige Zeit ist und die Jugend und andere Feiernde nicht wissen, wohin sie zum Feiern gehen sollen und daher in die Natur ausweichen“, zeigen Barbara und Wolfgang Rossmeissl dafür durchaus Verständnis.

Da sie in Walluf und seinen Feldern und Weinbergen oft mit ihrem Hund unterwegs sind und dabei seit vielen Jahren dort weggeworfenen Müll aufsammeln, haben sie kein Verständnis über die zunehmende Rücksichtlosigkeit vieler Zeitgenossen gegenüber ihrer Umwelt, „weil diese ihre Hinterlassenschaften einfach mal so aus Faulheit und Hirnlosigkeit in die Landschaft pfeffern“. Seit der Corona-Pandemie habe diese Rücksichtlosigkeit enorm zugenommen.

„Warum hinterlässt man einen Ort, wie dem Eicheneck, an dem weitverstreut cirka 20 leere Flaschen und diese teilweise noch zertrümmert am Boden liegen ohne ihn aufzuräumen und lässt überall Scherben herumliegen, die für Mensch und Tier eine Gefahr sind“, so ihre Kritik. Es sei nicht nachvollziehbar, dass leere Plastikverpackungen unter anderem von Wurst und Käse „wie Girlanden in den Büschen hängen“. Da könne man nur sagen: „Oh Herr, lass Hirn regnen“.

Ein weiterer „Hotspot“ für Vandalismus befindet sich, wie beide sagen, oberhalb des Hofgutes „Nussberg“. Dort warfen Feiersüchtige die auf Anregung des Verkehrs- und Gewerbevereins Walluf, in dem Barbara Rossmeissl dem Vorstand angehört, von der Gemeinde neu aufgestellte Bank um und ließen auch noch ihren Unrat stehen und liegen. Die nächsten Feiernden, die sich dort niederlassen, kündigten Barbara und Wolfgang Rossmeissl an, „bekommen eine Gebrauchsanweisung darüber, wie man einen Platz ohne Dreck und Unrat hinterlässt.

„Auch hier haben wir“, berichten sie, „bereits zum zweiten Mal den Platz gesäubert, den ganzen Dreck aufgesammelt und in zwei großen Mülltüten zum Bauhof gefahren, weil es uns die Natur wert ist“. Wanderer möchten nicht im Umfeld eines so vermüllten Platzes rasten.

Unter anderem Pizzakartons, Glas- und Plastikflaschen, Autoreifen und Aschereste von Feuern im Bereich des Eichenecks sind die Hinterlassenschaften von dort feiernden Menschen, über die Jagdpächter Gerald Fleschner vom Reiterhof Walluf vor Wut schäumt.

Für ihn sei es erschreckend und unverantwortlich, in unmittelbarer Nähe zum Wald Feuer zu machen, „weil momentan hohe Waldbrandgefahr besteht“. Dass die Vermüllung der Landschaft so stark zugenommen hat, führt er ebenfalls auf die Restriktionen der Corona-Pandemie zu. Den Vandalismus habe er bei der Polizei angezeigt.

„Nicht nur posten, sondern handeln“ ist das Motto von Stephanie Ullrich vom Weingut Klerner Erben gegen die zunehmende Flut der von Feiernden in Walluf zurückgelassenen Hinterlassenschaften. Statt darüber eine große Anzahl von Bildern in den sozialen Netzen einzustellen, „sollten diese besser die Zeit nutzen und mithelfen, den Müll und Unrat zu sammeln und gesorgt zu entsorgen“, so ihre Empfehlung.

Ihr liegt, wie sie betont, ein sauberes und ansprechendes Umfeld rund um den Weinprobierstand am Wallufer Rheinufer besonders am Herzen. Deshalb komme sie regelmäßig dort hin, um die von Besuchern achtlos zurückgelassenen Pappschachteln oder McDonald-Tüten zu entsorgen. Für die Winzer sei es besonders ärgerlich, „dass Leute ihren Wein mitbringen, der alles andere als von Wallufer Weinbaubetrieben stammt und dann auch noch die leeren Flaschen einfach stehen und liegen lassen“.

Auch Bürgermeister Nikolaos Stavridis war an einem der letzten Sonntage wegen der vielen empörten Kommentare in den sozialen Netzen über die Zunahme achtlos entsorgten Mülls in den sozialen Netzwerken zum Rhein gekommen, um sich selbst ein Bild darüber zu machen. Dabei nutzte er die Gelegenheit dazu, um vom Leinpfadplätzchen über die Rheinanlage und das Johannisfeld bis zum Gelände der Ruine der Johanniskirche einiges an Müll und Unrat aufzusammeln. Dabei hatte er Hilfe vom Ersten Beigeordneten Randolf Heß bekommen.

Besonders habe er sich darüber geärgert, dass Müll nicht in nahegelegenen Behältern entsorgt, sondern einfach am Boden liegen gelassen wurde. Dass dessen Menge stark zugenommen habe, vermute er auch an der Zunahme der Inanspruchnahme von Homeoffice und den To-GoVerkauf.

Als Gegenmaßnahmen seitens der Gemeinde werden wir, so der Bürgermeister, „die Entleerungsintervalle der Container im Rahmen des Möglichen verkürzen und zwei weitere Container aufstellen“. Aufstellen werde man auch Hinweisschilder an Wanderparkplätzen. Sehr erfreut sei er darüber, „dass meine Mitarbeiter im Bauhof motiviert sind, eigene Ideen zu diesem Thema zu entwickeln“. Mit Gastronomen sei er bereits über Lösungsmöglichkeiten im Gespräch.

Voll motiviert beim Kampf gegen die zunehmende Vermüllung zeigen sich auch Monique Schmidt-Gläser, Alica und Lara Fröhlich von der AWO-Jugendarbeit Rheingau, die auf dem Skaterplatz im Johannisfeld ihre „DIT IS NE JUTE TASCHE“, gefüllt mit einem Müllbeutel, Handschuhen, einem Soft-Getränk und einem kleinen Geschenk, präsentierten. Ob noch eine Greifzange hinzukomme, sei im Augenblick noch offen.

Ihre Zielsetzung sei es, diese vom Bundesprogramm „Demokratie Leben“ gesponserten „Landschaftsrettungsbeutel“ allen an einer sauberen Umwelt interessierten Bürgern zur Verfügung zu stellen. Die Beutel können samstags und mittwochs in der Zeit von 14.30 bis 19 Uhr je nach Wetterlage am Container auf dem Skaterplatz abgeholt werden. Geplant sei, weitere Verteilerstellen in Walluf, wie beispielsweise in Gaststätten und Läden, einzurichten.

Die Initiative „Clean up to go“ stammt, wie Monique Schmidt-Gläser sagte, von Daniel Klein vom AWO-Jugendzentrum Rüdesheim. „Wir sind nun sehr gespannt“, so die drei ehrenamtlich in der AWO-Jugendarbeit Walluf Engagierten, wie dieses Angebot angenommen wird“. Fragen zu dieser Initiative können an die Mobilnummer 0160 954 687 10 gerichtet werden.

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